Ein kosmisches Manifest

 

Das Album „Flying Teapot“ verwischt die Grenzen zwischen absurdem Theater, virtuosem Jazz-Fusion und psychedelischem Space-Rock. Es markiert den Beginn der einflussreichen Radio Gnome Invisible-Trilogie und ist untrennbar mit der Canterbury-Szene verwoben – einer Bewegung, die weniger durch Geografie als durch eine gemeinsame spielerische Haltung und musikalische Experimentierfreude definiert wird.

Obwohl Gong oft in Frankreich ansässig war, ist die Band durch ihren Gründer Daevid Allen tief in der Canterbury-Szene verwurzelt. Allen war Gründungsmitglied von Soft Machine, einer der Keimzellen der Szene, bevor ihn Visumsprobleme ins Exil zwangen. „Flying Teapot“ vereint Schlüsselfiguren der Szene. Neben Allen prägte der Gitarrist Steve Hillage (zuvor bei Khan und Kevin Ayers) den Sound entscheidend mit. Auch Musiker wie der Schlagzeuger Pip Pyle und Saxophonist Didier Malherbe schufen Brücken zu anderen Canterbury-Größen wie Caravan oder Hatfield and the North. Die Canterbury-Szene wird oft als „State of Mind“ beschrieben. Gong verkörpert deren typische Mischung aus komplexen Jazz-Strukturen und einem skurrilen, britischen Humor, der an Monty Python oder die Goons erinnert.

Das Album etabliert die Mythologie des Planeten Gong, bevölkert von „Pot Head Pixies“ und „Octave Doctors“. Musikalisch manifestiert sich dies in klanglicher Innovation: Gilli Smyths „Space Whispers“ und Allens „Glissando-Gitarre“ schufen eine ätherische Atmosphäre, die weit über konventionellen Rock hinausging. In einem absurden Stilmix wechselt das Album nahtlos zwischen meditativen Drones, funkigen Bass-Riffs und jazzigen Saxophon-Soli. Es bietet die „Erlaubnis“, gleichzeitig ernsthaft virtuos und völlig albern zu sein.

 „Flying Teapot“ ist das ultimative Beispiel für die „mischievous imaginary“ – die verschmitzte Vorstellungskraft – der Canterbury-Szene. Es beweist, dass progressive Musik keine akademische Schwere benötigt, um intellektuell fordernd zu sein. Durch die Verbindung von kosmischer Philosophie und erdigem Jazz-Rock bleibt Gong die „frechste“ und vielleicht visionärste Band dieses einzigartigen musikalischen Netzwerks.

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Flying Teapot von Gong, 1973.

Als eine der ersten Veröffentlichungen auf Richard Bransons Virgin Records (Katalognummer V2002, zeitgleich mit Mike Oldfields Tubular Bells) verhalf „Flying Teapot“ dem Label und der gesamten Szene zu internationaler Bekanntheit.

Weiterführend Unlängst würdigte KUNO den Canterbury Sound.