Mehr Literatur ins Leben, mehr Leben in die Literatur

 

A.J. Weigonis Roman Abgeschlossenes Sammelgebiet umfasst den abgezirkelten Zeitraum zwischen dem 9. November 1989 und dem 18. März 1990. Dieses ‚Drama Giocoso‘ aus dem neuen „DeutSchland“ spielt in Düsseldorf, der „Hauptstadt der DDR“ sowie den Fluchtpunkten Paris und Rügen. Der Reiz dieser in Bernstein gepackten Zeit besteht darin, dass sich überraschend eine Laborsituation des Politischen eröffnet, in der die Kreativität politischen Handelns herausgefordert wird.

Abgeschlossenes Sammelgebiet, ist der Rock’n’Roll–Roman der Blank Generation, er ist metaphernreich, rhythmusorientiert und arbeitet mit kurzen groovigen Sätzen; gelegentlich spielt die Syntax ein lärmendes Gitarrensolo.

Diese Zeitgeist-Analyse ist allerdings auch ein Roman über einen kulturpolitischen Skandal, und eine Geschichte über Schlüsselreize. Was spielt sich in den Zimmern und den Köpfen der Hauptfiguren Charlotte, Jane und Moritz ab?

Wer fällt wem beim Reigen der Gefühle in die Arme?

Gnadenlos reflektiert Weigoni das Ende des Hedonismus, in dem das Heilversprechen auf erotische Selbstentfaltung in ein gehobenes Konsumentenverhalten umschlug. Diese Geschichte beginnt mit gefühlter Verwirrung und endet in heiterer Melancholie. Genau das entspricht den Affekten der 1989–er Generation in dieser Situation.

Dieser Romancier geht auf Distanz zu den kanonisierten Bildern und rekonstruiert das Zeitgefühl aus dem Geist der Poesie.

 

 

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Abgeschlossenes Sammelgebiet, Roman von A. J. Weigoni, Edition Das Labor, Mülheim 2014 – Limitierte und handsignierte Ausgabe des Buches als Hardcover

Diese Briefmarke erschien zum 20. Jahrestag der DDR, sie wurde entwertet am 40. Jahrestag.

Weiterführend →

Zur historischen Abfolge, eine Einführung. Eine Annäherung von Angelika Janz finden Sie hier. Eine Rezension von Jo Weiß findet sich auf kulturaextra. Beim vordenker entdeckt Constanze Schmidt in diesem Roman einen Dreiklang. Auf Fixpoetry arbeitet Margretha Schnarhelt einen Vergleich zwischen A.J. Weigoni und Haruki Murakami heraus. Eine weitere literaturhistorische Parallele zog die KUNO-Redaktion zu Jahrestage. Einen Essay lesen Sie bei Buecher-Wicki.