HOLZBILDHAUERIN

29. Januar 2012
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Parallel zu meinem Leben als Musikerin arbeite ich seit 10 Jahren als bildende Künstlerin. Nach meiner akademischen Ausbildung habe ich mich entschieden, diesen anderen Weg der Kreativität zu gehen, weil ich das als meine Aufgabe im Leben sehe. Im Gegensatz zur musikalischen Arbeit, die auf Interaktion innerhalb der Gruppe basiert, ist die Arbeit mit Holz eine ultimative Herausforderung für mich ganz allein.

Ich habe das Glück, in meinem Hinterhaus in der Dudenstraße arbeiten zu können. Das Haus war früher die Geburtsstation der städtischen Kliniken, hier wurden Babys geboren, heute sind es meine Skulpturen, die das Licht der Welt erblicken. Es entstehen neben Frauen- und Männertorsi Liegende, Liebende und neben abstrakten Arbeiten auch eigentümliche Urtiere, die alle ihre eigene Geschichte haben. Ich arbeite mit ausgesuchten, lang abgelagerten Hölzern, am liebsten sind mir mein ligurisches Olivenholz, heimische Obsthölzer, Goldregen, Walnuss und Eukalyptus. Wenn ich anfange zu arbeiten, kann ich nur eine grobe Idee als Ausgangsbasis zulassen, durch die Maserung, den Faserverlauf und auftauchende Astlöcher etc. bestimmt das Holz während des gesamten Arbeitsablaufs seine Neuentstehung mit. Ich gehe also eine Kommunikation ein, der Baum ist nicht tot, er will nach wie vor seine Seele und Geschichte mit in der kreativen Phase zum Ausdruck bringen. Ich arbeite von grob nach fein mit Kettensäge, Spezialfräsen, bis hin zu sehr feinem Schleifpapier. Vollendet ist meine Arbeit erst dann, wenn ein harmonisches Ganzes für mich entstanden ist. Ein großes Glücksgefühl bedeutet dann die letzte Phase des Einölens, befreit von all dem Staub wird die Skulptur endlich zum Atmen freigegeben, die neue Lebensphase beginnt. Viele meiner Torsi sind sehr glatt, die Maserung zeigt sich so sehr deutlich und wirkt teilweise wie Äderchen, Fleisch, Haut. Die körperlichen Rundungen lassen sich wunderbar mit der Hand nachfühlen. Obwohl die Skulpturen physisch natürlich oft unvollkommen sind, strahlen sie neben ihrer Empfindsamkeit Kraft aus, sie räkeln sich, sie streben, sie erzählen von Sehnsucht, Glück und Harmonie.

Während meiner Ausstellungen merke ich immer wieder, was das Haptische und die Dreidimensionalität der Skulpturen für eine große Wirkung auf ihre Betrachter haben. Viele Kunden berichten mir, wie zuhause oder im Büro die Skulptur ein Teil ihres täglichen Lebens geworden ist. Sie erfreuen sich jeden Tag an Ihr, vergeben regelmäßige Streicheleinheiten. Wenn Kunst in der Lage sein soll, Kommunikation und Wahrnehmung bei den Menschen zusammenzubringen, so ist das bei mir gegeben. Meine Skulpturen haben somit eine erzieherische Aufgabe. Viele Besucher zeigen sofort eine Verbundenheit zu dem, was die Wesen ausdrücken, sie sind fähig, sich mit ihnen zu identifizieren. Wir Menschen sind nicht vollkommen, wir haben Emotionen, wir haben Makel, wir sind sehnsüchtig, wir wollen gestreichelt werden, wir müssen das zulassen wollen. Der Mensch ist Natur, das Holz ist Natur. Andere Betrachter haben eine große Hemmschwelle, sich mit der Kunst auseinanderzusetzen, das resultiert wahrscheinlich daher, dass sie schon in ihrer Kindheit nie die Möglichkeit hatten, an einem erweiterten Begriff von Kultur teilzunehmen. Andere sagen, “Fass doch mal an! Sieh doch, wie sie sich räkelt!“ In solchen kommunikativen Prozessen entsteht eine Auflockerung, ein Zulassen von künstlerischer Wahrnehmung ,von Kreativität, wunderbar! Wenn Joseph Beuys sagt, dass der Mensch durch die Kunst für sein Leben lernt, durch sie Techniken lernt, um alle Lebenssphären besser gestalten zu können, so befinde ich mich auf dem richtigen Weg: „Kreativität = Volksvermögen = Kapital“

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Im Rückspiegel

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