Pianissimo6

 

Der Ringelrauch einer Zigarette, die

Konturen verschwinden im Zimmer, deine

Wimper zwischen meinen Fingern, liegt

sie oben oder unten? Der Beigeschmack

von etwas starrt uns vom Sofa an

geht man in die Hocke, fressen einen

die Wölfe nicht, so das Gerücht, deine

Riechnase ist schön, gibt was her, ist

kein Gerücht, gib der Erde Futter, draußen

stürzen sonst die Häuser um, die Worte

fluten uns an Inspirationstagen

werden wir fortgespült, stell den

Teekessel auf die Herdplatte, löse

das durchsichtige Korsett vom

türkischen Teeglas, nähere dich

dem Integrationszwang, der Islamphobie

verlerne deine Sprache, be up to date.

 

(Aus dem Gedichtzyklus: Pianissimo)

 

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Foto: Jaques Fleury-Sintès

Safiye Can, Studium der Philosophie, Psychoanalyse und Rechtswissenschaft an der Goethe-Universität in Frankfurt. Nach dem Abschluss Zweitstudium in Germanistik und Kunstgeschichte ebenda. Kuratorin der Zwischenraum-Bibliothek der Heinrich-Böll-Stiftung, Mitarbeiterin der Horst Bingel-Stiftung für Literatur, Leitung von Schreibwerkstätten und Lyrik-Workshops sowie ehrenamtliche Mitarbeiterin bei Amnesty International.

Literarischen Arbeitsgebiete: Lyrik, darunter visuelle/konkrete Poesie, Langgedichte und Prosa sowie Übersetzungen. Safiye Can ist mehrfache Preisträgerin und lebt als freie Autorin und literarische Übersetzerin in Offenbach am Main.