{"id":99746,"date":"2022-04-15T00:01:34","date_gmt":"2022-04-14T22:01:34","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=99746"},"modified":"2022-04-10T13:33:08","modified_gmt":"2022-04-10T11:33:08","slug":"von-der-physiognomie","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2022\/04\/15\/von-der-physiognomie\/","title":{"rendered":"Von der Physiognomie"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">Vorbemerkung der Redaktion:<\/span> In seinem Essai \u201eVon der Physiognomie\u201c schildert Michel de Montaigne seine Erfahrungen mit der Pest. Gemeinsam mit KUNO hat er den doppelten Blick auf die Seuche: den medizinischen und den sowohl moralistischen wie moralischen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Fast alle unsere Meinungen haben wir auf Autorit\u00e4t und guten Glauben angenommen. Dabei ist kein \u00dcbel. In unserm schwachen Jahrhunderte k\u00f6nnen wir keine schlechtere Wahl treffen, als wenn wir solche durch uns selbst bestimmen. Den Abdruck der Reden des Sokrates, welchen uns seine Freunde hinterlassen haben, billigen wir blo\u00df aus Ehrfurcht gegen den allgemeinen Beifall. Wir wissen nur darum, aber wir bedienen uns derselben nicht. Wenn etwas dieser Art heutzutage ans Licht k\u00e4me, so w\u00fcrden sich wenige Menschen finden, die solches mit ihrem Beifall beehrten. Wir achten nichts f\u00fcr Anmut, was nicht k\u00fcnstlich zugespitzt, aufgeschwollen und aufgedunsen ist. Was unter nat\u00fcrlicher Einfalt und Sch\u00f6nheit dahinschl\u00fcpft, entwischt zu leicht einem so groben Gesicht wie das unsrige. Die Grazien haben eine zarte, verborgene Sch\u00f6nheit; es bedarf eines reinen, hellen Gesichtes, um ihren geheimen Strahl zu entdecken. Ihre nat\u00fcrliche Unbefangenheit gilt unsern Begriffen f\u00fcr eine Schwester der Plumpheit, f\u00fcr eine tadelnsw\u00fcrdige Eigenschaft. Sokrates bewegt seine Seele nach einer nat\u00fcrlichen, ungek\u00fcnstelten Bewegung. Wie er, w\u00fcrde ein Bauer sprechen, ein Weib. Er f\u00fchrt nichts im Munde als Kutscher, Tischler, Schuhflicker und Maurer. Es sind Erfahrungss\u00e4tze, Gleichnisse, die er aus ganz gemeinen und bekannten Handlungen der Menschen abzieht. Jedermann versteht sie. Wir h\u00e4tten niemals unter so allt\u00e4glicher Gestalt die Erhabenheit und den Glanz seiner bewunderungsw\u00fcrdigen Begriffe gelegt; da wir alles f\u00fcr platt und gemein halten, was die Gelehrsamkeit nicht erhebt, da wir nichts f\u00fcr erhaben annehmen, was nicht in pr\u00e4chtiger Gestalt erscheint. Unsere Welt ist nur f\u00fcr das <em>Aufgeschaut!<\/em> gemacht. Unsere Menschen sind nur vom Winde angef\u00fcllt und werden nur wie Windb\u00e4lle durch St\u00f6\u00dfe in die H\u00f6he getrieben. Sokrates h\u00e4lt sich nicht bei eiteln Tr\u00e4umereien auf. Sein Zweck war, uns Lehren und Vorschriften zu geben, welche dem Leben wesentlich und im Zusammenhange Dienste leisten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Servare modum, finemque tenere,<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Naturamque sequi.<a href=\"http:\/\/www.zeno.org\/Literatur\/M\/Montaigne,+Michel+de\/Essays\/Essays+(Auswahl)\/Von+der+Physiognomie#F876\"><sup>1<\/sup><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auch war er best\u00e4ndig ein und derselbe Mann und stimmte sich nicht sprungweise zum h\u00f6chsten Punkt der Kraft, sondern war so von Hause aus; oder um besser zu sagen, stimmte sich nie in die H\u00f6he, sondern zog alles auf seine urspr\u00fcngliche und nat\u00fcrliche Stimmung herab und unterwarf sich jeder Schwierigkeit und jeder H\u00f6he. Beim Cato hingegen sieht man klar, da\u00df es ein \u00fcber alle gew\u00f6hnliche Weise angespannter Gang ist. Bei den wackern Taten seines Lebens und bei seinem Tode erblickt man ihn immer auf dem gro\u00dfen Pferd. Sokrates aber bleibt immer an der Erde. Mit gleichem sanften und gew\u00f6hnlichen Schritt behandelt er die wichtigsten Gegenst\u00e4nde der Philosophie und betr\u00e4gt sich im Tode und in den st\u00e4rksten Widerw\u00e4rtigen des Lebens mit gleicher Fassung.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es ist mit Recht geschehen, da\u00df der Mann, welcher am w\u00fcrdigsten war, bekannt zu sein und der Welt zum Beispiel dargestellt zu werden, derjenige ist, von welchem wir die zuverl\u00e4ssigste Nachricht haben. Er ward von den hellsehendsten Menschen, die jemals waren, beleuchtet. Die Zeugnisse, welche wir von ihm haben, sind vortrefflich, sowohl in Ansehung der Treue als der Eigent\u00fcmlichkeit. Es ist eine eigene Sache, da\u00df er der Einbildung eines Kindes diese Wendung hat geben k\u00f6nnen, da\u00df solche, ohne sie zu verr\u00fccken oder zu spannen, zu den herrlichsten Wirkungen der Seele hinleiten. Er stellt solche weder erhaben noch von au\u00dferordentlichen Kr\u00e4ften dar; er l\u00e4\u00dft solche nicht anders sehen als gesund, aber freilich von einer kr\u00e4ftigen und ungeschw\u00e4chten Gesundheit. Durch solche gemeinen und nat\u00fcrlichen Triebfedern wu\u00dfte er, ohne gro\u00dfe Anstrengung und sichtbare Bem\u00fchungen, nicht nur die nat\u00fcrlichsten, sondern selbst die erhabensten und richtigsten Begriffe hervorzulocken und die reinsten und vortrefflichsten Handlungen und Sitten, welche man jemals gekannt hat, hervorzuziehen. Er war es, welcher die menschliche Weisheit, welche im Himmel nichts zu tun hatte, wieder auf die Erde zur\u00fcckf\u00fchrte und den Menschen wiedergab, bei welchen ihr wahrstes und m\u00fchsamstes Streben seinen Platz hat. Man sehe nur, wie Sokrates sich vor seinen Richtern verteidigt, sehe, durch welche Gr\u00fcnde er seinen Mut gegen die Wagnisse des Krieges ermuntert; mit was f\u00fcr Gr\u00fcnden er seine Geduld gegen Verleumdung, Tyrannei, Tod und selbst gegen seine z\u00e4nkische Xantippe zu st\u00e4rken wei\u00df. Nichts ist dabei von der Kunst oder Gelehrsamkeit entlehnt. Die einf\u00e4ltigsten Menschen erkennen darin ihre Mittel und ihre Kr\u00e4fte. Es ist nicht m\u00f6glich, da\u00df man weiter zur\u00fcckgehen oder tiefer heruntersteigen k\u00f6nne. Er hat der menschlichen Natur dadurch viel Ehre erwiesen, da\u00df er gezeigt, zu wie vielem sie durch sich allein f\u00e4hig sei.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wir sind alle viel weniger, als wir glauben; aber man gew\u00f6hnt uns, von Borg und Betteln zu leben; man verw\u00f6hnt uns, uns mehr durch andere helfen zu lassen, als selbst zu helfen. Fast kein Mensch versteht, beim nahen Ziel seiner Bed\u00fcrfnisse stillezustehn. Bei Wollust, Reichtum und Macht sackt er immer mehr auf, als er mit seinen Kr\u00e4ften tragen kann. Seine Gierigkeit ist keiner M\u00e4\u00dfigung f\u00e4hig. Bei der Wi\u00dfbegierde finde ich es ebenso. Man setzt sich weit mehr Arbeit vor, als man auszurichten vermag und n\u00f6tig h\u00e4tte, indem man den Genu\u00df des Wissens so weit ausdehnt, als dessen Stoff reicht: Ut omnium rerum, sic litterarum quoque, intemperantia laboramus.<a href=\"http:\/\/www.zeno.org\/Literatur\/M\/Montaigne,+Michel+de\/Essays\/Essays+(Auswahl)\/Von+der+Physiognomie#F877\"><sup>2<\/sup><\/a> Und Tacitus hat recht, die Mutter des Agricola dar\u00fcber zu preisen, da\u00df sie die zu heftige Wi\u00dfbegierde ihres Sohnes gez\u00fcgelt habe.