{"id":97319,"date":"2022-07-31T00:01:36","date_gmt":"2022-07-30T22:01:36","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=97319"},"modified":"2022-02-24T14:23:37","modified_gmt":"2022-02-24T13:23:37","slug":"der-dieb","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2022\/07\/31\/der-dieb\/","title":{"rendered":"Der Dieb"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00bbGott ich schw\u00f6re Dir, ich werde Deinen Willen tun. Denn Du bist der Herr, Herr, und ich bin Dein Werkzeug f\u00fcr und f\u00fcr, von nun an bis in Ewigkeit. Amen. Das hei\u00dft, ja, ja, es soll also geschehen. Ich habe Dich auf den Knien gebeten, Du wei\u00dft es, Nacht f\u00fcr Nacht, hier in dem Gethsemane dieser Dachstube: ist es m\u00f6glich, Herr, so lasse diesen Kelch an mir vor\u00fcbergehen. Aber nicht mein, sondern Dein Wille geschehe. Und nun will ich mich g\u00fcrten und ausfahren, wie weiland Elia gegen die falschen Priester, oder wie Mose, der gegen den Reigen der T\u00e4nzer anschritt. Nicht eine mehr dieser N\u00e4chte, Herr, sonst bringst Du mich um meinen Verstand, und ich brauche ihn, denn Du hast ein gro\u00dfes Werk auf meine Schultern gelegt.\u00ab<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Er fiel nieder und verbeugte sich vor dem Engel des Herrn, der hinter dem Ofen stand, da, wo der Paletot hing, dort, wo er jetzt immer zu erscheinen pflegte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dann stand er auf, nahm das Paket und ging.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Er wu\u00dfte nicht, wie es angefangen hatte. Seit einigen Jahren hatte er sich von seinen Freunden zur\u00fcckgezogen in einem Anfall pl\u00f6tzlichen Ekels. Er war bald vergessen worden. Seine Freunde wu\u00dften nichts mehr von seinem Leben. Sah ihn zuf\u00e4llig mal einer im Vor\u00fcbergehen, so erkannte er ihn nicht mehr.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Er hatte seine Zeit mit allerlei Studien verbracht, um die Qualen seiner Melancholie zu heilen. Er war der Reihe nach Biologe, Astronom, Arch\u00e4ologe gewesen, alles hatte er wieder fallen lassen. Nichts hatte ihn befriedigt. Alles hatte ihn nur mit gr\u00f6\u00dferer Leere erf\u00fcllt. Und nun lebte er in einer gro\u00dfen Pension, vergraben in sein kleines Mansardenzimmer, einsam, von niemand gekannt, einer unter den vielen Einsamen dieser gro\u00dfen Stadt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Abende verbrachte er damit, da\u00df er in den Tiefen seines Lehnstuhles dem schwindenden Lichte nachsah und den Schiffen der Wolken, die sommers mit ihrem r\u00f6tlichen Kiel nach Westen reisen auf der Fahrt nach neuen, geheimnisvollen L\u00e4ndern. Oder im Sp\u00e4tsommer, wenn die Tage des Nordwestwindes beginnen mit den gro\u00dfen und seltsamen Gebilden am Himmel, damit, da\u00df er den himmlischen Tieren, die der Herbst \u00fcber die gr\u00fcnen Weiden sandte, zusah, den gro\u00dfen Walfischen, den riesigen Dromedaren und dem Geschwader unz\u00e4hliger kleiner Fische, die \u00fcber den Ozeanen des Himmels im unendlichen Blauen verschwanden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00dcber alle merkw\u00fcrdigen Erscheinungen machte er sich Aufzeichnungen. So sah er einmal vor einem weinroten Grunde den Teufel \u00fcber einem Haufen von schwarzen Leibern, die ihn anbeteten; ein andermal sah er eine ungeheuere Fledermaus, die mit ausgespannten Fl\u00fcgeln an den Himmel angeschlagen zu sein schien, wie sie von den Bauern an die T\u00fcren der Scheunen genagelt wird, oder einen riesigen Dreimaster, oder B\u00e4ume auf Bergen, oder gewaltige L\u00f6wen, ungeheuere Schlangen, die um die Schultern des Himmels gelegt waren, oder einen riesigen M\u00f6nch in einer schleppenden Soutane, oder M\u00e4nner mit seltsamen langen Profilen, und einmal einen feurigen Engel, der mit einer gro\u00dfen Fackel \u00fcber die Treppen des \u00c4thers stieg.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Manchmal war alles erf\u00fcllt mit einer seltsamen, fast unh\u00f6rbaren Musik, wie das Brausen der Ozeane in der Dunkelheit endloser Grotten und unterirdischer Dome.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Wolken waren sein letztes Studium gewesen, die letzte Verlockung, das gef\u00e4hrlichste Werk des Teufels.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Eines Abends hatte er das Buch verbrannt, und wenn er nun den Sturm h\u00f6rte, der abends den purpurnen Buzentaur einer Wolke \u00fcber den Horizont trieb, dann schlo\u00df er die L\u00e4den, verh\u00e4ngte sie innen noch mit schwarzen T\u00fcchern und versenkte sich ganz in das Dunkel und in das Schweigen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und damals hatten die Stimmen angefangen, von fern aus einem Winkel, wie aus R\u00f6hren herauf, ged\u00e4mpft und m\u00fcde wie die Klagen der Toten, die unten in den Adern der Erde herumschwimmen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Er hatte sie in den ersten Wochen nicht verstanden, aber allm\u00e4hlich lernte er ihre Sprache, je mehr die Stimmen \u00fcber ihn Macht gewannen. Und nachdem er einmal vier Tage gefastet und vier N\u00e4chte gewacht hatte, war ihm die erste Erscheinung zuteil geworden, und da zum ersten Male hatte er jenes Gef\u00fchl unendlicher Seligkeit und unerme\u00dflicher Qualen empfunden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Langsam wie Christus, der zwei Jahre in den Schrecken der W\u00fcste ausharren mu\u00dfte, war er auf seine gro\u00dfe Fahrt vorbereitet worden. Welche Leiden, welche Schrecken, welche schlaflosen N\u00e4chte, aber auch welche Hoffnungen, welche Ekstasen, welche Visionen. Nachdem sein Leib sich ganz des Fleisches entw\u00f6hnt hatte und nachdem endlich der letzte Rest animalischer Stoffe aus seinem Blute gel\u00e4utert war, erfuhr er endlich in einer Nacht von einer Stimme, die \u00fcber dem Meere aufging wie ein Gedonner, seine Botschaft.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ja, das Weib war das urspr\u00fcngliche B\u00f6se. Christi Werk war umsonst gewesen. Denn wie sollte er die Menschen erl\u00f6st haben, wenn sie immer wieder zur\u00fcckfallen mu\u00dften in die S\u00fcnde aus Notwendigkeit, wie ein Stein zur\u00fcckf\u00e4llt, und w\u00e4re er bis \u00fcber die Wolken geschleudert worden. Wahrhaftig glichen sie den armseligen Fliegen, die aus einem Honigtopfe heraus wollen, sie zappeln und krabbeln, aber sie kommen nicht weit, sie m\u00fcssen immer wieder herunter unten in die S\u00fcnde, in das S\u00fc\u00dfe. Und er las laut bei Markus im f\u00fcnfzehnten Kapitel am 34.\u00a0Vers:<\/p>\n<p class=\"leftmarg\" style=\"text-align: justify;\">\u00bbUnd um die neunte Stunde rief Jesus laut und sprach: Eli, Eli, Lama Asabtani. Das ist verdolmetscht: Mein Gott, mein Gott, warum hast Du mich verlassen?\u00ab<br \/>\nVers 37: \u00bbAber Jesus schrie laut und verschied!\u00ab<br \/>\n\u00bbMein Gott, warum hast Du mich verlassen.\u00ab<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das also war das letzte Wort Christi gewesen, und damit begrub er seine ganze Herrlichkeit. Im Grauen des Todes hatte er die letzte Wahrheit erkannt. Sein Werk war umsonst gewesen, sein Einzug in Jerusalem, seine blutige Gei\u00dfelung, seine Schmerzen, der Leidensweg und die langen Stunden am dunkeln Holz. Gott hatte ihn verlassen, und sein Werk war umsonst gewesen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und das Dunkelwerden des Himmels, das Zerrei\u00dfen des Tempelvorhanges, das Heraufkommen der Toten aus den Gr\u00e4bern, es war nichts gewesen als die armseligen Requisiten einer schlechten und sinnlosen Kom\u00f6die.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ja, und \u00bber schrie laut auf und verschied.