Der Tag

 

Ich betrachte den Tag. Die Sonne scheint herein. Der

Wechsel der Schatten legt den Grund. Ein Fenster sind

die Gespräche der Schwalben, die Wege der Bäume ein

anderes. Auf den Wänden liegt Wind. Die Fliegen springen

von Feld zu Feld. Dann beschlägt der Raum. Die Hügel

rücken zurück. Die Zimmer drehen sich, die Blätter

wechseln die Sprache, die Türen verbinden nicht. Die

Schwalben fliegen zu einem anderen Teil des Tags. Mein

Schritt ist klein, zu klein für den Sprung.

 

 

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Empfehlung der Redaktion: Wir entnehmen dieses Gedicht dem Band Das Skelett des Moments von Patrick Beck, erschienen in der Lyrikedition 2000. Der Autor wurde 1975 in Zwickau geboren und lebt nach einem Jurastudium in Leipzig, Speyer und London in Dresden. Er erhielt Aufenthaltsstipendien der Kulturstiftung des Freistaates Sachsen im »Dom Gerharta Hauptmanna« in Jagniątków, Republik Polen, 2009 sowie in der »At Home Gallery«, Šamorín / Somorja, Slowakische Republik, 2013. Er veröffentlichte bisher die Hörspiel-CD »Swantegard« (2008) sowie das Buch »Ich habe ein Haus aus Licht gebaut« (2010), beide im Leipziger Literaturverlag.

Weiterfühend → Poesie zählt für KUNO weiterhin zu den identitäts- und identifikationstiftenden Elementen einer Kultur, dies bezeugte auch der Versuch einer poetologischen Positionsbestimmung.