Lyrikportale

18. August 2013
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Für erstklassige Arbeit muss man in einem kapitalistischen System aller Regel nach zahlen. Bei den nachfolgend vorgestellen Portalen ist das anders. Hier finden wir die beste, vollständigste, von Leidenschaft und Enthusiasmus getragene Seiten zum Thema Lyrik im Internet. Diese Portale sind ein zuverlässiger Stein in der Brandung von Stabreimquatsch und 0815-Fansites. Und: diese Portale sind nicht einfach nur da, dahinter stecken Menschen mit Ideen, Qualifikation, Herzblut und wenig finanzieller Unterstützung.

Die Idee zur Online-Datenbank LYRIKwelt stammt von Doris und Hans-Werner Gey. Dieses Porta steht allen offen, die Gedichte, Reime, Verse und / oder Prosa, Essays etc. schreiben und diese im Internet auf unseren Seiten veröffentlichen möchten. Die Inhalte basieren auf öffentlich zugänglichen Quellen und Autorenangaben. Es besteht kein Anspruch auf Vollständigkeit. Diese Sammler verstehen sich als qualifizierte Sammlung, die nach bestem Wissen sortiert und präsentiert wird.

Nicht weniger bemerkenswert ist die Initiative von Julietta Fix. Sie gibt mit fixpoetry heraus, ein Magazin für zeitgenössische Literatur, mit Schwerpunkt Lyrik und Kunst, es erscheint wöchentlich mit aktuellen Beiträgen. fixpoetry publiziert Lyrik und Kurzprosa  von bekannten und noch unbekannten Autoren in digital blätterbaren Autorenbüchern und stellen die Autoren umfassend vor. Zum Teil präsentiert fixpoetry die Gedichte und Prosa auch gesprochen, angelegte, jederzeit erweiterbare podcasts zum Anhören und Herunterladen. Der Poetryletter, der jeden Dienstag erscheint, setzt ein Gedicht in eine illustrierte Szene und ist Bestandteil des Newsletters, der ebenfalls dienstags auf alle aktuellen Beiträge hinweist. Die Abozahl des Newsletters liegt bei Redaktionsschluß von KUNO bei ca. 5000 Lesern. Künstler, auf deren Werke fixpoetry im Projekt Poetryletter zurückgreifen, findet man im Salon, der einige der Werke der Künstler vorstellt und auf die aktuellen websiten der Kunstschaffenden verweist. Das ambitionierte Feuilleton ist in drei Rubriken unterteilt: Rezensionen, Interviews und Essays und FIXative und wird ausschließlich mit Beiträgen freier Autoren gefüllt. Redaktionschef des Feuilletons ist Frank Milautzcki. Beiträge über Neuerscheinungen, aber auch vergessene Bücher in den Rezensionen, Essays zu verschiedenen Themen und FIXative, ein Kunstwort, hinter dem sich die Interpretation einzelner Gedichte verbirgt.

Die Bewahrung der Poesie gewinnt in genau dem Moment einen historischen Sinn, in dem das Tragische seines Lebens und das der Geschichte miteinander verschmelzen. Dies ist nicht zuletzt nachzuvollziehen bei der täglich von Michael Gratz in unermeßlichem Sammlerfleiß edierten Lyrikzeitung, die den umfassendsten Überblick über das lyrische Geschehen gibt. Gratz’ Führung durchs Labyrinth der lyrischen Welt ist bewundernswert, und es fehlt dabei auch nicht an Hinweisen auf den intellektuellen Kontext, in dem sich das Leben, Denken und Dichten abspielt.

Die fragilste der literarischen Formen gilt gemeinhin als deren teuerste, und dies im doppelten Sinn: Die Randständigkeit der Lyrik abseits des ökonomischen Gewinns steht in direkter Proportion zu der hohen symbolischen Wertschätzung, mit welcher man sie bedenkt. Lyrik scheint ein Gut zu sein, das zugleich sein eigener Marktpromoter ist. Wenn es gutgeht, schafft sich Lyrik eine Gesellschaft, die bereit ist, sie am Leben zu erhalten.

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Im Rückspiegel

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