\u00ab<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und er las weiter das 17. Kapitel der Offenbarung Johannis:<\/p>\n<ol style=\"text-align: justify;\">\n<li>\u00bbUnd es kam einer von den sieben Engeln, die die sieben Schalen hatten, redete mit mir, und sprach zu mir: ich will Dir zeigen das Urteil der gro\u00dfen Hure, die da auf vielen Wassern sitzet.<\/li>\n<li>Mit welcher gehuret haben die K\u00f6nige auf Erden, und die da wohnen auf Erden, trunken geworden von dem Wein ihrer Hurerei.<\/li>\n<li>Und er brachte mich im Geist in die W\u00fcste. Und ich sahe das Weib sitzen auf einem rosinfarbenen Tier, das war voll Namen der L\u00e4sterung und hatte sieben H\u00e4upter und zehn H\u00f6rner.<\/li>\n<li>Und das Weib war bekleidet mit Scharlach und Rosinfarbe; und \u00fcbergoldet mit Golde und Edelgesteinen und Perlen; und hatte einen goldenen Becher in der Hand voll Greuels und Unsauberkeit ihrer Hurerei.<\/li>\n<li value=\"8\">Das Tier, das Du gesehen hast, ist gewesen und ist nicht, und wird wiederkommen aus dem Abgrund, und wird fahren in die Verdammnis, und werden sich verwundern, die auf Erden wohnen, deren Namen nicht geschrieben steht in dem Buche des Lebens vom Anfang der Welt, wenn sie sehen das Tier, da\u00df es gewesen ist, und nicht ist, wiewohl es doch ist.\u00ab<\/li>\n<\/ol>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00bbDas Tier, das gewesen ist, und nicht ist, wiewohl es doch ist.\u00ab Und der Tiefsinn dieser Worte machte ihn erschrecken.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Er sah vor sich den Hals des teuflischen Tieres in schrecklicher Traurigkeit, und \u00fcber seinen H\u00f6rnern h\u00e4ngend das Gesicht des Weibes, \u00fcber ihrer Stirn das Siegel des Todes, und um ihren Mund ein furchtbares und herzzerrei\u00dfendes L\u00e4cheln wie den Widerschein des h\u00f6llischen Abgrundes.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">So mu\u00dfte also alles noch einmal getan werden, denn das Tier war noch nicht bezwungen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das \u00dcbel mu\u00dfte bei der Wurzel gepackt werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Adam war gut, solange er allein war, aber als Satan sich in den Traum Gottes schlich und ihn das Weib schaffen hie\u00df, war die Stunde der S\u00fcnde schon in die Zukunft der Geschlechter gesetzt. Wann der Mann fallen mu\u00dfte, ob durch das erste Weib oder erst durch ihre T\u00f6chter, war nicht bestimmt; da\u00df er fallen mu\u00dfte, war gewi\u00df.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und an dem Weibe war der Messias vor\u00fcbergegangen. Darum hatte ihn Gott in der letzten Stunde verlassen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein Symbol gab es; da versammelten sich die Weiber immer, oder sie gingen auch nur an ihm vor\u00fcber und sogen aus ihm eine neue Kraft, wie die Schlangen, die manchmal in ihre geheimnisvollen, unterirdischen St\u00e4dte zur\u00fcckkehren, um sich neue Gifte zu holen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und dieses Symbol hing da, die Stra\u00dfe hinunter, zwei Stra\u00dfen weiter, in seinem Tempel, und alles andere, was da noch aufgeh\u00e4ngt war, war nur da, um das Zeichen zu verstecken und den M\u00e4nnern das Geheimnis zu verbergen. Ja, ja, darum lachten die Frauen auch immer so, wenn sie ihre Regenschirme in der Garderobe abgaben. Gott hatte es ihm selber gesagt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das erstemal hatte er sie in den Stunden des Vormittags besucht, wo sie von den vielen umringt war, die alle ihre Herzen auf dem Altar der Teufelin opfern wollten. Da konnte sie auf ihn nicht so aufpassen, ihren Feind nicht gleich herauskennen. Und so konnte er sich langsam an ihre Augen gew\u00f6hnen. Jeden Tag blieb er etwas l\u00e4nger, jeden Tag wurde er geduldiger und kr\u00e4ftigte sich mehr f\u00fcr den letzten Kampf mit dem Drachen, gleich jenem Mithridates, der t\u00e4glich gr\u00f6\u00dfere Dosen der Gifte nahm, um sein Blut abzuh\u00e4rten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im Anfang hatte er noch die mannigfachen Schutzmittel gegen den b\u00f6sen Blick angewendet, da\u00df er beim Betreten des Saales den Daumen der linken Hand durch Zeige- und Mittelfinger steckte oder da\u00df er einen silbernen Phallus bei sich trug. Aber allm\u00e4hlich konnte er ihrer entbehren und dem Weib ohne Gefahr in die Augen schauen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und eines Tages hatte sie gemerkt, wen sie vor sich hatte. \u00dcber ihr Gesicht war es pl\u00f6tzlich gelaufen wie der wei\u00dfe Schatten der Erkenntnis. Einen Augenblick hatte sie sich abgewendet, aber dann hatte sie den Kampf mit ihm aufgenommen. Durch alle die Menschen hindurch hatte sie nur ihn angesehen in seiner Ecke. Ihre Augen waren sich im Raume begegnet wie zwei Dolche, die ineinander fahren, oder wie zwei gro\u00dfe Schl\u00fcnde eines leeren Weltalls, die einander auffressen wollen. Wer wird den anderen verschlingen, welche Ewigkeit wird gr\u00f6\u00dfer sein, die andere zu verzehren?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wer hier siegte, hatte den letzten Sieg erfochten, er hatte keinen Feind mehr, und rings um den Sieger waren entweder die unerme\u00dfliche Helle des Lichtes und die Chor\u00e4le der Sonnen oder schwarze Himmel voll trostlosem Schweigen und \u00fcber Haufen von S\u00e4rgen der schwarze Thron Belials und die riesigen Fahnen der H\u00f6lle.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und so k\u00e4mpfte er im vollen Saale die erste Schlacht, den ersten stummen Kampf, niemand sah ihn, niemand beachtete ihn, niemand bewunderte ihn. Von diesen erb\u00e4rmlichen Narren wu\u00dfte niemand, was hier getan wurde, was hier geschah und welche Schicksale der Menschheit auf diesem furchtbaren blutlosen Schlachtfelde entschieden wurden. H\u00e4tte er Zeit gehabt im Kampfe, er h\u00e4tte sie alle zum Tempel hinausgetrieben, diese Wucherer und G\u00f6tzendiener. Aber er durfte sich nicht fortwenden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Augen begannen ihn zu schmerzen, er sah das Weib nur noch wie durch ein rotes Feuer, ihm war, als sollte er umsinken. Er mu\u00dfte sich auf einen Stuhl st\u00fctzen, aber er hielt aus.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und langsam kam ihm das Gef\u00fchl, da\u00df er siegen w\u00fcrde. Ihre Augen waren nicht mehr so hart, nicht mehr so gro\u00df, nicht mehr so siegesgewi\u00df. Es ging wie ein Schatten \u00fcber ihre Stirn, und er sah, wie sie m\u00fcde wurde und langsam nachlie\u00df. Sie schien allm\u00e4hlich aus dem Vordergrunde zu verschwinden, ihre Umrisse wurden dunkel, ihr Gesicht wurde kleiner. Und es war ihm, als tauchte sie in die geheimnisvolle Landschaft hinter ihr zur\u00fcck wie in den Schleier eines gr\u00fcnen und stillen Wassers.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und auf einmal war sie nur die gew\u00f6hnliche Mona Lisa Gioconda, an der t\u00e4glich die Horden der Engl\u00e4nder und Amerikaner wie eine Herde Schweine vor\u00fcbergetrieben wurden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die erste Schlacht des himmlischen Krieges war gewonnen. Er fiel in einen Sessel.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sp\u00e4ter im Fortgehen drehte er sich von der T\u00fcr aus noch einmal nach ihr um. Ihre Augen begegneten sich ein letztes Mal, und er fing einen Blick auf, der sp\u00f6ttisch sein sollte, aber nur wie eine d\u00fcnne Schicht \u00fcber Meeren der Wut stand. Und noch einmal zwang er sie und scheuchte sie zur\u00fcck in ihre felsige Ein\u00f6de. Als er durch die T\u00fcr ging, wu\u00dfte er, da\u00df sie ihm nachsah, und er hatte das Gef\u00fchl, als ob ein Meuchelm\u00f6rder hinter seinem R\u00fccken st\u00e4nde. Aber er stach nicht zu, er hatte den Mut verloren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Er war drau\u00dfen im Glanz der Stra\u00dfen, und er mu\u00dfte an sich halten, sonst h\u00e4tte er getanzt und gesungen und seine Gl\u00fcckseligkeit in die d\u00e4mmernde Hitze des Himmels geschrien.