Kontrollierter Krach als Gegenentwurf zur Kakophonie des Alltags.
Als sich die britische Rockband UFO im Jahr 1969 in London formierte, deutete noch wenig darauf hin, dass sie später zu den einflussreichsten Wegbereitern des Hard Rock und Heavy Metal gehören würde. Bevor die Band mit dem deutschen Ausnahmegitarristen Michael Schenker weltweite Erfolge feierte, legte sie in ihrer Anfangsphase das Fundament für ihre Karriere. Diese frühe Ära, die untrennbar mit dem Plattenlabel Decca Records und dessen Sublabel Nova verbunden ist, wird in der Musikgeschichte als die „Decca-Jahre“ (1970–1972) bezeichnet. Ein Blick auf diese Epoche offenbart eine Band im kreativen Übergang, gefangen zwischen kosmischen Klangexperimenten und der Suche nach ihrer eigenen musikalischen Identität.
Die Decca-Jahre umfassen im Kern die ersten beiden Studioalben UFO 1 (1970) und UFO 2: Flying (1971) sowie das im Japan-Urlaub mitgeschnittene Live-Album Live (1972). Besetzt mit Phil Mogg (Gesang), Mick Bolton (Gitarre), Pete Way (Bass) und Andy Parker (Schlagzeug), präsentierte sich die Band auf diesen Aufnahmen in einem völlig anderen Gewand als in ihrer späteren Phase. Anstelle von durchstrukturierten, rifforientierten Hard-Rock-Hymnen dominierte hier ein roher, psychedelischer Sound, den Kritiker und Fans als Space Rock oder Blues-basierten Garage Rock einstufen.
Das Debütalbum UFO 1 zeigt eine ungestüme Band, die stark vom Bluesrock inspiriert war, diesen aber mit einer dichten, beinahe hypnotischen Atmosphäre anreicherte. Stücke wie die Coverversion von Eddie Cochrans „C’mon Everybody“ oder das treibende „Rock Rocket“ versprühten eine physische Energie, die sich deutlich vom polierten Pop jener Tage abhob. Der große Durchbruch gelang der Band mit diesem Sound in ihrer Heimat Großbritannien zwar nicht, doch in Deutschland und Japan trafen UFO einen Nerv. Der rohe, ungeschliffene Sound korrespondierte perfekt mit der dort aufkeimenden Krautrock-Szene und der Sehnsucht nach musikalischer Grenzüberschreitung.
Mit dem Nachfolger UFO 2: Flying (Untertitel: One Hour Space Rock) trieb die Formation dieses Konzept auf die Spitze. Das Album wird dominiert von überlangen, improvisationslastigen Epen. Das Titelstück „Flying“ und der Track „Star Storm“ nehmen fast die gesamte Spielzeit ein und sind geprägt von Mick Boltons echo-geladenen, sphärischen Gitarrensoli. Hier wurde der Bandname zum Programm: UFO klangen wie eine Reise durch das unbekannte Universum. Es war schwere, repetitive Musik, die weniger für das Radio als für die verrauchten Underground-Clubs der frühen Siebzigerjahre geschaffen war.
Trotz des Kultstatus, den diese Alben im Ausland genossen – dokumentiert durch das energetische Live-Album aus Tokio –, stießen die Decca-Jahre bald an ihre kreativen Grenzen. Der repetitive Space Rock bot wenig Raum für songschreiberische Weiterentwicklung, und die Limitationen im melodischen Bereich wurden offensichtlich. Der Wendepunkt folgte 1972 mit dem Ausstieg von Gitarrist Mick Bolton.
Exzellent aufbereitet wurden diese frühen Meilensteine Jahre später durch Veröffentlichungen wie die Box-Sets unter dem Titel The Decca Years. Diese Retrospektiven machen deutlich, dass die Decca-Ära keineswegs nur eine unbedeutende Vorgeschichte war. Die Decca-Jahre bleiben somit ein faszinierendes Dokument einer Zeit, in der Rockmusik noch keine festen Regeln.
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The Decca-Years, UFO. Remastered auf CD 1993
Weiterführend → Rhythm & Blues lebt davon, dass die Ambivalenz bewahrt wird. Die Cowboy Junkies nahmen Blues, Country, Folk, Rock und Jazz und verlangsamten es stark und schufen dabei etwas Neues. Wir betrachten die Geburtshelfer der Americana. Des Weiteren eine Betrachtung des tiefgründigen Folk-Songs: Both Sides Now. Wahrscheinlich hat selten ein Musiker die Atmosphäre einer Stadt so akkurat heraufbeschworen wie Dr. John. Die Delta-Blues-Progression des Captain Beefheart muss dahinter nicht zurückstehen, eine gute Einstimmung für sein Meisterwerk Trout Mask Replica. Wir lauschen der ungekrönten Königin des weißen Bluesrock. Und dem letzten Werk der Doors. Unterdessen begibt sich Eric Burdon auf die Spuren vom Memphis Slim. In der Reihe mit großen Blues-Alben hören wir den irischen Melancholiker. Lauschen dem Turning Point, von John Mayall. Vergleichen wir ihn mit den Swordfishtrombones, von Tom Waits und den Circus Songs von den Tiger Lillies. Und stellen die Frage: Ist David Gilmour ein verkappter Blueser?