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wenn man das Wissen mit geradem Blick betrachtet, so ist es ein Vorzug, welcher, wie alle Vorz\u00fcge der Menschen, viel Eitelkeit und viel nat\u00fcrliche und eigent\u00fcmliche Schwachheit bei sich f\u00fchrt und teuer zu stehen kommt. Sein Einkauf ist viel gewagter als der Einkauf jeder andern Speise oder jedes andern Getr\u00e4nks. Denn wenn wir anderw\u00e4rts etwas eingekauft haben, so bringen wir es in irgendeinem Gef\u00e4\u00df nach Hause, und da haben wir das Recht, seinen Wert zu untersuchen, wieviel und zu welcher Stunde wir davon Gebrauch machen wollen. Aber vom Wissen k\u00f6nnen wir von Stund an nichts in ein ander Gef\u00e4\u00df legen als in unsere Seele; wir verschlingen es in dem Augenblick, wo wir es kaufen; und gehen entweder gen\u00e4hrt oder vergiftet nach Hause. Es gibt darunter einiges, welches nichts weiter tut, als uns den Magen zu \u00fcberladen, anstatt uns gesunde Nahrung zu geben, und anderes, welches anstatt Heilmittel zu sein, uns vergiftet. Ich habe meine Lust daran gehabt, an einigen Orten Menschen zu sehen, welche aus Andacht an gewissen Orten das Gel\u00fcbde der Unwissenheit taten, wie man das Gel\u00fcbde der Keuschheit, Armut und Bu\u00dfe ablegte. Es ist auch gewisserma\u00dfen ein Art, unsere unordentlichen Begierden zu kastrieren, wenn man uns dieses Gieren, das uns zum Lesen der B\u00fccher anspornt, legt, und der Seele dieses behagliche Gel\u00fcsten benimmt, welches sie wegen ihrer hohen Meinung von den Wissenschaften kitzelt; und es hei\u00dft, das Gel\u00fcbde der Armut aufs kr\u00e4ftigste erf\u00fcllen, wenn man auch die Armut des Geistes darunter versteht. Wir brauchen wenig Gelehrsamkeit, um ganz gem\u00e4chlich zu leben. Und Sokrates lehrt uns solche in uns selbst aufsuchen und uns derselben bedienen. All unser Wissen, welches \u00fcber die Natur hinausgeht, ist ziemlicherma\u00dfen unn\u00fctz und \u00fcberfl\u00fcssig, und es ist schon viel, wenn es uns nicht verwirrt und mehr l\u00e4stig ist, als es dient. Paucis opus est litteris ad mentem bonam.<a href=\"http:\/\/www.zeno.org\/Literatur\/M\/Montaigne,+Michel+de\/Essays\/Essays+(Auswahl)\/Von+der+Physiognomie#F878\"><sup>3<\/sup><\/a> Es sind Fieberanwallungen unseres Geistes und nichtstaugende Pfuschwerkzeuge. Fa\u00dft euch nur recht, ihr werdet in euch selbst die nat\u00fcrlichen Trostgr\u00fcnde gegen den Tod finden, welche wahr und am geeignetsten sind, euch ihrer zu bedienen, sobald die Not eintritt. Es sind ebendie Gr\u00fcnde, welche einen Landmann, ja ganze V\u00f6lker ebenso standhaft sterben lassen als einen Philosophen. W\u00e4re ich weniger gelassen gestorben, bevor ich die tuskulanischen Unterredungen des Cicero gelesen h\u00e4tte? Ich meine, nein! Und, wenn ich ein wenig in mich zur\u00fcckgehe, so finde ich, da\u00df meine Sprache reicher geworden ist, aber mein Herz nicht st\u00e4rker. Dies ist noch ebenso, wie mir es die Natur gegeben hat. Es m\u00f6chte sich in diesem Kampf gern mit einem sichern Schild decken und findet doch keinen bessern, als den jedermann besitzt. Die B\u00fccher haben mir nicht sowohl zur Belehrung als zur \u00dcbung gedient. Wie, wenn die Wissenschaft, indem sie uns mit neuen Schutzwaffen gegen die nat\u00fcrlichen Widerw\u00e4rtigkeiten zu schirmen sucht, dadurch ihre Bilder gr\u00f6\u00dfer und f\u00fcrchterlicher machte als die Gr\u00fcnde und Spitzfindigkeiten, welche sie denselben entgegensetzt? Es sind wahrhaftig Spitzfindigkeiten, wodurch sie uns zuweilen ganz unn\u00fctzerweise aufschreckt. Die weisesten und behutsamsten Schriftsteller lassen hier und da einen wahren Grund zur Tr\u00f6stung und St\u00e4rkung fallen; aber mit vollen H\u00e4nden s\u00e4en sie eine Menge anderer aus, welche sehr leicht und, in der N\u00e4he besehen, v\u00f6llig taub sind. Es sind Silbenstechereien, die uns hintergehen. Aber weil sie doch einigen Nutzen haben k\u00f6nnen, so will ich sie hier nicht weiter aufdecken. Es gibt hienieden der Dinge von dieser Beschaffenheit genug, und an manchem Orte entweder erborgte oder nachgeahmte. Dennoch mu\u00df man ein wenig auf seiner Hut sein, da\u00df man nicht stark nenne, was blo\u00df Gewandtheit, nicht dicht, was nur zugespitzt, oder gut, was blo\u00df sch\u00f6n ist: Quae magis gustata, quam potata, delectant.<a href=\"http:\/\/www.zeno.org\/Literatur\/M\/Montaigne,+Michel+de\/Essays\/Essays+(Auswahl)\/Von+der+Physiognomie#F879\"><sup>4<\/sup><\/a> Nicht alles ist nahrhaft, was wohlschmeckt: Ubi non ingenii, sed animi negotium agitur.<a href=\"http:\/\/www.zeno.org\/Literatur\/M\/Montaigne,+Michel+de\/Essays\/Essays+(Auswahl)\/Von+der+Physiognomie#F880\"><sup>5<\/sup><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wenn ich die M\u00fche betrachte, welche Seneca sich gibt, um sich auf den Tod vorzubereiten, seinen sauern Schwei\u00df um sich zu steifen und sich so lange an dieser schmalen Stange festzuklammern und sich zu wehren, so h\u00e4tte ich seinen Ruhm angegriffen, wenn er es im Sterben nicht wacker ausgefochten h\u00e4tte. Seine flammende, so oft wiederkehrende Unruhe zeigt, da\u00df er selbst hitzig und heftig war. Magnus animus remissius loquitur, et securius &#8230; Non est alius ingenio, alius animo color.<a href=\"http:\/\/www.zeno.org\/Literatur\/M\/Montaigne,+Michel+de\/Essays\/Essays+(Auswahl)\/Von+der+Physiognomie#F881\"><sup>6<\/sup><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sein Sieg kostet ihm und zeigt einigerma\u00dfen, da\u00df ihm sein Gegner viel zu schaffen machte. Die Art und Weise des Plutarch ist nach meiner Meinung m\u00e4nnlicher und \u00fcberzeugender, weil sie gelassener und ruhiger ist. Ich m\u00f6chte fast daf\u00fcr halten, da\u00df seine Seele eine festere und gesetztere Art sich zu bewegen gehabt habe. Der erste ist sch\u00e4rfer, stachelt und weckt uns pl\u00f6tzlich aus dem Schlaf und wirkt mehr auf den Geist. Der andere ist gesetzter, belehrt, befestigt und st\u00e4rkt uns ohne Unterla\u00df und wirkt mehr auf den Verstand. Jener entrei\u00dft unsern Beifall, dieser erwirbt sich solchen. Ebenso habe ich auch andere Schriften gesehen, die in noch h\u00f6herer Achtung stehen, welche in der Schilderung, die sie uns von dem Kampf geben, den sie gegen den Pfahl im Fleisch f\u00fchren, solchen so heftig, stark und un\u00fcberwindlich darstellen, da\u00df wir, die wir nur zum Haufen des Volks geh\u00f6ren, ebensoviel an der unbekannten Heftigkeit ihrer Versuchungen zu bewundern haben als an ihrem Widerstand.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Was wollen wir denn damit, da\u00df wir Hilfe und Beistand in den Kr\u00e4ften der Wissenschaften suchen. La\u00dft uns unsern Blick auf die Erde werfen. Auf die armen Menschen, welche wir darauf vorbereitet sehen, den Kopf niedergesenkt nach ihrem Bed\u00fcrfnis, welche weder etwas vom Aristoteles noch Cato, weder von Beispielen noch von Vorschriften wissen. Aus diesen zieht die Natur t\u00e4glich Wirkungen der Best\u00e4ndigkeit und der Geduld, welche reiner sind und kr\u00e4ftiger als diejenigen, welche wir so emsig in den Schulen der Philosophen studieren. Wie viele sehe ich gew\u00f6hnlich unter ihnen, welche die Armut verkennen? Wie viele, welche sich den Tod w\u00fcnschen oder solchen ohne Schrecken und Traurigkeit hinnehmen? Der Mann, welcher meinen Garten umgr\u00e4bt, hat diesen Morgen seinen Vater oder seinen Sohn begraben. Die Namen selbst, womit sie die Krankheiten belegen, mildern und mindern ihre Bitterkeit. Die Lungensucht hei\u00dft bei ihnen Husten, die Ruhr Durchfall, das Seitenstechen Erk\u00e4ltung; und so sanft der Name ist, womit sie solche benennen, so sanftm\u00fctig erdulden sie solche. Ihre Krankheiten m\u00fcssen sehr schwer sein, wenn sie ihre gew\u00f6hnlichen Arbeiten unterbrechen sollen. Sie werden nicht eher bettl\u00e4gerig, als um zu sterben: Simplex illa et aperta virtus in obscuram et solertem scientiam versa est.