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Am Nachmittag belustigte er sich damit, aus seinem Fenster zu liegen und den Menschen unten zuzusehen. Dabei a\u00df er eine T\u00fcte Pflaumen und warf die Kerne nach den winzigen K\u00f6pfen der Leute. \u00bbWenn sie w\u00fc\u00dften\u00ab, dachte er dabei, \u00bbdiese verdammten Spie\u00dfb\u00fcrger, wenn diese Idioten doch w\u00fc\u00dften\u00ab, und sein struppiger Vollbart wurde von einem lauten Lachen gesch\u00fcttelt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Von da an begann er seine Feindin auch in Stunden zu besuchen, wo es leer im Louvre war, wenn die Bilder aus dem Schlafe des Tages erwachen, gegen Abend, in den geheimnisvollen Stunden, wo das Licht den Nachmittag verl\u00e4\u00dft und in dem Halbdunkel der verlassenen S\u00e4le jeder Kopf in dem Gef\u00e4ngnis seines Rahmens tiefer und fremder wird.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Er hatte die Gewohnheit angenommen, sie von fern zu belauschen, wenn sie sich unbeobachtet glaubte, und dann erst pflegte er vorzutreten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Niemals war sie so sch\u00f6n, als wenn die Feuer der untergehenden Sonne im Staube des Zimmers zitternd auf ihrer Stirn lagen und ihre dunklen Haare zu leuchten begannen wie von eigenem Licht. Dann schien sie aus dem dunklen Hintergrunde herauszuwachsen, Fleisch zu werden und sich in dem Lichte ihrer eigenen Schamlosigkeit zu sonnen. Vielleicht war das gerade die Stunde gewesen, in der die Seele jenes verworfenen K\u00fcnstlers dereinst dem Teufel offen gestanden hatte, sie zu empfangen. Denn auf ihrem Gesicht lag es manchmal wie die Erinnerung an eine ferne entlegene Stunde voll geheimnisvoller Wollust.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ja, jeder andere w\u00e4re auf sie hineingefallen, und manchmal w\u00e4re auch er schwach geworden, aber dann rief er im Geiste zu dem Herrn, und der Herr f\u00fcllte sein Herz mit Ha\u00df und himmlischem Zorne.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und dann trat er vor. Er f\u00fchlte ihr Erschrecken, er sah, wie ihr kalt wurde und wie der Widerwillen vor ihm auf ihre Stirn trat. Und dann begann wieder der Kampf. Lautlos und stumm, Tag um Tag. Manchmal glaubte er schon, sie soweit zu haben, da\u00df sie den Kampf gar nicht mehr aufzunehmen wagte. Sie hing dann in ihrem Rahmen wie ein gew\u00f6hnliches Bild, ihre Augen waren ohne Licht, \u00fcber ihr lag es wie ein tiefer Dunst von Wehmut und Reue. Dann hatte er Mitleid mit ihr, er qu\u00e4lte sie nicht mehr. Er betrachtete sie dann mit den Augen eines Arztes, der gekommen war, sie zu retten. Man w\u00fcrde einen gro\u00dfen Schnitt machen m\u00fcssen, ohne Zweifel eine Operation auf Tod und Leben, man w\u00fcrde sie blenden m\u00fcssen, aber wenn sie dabei draufging, vielleicht fand sie Gnade vor Gott; man mu\u00dfte sie wenigstens zur Bu\u00dfe zwingen, denn es ist mehr Freude im Himmel \u00fcber einen S\u00fcnder, der Bu\u00dfe tut, als \u00fcber neunundneunzig Gerechte, die der Bu\u00dfe nicht bed\u00fcrfen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aber auf einmal lachte sie wieder, und er mu\u00dfte sehen, da\u00df sie ihn nur verh\u00f6hnt hatte, da\u00df alles nur freche Verstellung gewesen war.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die W\u00e4rter achteten nicht mehr auf ihn.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sie machten \u00fcber den Verr\u00fcckten Witze, und sonst k\u00fcmmerten sie sich nicht sonderlich um ihn. Er begr\u00fc\u00dfte sie immer sehr h\u00f6flich, und ab und zu bekamen sie ein gutes Trinkgeld, wenn er l\u00e4nger bleiben wollte, als es das Reglement zulie\u00df. Dann lie\u00df ihn einer der W\u00e4rter zu einer Hintert\u00fcr hinaus.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im August gab es mehrere Selbstmorde junger Leute. Die Zeitungen gaben in allen F\u00e4llen Liebeskummer als Motiv an. Offenbar hatte Gott das gelesen. Denn er nahm das zum Anla\u00df, energischer vorzugehen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Engel, der die himmlischen Botschaften zu vermitteln pflegte, hatte ihm seit mehreren Tagen schon angedeutet, da\u00df die Stunde der Tat nahe sei, und heute sagte er ihm, da\u00df der 17.\u00a0August von dem himmlischen Rat festgesetzt sei.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Er war einen Tag lang nicht hingegangen, um sie unruhig zu machen, um durch den Sto\u00df, den er gegen ihre Gewohnheit f\u00fchrte, ihre Gedanken zu verwirren. Er befolgte eine gute Taktik, wenigstens versuchte er, sich das einzureden. In Wirklichkeit war mit einem Male \u00fcber ihn die Angst hergefallen, nachdem ihm der Engel die Botschaft gebracht hatte. Er war aus seiner Wohnung fortgelaufen, um unter Menschen zu kommen, er wollte sich vor Gott verstecken. Aber Gott war hinter ihm her. \u00dcberall sah er ihn zwischen den Omnibussen, unter den Menschen. \u00dcberall wo er hinlief, auf den Schildern der H\u00e4user, auf den Stra\u00dfenbahnen, fortw\u00e4hrend traf er die Zahl\u00a017, gerade die, die er so gern aus allen Zahlen herausgestrichen h\u00e4tte. Er war sicher, wenn er die Augen hob, er w\u00fcrde eine\u00a017 sehen, und er sah sie.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Er h\u00f6rte hinter sich ein paar abgerissene Worte eines Gespr\u00e4ches: \u00bbWenn der Trompeter aus dem Tore heraustritt\u00ab, \u00bbaber das w\u00e4re ja schon morgen\u00ab, \u00bb ach ja, morgen ist ja der\u00a017.\u00ab<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Damit war es entschieden. Der liebe Gott schickte seine Polizisten ihm \u00fcberall nach, er w\u00fcrde ihm doch nicht entgehen k\u00f6nnen. Die Worte fielen ihm ein: \u00bbUnd k\u00e4me ich ans \u00e4u\u00dferste Meer, so w\u00e4rest Du doch da.\u00ab Ja, man konnte sich vor Gottes Angesicht nirgends verstecken, es sei denn, man kr\u00f6che in die feurige Kehle Satans.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das mit der Trompete war deutlich eine Anspielung auf das j\u00fcngste Gericht und die Strafe, die seinem Ungehorsam bestimmt war. Und er kehrte um und ergab sich seinem Schicksal.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Den Nachmittag, die Nacht und den Morgen verbrachte er in Gebeten. Er lag vor Gott im Staube, er dem\u00fctigte sich, er ri\u00df seine ganze Seele auseinander und lie\u00df Gott hineinstr\u00f6men wie einen Rauch, wie ein Fluidum. Um Mitternacht erlosch seine Lampe. Er betete im Dunkel weiter. Und auf den Spitzen seiner H\u00e4nde, die er im Dunkel schwang, ergl\u00e4nzte ein schwaches blaues Licht wie ein Sankt Elmsfeuer, als f\u00fchre die Kraft Gottes wie ein Strom in ihn hinein, ihn mit Entz\u00fccken zu erf\u00fcllen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wie ein Krieger schwoll er vor St\u00e4rke, er h\u00e4tte eine ganze Stadt hypnotisieren k\u00f6nnen, er h\u00e4tte die n\u00e4chtlichen Horizonte vor sich auf ihre schwarzen Knie zwingen k\u00f6nnen, und den dunkeln Ozean h\u00e4tte er wie einen riesigen st\u00fcrmenden Mantel hinter sich hergezogen, wenn er von hier gegangen w\u00e4re.