WELTSCHÄNDUNG

 

 

Vernichtet nur das eigene Geschlecht,

zerstört, was je durch Menschenfleiß geworden!

Doch welche Mächte gaben euch das Recht,

des Wassers Glanz, der Blume Duft zu morden?

Wenn das Geschützrad Halm und Strauch zerbricht,

seht ihr die Säfte nicht, die sterbend quillen?

Ja, ängstigt euch der Steine Vorwurf nicht,

auf die ihr tretet um des Bösen Willen?

Wißt! jedes Etwas ist gleich euch beseelt,

und jedes Lüftchen hat von Gott sein Leben.

Die Knospe, der ihr das Erblühen stehlt,

verlangt’s von euch zurück. Könnt ihr es geben?

Nicht für die Menschen ward der ewige Hauch,

der göttliche, dem Weltall eingeblasen.

Ihr tötet die Natur. – Schafft ihr sie auch,

dann lasst des Krieges Höllenfeuer rasen!

 

 

 

***

Erich Mühsam (Fotografie aus dem Jahr 1928, kurz vor seinem 50. Geburtstag). Quelle: Bundesarchiv.

Weiterführend → Poesie zählt für KUNO weiterhin zu den identitäts- und identifikationstiftenden Elementen einer Kultur, dies bezeugte auch der Versuch einer poetologischen Positionsbestimmung.

Weitere Informationen über Erich Mühsam finden Sie hier.

Post navigation