<a href=\"http:\/\/www.zeno.org\/Literatur\/M\/Montaigne,+Michel+de\/Essays\/Essays+(Auswahl)\/Von+der+Physiognomie#F882\"><sup>7<\/sup><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich schrieb dieses um die Zeit, als eine schwere Last unserer Unruhen mir verschiedene Monate lang senkrecht auf dem Halse lag. Von der einen Seite hatte ich die Feinde vor meiner T\u00fcr, von der andern Seite eine Menge Tro\u00dfbuben, welches die \u00e4rgsten Feinde sind: Non armis, sed vitiis certatur<a href=\"http:\/\/www.zeno.org\/Literatur\/M\/Montaigne,+Michel+de\/Essays\/Essays+(Auswahl)\/Von+der+Physiognomie#F883\"><sup>8<\/sup><\/a>, und hatte demnach alle Arten von Kriegslasten zu tragen:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Hostis adest dextra laevaque a parte timendus,<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Vicinoque malo terret utrumque latus.<a href=\"http:\/\/www.zeno.org\/Literatur\/M\/Montaigne,+Michel+de\/Essays\/Essays+(Auswahl)\/Von+der+Physiognomie#F884\"><sup>9<\/sup><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">O des ungeheuren Krieges! Andere Kriege wirken ausw\u00e4rts, dieser gegen sich selbst, zerfleischt und zerst\u00f6rt sich durch sein eigenes Gift. Er ist von einer so b\u00f6sartigen, verheerenden Natur, da\u00df er sich selbst mit allen \u00fcbrigen aufreibt und durch seine Wut zerfleischt. Wir sehen ihn \u00f6fter durch sich selbst zerst\u00f6rt als durch den Mangel an irgendeinem notwendigen Bed\u00fcrfnis oder durch die St\u00e4rke des Feindes. Alle Mannszucht ist daraus verbannt. Er soll den Aufruhr d\u00e4mpfen und ist selbst voller Aufruhr; will den Ungehorsam strafen und gibt davon das Beispiel; wird zur Verteidigung der Gesetze gef\u00fchrt und ist offenbare Rebellion gegen seine eigenen. Wohin ist es mit uns gekommen? Unsere Arznei bef\u00f6rdert die Ansteckung.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">B\u00f6sartiger nur wird der Schaden,<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">den wir mit \u00d6l und Balsam baden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Exsuperat magis, aegrescitque medendo.<a href=\"http:\/\/www.zeno.org\/Literatur\/M\/Montaigne,+Michel+de\/Essays\/Essays+(Auswahl)\/Von+der+Physiognomie#F885\"><sup>10<\/sup><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Omnia fanda, nefanda, malo permixta furore,<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Justificam nobis mentem avertere deorum.<a href=\"http:\/\/www.zeno.org\/Literatur\/M\/Montaigne,+Michel+de\/Essays\/Essays+(Auswahl)\/Von+der+Physiognomie#F886\"><sup>11<\/sup><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bei Volksseuchen kann man anf\u00e4nglich noch die Gesunden von den Kranken unterscheiden. Wenn solche aber erst langwierig werden wie die unsrige, so greifen sie den ganzen Staatsk\u00f6rper an, sowohl das Haupt als die Fersen. Kein Teil bleibt befreit; von der F\u00e4ulnis. Denn keine Luft haucht sich so mit vollen Z\u00fcgen ein, verbreitet sich so schnell und allgemein als die Z\u00fcgellosigkeit. Unsere Heere h\u00e4ngen nur noch durch fremden Kitt zusammen. Aus Franzosen kann man kein best\u00e4ndiges, regelm\u00e4\u00dfiges Heer zusammenbringen. Welche Schande! Man sieht keine andere Mannszucht vorwalten als die, welche uns die erborgten Truppen zeigen. Die unsrigen betragen sich nach Willk\u00fcr und gehorchen keinem Oberhaupt, sondern jeder tut, was ihm gut deucht. Wir haben mehr innere Feinde zu bek\u00e4mpfen als ausw\u00e4rtige. Der Befehlshaber mu\u00df folgen, schmeicheln und nachgeben. An ihm allein ist die Reihe zu gehorchen; alles \u00fcbrige ist frei und ungebunden. Es ist mir nicht unlieb zu sehen, wieviel Niedertr\u00e4chtigkeit und Schw\u00e4che mit dem Ehrgeiz verbunden ist, durch wieviel Erniedrigungen und Sklaverei er zu seinem Ziel gelangen mu\u00df. Aber das tut mir sehr leid, wenn ich sehe, da\u00df solche Menschen, die der Billigkeit und Gerechtigkeit f\u00e4hig sind, sich von Tag zu Tag verschlechtern, indem sie diesen Greuel der Verw\u00fcstung verwalten und anf\u00fchren. Langes Leiden erzeugt Gewohnheit, Gewohnheit Beifall und Nachahmung. Wir hatten der schlechten Seelen von Haus aus schon genug, ohne noch die guten und gro\u00dfm\u00fctigen zu verderben. Wenn das noch lange so fortgeht, so wird schwerlich jemand \u00fcbrigbleiben, dem man die Gesundheit des Staates anvertrauen k\u00f6nnte, im Fall, das Gl\u00fcck uns solche wiedergeschenkt:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Hunc saltem everso juvenem succurrere seclo<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ne prohibete.<a href=\"http:\/\/www.zeno.org\/Literatur\/M\/Montaigne,+Michel+de\/Essays\/Essays+(Auswahl)\/Von+der+Physiognomie#F887\"><sup>12<\/sup><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Was ist aus der alten Lehre geworden, da\u00df die Soldaten mehr ihren Befehlshaber als den Feind zu f\u00fcrchten haben? Aus dem bewundernsw\u00fcrdigen Beispiel, nach welchem sich im Umfang eines r\u00f6mischen Lagers ein Apfelbaum eingeschlossen befand, und des folgenden Tages, als das Heer wieder aufbrach, der Eigent\u00fcmer die \u00c4pfel auf seinem Baum, so reif und wohlschmeckend sie auch waren, alle wohlgez\u00e4hlt wiederfand. Ich m\u00f6chte wohl, da\u00df unsere Jugend, anstatt da\u00df sie ihre Zeit auf minder n\u00fctzliche Reisen verwendet und weniger ehrenvolle Lehrjahre zubringt, die H\u00e4lfte derselben dazu gebrauchte, einen Seekrieg unter einem guten Kommandeur der Rhodeserritter mitzumachen, und die andere H\u00e4lfte, die Mannszucht unter dem t\u00fcrkischen Heer zu erlernen. Denn diese hat viel Eigenes und manchen Vorzug vor der unsrigen. Folgendes geh\u00f6rt dazu:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Unsere Soldaten werden im Kriege viel z\u00fcgelloser, dort vorsichtiger und behutsamer. Denn die kleinen Diebst\u00e4hle und Neckereien, die an dem geringen Mann begangen und zu Friedenszeiten mit Stockschl\u00e4gen bestraft werden, gelten f\u00fcr Hauptverbrechen zu Kriegszeiten. F\u00fcr ein Ei, das ohne Bezahlung genommen worden, ist die festgesetzte Strafe f\u00fcnfzig Pr\u00fcgel. F\u00fcr jeden andern Diebstahl, w\u00e4re das Entwendete auch noch so gering, sobald es nicht zur Nahrung n\u00f6tig ist, wird der Verbrecher auf einen Pfahl gespie\u00dft oder enthauptet, und zwar auf der Stelle. Ich erstaunte, in der Geschichte Selims, des grausamsten Eroberers, der jemals gelebt hatte, zu finden, da\u00df, als er sich \u00c4gypten unterwarf, die sch\u00f6nen G\u00e4rten um die Stadt Damaskus, welche ganz offen und in einem eroberten Lande und noch dazu auf dem n\u00e4mlichen Fleck standen, woselbst sein Heer das Lager aufgeschlagen hatte, v\u00f6llig wohlbehalten blieben, weil den Soldaten kein Zeichen zum Pl\u00fcndern gegeben worden war.