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Je mehr er sich Gott unterwarf, um so feuriger wurde sein Verlangen, sich mit den F\u00fcrsten der H\u00f6lle, den Belzebubs und riesigen Leviathanen des Abgrundes zu messen. Denn nat\u00fcrlich, auch sie trafen ihre Vorbereitungen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Vielleicht lauerten sie schon zu Hunderttausenden hinter dem Bilde, vielleicht hatten sie durch die r\u00e4tselhaften Berge in dem R\u00fccken der G\u00f6ttin ungeheuere Stollen heraufgebohrt, in denen sie sa\u00dfen in feurigen Harnischen, \u00fcber ihn herzufallen, wenn er das Bild anfassen wollte. Dann w\u00fcrden die Heerscharen der H\u00f6lle mit Geschrei, Gestank, Nacht und Flammen hervorbrechen, die Kohorten des Satans, die kamen, ihn, den Louvre, Paris, Frankreich, die Welt, alles zu verbrennen und zu verschlingen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und morgen um diese Zeit w\u00fcrde hier vielleicht wieder das Chaos sein, sternlose Himmel, und ein gro\u00dfer ges\u00e4ttigter Drache w\u00fcrde auf der Spitze seines Schwanzes \u00fcber den Flammen tanzen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und nun war die Stunde gekommen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es gab keinen Weg mehr zur\u00fcck.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Gott hatte gesprochen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Er stand unten an der T\u00fcr, seine Knie zitterten so furchtbar, er war so wenig Herr seiner Nerven, da\u00df er sich an die Mauer lehnen mu\u00dfte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Um alles noch einmal zu \u00fcberdenken, um sich zu beruhigen, wollte er erst noch etwas spazieren gehen. Und so verlor er sich durch ein paar Stra\u00dfen voll Menschen. Aber es gelang ihm nicht, unterzutauchen. Denn in ihrer F\u00fclle, in ihrer Ziellosigkeit und Verg\u00e4nglichkeit strahlte seine Gr\u00f6\u00dfe und Einsamkeit immer heraus, gleich dem Feuer einer ewigen Lampe oder gleich dem Schritt eines unsichtbaren Gottes, der durch die Stra\u00dfen der St\u00e4dte wandert. Manche Leute sahen ihn an. Sie schienen sich \u00fcber ihn zu wundern. Aber er hatte seine Augen unter einer gro\u00dfen Brille verborgen, um ihren Glanz nicht zu verraten. Seine Lippen bewegten sich in Gebeten. Die ausgefransten Sch\u00f6\u00dfe seines schwarzen Rockes flogen hinter ihm her, und sein gro\u00dfer Hut rutschte ihm bei jedem Schritt mehr in die Stirn. Als er einen Stra\u00dfendamm kreuzte, sah ihm ein Schutzmann nach.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Unten an der Seine schon sollte die Schlacht beginnen, denn die H\u00f6lle hatte ihre Vorposten weit vorgeschoben. Ein Mann s\u00e4gte \u00c4ste von einem Baume ab, einer fiel ihm gerade auf den Kopf Er sah herauf, und da sah er den ganzen Himmel mit D\u00e4monen erf\u00fcllt, Hundert und aber Hundert reitend auf roten Wolken, Teufel mit einem gro\u00dfen Horn auf der Stirn, andere mit Posaunen, gewaltige Rosse b\u00e4umten sich in den Himmel, riesige Lanzen wurden geschwungen, und ein gewaltiger Schrei erf\u00fcllte den nordwestlichen Himmel weit \u00fcber das Dach des Louvre hinaus. Das Blut schwand ihm aus dem Gesicht. Trotz der Hitze des Nachmittags \u00fcberfiel seinen Leib eine schreckliche K\u00e4lte. Seine Adern waren wie verschrumpfte Wurzeln, und sein Gehirn drehte sich wie ein Kreisel in der Enge seines Sch\u00e4dels herum.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In seiner Angst begann er laut zu beten. Ein paar Kinder, die auf der Stra\u00dfe spielten, liefen hinter ihm her. Er versuchte, seine Selbstbeherrschung zur\u00fcckzugewinnen, trat an eine Selterbude, verlangte eine Limonade. Dann setzte er ruhig und gefa\u00dft seinen Weg fort. Die Kinder verloren sich.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das war seine letzte Schw\u00e4che gewesen, von nun an war Gott bei ihm.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Er trat in den Louvre ein mit seinem Paket unter dem Arm. Der Portier begr\u00fc\u00dfte ihn, er gab ihm ein Trinkgeld. Oben in den S\u00e4len war es schon leer, und nur das bedr\u00fcckende Schweigen all der Bilder war in den d\u00e4mmernden S\u00e4len wie von Leuten, die \u00fcber jemand gesprochen haben. Er kam heran, sie wurden pl\u00f6tzlich stumm. Aber die b\u00f6sen Gespr\u00e4che dieser niederen Teufel, dieser Schatten und Toten schienen noch in dem Raum zu schwingen und in seinen Ohren fortzuklingen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein W\u00e4rter schlief auf einem Stuhl im Zwielicht. Als er Schritte h\u00f6rte, erwachte er; er sah nach der Uhr, es war Zeit zu schlie\u00dfen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Irre trat zu ihm, gab ihm ein F\u00fcnffrankenst\u00fcck und sagte ihm, er sollte ihn in zwei Stunden holen und ihn hinauslassen. Der W\u00e4rter nahm das Trinkgeld und ging laut g\u00e4hnend davon.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nun war er ganz allein, ein Einsamer auf den entlegensten Vorgebirgen des Lebens, unter den Schrecken der letzten und unsichtbaren Geheimnisse. All die toten Augen der Menschen entschwundener Jahrhunderte sahen ihn hochm\u00fctig aus dem Dunkel ihrer Rahmen an, als er an ihnen vor\u00fcberging. Und hinten h\u00f6rte er immer ein Rascheln und Wispern, als warteten sie nur, bis er vorbei w\u00e4re, um sich \u00fcber ihn lustig zu machen. In allen Ecken schien jemand auf ihn zu warten, etwas Gro\u00dfes und Dunkles, und wenn er herankam, ging es davon, ihm voraus. Er h\u00f6rte einen Schritt hinter sich, was war das? Er blieb stehen. Die Schritte verstummten. Er ging weiter, es war wieder da. Pl\u00f6tzlich merkte er, da\u00df es nur der ferne Widerhall seiner eigenen Schritte gewesen war.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es wurde dunkler, am Himmel schien ein Gewitter heraufzuziehen. Ein gewaltiges Brausen erf\u00fcllte drau\u00dfen die Luft. Und vor einem der Fenster trieb oben ein Haufe Bl\u00e4tter und Staub vorbei. Fern irgendwo in den S\u00e4len erhob sich ein S\u00e4useln, der Wind hatte irgendwo hereingefunden, es war wie ein Wimmern, und das Blut in den Adern erstarrte ihm vor Entsetzen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Hinter dem Eingang zu dem Zimmer der Gioconda stand ein gro\u00dfer Sessel. Er lie\u00df sich auf die H\u00e4nde hinunter, und so kroch er auf allen Vieren wie ein Tier durch den Vorraum, schnell durch die T\u00fcr, und verbarg sich hinter der breiten Lehne des Sessels.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Er hatte allen Mut verloren, und die Furcht sch\u00fcttelte ihn hin und her mit ihrer riesigen Faust. Am liebsten w\u00e4re er umgekehrt. Aber wenn er jetzt schwach war, fielen die Teufel sicher \u00fcber ihn her, in zwei Sekunden war ihm der Hals umgedreht. Er blieb hier liegen wie ein ausgeleerter Sack, und die Menschen mu\u00dften wieder Jahrtausende auf die Erl\u00f6sung warten. Er versuchte, zu \u00fcberlegen, er wollte sich aus den Fingern der Angst befreien. Er gab sich M\u00fche, sich zu beherrschen. Er versuchte, an irgend etwas Gleichg\u00fcltiges zu denken. Er z\u00e4hlte die Fransen des Sessels, er begann zu beten, und endlich, da niemand kam, begann seine Erregung sich zu verlieren. \u00bbDein Wille geschehe\u00ab \u2013 sagte er noch einmal leise, und dann steckte er vorsichtig seinen Kopf hinter dem Sessel hervor.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und da hing sie.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sie sah ihn, sie blieb ruhig, sie erschrak nicht einmal. Sie war also schon benachrichtigt, vielleicht hatte sie ihn schon hereinkriechen sehen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In dem Dunkel des wolkenverhangenen Himmels schien ihr Gesicht dreifach zu leuchten vor L\u00fcge und Bosheit. Woran lag es nur, da\u00df sie so b\u00f6se aussah? Es war doch kaum eine Falte in ihrem Gesicht. Doch war es schrecklicher anzusehen, als wenn es ganz von den Runzeln der Wut zerrissen gewesen w\u00e4re. Und pl\u00f6tzlich konnte er sie ganz ruhig betrachten. Er ma\u00df sie ab von ihrer reinen Stirn, die unter einem Heiligenschein zu leuchten schien, bis herab an ihre H\u00e4nde, die von jedem Laster der Unzucht, von jedem Verrat, vom Spiel mit spitzigen Dolchen und vom Mischen wei\u00dfer, unschuldiger Gifte wu\u00dften. Er untersuchte ihr Gesicht. Er wollte herausheben, wo eigentlich ihre Gemeinheit sa\u00df, aber er bekam keine Antwort. Er erhob sich hinter seinem Sessel und wartete. Ihm war, als zitterten ihre Lippen von leisen Worten gleich Schmetterlingen \u00fcber einer abendlichen Wiese.