Aus dem Nachlass

27. August 2015
Von

 Es empfiehlt sich, Gedichte von Günter Grass erst mit den Augen und dann mit dem Schraubenzieher zu lesen. Sie ähneln Ikea-Regalen. Auf dem Papier sieht alles ganz einfach aus, aber wenn man das fertige Werk erst einmal auseinander genommen hat, kriegt man es einfach nicht mehr zusammen.

 Frank Schirmacher

Heute erscheint beim Steidl-Verlag das Buch Vonne Endlichkait, ein Band mit  Texten von Günter Grass in dem er sozusagen seinen eigenen Nachruf „fertiggestellt und durchkonzipiert“ verfaß hat. Es geht um „Eigengeräusche“, Fragen des Alters: „Wie lange noch?“, „Warum überhaupt?“, und um die Saft-, Kraft- und Schlaflosigkeit, den Frust darüber, dass „ihm weder gestrichelte Bilder noch gereihte Wörter von der Hand gingen“. Wir lesen in der Ankündigung des Verlags:

„Allen Zumutungen des Alterns und der »Endlichkait« zum Trotz, plötzlich erscheint erneut fast alles möglich: Liebesbriefe, Selbstgespräche, Eifersuchtsdramen, Schwanengesänge, Gesellschaftssatiren und Augenblicke des Glücks drängen aufs Papier. Plötzlich findet rhythmisierte Kurzprosa ein vielstimmiges Echo in episch wuchernden oder pointiert zugespitzten Gedichten. Plötzlich entstehen sinnenfrohe Doppelstücke, die vom Zeichner ins Bild gesetzt, weitererzählt oder auf den Doppelpunkt gebracht werden.“

Peter Wawerzinek hat für die Welt die letzten Gedichte von Grass „vorausschauend niedergeschrieben“. Ein Fall von metafiktionaler Gedankenübertragung, halb Hommage, halb Parodie. Hier eine Kostprobe:

Letzte Weisheit

Mit Willi Brandt, Amundsen
und Scott habe ich eins gemein:
Wir brachen auf zu den Polen.

 

Further reading →

Lesen Sie auch den Essay Verabschiedung der Gebißträger.

Tags:

Kommentare geschlossen.

Erster Logo-Entwurf für die Edition Das Labor von Peter Meilchen.

In eigener Sache

Das Magazin Kulturnotizen (KUNO) reflektiert entstehende Kunst, Musik und Poesie – mit Online-Archiv. Mehr Informationen.

Das lyrische Gesamtwerk von A.J. Weigoni im "Schuber"

Jedes Buch aus dem „Schuber“ von A.J. Weigoni ist ein Sammlerobjekt. Und jedes Titelbild ein Kunstwerk! KUNO fasst die Stimmen zu dieser verlegerischen Großtat zusammen.

Künstlerbücher

Zum Thema Künstlerbücher finden Sie hier einen Essay sowie einen Artikel von J.C. Albers.

Ohrenzwinkern

Coverphoto: Leonard Billeke

In der Reihe MetaPhon sind Facetten der multimedialen Kunst zugänglich.

Alphabetikon

Vertiefend zu ‚Alphabetikon‘ lesen Sie bitte das Kollegengespräch mit Haimo Hieronymus.

Trans

Twitteratur

Hier ein Essay über die neue Literaturgattung Twitteratur.

Edition Das Labor

Ausführliche Informationen finden sich hier.