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aber gibt es irgendein \u00dcbel in einer Staatseinrichtung, welches mit einer so t\u00f6dlichen Arznei bek\u00e4mpft zu werden verdient? Nein, antwortete Favonius, nicht einmal die gewaltr\u00e4uberische Besitznehmung der Obermacht in einem Freistaat. Plato gleichfalls will nicht zugeben, da\u00df man der Ruhe seines Landes Gewalt antue, um es zu heilen, und verwirft jede Verbesserung, die alles verwirrt und aufs Spiel setzt und das Blut und den Untergang der B\u00fcrger kostet, indem er die Pflicht eines redlichen Mannes in diesem Falle darin sieht, alles seinen Weg gehen zu lassen und blo\u00df Gott zu bitten, da\u00df er auf eine au\u00dferordentliche Weise zu Hilfe kommen m\u00f6ge. \u2013 Auch scheint er es seinem gro\u00dfen Freund Dion keinen Dank zu wissen, da\u00df er ein wenig anders zu Werke gegangen sei. Ich war von dieser Seite schon ein Platoniker, bevor ich noch wu\u00dfte, da\u00df ein Plato in der Welt gewesen. Soll aber dieser Mann so ganz reinweg aus unserer Gemeinschaft ausgeschlossen bleiben; er, dem wegen der Aufrichtigkeit seines Gewissens die g\u00f6ttliche Gnade widerfuhr, durch die herrschende Finsternis \u00fcber die Welt seiner Zeit solche tiefe Blicke in das christliche Licht zu tun, so denke ich doch nicht, da\u00df es uns wohl kleide, uns von einem Heiden belehren zu lassen, wie gottlos es sei, von Gott gar keine eigene Hilfe zu erwarten, ohne da\u00df wir unsere H\u00e4nde dabei mit im Spiele h\u00e4tten. Ich vermute oft, da\u00df unter so vielen Leuten, die sich in ein solches Gesch\u00e4ft mischen, sich mancher von so bl\u00f6dem Verstand befinden mag, den man in allem Ernst \u00fcberredete, er arbeite an der Wiederherstellung durch die allerscheu\u00dflichste Entstellung; er bewirke seine Seligkeit durch die ausgemachtesten Schritte zu sicherer Verdammnis, und wenn er alle gute Polizei, Obrigkeit und Gesetze \u00fcbern Haufen werfe, unter deren Vormundschaft ihn Gott gesetzt hat, wenn er mit menschenfeindlichem Ha\u00df Br\u00fcderherzen anf\u00e4llt und Teufel und Furien zu Hilfe ruft, so unterst\u00fctze er dadurch die allerheiligste Liebe und Gerechtigkeit des g\u00f6ttlichen Gesetzes. Die Ehrsucht, der Geldgeiz, die Grausamkeit, die Rachsucht haben an ihrer eigenen und nat\u00fcrlichen Heftigkeit noch nicht genug; la\u00dft uns solche noch aufreizen und in Flammen setzen unter dem herrlichen Namen Gerechtigkeit und Fr\u00f6mmigkeit. Man kann sich keinen schlimmeren Zustand der Sache denken als da, wo B\u00fcberei zu Recht wird und mit obrigkeitlicher Bewilligung den Mantel der Tugend tr\u00e4gt: Nihil in speciem fallacius, quam prava religio, ubi deorum numen praetenditur sceleribus.<a href=\"http:\/\/www.zeno.org\/Literatur\/M\/Montaigne,+Michel+de\/Essays\/Essays+(Auswahl)\/Von+der+Physiognomie#F888\"><sup>13<\/sup><\/a> Die h\u00f6chste Art von Ungerechtigkeit besteht nach dem Plato darin, wenn das, was Unrecht ist, f\u00fcr Recht gehalten wird.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Volk litt damals schon sehr schwer, nicht blo\u00df von gegenw\u00e4rtigen \u00dcbeln,<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Undique totis<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Usque adeo turbatur agris<a href=\"http:\/\/www.zeno.org\/Literatur\/M\/Montaigne,+Michel+de\/Essays\/Essays+(Auswahl)\/Von+der+Physiognomie#F889\"><sup>14<\/sup><\/a>,<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">sondern auch von zuk\u00fcnftigen. Die Lebenden hatten ihre Leiden, auch diejenigen, welche noch nicht geboren waren. Man stahl ihm, und folglich auch mir, alles bis auf die Hoffnung, indem man uns alles das nahm, wovon wir auf lange Jahre leben wollten:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Quae nequeunt secum ferre aut abducere, perdunt;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Et cremat insontes turba scelesta casas.<a href=\"http:\/\/www.zeno.org\/Literatur\/M\/Montaigne,+Michel+de\/Essays\/Essays+(Auswahl)\/Von+der+Physiognomie#F890\"><sup>15<\/sup><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Muris nulla fides, squalent populatibus agri.<a href=\"http:\/\/www.zeno.org\/Literatur\/M\/Montaigne,+Michel+de\/Essays\/Essays+(Auswahl)\/Von+der+Physiognomie#F891\"><sup>16<\/sup><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Au\u00dfer diesem Sto\u00df erlitt ich noch andre. Ich geriet in die F\u00e4hrlichkeiten, welche in solchen Krankheiten die M\u00e4\u00dfigung herbeizuf\u00fchren pflegt Ich ward von allen H\u00e4nden gezwickt. Den Gibellinen war ich ein Welf und den Welfen war ich ein Gibellin. Einer von meinen Dichtern dr\u00fcckt das sehr gut aus, ich wei\u00df nur die Stelle nicht aufzufinden. Die Lage meines Hauses und die Bekanntschaft mit den M\u00e4nnern aus meiner Nachbarschaft stellten mich dar mit einem Gesicht; mein Leben und meine Handlungen mit einem andern. F\u00f6rmliche Anklagen kamen nicht vor; denn man fand nichts, worauf man h\u00e4tte fu\u00dfen k\u00f6nnen. Ich setze nie die Gesetze aus den Augen, und wer mich belangte, h\u00e4tte seinen Mann an mir gefunden. Es waren heimliche Bezichtigungen, welche so unter der Hand herumliefen, denen es in einem solchen Wirrwarr niemals am Schein fehlt, sowenig wie an einf\u00e4ltigen oder neidischen Menschen. Ich pflege solchem leidigen Argwohn, welchen man gegen mich ausstreut, immer ein wenig zu Hilfe zu kommen, durch die Weise, die ich von Jugend auf an mir habe, mich niemals zu rechtfertigen, zu entschuldigen oder zu verteidigen; weil ich daf\u00fcrhalte, ich tr\u00e4te meinem Gewissen zu nahe, wenn ich es vor Gericht verteidigte: Perpicuitas enim argumentatione elevatur.<a href=\"http:\/\/www.zeno.org\/Literatur\/M\/Montaigne,+Michel+de\/Essays\/Essays+(Auswahl)\/Von+der+Physiognomie#F892\"><sup>17<\/sup><\/a> Und gleichsam als ob ein jeder mich ebenso hell durchschaute als ich selbst, trete ich der Anschuldigung n\u00e4her, anstatt sie von mir zu entfernen, und treibe sie fast noch h\u00f6her durch ein ironisches, sp\u00f6ttelndes Bekenntnis. Es sei denn, da\u00df ich kurz und gut schwiege als \u00fcber eine Sache, die keiner Beantwortung wert ist. Aber diejenigen, welche das f\u00fcr ein zu stolzes Vertrauen erkl\u00e4ren, wollen mir deswegen nicht weniger \u00fcbel als diejenigen, welche es f\u00fcr die Schwachheit einer kranken Sache halten. Vorz\u00fcglich die Gro\u00dfen, bei welchen das Vergehen gegen die Untert\u00e4nigkeit das \u00e4rgste Vergehen ist. Hart sind sie gegen alles, was anerkannterma\u00dfen gerecht ist, sich f\u00fchlt und nicht kriechend, dem\u00fctig und flehend erscheint. An diesem Pfeiler habe ich mir oft den Kopf zersto\u00dfen. Soviel ist gewi\u00df, da\u00df sich ein Ehrgeiziger \u00fcber Dinge, die mir begegnet sind, geh\u00e4ngt h\u00e4tte, und ein Geldgeiziger ebensowohl. Ich verwende nicht die geringste Sorge aufs Reichwerden:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sit mihi, quod nunc est, etiam minus; et mihi vivam<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Quod superest aevi, si quid superesse volunt di.