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Teufel, sie war sehr sch\u00f6n in ihrer Verworfenheit.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">War sie stumm, sprach sie? Oh, er h\u00e4tte sich bessere Ohren gew\u00fcnscht, um alle ihre Gemeinheiten erfahren zu k\u00f6nnen, und sie dann mit doppelter Gerechtigkeit zu verdammen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Welche Weisheiten des Abgrundes, welche Gedanken der H\u00f6lle mochten hinter ihrer Stirn wohnen. In welche Tiefen h\u00e4tte man geschaut, wenn man die silberne Pforte dieser Schl\u00e4fe aufgesto\u00dfen h\u00e4tte. O\u00a0Gott.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und die Stille lie\u00df das Blut in seinem Kopfe brausen, er h\u00f6rte es wie ein unterirdisches Wasser an seinen Ohren vorbeirauschen in der weiten Stille dieser S\u00e4le, in der vielleicht noch einige Worte aus jenem Munde verzitterten, wie Tropfen, die in ein silbernes Becken gefallen sind.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein Schatten lief \u00fcber ihr Gesicht wie eine Trauer. Ihr Mund schien sich zu schlie\u00dfen, und sie schwieg.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aber das Schweigen, das von ihr ausging, war wie ein ewiger Gesang, wie das Brausen ferner blauer und unerme\u00dflicher Meere.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Sturm drau\u00dfen war vor\u00fcber. Nur ab und zu ging noch ein verlorener Windsto\u00df in den hohen B\u00e4umen. Die Abendsonne warf eine feurige Fackel herein, und die tiefen lombardischen Farben des Bildnisses belebten sich in Purpur, das Gewand rauschte und flammte auf, das rote Licht ging \u00fcber ihr Gesicht herauf und verfing sich in den goldigen Netzen ihres leisen Gel\u00e4chters. Und langsam schien sie sich in der D\u00e4mmerung aufzul\u00f6sen wie ein Duft, wie ein Hauch, die Berge hinter ihr, ihre Stirn, ihre Haare, alles wollte langsam in blauen Schatten vergehen, aber ihr L\u00e4cheln blieb schwimmend im Licht, leise wie der silberne Schall einer h\u00f6llischen Harfe, ihr L\u00e4cheln wie der tiefe und goldene Abglanz der K\u00fcsse Arimans, das gro\u00dfe Insiegel Satans, das das Feuer seiner Umarmungen f\u00fcr ewig in ihre Lippen gegraben hatte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und nun mu\u00dfte sie untergehen. Ja sie mu\u00dfte, es war ihm befohlen. Und schlie\u00dflich durfte er Gott nicht trotzen. Denn Gott hatte ja keinen andern als ihn.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sie mu\u00dfte zerschmettert werden. Ja, Teufel, sie war sehr sch\u00f6n. Es half alles nichts, ihre Stunde hatte geschlagen. Und die letzte Schlacht mu\u00dfte beginnen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Er drehte sich um, kniete sich auf die Erde, holte seine Bibel hervor und las noch einmal die Worte der Apokalypse:<\/p>\n<p class=\"leftmarg\" style=\"text-align: justify;\">\u00bbUnd ich sahe das Weib sitzen auf einem rosinfarbenen Tiere, das war voll Namen der L\u00e4sterung und hatte sieben H\u00e4upter und zehn H\u00f6rner.<\/p>\n<p class=\"leftmarg\" style=\"text-align: justify;\">Und das Weib war bekleidet mit Scharlach und Rosinfarbe, und \u00fcbergoldet mit Golde und Edelgesteinen und Perlen, und hatte einen goldenen Becher in der Hand voll Greuels und Unsauberkeit ihrer Hurerei.\u00ab<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ja, voll Greuels &#8230;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Seine haarige graue M\u00e4hne war \u00fcber sein Gesicht gefallen, seine Brille war ihm \u00fcber seine graue Nase gerutscht, und, wie er da kniete, glich er einem uralten Affen, der am Ende seiner dunklen H\u00f6hle \u00fcber seinem Fra\u00dfe hockt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und er las weiter das sechste Kapitel des Briefes an die Hebr\u00e4er, am vierten Verse:<\/p>\n<p class=\"leftmarg\" style=\"text-align: justify;\">\u00bbDenn es ist unm\u00f6glich, da\u00df die, so einmal erleuchtet sind und geschmeckt haben die himmlische Gabe, und teilhaftig geworden sind des heiligen Geistes, und geschmeckt haben das g\u00fctige Wort Gottes und die Kr\u00e4fte der zuk\u00fcnftigen Welt, wo sie abfallen und wiederum ihn selbst, den Sohn Gottes, kreuzigen, und f\u00fcr Spott halten, da\u00df sie sollten wiederum erneuet werden zur Bu\u00dfe.\u00ab<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ja, wenn er abfiel, wenn er, der den Himmel offen gesehen hatte, Gott den Gehorsam aufsagte, so machte er sich selbst zum Spott und kreuzigte sich selbst, sich, den wahren Messias und Boten Gottes. Und er kam unten zu liegen, in den tiefsten Abgrund und die Eingeweide der H\u00f6lle. Da gab es doch keine Wahl.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Er versteckte das Buch, stand auf, ging noch einmal durch alle S\u00e4le, alles war leer.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Er ging zur\u00fcck, stellte sich noch einmal hinter seinen Sessel, sammelte noch einmal alle seine Kraft.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">W\u00fcrde er siegen, w\u00fcrde er zerrissen werden?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aber er war ruhig, er hatte keine Furcht mehr. Mochte sie schon \u00fcber ihn herfallen und ihn zerrei\u00dfen. Er verbeugte sich noch einmal nach dem oberen Fenster vor Gott, er befahl ihm seine Seele, dann ging er langsam vorw\u00e4rts, bei jedem Schritte laut den Beistand des Himmels herabrufend.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Er kam bis nahe an das Bild. Niemand r\u00fchrte sich. Er sah sich nach allen Seiten um. Nur im Dunkel der D\u00e4mmerung eines Winkels schien es zu schwanken wie ein riesiger formloser Schatten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Er wagte noch nicht, sie zu ber\u00fchren. Aber er stand ihr dicht gegen\u00fcber und sah sie an. Er tauchte seine Augen zur letzten Schlacht in die ihren. Und sie antwortete. Die H\u00f6lle hatte die Herausforderung angenommen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und da standen sie sich gegen\u00fcber, der Irre und das Weib, ein zerrissener Sturm und eine ewige Stille.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sein Gesicht war dunkel wie eine sterbende Kerze, aber \u00fcber der Stirn des Weibes stand es wie die fahle Morgend\u00e4mmerung einer zeitlosen Ewigkeit. Und w\u00e4hrend sich sein Gesicht fortw\u00e4hrend zu ver\u00e4ndern schien, selbst in der Starre des Krampfes, wie ein wolkenschwangerer Himmel \u00fcber einem st\u00fcrmischen Meer, war das ihre wie ein Brunnen, dar\u00fcber viele Schatten und Bilder ziehen, aber das Wasser bleibt ewig in Ruhe.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es kam nichts. Niemand kam. Und die Zeit ging dahin. Endlich mu\u00dfte etwas getan werden, sonst war es zu sp\u00e4t. Man mu\u00dfte endlich das letzte tun, sie anfassen. Und in der n\u00e4chsten Sekunde mochte das Dunkel kommen und die Erde aufstehen und der Himmel einbrechen, Nachtgeschrei, Feuer und L\u00e4rm, und der Ozean wie ein rasender Sturm \u00fcber den Abend hinaufsteigen und die Lichter der Sterne verl\u00f6schen. Vielleicht hielten sie schon ihre Hand \u00fcber ihn. Und er sah noch einmal verstohlen hinauf.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dann bewegte er seine linke Hand mit gespreizten Fingern langsam gegen das Bild vor, w\u00e4hrend er die Rechte zum Kampfe geballt hielt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Er ber\u00fchrte ihre H\u00e4nde, nichts r\u00fchrte sich. Er fa\u00dfte ihren Kopf an, nichts, gar nichts.