{"id":97383,"date":"1990-12-10T00:01:04","date_gmt":"1990-12-09T23:01:04","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=97383"},"modified":"2022-02-27T14:23:09","modified_gmt":"2022-02-27T13:23:09","slug":"weltriss","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1990\/12\/10\/weltriss\/","title":{"rendered":"Weltriss"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In den <em>Short Stories<\/em> von A.J. Weigoni sto\u00dfen wir auf eine Welt, die kein Erbarmen kennt, der Abgrund ist das Hoheitsgebiet dieses Schriftstellers, aber die Menschen darin empfinden und empfangen Mitleid. Dieser Schriftsteller schreibt von Heimatlosigkeit, und zwar nicht im reaktion\u00e4ren oder kitschigen t\u00fcmelnden Sinn, sondern von der Heimatlosigkeit gegen\u00fcber einer Welt, in der er ein Fremder ist. Immer wieder das Leben der sogenannten kleinen Leute, der Arbeiter und der unteren Mittelschicht, und er bedient sich eines lakonischen, harten Realismus, den man auch aus amerikanischen Kurzgeschichten kennt: wirtschaftliche Probleme vor allem, daraus resultierendes Alltagsleben, Liebe, Trennung, Zw\u00e4nge, Konventionen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Weigoni beschreibt einen gesellschaftlichen Zustand, einen \u201eWeltriss\u201c, wie es Heinrich Heine einst nannte. Diese <em>Short Stories<\/em> stellen sich gegen den Konsens der Gesellschaft und widersetzen sich entschieden der Marktg\u00e4ngigkeit des Literatur-Betriebs. Das herrschende System f\u00fcgt den Menschen Schmerzen zu, und wir lesen Geschichten, die diese Schmerzen und immer wieder auch ihre Ursachen beschreiben \u2013 und mitunter auch Trost bereithalten: Geschichten, die Dissidenz und Melancholie zum Inhalt haben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der andere Teil der Menschen, die Weigoni beschreibt, besteht in der Verweigerung gegen\u00fcber einer Gesellschaft des permanenten Funktionieren M\u00fcssens, der vorgeschriebenen Wege, des manipulierenden Neo-Liberalen Systems. Wer sich einfach so aus seinem Leben fallen l\u00e4sst, geh\u00f6rt nicht l\u00e4nger zu den Alles-Mitmachern, sondern legt Protest ein gegen die Welt und gegen die vorgefundenen Verh\u00e4ltnisse ein. Es sind bittere Zustandsbeschreibungen aus dem einfachen, in Wahrheit so unermesslich schwierigen Leben.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">***<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #999999;\">Redaktionelle Anmerkung:<\/span> Die Entw\u00fcrfe aus dem &#8222;Gossenheft&#8220; <strong>Monster <\/strong>hat A.J. Weigoni \u00fcberarbeitet, sie fliessen ein in den Band\u00a0 <strong>Zombies<\/strong>, Erz\u00e4hlungen von A.J. Weigoni, Edition Das Labor 2010<\/p>\n<div id=\"attachment_97950\" style=\"width: 217px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-97950\" class=\"wp-image-97950 size-full\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/Zombies-e1645795065341.jpeg\" alt=\"\" width=\"207\" height=\"300\" \/><p id=\"caption-attachment-97950\" class=\"wp-caption-text\">Coverphoto: Anja Roth<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\">KUNO \u00fcbernimmt einen Artikel von <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2012\/10\/05\/turbokapitalistischer-realismus\/\">Kultura-extra<\/a> aus <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2012\/08\/07\/tote-lebende\/\">Neue Rheinische Zeitung<\/a> und <a href=\"https:\/\/www.fixpoetry.com\/feuilleton\/kritiken\/andrascz-j-weigoni\/zombies-0\">fixpoetry<\/a>. Enrik Lauer stellt den Band unter <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2010\/09\/01\/unter-kanonverdacht\/\">Kanonverdacht<\/a>. Betty Davis sieht darin die <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2010\/03\/18\/zur-gegenwartslage-der-literatur\/\">Gegenwartslage der Literatur<\/a>. Constanze Schmidt erkennt literarische <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2010\/10\/23\/polaroids-von-den-schattenseiten-der-gesellschaft\/\">Polaroids<\/a>. Holger Benkel beobachtet <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2013\/10\/25\/kleine-damonen-auf-tour\/\">Kleine D\u00e4monen auf Tour<\/a>. Ein Essay \u00fcber <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2010\/01\/18\/der-sudelbuchschreiber\/\">Unlust am Leben, Angst vor\u2019m Tod<\/a>. F\u00fcr Jesko Hagen bleiben die Untoten <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2013\/01\/12\/die-untoten-sind-lebendig\/\">lebendig<\/a>.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Weiterf\u00fchrend \u2192<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In der Reihe Gossenhefte zeigt sich, was passiert, wenn sich literarischer Bodensatz und die Reflexionsm\u00f6glichkeiten von popul\u00e4rkulturellen Tugenden nahe genug kommen. Der Essay <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=35655\"><em>Perlen des Trash<\/em><\/a> stellt diese Reihe ausf\u00fchrlich vor. Dem Begriff <em>Trash<\/em> haftet der Hauch der Verruchtheit und des Nonkonformismus an. In Musik, Kunst oder Film gilt Trash als Bewegung, die im Klandestinen stattfindet und an der nur ein exklusiver Kreis nonkonformistischer Aussenseiter partizipiert. Dieser angeschmutzte Realismus entzieht sich der Rezeption in einer \u00f6ffentlichen Institution. Daher sei sei Enno Stahls fulminantes Zeitdokument\u00a0<a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=26047\">Deutscher Trash<\/a> ebenso eindr\u00fccklich empfohlen wie Heiner Links <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=42272\">Vorwort<\/a> zum Band Trash-Piloten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; In den Short Stories von A.J. Weigoni sto\u00dfen wir auf eine Welt, die kein Erbarmen kennt, der Abgrund ist das Hoheitsgebiet dieses Schriftstellers, aber die Menschen darin empfinden und empfangen Mitleid. 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