<a href=\"http:\/\/www.zeno.org\/Literatur\/M\/Montaigne,+Michel+de\/Essays\/Essays+(Auswahl)\/Von+der+Physiognomie#F893\"><sup>18<\/sup><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aller Schaden und Verlust, welche mir durch die Bosheit anderer zugef\u00fcgt werden, sei es Dieberei oder andere Gewaltt\u00e4tigkeit, tun mir weh wie einem Mann, der von der Krankheit des Geizes geplagt wird. Die Beleidigung tut mir ungleich weher als der Verlust. Tausend verschiedene Arten von \u00dcbeln fallen auf mich wie ein dicker Traufregen; ich h\u00e4tte sie lieber als Schlagregen ertragen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich dachte schon darauf, wem unter meinen Freunden ich mein d\u00fcrftiges, verlassenes Alter anvertrauen k\u00f6nnte. Nachdem ich die Augen nach allen Seiten herumgerichtet hatte, sah ich mich im Kamisole ohne \u00c4rmel. Um sich so aus der H\u00f6he wie ein Stein herabzust\u00fcrzen, mu\u00df man von starken, kr\u00e4ftigen und beg\u00fcterten Armen aufgefangen werden. Aber wenn&#8217;s auch dergleichen Arme gibt, so sind sie wenigstens selten. Kurz, ich lernte einsehen, das Sicherste w\u00e4re, mich auf mich selbst und auf meine eigenen d\u00fcrftigen Kr\u00e4fte zu verlassen; und wenn es mir begegnen sollte, da\u00df mir das Gl\u00fcck eine kalte, schiefe Miene machte, m\u00fc\u00dfte ich mich am dringendsten mir selbst empfehlen, mich an mich selbst heften, um mit eigenen Augen f\u00fcr mich zu sehen. Bei allen Gelegenheiten klammern sich die Menschen an fremde St\u00e4be, um ihre eigenen zu sparen, die doch allein gewi\u00df sind und allein stark, wenn man sich ihrer nur zu bedienen wei\u00df. Jedermann l\u00e4uft aus seinem Hause fort und in die Zukunft hinein, weil hoch niemand daheim bei sich eingewohnt ist. Und ich \u00fcberzeugte mich, da\u00df es heilsame Widerw\u00e4rtigkeiten g\u00e4be: erstlich, weil man die Sch\u00fcler mit dem Haselmeier aufmerksam machen mu\u00df, wenn blo\u00dfe Vernunftgr\u00fcnde nicht hinreichen wollen, wie wir durch Feuer und Keile das krumme Holz geradebeugen. Ich predige mir schon seit langer Zeit, da\u00df ich nur von mir abh\u00e4nge und mich von fremden Dingen absondern m\u00fcsse; und bei alledem schiele ich noch immer seitw\u00e4rts. Das Wohlwollen, das g\u00fcnstige Wort eines Gro\u00dfen, eine freundliche Miene f\u00fchren mich in Versuchung. Gott wei\u00df, ob dergleichen in unsern Zeiten teure Ware ist und was f\u00fcr ein Sinn dahintersteckt! Ich h\u00f6re noch, ohne da\u00df ich deswegen die Stirn runzele, die glatten Worte, womit man mich bestechen will, um mich um B\u00f6rsenpreis zu haben; und ich weigere mich so jungfr\u00e4ulich, da\u00df es scheint, als ob ich nur ein bi\u00dfchen gen\u00f6tigt sein wollte. Aber einen so ungelehrigen Geist mu\u00df man unter der Gerte halten, und ein Gef\u00e4\u00df, das so zerlechzt ist, mu\u00df man mit Reifen umlegen und mit wackern B\u00f6ttcherh\u00e4mmern zusammentreiben, damit es nicht ferner riesele und spille. Zweitens dienen solche Zuf\u00e4lle mir als \u00dcbung, um mich auf etwas \u00c4rgeres vorzubereiten, wenn ich etwa, da ich durch mein gutes Geschick und durch den Gehalt meiner Sitten einer der letzten zu sein hoffte, einer der ersten w\u00e4re, den das Schicksal an der Krause fa\u00dfte. Darum mu\u00df ich beizeiten lernen, mein Leben zusammenzunehmen und es auf einen neuen Zustand bereitzuhalten. Die wahre Freiheit besteht darin, da\u00df man alles \u00fcber sich selbst vermag: Potentissimus est, qui se habet in potestate.<a href=\"http:\/\/www.zeno.org\/Literatur\/M\/Montaigne,+Michel+de\/Essays\/Essays+(Auswahl)\/Von+der+Physiognomie#F894\"><sup>19<\/sup><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In Alltags- und Schlendrianszeiten bereitet man sich auf m\u00e4\u00dfige und gemeine Zuf\u00e4lle. In diesem Wirrwarr aber, worin wir uns seit drei\u00dfig Jahren befinden, sieht sich ein jeder Franke, sei es f\u00fcr seine eigene Person oder sei es im Ganzen genommen, zu jeder Stunde und Minute auf dem Punkt, wo sein ganzes Gl\u00fcck \u00fcber den Haufen f\u00e4llt. Deshalb mu\u00df man darauf bedacht sein, seinem Herzen st\u00e4rkere St\u00fctzen als Rohrst\u00e4be in die H\u00e4nde zu geben. La\u00df es uns dem Schicksal Dank wissen, da\u00df es uns in eine Zeit versetzt hat, welche nichts weniger ist als weichlich, schmachtend oder unt\u00e4tig. Dabei wird es Menschen geben, die nur durch ihr Ungl\u00fcck ber\u00fchmt werden und es sonst auf keine Art geworden w\u00e4ren. So wie ich selten in der Geschichte dergleichen Gew\u00fchle von andern St\u00e4dten lese, ohne zu bedauern, da\u00df ich&#8217;s nicht in der N\u00e4he habe ansehen k\u00f6nnen, ebenso macht meine Neugier, da\u00df ich mich gewisserma\u00dfen damit br\u00fcste, das sonderbare Schauspiel unseres Staatstodes, seine Anzeichen und seine Form als Zuschauer zu erleben. Da ich solchen doch nun einmal nicht hindern kann, so ist mir&#8217;s lieb, dazu ausersehen zu sein, da\u00df ich&#8217;s mit ansehen und mich daran erbauen soll. So wie wir ganz erweislich suchen, selbst aus dem Schatten und der Fabel der Schaub\u00fchne ein Bild der tragischen Begebenheiten des menschlichen Schicksals zu beobachten. Wir sind nicht ohne Mitleid bei dem, was wir sehen und h\u00f6ren. Aber es macht uns doch angenehme Empfindungen, unser Mitleid durch die sonderbare Katastrophe aufgeregt und ins Spiel gesetzt zu sehen. Nichts kitzelt, was nicht die Haut kratzt. Die guten Historiker fliehen wie ein totes Meer und wie ein faules Wasser die ruhigen, schl\u00e4frigen Erz\u00e4hlungen, um wieder auf Aufruhr, Krieg und Pest zu kommen, wovon sie wissen, da\u00df wir sie gern h\u00f6ren. Ich zweifle, ob ich mit Anstand gestehen darf, wie wenig Ruhe und Gem\u00e4chlichkeit meines Lebens mir es kostet, mehr als die H\u00e4lfte desselben im Jammer und Elend meines Vaterlandes hingebracht zu haben. Meine Geduld ist fast ein wenig zu wohlfeil erkauft, in Ansehung der Zuf\u00e4lle, die mich selbst betreffen. Ehe ich mich selbst beklage, sehe ich nicht so sehr auf das, was man mir nimmt, als auf das, was man mir von innen und au\u00dfen \u00fcbrigl\u00e4\u00dft. Es ist eine Art von Trost dabei, bald das eine \u00dcbel, bald das andere, so wie sie uns \u00fcberkommen, zu bestehen und zu sehen, wie sie sich \u00fcber andere verbreiten. Ebenso geht&#8217;s in dem, was das Allgemeine betrifft. In ebendem Ma\u00dfe, wie meine Teilnehmung mehr verbreitet wird, wird sie schw\u00e4cher. Dazu kommt die halbe Wahrheit: tantum ex publicis malis sentimus, quantum ad privatas res pertinet<a href=\"http:\/\/www.zeno.org\/Literatur\/M\/Montaigne,+Michel+de\/Essays\/Essays+(Auswahl)\/Von+der+Physiognomie#F895\"><sup>20<\/sup><\/a>, und die Gesundheit, von der wir ausgingen, war von der Beschaffenheit, da\u00df sie selbst das Bedauern mildert, welches wir \u00fcber sie empfinden sollten. Es war Gesundheit, aber nur in Vergleichung mit der Krankheit, welche darauf erfolgte. Wir sind aus keiner gro\u00dfen H\u00f6he herabgest\u00fcrzt. Das Verderben und die R\u00e4uberei, welche in Amt und W\u00fcrden stehen, scheinen mir das Unertr\u00e4glichste zu sein. Man bestiehlt uns weniger kr\u00e4nkend in einem Wald als an einem sicheren Ort. Es war eine allgemeine Zusammensetzung von Gliedern, wovon eins noch krebsartiger war als das andere, und so verdorben, anbr\u00fcchig und voller alten Geschw\u00fcre, da\u00df sie keine Genesung mehr hoffen konnten<a