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Er ber\u00fchrte sie auch mit der rechten Hand, niemand r\u00fchrte sich, alles blieb still, alles blieb dunkel.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Da fa\u00dfte er das Bild an dem Rahmen, hob es aus den Scharnieren, legte es auf den Boden, umwickelte es mit dem Papier des Paketes, das er mitgebracht hatte, und nun sah es so aus wie das Paket selbst. Einen Augenblick lehnte er sich gegen die Wand. Dann nahm er das Bild unter den Arm und ging hinunter. Der W\u00e4chter schlo\u00df ihm auf, sie w\u00fcnschten sich einen guten Abend, und er verschwand in die Nacht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Am n\u00e4chsten Morgen wu\u00dften schon alle Zeitungen vom Diebstahl der Mona Lisa Gioconda.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Man nahm sofort die W\u00e4rter ins Gebet, aber sie h\u00fcteten sich nat\u00fcrlich, ihre eigene Nachl\u00e4ssigkeit zu verraten. Sie hatten einfach nichts gesehen, sie wu\u00dften gar nichts.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Hunderte von Protokollen wurden aufgenommen, ganze Scharen armseliger Strolche wurden auf allen Landstra\u00dfen Frankreichs aufgegriffen und peinlichen Verh\u00f6ren unterzogen. Riesige Schw\u00e4rme von Detektiven nisteten auf jedem Ozeandampfer, Hunderttausende von Polizisten liefen hinter hunderttausend verschiedenen Spuren her. Alle M\u00f6rder und Diebe hatten gute Tage, und alle Kunsthistoriker begannen, in rasendem Tempo zu verdienen. Ganz Paris geriet in einen wilden Taumel, und jeder Vorstadtbudiker mu\u00dfte ein Bild der Mona Lisa \u00fcber seinem Bette haben.\u00a0&#8211;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Eine florentinische Fr\u00fchlingsnacht. \u00dcber den runden und dunklen etrurischen Bergen unten am schwarzen Himmel zitterte ein sanftes Licht wie eine D\u00e4mmerung. Und der Mond ging \u00fcber ihnen herauf<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Pl\u00f6tzlich lagen alle Stra\u00dfen, die von den Bergen herunterkamen, in seinem wei\u00dfen Licht, und alle D\u00e4cher und T\u00fcrme der Stadt unter ihm tauchten aus der Nacht, aufgel\u00f6st, ohne Umrisse, wie die St\u00e4dte eines tr\u00e4umerischen K\u00f6nigreiches. Die silbernen Vierecke des Flusses lagen gl\u00e4nzend zwischen dem Dunkel der Br\u00fccken.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Er drehte sich um, da hing ein Strahl des Mondes in ihren Augen wie ein goldener Tropfen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sie war undeutlich zu sehen, der Schatten des Vorhanges bewegte sich \u00fcber ihrem Gesicht. Nur ein Streifen vom Kinn bis zu der Stirn war frei und leuchtete im Mondlicht. Vielleicht weinte sie?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ach wenn sie geweint h\u00e4tte, nur einen einzigen Tropfen, eine einzige Tr\u00e4ne der Reue.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Er ri\u00df den Vorhang ganz vom Fenster zur\u00fcck, ehe sie auf seine Bewegungen acht geben konnte. Er hatte schon richtig vermutet, ihr fiel gar nicht ein, zu weinen. Auf diese Stirn voll Laster wagte sich kein Gedanke der Reue herauf. Sie bl\u00fchte noch immer in ihrer Frechheit, die erst die Hand des Todes von ihrem Munde herunterjagen w\u00fcrde.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sie hatte sich um nichts gebessert, seitdem er sie hier eingesperrt hatte, sie war nur noch b\u00f6ser geworden, diese Hure da. Vielleicht war der Satan jede Nacht bei ihr gewesen, w\u00e4hrend er durch die halbe Welt geflohen war, um seine Liebe zu ihr zu vergessen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wieviel verweinte N\u00e4chte, Teufel, Mona Lisa Gioconda, Gott.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Als er nach Florenz gekommen war, hatte er dieses kleine Haus \u00fcber der Stadt gemietet. Und gleich in der ersten Nacht hatte er sie umbringen wollen. Ja, damals vor drei Jahren, da war er noch stark gewesen. Ach ja, und jetzt? Alle Leute auf der Stra\u00dfe lachten ihm ins Gesicht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Er hatte schon einmal das Messer an ihren Augen gehabt, aber er hatte nicht zusto\u00dfen k\u00f6nnen. Denn eine bittere Erkenntnis hatte ihn schwach gemacht, er hatte pl\u00f6tzlich gewu\u00dft, da\u00df er sie liebte. O\u00a0mein Herrgott, das war das Furchtbarste, diese verzweifelten K\u00e4mpfe, die damals begonnen hatten, wochenlang. In jeder Nacht, wenn er ihre Augen nicht zu f\u00fcrchten hatte, hatte die Spitze des Messers \u00fcber ihrem Gesicht gestanden, aber jedesmal hatte er seinen Arm wieder sinken lassen, und dort in dem Winkel hat er dann immer gesessen, in sich gekrochen wie ein gepr\u00fcgelter Hund, und er hatte nicht mehr gewagt, sie anzuschauen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Eines Tages hatte er sie hier versteckt und eingeschlossen. Und dann war er fort, wer wei\u00df durch wieviele St\u00e4dte vom Orkan seiner Liebe immer herumgejagt um Florenz, durch Spanien, Tunis, Griechenland, \u00fcber die Alpen fort, immer im Kreise wie ein kleiner Komet, der sich nicht mehr aus der Sph\u00e4re einer \u00fcberm\u00e4chtigen Sonne herausrei\u00dfen kann.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Endlich konnte er nicht mehr. Gott hatte ihn verlassen. Und nun lag er hier wie ein Wrack vom Sturm auf die Riffe geworfen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Gott war fort. Vielleicht war Gott gestorben und war irgendwo im Himmel beerdigt. Auf seinem Stuhl sa\u00dfen jetzt vielleicht ganz andere G\u00f6tter.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nur einen letzten Versuch wollte er noch machen, denn er wollte keine Geliebte, die sich heute dem und morgen dem anh\u00e4ngt. Wenn sie ihre Falschheit lassen wollte, wenn sie aufh\u00f6ren wollte zu lachen, gut, er wollte sich um diesen Preis auf der Stelle dem Teufel verschreiben und eine Ewigkeit der H\u00f6lle immer zu ihren F\u00fc\u00dfen sitzen, wie ein kleiner D\u00e4mon oder wie ein kleiner gefl\u00fcgelter Schmetterling ewig \u00fcber den riesigen G\u00e4rten ihres Halses.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Mond kam ganz in die Stube.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Alle Gegenst\u00e4nde r\u00fcckten zur\u00fcck und schrumpften ein in seinem blauen Licht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aber das Gesicht der Mona Lisa wurde weit wie ein See.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Er ging auf sie zu und sagte: \u00bbIch will dir verzeihen, ich will dich lieben, aber du mu\u00dft nicht mehr lachen.\u00ab Und um ihr Zeit zu lassen, ihr Gesicht zu ver\u00e4ndern, drehte er sich um.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auf einem Stuhle sah er seine Bibel. Er warf sie heraus aus dem Fenster und er h\u00f6rte, wie sie unten aufklatschte. Dann ging er ans Fenster und streckte gegen Gott seine Zunge heraus.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Als er sich wieder zu ihr kehrte, war es noch um kein Haar besser. Er beschlo\u00df, st\u00e4rkere Mittel anzuwenden, denn vor dem Eigensinn einer Frau durfte er sich nicht schwach zeigen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und auf einmal erkannte er, auf dem Munde eines Mannes war dieses Lachen eine Blasphemie, eine Unm\u00f6glichkeit.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ach er verachtete sie, aber er liebte sie. Und er verachtete sich selber, da\u00df er sie liebte, diese Hure, die es verstanden hatte, ihn, den Heiligen Gottes, in den Schlamm herunterzuziehen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aber nun war alles ganz egal, er liebte sie eben, und dagegen war nichts mehr zu machen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aber das Lachen mu\u00dfte weg, dieses verfluchte Gel\u00e4chter, das war ja schon nicht mehr zum Aushalten. Und er begann seine Beschw\u00f6rung.