Die Metaphysik der Gedichte

 

Der Sprung durch den Teich. Die Metaphysik der Gedichte ist ein 136-Seiten-Gedichtbuch, kein dünnes Bändchen (wie die vorausgegangenen sechs Lyrikbände Gröhlers). Es ist Gröhlers 16. Buch. Der Maler und Beuysschüler Prof. Peter Angermann hat sich in einer Titelblattzeichnung den Sprung durch den Teich auf eine witzig-fahrige Weise vorgestellt.

Dieser Lyriker schreibt über Umbruchzeiten. Über Beunruhigungen; solche von anderen Personen seiner Umgebung und solche von sich. Über Zäsuren. Dieser Autor sieht: hier in Europa, oder auch in N.Y., steht so ziemlich jeder zweite unter großem inneren Druck. Und Gröhlers Gedichte, die sind dann nicht immer brav monothematisch; sondern manchmal polythematisch. Motive können sich überschneiden, Aussagen können sich überlagern. Gröhler sagt auch von seinen Gedichten: sie sind etwas, das allen Systemen – die so ein Gedicht einfangen möchten – Widerstand leistet. Widerstand, sagt er, leisten seine Gedichte sogar ihm, Gröhler, selber gegenüber. Und manchmal entwickeln seine Gedichte zentrifugale Kräfte.

Immer wieder finden sich in dem neuen Buch Gedichte, in denen Kinder eine Rolle spielen, oder Gedichte, die einen teils kindlichen Ton haben, ohne dass es Kindergedichte sind. Daraufhin angesprochen, sagt Grögrö, „ich habe gemerkt, der Kosmos der Kinder ist hochpoetisch, und zwar inhaltlich wie sprachlich. Beides törnt mich an; dabei streite ich als Erwachsener meine (mir allmählich deutlich werdende) Welt doch nicht komplett ab“. Gröhler weicht auch nirgends in Symbolik aus; er meint das, was er schreibt. Es ist leicht zu erkennen, dass hier ein Autor die Visionen seiner Kindheit oder Jugend zusammenzuzwingen versucht mit der Nüchternheit und den Zuständen des Erwachsenendaseins.

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Der Sprung durch den Teich, Gedichte von Harald Gröhler, Pop-Verlag 2015

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