href=\"http:\/\/www.zeno.org\/Literatur\/L\/Montaigne-Essays\">[291]<\/a> noch w\u00fcnschten. Dieser Einsturz also belebte mich mehr, als er mich niederschlug. Mein Gewissen befand sich nicht nur friedlich und ruhig, sondern sogar stolz dabei, und ich empfand nichts, wor\u00fcber ich mich selbst anzuklagen gehabt h\u00e4tte. Also, wie Gott dem Menschen niemals mehr \u00dcbel zuschickt als reines Gutes, so habe ich mich in meiner Gesundheit zu jener Zeit mehr als gew\u00f6hnlich wohlbefunden; und wie ich ohne dieselbe nur wenig vermag, so gibt es wenig Dinge, die ich mit ihr nicht verm\u00f6gen sollte. Sie gab mir Kr\u00e4fte, alle meine F\u00e4higkeiten zusammenzuraffen und die Hand an die Wunde zu legen, die sonst leicht gr\u00f6\u00dfer h\u00e4tte werden k\u00f6nnen, und ich erfuhr, da\u00df ich in meiner Geduld etwas h\u00e4tte, wodurch ich den Schl\u00e4gen des Gl\u00fcckes widerstehen k\u00f6nnte, und da\u00df eine gro\u00dfe Kraft dazu geh\u00f6rte, um mich aus dem Sattel zu werfen. Ich sage es nicht deswegen, um das Gl\u00fcck aufzureizen, seine Lanze mit mehr Nachdruck gegen mich anzulegen. Ich bin vielmehr sein gehorsamer Diener und biete ihm freundschaftlich die Hand. La\u00df es sich in Gottes Namen damit befriedigen, da\u00df ich seine St\u00f6\u00dfe f\u00fchle! La\u00df es damit gut sein! So wie diejenigen, die sich von Traurigkeit \u00fcbermannt f\u00fchlen, sich gleichwohl von Zeit zu Zeit durch ein kleines Vergn\u00fcgen beschleichen und ein kleines L\u00e4cheln abgewinnen lassen, so vermag ich es auch \u00fcber mich, meinen gew\u00f6hnlichen Zustand friedlich, ruhig und von kummervollen Gedan ken frei zu machen. Bei alledem aber \u00fcberrasche ich doch zuweilen bei mir die Bisse solcher unangenehmen Gedanken, die mich derweile \u00fcberst\u00fcrmen, da\u00df ich mich bewaffne, sie zu bek\u00e4mpfen und zu verjagen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aber nun f\u00fcgte sich noch ein anderes, bedeutenderes \u00dcbel als Zugabe zu den \u00fcbrigen, und au\u00dfer und in meinem Hause ward ich von einer Pest angegriffen, die im Vergleich mit allen \u00fcbrigen sehr heftig war. Denn wie gesunde K\u00f6rper den schwersten Krankheiten unterworfen sind, weil sie nur von diesen niedergeworfen werden k\u00f6nnen, so war auch die Luft meiner Gegend sehr gesund, und solange man denken konnte, hatte keine ansteckende Seuche, so nahe sie auch kam, Fu\u00df fassen k\u00f6nnen. Da aber die Luft einmal angesteckt worden, tat sie ganz sonderbare Wirkungen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mixta senum et iuvenum densentur funera; nullum<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Saeva caput Proserpina fugit.<a href=\"http:\/\/www.zeno.org\/Literatur\/M\/Montaigne,+Michel+de\/Essays\/Essays+(Auswahl)\/Von+der+Physiognomie#F896\"><sup>21<\/sup><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich mu\u00dfte die niederdr\u00fcckende Lage erdulden, da\u00df mir die Ansicht meines Hauses zum Scheusal wurde. Alles, was darin enthalten war, befand sich ohne alle Aufsicht und stand jedem zu Gebot, der dazu Lust hatte. Bei aller meiner Gastfreundschaft wurde es mir sehr schwer, einen Zufluchtsort zu finden f\u00fcr eine zerstreute Familie, die ihren Freunden und sich selbst Furcht und Schrecken einjagte, wo sie unterzukommen suchte und alsobald ihren Aufenthalt ver\u00e4ndern mu\u00dfte, wie nur einer von dem Haufen begann zu klagen, da\u00df ihm eine Fingerspitze weh t\u00e4te. Alle Krankheiten werden in solchen Zeiten f\u00fcr Pest gehalten, und man gibt sich nicht die M\u00fche, sie zu untersuchen. Das H\u00fcbsche dabei ist noch, da\u00df man nach den Regeln der Kunst bei jeder Gefahr, der man sich n\u00e4hert, vierzig Tage in Angst vor der Seuche leben mu\u00df, w\u00e4hrend welcher Zeit die Einbildung uns nach ihrer Weise behandelt und die Gesundheit selbst zum Fieber macht. Doch alles dieses h\u00e4tte mir nicht so viel getan, h\u00e4tte ich mich nicht um den Zustand und das Elend anderer zu bek\u00fcmmern gehabt und h\u00e4tte ich nicht sechs Monate lang j\u00e4mmerlicherweise der F\u00fchrer dieser Karawane sein m\u00fcssen. Denn f\u00fcr mich habe ich mein Vorbeugungsmittel immer zur Hand. Es sind Mut, Entschlossenheit und Geduld. \u00c4ngstliche Erwartung, welche bei diesem \u00dcbel am sch\u00e4dlichsten gehalten wird, ist eben mein Fehler nicht. H\u00e4tte es mich allein betroffen, so w\u00fcrde ich es wie eine schnelle, weittragende Flucht betrachtet haben. Diese Todesart scheint mir keine der schlimmsten zu sein. Sie ist gew\u00f6hnlich kurz, bet\u00e4ubend, schmerzlos und hat den Trost, da\u00df es ein allgemein eingerissenes \u00dcbel ist; sie verf\u00e4hrt ohne<a href=\"http:\/\/www.zeno.org\/Literatur\/L\/Montaigne-Essays\">[293]<\/a> Zeremonien, ohne Trauer, ohne viel Umstehende. In R\u00fccksicht aber auf die Nachbarn kann sich der hundertste Teil der Seelen kaum davor retten:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Videas desertaque regna<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Pastorum, et longe saltus lateque vacantes.<a href=\"http:\/\/www.zeno.org\/Literatur\/M\/Montaigne,+Michel+de\/Essays\/Essays+(Auswahl)\/Von+der+Physiognomie#F897\"><sup>22<\/sup><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mein bestes Einkommen besteht auf diesem Gut in Land und Feldbau, und die Arbeit von hundert Menschen ruht auf lange Zeit.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aber was sahen wir damals f\u00fcr Beispiele von Entschlossenheit unter der Herzenseinfalt des ganzen Volkes! Durchg\u00e4ngig entsagte alles der Sorge f\u00fcr das Leben. Die Trauben blieben am Weinstock h\u00e4ngen, obgleich der Weinbau die haupts\u00e4chlichste Nahrung des Landes ist, alle durcheinander bereiteten sich auf den Tod, den sie heute abend oder morgen fr\u00fch erwarteten, mit einer so wenig erschrockenen Miene und Stimme, da\u00df es schien, als w\u00e4ren sie mit dieser Notwendigkeit v\u00f6llig einverstanden und hielten solche f\u00fcr ein allgemeines, unvermeidliches Schicksal. Das ist der Tod nun freilich allemal. Aber an wie schwachen F\u00e4den h\u00e4ngt der Entschlu\u00df zu sterben? Die Entfernung und der Abstand einiger Stunden, die blo\u00dfe Betrachtung der Gesellschaft stellt uns den Tod unter verschiedenen Gestalten dar. Die Leute hier, weil sie innerhalb eines Monats Kinder, J\u00fcnglinge und Greise sterben sehen, stutzen nicht mehr, beweinen sich nicht mehr. Ich sah einige, welche sich f\u00fcrchteten, zur\u00fcckzubleiben, wie in einer f\u00fcrchterlichen Ein\u00f6de, und gew\u00f6hnlich hatte ich nichts anderes zu tun, als f\u00fcrs Begraben zu sorgen. Es tat ihnen weh, die Leichen auf dem Felde herum zerstreut liegen zu sehen als eine Beute wilder Tiere, welche sich zusehends vermehrten. Wie sich doch die Phantasien der Menschen durchkreuzen! Die Neoriten, eine Nation, welche Alexander besiegte, werfen die Leichen ihrer Verstorbenen in den ersten besten Wald, um daselbst gefressen zu werden; und dieses hielten sie f\u00fcr die einzige gl\u00fcckliche Art des Begrabens. In unserer Gegend grub sich einer schon sein Grab, wenn er noch frisch und gesund war. Andere legten sich noch bei Leibesleben hinein, und einer von meinen Tagel\u00f6hnern kratzte mit H\u00e4nden und F\u00fc\u00dfen