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wie ein Satan sprang er gegen das Bild vor, drei S\u00e4tze vor und drei S\u00e4tze zur\u00fcck, seine Arme ruderten in der Luft, seine gekr\u00fcmmten H\u00e4nde standen wie ein paar Schn\u00e4bel \u00fcber seinem Kopfe, und seine langen und verw\u00fcsteten Haare tanzten auf seinen d\u00fcnnen Schultern. Bei jedem Sprunge knickte er etwas mit seinen Knien zusammen, und sein gro\u00dfer schwarzer Schatten tanzte neben ihm her an der Wand, immer drei S\u00e4tze vor und drei S\u00e4tze zur\u00fcck, wie ein riesiges K\u00e4nguruh.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aber es half nichts.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00bbSo\u00ab, dachte er endlich, \u00bbdu willst nicht, na, ich werde dir schon auf die Beine helfen. Du denkst wohl, ich bin dein Idiot. Na, ich werde dir die Sache schon beibringen.\u00ab<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Er z\u00fcndete das Licht vor ihr an und hielt es ihr unter die Nase, um sie ein bi\u00dfchen zu kitzeln. Vielleicht w\u00fcrde sie nun endlich einmal schreien. Und sie schien auch ihr Gesicht etwas zu verziehen, aber nur als wenn sie ihre Lippen zu einem doppelten Grinsen auseinanderz\u00f6ge, das seine vergebliche Anstrengung nur noch mehr verh\u00f6hnte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auf einmal warf er das Licht wieder fort. \u00bbWas habe ich getan\u00ab, dachte er, und er fiel vor ihr auf die Knie, er weinte vor ihr, und das Schluchzen sch\u00fcttelte seine Schultern hin und her.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und da auf einmal h\u00f6rte er sie ganz laut lachen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und das vertr\u00e4gt kein Mann.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Seine ganze Liebe war weg. Er war pl\u00f6tzlich wie ein Stein. Er stand auf, suchte sich das Licht wieder hervor, und die kleine Flamme mit der Hand sch\u00fctzend, stieg er die Treppe herunter. Der Widerschein lief \u00fcber sein Gesicht, es war rot und starr.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In der K\u00fcche unten suchte er sich ein gro\u00dfes Messer, lang und breit, so ein richtiges zum Fleischschneiden. Und dann ging er wieder herauf. Als er in die T\u00fcr der Bodenkammer trat, hielt er die Kerze hoch in der Hand und lie\u00df den Schein \u00fcber ihr Gesicht hinlaufen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mit Bedacht suchte er sich eine Stelle, wo er ansetzen konnte. Die Augen waren das B\u00f6seste, sicher. Man konnte ja auch das Herz nehmen, sie gleich t\u00f6ten, aber das war nicht genug Rache.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Er trat an sie heran und setzte die Spitze des Messers auf den inneren Winkel des rechten Auges, stach das Messer etwas herein und begann das Auge herauszuschneiden. Er hatte dabei zu tun, denn die alte Leinwand war hart und steif. Schlie\u00dflich hing es nur noch an einem Faden. Er ri\u00df es heraus und trat es mit dem Fu\u00dfe aus, als es noch zitterte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mit dem linken Auge tat er ebenso, aber es war noch fester, es wollte nicht mit, als er es herausri\u00df. Und als er es endlich losbekam, hing noch ein gro\u00dfer Fetzen der Stirn daran.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Damit war es aber noch nicht ganz getan. Jetzt kam der Mund an die Reihe. Er konnte es sich nicht versagen, ihn noch einmal zu streicheln, einmal noch leise mit dem Zeigefinger \u00fcber diese Lippen zu fahren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dann, da wo das Lachen am b\u00f6sesten sa\u00df, an dem rechten Mundwinkel, stach er herein.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Er schnitt den Mund oben und unten bis zur Mitte fort und hob den Fetzen heraus. Und dann ging er ein paar Schritte zur\u00fcck und betrachtete sein Werk wie ein K\u00fcnstler. Er mu\u00dfte lachen, zum erstenmal seit einer Ewigkeit. Er machte sich mit dem Schneiden keine Arbeit mehr, er packte den Lappen mit der Faust an und ri\u00df ihn heraus, quer \u00fcber das ganze Gesicht, w\u00e4hrend er sich vor Lachen den Bauch hielt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Er war f\u00fcrchterlich anzuschauen, dieser Kopf, aus dem pl\u00f6tzlich der Tod von innen herausgebrochen war wie ein Gefangener aus seinem Loche. Der Kopf mit diesen ungeheuren Augenh\u00f6hlen, wie mehrere Fenster, hinter denen das Dunkel sa\u00df. Und dieser gro\u00dfe, leere Mund, der wirklich nicht mehr l\u00e4chelte, aber sich zu dem furchtbaren Lachen des Todes auseinandergezerrt hatte, einem Lachen, unh\u00f6rbar und doch laut, unsichtbar und doch da, alt und dunkel wie die Jahrtausende.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und pl\u00f6tzlich konnte er, als er seine Tat \u00fcbersah, das Wesen der Dinge erkennen, und er wu\u00dfte, da\u00df nichts war, kein Leben, kein Sein, keine Welt, nichts, nur ein gro\u00dfer schwarzer Schatten um ihn herum. Und er war ganz allein oben auf einem Felsen. Und wenn er nur einen Schritt tat, sank er herunter in den ewigen Abgrund.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Eine furchtbare M\u00fcdigkeit kam \u00fcber ihn. Es war ja auch nichts mehr zu tun. In einem Winkel hockte er sich zusammen unter einer Bodenluke, wie ein schwarzes Tier in dem Viereck des blauen Mondlichtes.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Er war eingeschlafen. Und wie er da sa\u00df gegen die Wand gelehnt, den Kopf zwischen den Knien herunterh\u00e4ngend und die langen Arme schlapp auf der Erde, als wollten sie von ihm fortflie\u00dfen, war er wie ein gro\u00dfer schwarzer Haufen zusammengefallener Asche, die der letzte Rest der Glut verlassen hat.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Licht, das er fortgeworfen hatte, war auf ein paar Lumpen gefallen, die langsam ins Glimmen kamen. Es dauerte eine Weile, dann hatte sich der Funken einen Weg bis zu einem Haufen Stroh gefressen. Ein Wind kam herein, und eine kleine rote Feuerschlange ringelte aus den trockenen Halmen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nach einiger Zeit wieder sahen auf der Stra\u00dfe einige Betrunkene, die sich verirrt hatten, wie ein gro\u00dfer roter Feuerdrache oben auf dem Dache sa\u00df und mit seinen riesigen Fl\u00fcgeln auf den brennenden Sparren herumschlug.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Sache nahm ihren Verlauf. Die Betrunkenen begannen zu schreien, ein paar Fenster gingen auf, ein paar Nachtm\u00fctzen flatterten heraus, ein paar Haust\u00fcren \u00f6ffneten sich, und drei oder vier Gestalten rannten die Stra\u00dfe herunter, nach der gelben Lampe des Polizeibureaus.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Stra\u00dfe wird voll Menschen, L\u00e4rm, Gez\u00e4nk, Kindergeschrei, Polizisten, alles starrt herauf in das Feuer. Ein brennender Balken l\u00f6st sich ab und f\u00e4llt krachend herunter. Erneutes Geschrei. Man schafft ein paar Verwundete oder Tote fort.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Feuerwehr kommt, die Spritzen fahren in das Feuer, und ein gro\u00dfer gelber Dampf steigt in die Nacht, wo die Wasser in die Flammen einschlagen. Eine gro\u00dfe Leiter dreht sich wie ein Kran in der Luft oben hinauf, wo der Kopf des alten Mannes aus der Bodenluke heraush\u00e4ngt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sie legt gegen die Mauer an, und ein paar Feuerwehrleute mit gro\u00dfen Helmen laufen wie ein paar Affen die Sprossen herauf.