im Sterben begriffen die Erde auf sich. Hei\u00dft das nicht die Bettvorh\u00e4nge zuziehen, um desto ruhiger zu schlafen? Hat es nicht an Gr\u00f6\u00dfe etwas \u00c4hnliches mit der Tat der r\u00f6mischen Soldaten, die man nach der Schlacht bei Cann\u00e4 fand, welche L\u00f6cher in die Erde gegraben, ihre K\u00f6pfe hineingesteckt und mit ihren H\u00e4nden ausgegrabene Erde \u00fcber sich gesch\u00fcttet hatten, um darin zu ersticken? Kurz, eine ganze Nation ward innerhalb kurzer Zeit durch Gewohnheit zu einem Benehmen gebracht, welches an Festigkeit keiner k\u00fchnen Entschlossenheit etwas nachgibt, die mit aller m\u00f6glichen \u00dcberlegung gefa\u00dft werden k\u00f6nnte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die meisten Anweisungen der Gelehrsamkeit, um uns Herz zu machen, haben mehr Schein als Kraft und mehr Zierde als Nutzen. Wir haben die Natur verlassen und wollen sie nun ihre Lektion lehren. Die Natur, die uns so gl\u00fccklich und sicher leitete. Unterdessen finden sich noch die Spuren ihrer Anweisung, und das wenige, welches durch die wohlt\u00e4tige Unwissenheit von ihrem Bilde \u00fcbrig ist, dr\u00fcckt sich ab in dem Leben dieses b\u00e4urischen Haufens ungesitteter Menschen. Die Gelehrsamkeit ist gen\u00f6tigt, t\u00e4glich davon zu borgen, um ihren Sch\u00fclern Muster der Standhaftigkeit, der Unschuld und Beruhigung vorzulegen. Es ist ein sch\u00f6ner Anblick, zu sehen, wie diese hier, angef\u00fcllt mit so vielen sch\u00f6nen Kenntnissen, zur Nachahmung der dummen Einfalt ihre Zuflucht nehmen m\u00fcssen, und zwar zur Nachahmung in der ersten Aus\u00fcbung der Tugend. Unsere Weisheit mu\u00df sogar von den Tieren die n\u00fctzlichsten Unterweisungen in den gr\u00f6\u00dften und notwendigsten Vorfallenheiten unsers Lebens erlernen: wie wir leben m\u00fcssen und sterben, unser Vergn\u00fcgen benutzen, unsere Kinder lieben und auferziehen und gegeneinander gerecht sein. Ein ganz sonderbarer Beweis von der menschlichen Schwachheit, wie auch davon, da\u00df die Vernunft, welche wir unsererseits anwenden und welche best\u00e4ndig etwas anderes und Neues auffindet, bei uns keine sichtbare Spur der Natur \u00fcbrigl\u00e4\u00dft. Die Menschen haben es damit gemacht wie die Verfertiger wohlriechender \u00d6le; sie haben solche mit so vielen fremden Dingen versetzt und mit so vielen von au\u00dfen entlehnten Gedanken, da\u00df sie dadurch f\u00fcr einen jeden ver\u00e4ndert und zu etwas ganz Eigenem geworden ist und ihre urspr\u00fcngliche, best\u00e4ndige und allgemeine Gestalt verloren hat. Wir m\u00fcssen daher das Zeugnis der Tiere suchen, die keinem Vorurteil, keinem Verderben, keiner Verschiedenheit der Meinungen unterworfen sind. Denn es ist zwar wahr, da\u00df selbst die Tiere nicht immer genau auf dem Wege der Natur wandeln, das wenige aber, was sie davon abweichen, ist so gering, da\u00df man noch immer das Geleis wahrnehmen kann. Geradeso, wie die Pferde, welche man an der Hand f\u00fchrt, wohl Spr\u00fcnge machen und seitw\u00e4rts gehen, aber doch nicht weiter als die Leine reicht, und immer wenigstens dem Schritte desjenigen folgen, der sie f\u00fchrt; oder wie ein Falke seine Flucht nimmt, aber nie weiter kann, als ihm die Schnur gefeiert wird. Exsilia, tormenta, bella, morbos, naufragia meditare, &#8230; ut nullo sis malo tiro.<a href=\"http:\/\/www.zeno.org\/Literatur\/M\/Montaigne,+Michel+de\/Essays\/Essays+(Auswahl)\/Von+der+Physiognomie#F898\"><sup>23<\/sup><\/a> Wozu dient uns die Emsigkeit, alle widerw\u00e4rtigen Zuf\u00e4lle der menschlichen Natur im voraus zu studieren und uns mit so vieler M\u00fche selbst auf diejenigen vorzubereiten, die uns vielleicht nie begegnen werden? Parem passis tristitiam facit, pati posse.<a href=\"http:\/\/www.zeno.org\/Literatur\/M\/Montaigne,+Michel+de\/Essays\/Essays+(Auswahl)\/Von+der+Physiognomie#F899\"><sup>24<\/sup><\/a> Nicht nur vor der Kugel, sondern vor dem Winde und vor dem Dunst erschrecken wir. Oder wie der Fieberkranke; denn gewi\u00df ist&#8217;s ein Fieber, sich gleich die St\u00e4upe geben zu lassen, weil es m\u00f6glich, da\u00df uns das Schicksal eines Tages solche f\u00fchlen l\u00e4\u00dft. Oder wie einer, der um Johanni die Wildschur umnehmen wollte, weil er solche um Weihnachten n\u00f6tig haben w\u00fcrde! Macht Erfahrungen von allen \u00dcbeln, die euch begegnen k\u00f6nnen, besonders von den \u00e4rgsten, versucht euch darin, sagen andere, gewinnt darin Standhaftigkeit! Umgekehrt sage ich. Das leichteste und nat\u00fcrlichste w\u00e4re, sich solche sogar aus den Gedanken zu schlagen. Sie werden nicht sobald eintreten; ihr wahres Wesen dauert f\u00fcr uns nicht lange genug, wir m\u00fcssen sie in unsern Gedanken ausdehnen und verl\u00e4ngern, schon vorderhand uns einverleiben und uns damit unterhalten. Gleichsam als ob sie unsern Sinnen nicht ohnehin schon beschwerlich genug w\u00e4ren. Sie werden genug dr\u00fccken, wenn sie eintreten, sagt einer der Philosophen, nicht etwa von einer zarten Sekte, sondern von der h\u00e4rtesten. Bis dahin schmeichle dir! Glaube, was du am liebsten w\u00fcnschest. Was hilft dir&#8217;s, \u00fcber k\u00fcnftigen \u00dcbeln zu br\u00fcten, \u00fcber der Furcht des Zuk\u00fcnftigen das Gegenw\u00e4rtige zu verlieren und gleich von Stund an elend zu sein, weil du es mit der Zeit werden sollst? So sind seine Worte. Die Wissenschaft leistet uns, traun, einen guten Dienst; da\u00df sie uns genau von der L\u00e4nge und Breite der \u00dcbel unterrichtet:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&#8230; Curis acuens mortalia corda.<a href=\"http:\/\/www.zeno.org\/Literatur\/M\/Montaigne,+Michel+de\/Essays\/Essays+(Auswahl)\/Von+der+Physiognomie#F900\"><sup>25<\/sup><\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">***<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/07\/550px-Michel_de_Montaigne_1.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-16327 alignleft\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/07\/550px-Michel_de_Montaigne_1-275x300.jpg\" alt=\"\" width=\"275\" height=\"300\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/07\/550px-Michel_de_Montaigne_1-275x300.jpg 275w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/07\/550px-Michel_de_Montaigne_1.jpg 550w\" sizes=\"auto, (max-width: 275px) 100vw, 275px\" \/><\/a><span style=\"color: #999999;\">Anmerkung der Redaktion:<\/span> W\u00fcrde Michel de Montaigne im 21. Jahrhundert leben, so er w\u00e4re wahrscheinlich der beliebteste Blogger. Nicht nur in Frankreich. Wir kommen ihm n\u00e4her, indem wir seine <em>Essais<\/em> lesen. Und zwar Wort f\u00fcr Wort. Oder wir nehmen einen charmanten Umweg und lesen Sarah Bakewells <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2013\/12\/01\/michel-de-montaigne-ein-blogger-aus-dem-16-jahrhundert\/\">Wie soll ich leben?<\/a>. Dies ist nicht nur der Titel ihrer ungew\u00f6hnlichen Biographie, sondern zeigt zugleicht die Methode an, mit der sich die Autorin dem Denken Montaignes n\u00e4hert.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Weiterf\u00fchrend\u00a0<\/strong><strong>\u2192\u00a0<\/strong>Lesen Sie auch einen<a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=12856\"> KUNO-Beitrag <\/a>zu\u00a0 Gattung des Essays.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">_______________<\/p>\n<h5 style=\"text-align: justify;\">Fu\u00dfnoten<\/h5>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/www.zeno.org\/Literatur\/M\/Montaigne,+Michel+de\/Essays\/Essays+(Auswahl)\/Von+der+Physiognomie#N876\">1<\/a> Lucan II, 381: Ziel und Ma\u00dfe halten und folgen der Natur.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/www.zeno.org\/Literatur\/M\/Montaigne,+Michel+de\/Essays\/Essays+(Auswahl)\/Von+der+Physiognomie#N877\">2<\/a> Seneca, Epist. 106: Wie in allen St\u00fccken, so sind wir auch unm\u00e4\u00dfig im Studieren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/www.zeno.org\/Literatur\/M\/Montaigne,+Michel+de\/Essays\/Essays+(Auswahl)\/Von+der+Physiognomie#N878\">3<\/a> Seneca, Epist. 106: Ein gesunder Verstand braucht wenig Gelehrsamkeit.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/www.zeno.org\/Literatur\/M\/Montaigne,+Michel+de\/Essays\/Essays+(Auswahl)\/Von+der+Physiognomie#N879\">4<\/a> Cicero, Tusc. disp. V, 5: Die mehr erg\u00f6tzen, wenn man davon kostet, als wenn man sie genie\u00dft.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/www.zeno.org\/Literatur\/M\/Montaigne,+Michel+de\/Essays\/Essays+(Auswahl)\/Von+der+Physiognomie#N880\">5<\/a> Seneca, Epist. 25: Wo es nicht auf Kopf, sondern auf Herz ankommt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/www.zeno.org\/Literatur\/M\/Montaigne,+Michel+de\/Essays\/Essays+(Auswahl)\/Von+der+Physiognomie#N881\">6<\/a> Seneca, Epist. 115, 114: Eine gro\u00dfe Seele redet gelassen und zuversichtlich. Kopf und Herz sind aus einem St\u00fcck.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/www.zeno.org\/Literatur\/M\/Montaigne,+Michel+de\/Essays\/Essays+(Auswahl)\/Von+der+Physiognomie#N882\">7<\/a> Seneca, Epist. 95: Jene schlichte, offene Biederkeit ist in dunkles, gek\u00fcnsteltes Wissen verwandelt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/www.zeno.org\/Literatur\/M\/Montaigne,+Michel+de\/Essays\/Essays+(Auswahl)\/Von+der+Physiognomie#N883\">8<\/a> Seneca, Epist. 35: Man streitet nicht mit Waffen, sondern mit Lastern.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/www.zeno.org\/Literatur\/M\/Montaigne,+Michel+de\/Essays\/Essays+(Auswahl)\/Von+der+Physiognomie#N884\">9<\/a> Ovid, De Ponto, I, 3, 57: Da steht der Feind zur Rechten und zur Linken und droht mit Ungl\u00fcck dir, wohin du auch dich wendest.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/www.zeno.org\/Literatur\/M\/Montaigne,+Michel+de\/Essays\/Essays+(Auswahl)\/Von+der+Physiognomie#N885\">10<\/a> Vergil, Aen. XII, 46: Geschwollner und schmerzlicher wird er durch Heilmittel.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/www.zeno.org\/Literatur\/M\/Montaigne,+Michel+de\/Essays\/Essays+(Auswahl)\/Von+der+Physiognomie#N886\">11<\/a> Catull, De nuptiis Pelei. V, 405: Recht in Unrecht verkehrt, und diese unselige Mordwut hat gewendet von uns der G\u00f6tter gerechte Gedanken.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/www.zeno.org\/Literatur\/M\/Montaigne,+Michel+de\/Essays\/Essays+(Auswahl)\/Von+der+Physiognomie#N887\">12<\/a> Vergil, Georg. I, 500: Wenigstens, G\u00f6tter, verg\u00f6nnt, da\u00df dieser J\u00fcngling ein Retter werde dem b\u00f6sen Jahrhundert. \u2013 Es ist wohl Heinrich von Navarra, als K\u00f6nig von Frankreich, Heinrich IV., gemeint.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/www.zeno.org\/Literatur\/M\/Montaigne,+Michel+de\/Essays\/Essays+(Auswahl)\/Von+der+Physiognomie#N888\">13<\/a> Livius XXXIX, 16: Nichts ist so voll Trug und Falsch als mi\u00dfbrauchte Religion, wo die Gottheit als Schanddeckel der Bosheit dienen soll.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/www.zeno.org\/Literatur\/M\/Montaigne,+Michel+de\/Essays\/Essays+(Auswahl)\/Von+der+Physiognomie#N889\">14<\/a> Vergil, Eclog. I, 11: \u00dcberall wird es aus allen Gefilden verscheucht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/www.zeno.org\/Literatur\/M\/Montaigne,+Michel+de\/Essays\/Essays+(Auswahl)\/Von+der+Physiognomie#N890\">15<\/a> Ovid, Trist. III, 10, 65: Was sie nicht mit sich tragen und schleppen k\u00f6nnen, vernichten die Frevler und stecken schuldlose H\u00fctten in Brand.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/www.zeno.org\/Literatur\/M\/Montaigne,+Michel+de\/Essays\/Essays+(Auswahl)\/Von+der+Physiognomie#N891\">16<\/a> Claudian, In Eutrop. I, 244: Mauern sichern nicht mehr, ein Greuel der Verw\u00fcstung sind Fluren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/www.zeno.org\/Literatur\/M\/Montaigne,+Michel+de\/Essays\/Essays+(Auswahl)\/Von+der+Physiognomie#N892\">17<\/a> Cicero, De nat. deor. III, 4: Die Deutlichkeit wird durch syllogistischen Vortrag erh\u00f6ht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/www.zeno.org\/Literatur\/M\/Montaigne,+Michel+de\/Essays\/Essays+(Auswahl)\/Von+der+Physiognomie#N893\">18<\/a> Horaz, Epist. I, 18, 107: Bleibt mir, was ich habe, auch minder, doch leb&#8216; ich mir selber, was ich noch habe zu leben, wenn solches die G\u00f6tter mir fristen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/www.zeno.org\/Literatur\/M\/Montaigne,+Michel+de\/Essays\/Essays+(Auswahl)\/Von+der+Physiognomie#N894\">19<\/a> Seneca, Epist. 90: Der Gro\u00dfm\u00e4chtigste ist, war sich selber in seiner Macht hat.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/www.zeno.org\/Literatur\/M\/Montaigne,+Michel+de\/Essays\/Essays+(Auswahl)\/Von+der+Physiognomie#N895\">20<\/a> Livius XXX, 44: Unf\u00e4lle des Gemeinwesens f\u00fchlen wir nur insofern, als sie unsre Privatinteressen betreffen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/www.zeno.org\/Literatur\/M\/Montaigne,+Michel+de\/Essays\/Essays+(Auswahl)\/Von+der+Physiognomie#N896\">21<\/a> Horaz, Od. I, 28, 19: Dichtgeh\u00e4uft liegt J\u00fcngling und Greis im Grabe, und Proserpina kennt kein Erbarmen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/www.zeno.org\/Literatur\/M\/Montaigne,+Michel+de\/Essays\/Essays+(Auswahl)\/Von+der+Physiognomie#N897\">22<\/a> Vergil, Georg. III, 476: Die Gefilde von Hirten verlassen siehst du, und ringsum den Wald ver\u00f6det.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/www.zeno.org\/Literatur\/M\/Montaigne,+Michel+de\/Essays\/Essays+(Auswahl)\/Von+der+Physiognomie#N898\">23<\/a> Seneca, Epist. 91, 107: Denke dich als Verbannten, auf der Folterbank, im Kriege, auf dem Krankenbett, als Schiffbr\u00fcchigen, damit du in keinem Ungl\u00fcck Lehrling seist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/www.zeno.org\/Literatur\/M\/Montaigne,+Michel+de\/Essays\/Essays+(Auswahl)\/Von+der+Physiognomie#N899\">24<\/a> Seneca, Epist. 74: Leiden k\u00f6nnen ist ebenso schmerzlich, als gelitten haben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/www.zeno.org\/Literatur\/M\/Montaigne,+Michel+de\/Essays\/Essays+(Auswahl)\/Von+der+Physiognomie#N900\">25<\/a> Vergil, Georg. I, 123: Durch Kummer sch\u00e4rfet sie des Menschen Herz.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vorbemerkung der Redaktion: In seinem Essai \u201eVon der Physiognomie\u201c schildert Michel de Montaigne seine Erfahrungen mit der Pest. Gemeinsam mit KUNO hat er den doppelten Blick auf die Seuche: den medizinischen und den sowohl moralistischen wie moralischen. 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