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Als sie beinahe oben sind, geht der Kopf zur\u00fcck. Nun kann man sehen, wie sie durch die gl\u00fchenden Dachsparren springen, hinter einem schwarzen Schatten her, der vor ihnen fl\u00fcchtet, immer hin und her durch die Glut und die Balken, wie ein paar gro\u00dfe Teufel, die eine Maus jagen. Auf einmal verschwindet die wilde Jagd nach hinten in einer rauchenden Wolke.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Als die Feuerwehrleute durch Feuer und Qualm den alten Mann hinten in seinem Winkel fanden, kauerte er auf einem B\u00fcndel Sachen. Er hielt etwas Gro\u00dfes vor sein Gesicht, ein Gem\u00e4lde, ohne Augen und Mund, aber die Augen des alten Mannes sahen ihnen aus den hohlen Ausschnitten entgegen, gro\u00df und wild aus seiner Maske hervor, und seine lange Zunge wippte aus dem leeren Munde des Bildes heraus.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sie wollten ihm das Bild fortnehmen, er hielt es fest. Sie wollten ihn mitsamt dem Bilde heraustragen, er stie\u00df sie mit seinen F\u00fc\u00dfen in ihren Bauch.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das halbe Dach krachte zusammen, und die Leute waren schon am Ersticken. Sie versuchten noch einmal, ihn herauszuziehen, aber der Alte lie\u00df das Bild mit der einen Hand los, ri\u00df eine gl\u00fchende Sparre mit gro\u00dfen gl\u00fchenden N\u00e4geln \u00fcber seinem Kopfe heraus und schlug sie dem einen Feuerwehrmann \u00fcber das Gesicht, da\u00df er zusammenbrach.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Da fiel das Entsetzen \u00fcber die beiden andern, und sie lie\u00dfen die beiden liegen, den Toten und den Verwundeten, und wollten zur\u00fcck, heraus, da wo Luft war. Sie sprangen hinein in den Rauch, der ihnen entgegenschlug, aber sie fanden den Weg nicht mehr, sie warfen ihre Helme fort, um besser zu sehen, sie rannten wieder zur\u00fcck, an dem Alten vorbei, nach der andern Seite, sprangen \u00fcber die feurigen Tr\u00fcmmer, wieder zur\u00fcck, wieder an dem Alten vorbei, und als sie wieder an ihm vor\u00fcberflogen, h\u00f6rten sie noch in ihre Verzweiflung hinein sein lautes Gel\u00e4chter hinter sich her.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Flammen ergriffen sie. Sie schlugen mit ihren blo\u00dfen H\u00e4nden darauf, immer rennend, immer schlagend, auf einmal waren sie ein paar brennende Feuers\u00e4ulen, sie rannten noch einmal zur\u00fcck, aber da war eine brennende Bretterwand, nach rechts, da war eine Mauer, sie konnten nicht weiter, sie schrien und schlugen mit ihren bratenden H\u00e4nden gegen die Steine, nichts, nichts, das Feuer fra\u00df ihr Haar, ihren Sch\u00e4del, die Flammen zerrissen ihre Augen, sie waren blind, sie sahen nichts mehr, das Feuer fra\u00df ihr Gesicht, das Fleisch flog in St\u00fccken von ihren H\u00e4nden, aber noch im Tode h\u00e4mmerten sie die verkohlten Klumpen ihrer F\u00e4uste gegen die Mauer.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">***<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Der Dieb<\/strong><em>.<\/em> Ein Novellenbuch von Georg Heym. (postum hg. 1913)<\/p>\n<div id=\"attachment_97263\" style=\"width: 228px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-97263\" class=\"wp-image-97263 size-medium\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/Georg_Heym-218x300.jpg\" alt=\"\" width=\"218\" height=\"300\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/Georg_Heym-218x300.jpg 218w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/Georg_Heym-160x220.jpg 160w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/Georg_Heym.jpg 364w\" sizes=\"auto, (max-width: 218px) 100vw, 218px\" \/><p id=\"caption-attachment-97263\" class=\"wp-caption-text\">Georg Heym, zeitgen\u00f6ssisches Photo<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bei Georg Heyms &#8222;Der Dieb, ein Novellenbuch&#8220; handelt es sich um einen Buch mit expressionistischen Kurznovellen: &#8222;Der f\u00fcnfte Oktober&#8220;, &#8222;Der Irre&#8220;, &#8222;Die Sektion&#8220;, &#8222;Jonathan&#8220;, &#8222;Das Schiff&#8220;, &#8222;Ein Nachmittag&#8220; und &#8222;Der Dieb&#8220;. Wir lesen Portr\u00e4ts von Au\u00dfenseitertypen, deren aufgestauter Lebenshass entweder in physische Gewalt umschl\u00e4gt oder die an der psychischen Gewalt einer kalten Umwelt zugrunde gehen. Was der Mensch nicht dahinrafft, erledigt schlie\u00dflich die Natur. Doch alle, ob nun verroht oder sensibel, scheinen sie eins zu suchen: Halt, Verst\u00e4ndnis, Liebe. Der Irre sehnt sich auf seinem Rachefeldzug, in Momenten, in denen ihm seine Schreckenstaten bewusst werden, nach dem verhassten Arzt. Jonathan muss die Sehnsucht nach W\u00e4rme und Zuneigung mit seinen zwei Beinen bezahlen. Am abstraktesten wird die Sehnsucht nach Beachtung in der Liebe des Diebes zu da Vincis &#8222;Mona Lisa&#8220;, die ihre ablehnende Haltung und Arroganz gegen ihn mit der Vernichtung b\u00fc\u00dfen muss. Dem Leser bleibt die Erkenntnis: \u201eWir alle sind J\u00e4ger und Gejagte, T\u00e4ter und Opfer. Das Gl\u00fcck l\u00e4sst sich ohne Leid nicht erfahren.\u201c Uns bleibt die Ungewissheit, ob man Heyms einziges Prosawerk gro\u00dfartig oder abscheulich finden soll.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Weiterf\u00fchrend <\/strong><strong>\u2192<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In 2022 widmet sich KUNO der\u00a0<a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=19652\">Kunstform<\/a>\u00a0Novelle. Diese Gattung lebt von der Schilderung der Realit\u00e4t im Bruchst\u00fcck. Dieser Ausschnitt verzichtet bewu\u00dft auf die Breite des Epischen, es gen\u00fcgten dem Novellisten ein Modell, eine Miniatur oder eine Vignette. Wir gehen davon aus, da\u00df es sich bei dieser literarischen Kunstform um eine k\u00fcrzere Erz\u00e4hlung in Prosaform handelt, sie hat eine mittlere L\u00e4nge, was sich darin zeigt, da\u00df sie in einem Zug zu lesen sei. Und schon kommen wir ins Schwimmen. Als Gattung l\u00e4\u00dft sie sich nur schwer definieren und oft nur ex negativo von anderen Textsorten abgrenzen. KUNO postuliert, da\u00df viele dieser Nebenarbeiten bedeutende Hauptwerke der deutschsprachigen Literatur sind, wir belegen diese mit dem R\u00fcckgriff auf die Klassiker dieses Genres und stellen in diesem Jahr alte und neue Texte vor um die Entwicklung der Gattung aufzuhellen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; \u00bbGott ich schw\u00f6re Dir, ich werde Deinen Willen tun. Denn Du bist der Herr, Herr, und ich bin Dein Werkzeug f\u00fcr und f\u00fcr, von nun an bis in Ewigkeit. Amen. Das hei\u00dft, ja, ja, es soll also geschehen. Ich&hellip;<\/p>\n<p class=\"more-link-p\"><a class=\"more-link\" href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2022\/07\/31\/der-dieb\/\">Read more &rarr;<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":242,"featured_media":97875,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[429],"class_list":["post-97319","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-literatur","tag-georg-heym"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/97319","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/242"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=97319"}],"version-history":[{"count":1,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/97319\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":100200,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/97319\/revisions\/100200"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media\/97875"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=97319"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=97319"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=97319"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}