{"id":97227,"date":"2013-09-18T00:01:17","date_gmt":"2013-09-17T22:01:17","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=97227"},"modified":"2022-02-27T17:56:59","modified_gmt":"2022-02-27T16:56:59","slug":"eine-leselektuere-als-lebensreise","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2013\/09\/18\/eine-leselektuere-als-lebensreise\/","title":{"rendered":"Eine Leselekt\u00fcre als Lebensreise"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\"><em>Das vorliegende Buch ist jedoch mehr als das historische Dokument einer nie verstummenden lyrischen Stimme von gro\u00dfer Kraft. Es ist in seinen lyrischen Dokumenten des Aufbegehrens gegen eine erstickende Ordnung die unverzichtbare Stimme literarisch-politischer Revolution. Ihr ist zuzuh\u00f6ren.<\/em><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">Georg Scherg (\u00dcber <em>Die 53. Woche)<\/em><\/span><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-97119 size-medium\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2015\/12\/53Woche-198x300.jpg\" alt=\"\" width=\"198\" height=\"300\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2015\/12\/53Woche-198x300.jpg 198w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2015\/12\/53Woche-160x243.jpg 160w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2015\/12\/53Woche.jpg 329w\" sizes=\"auto, (max-width: 198px) 100vw, 198px\" \/><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nach <em>Sch\u00f6ne Aussichten<\/em>, einem Poem in drei Akten, ist auch <em>Die 53. Woche<\/em> auf Deutsch in der edition monrepos erschienen. Die Lyrik darin stammt aus den 1970er und 1980er Jahren aus Temeswar sowie im dritten Teil aus den 1990ern bis Anfang 2000. Seite f\u00fcr Seite entpuppt sich Pop als politischer und literarischer Nonkonformist. \u00dcber all die Zeit sind seine Gedichte von pr\u00e4zisen Beobachtungen, von einem minuti\u00f6sen Sprachgestus und nicht selten von radikaler Zuspitzung gepr\u00e4gt. Der Autor hat sich bewu\u00dft eingemischt, hat stets die Finger in offene Wunden gelegt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&#8222;Nach der Lekt\u00fcre glaube ich zu verstehen, da\u00df in <em>Die 53. Woche<\/em> Gedichte versammelt sind, die aus der Notwendigkeit heraus entstanden sind, der Hoffnungslosigkeit etwas entgegen zu setzen.&#8220;, <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2015\/12\/08\/die-53-woche\/\">schrieb<\/a> die Lyrikkennerin Elke Engelhardt. Dieser Band beinhaltet Gedichte aus vier Jahrzehnten, chronologisch angeordnet, zun\u00e4chst handelt es sich um nahezu ausschlie\u00dflich in Temeswar entstandene Gedichte, sp\u00e4ter, ab den 1090er Jahren tauchen andere Orte auf. Daher ist <em>Die 53. Woche<\/em> auch eine Lebensreise.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">&#8222;Partir, c\u2018est toujours un peu mourir.&#8220; (Abreisen, das bedeutet immer auch ein wenig sterben.)<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">Alphonse Allais<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es scheint in den Gedichten von Traian Pop immer durch, was das Leben in Rum\u00e4nien f\u00fcr seine B\u00fcrger auf die Dauer so unertr\u00e4glich gemacht hat. Da ist zum einen der allgegenw\u00e4rtigen Mangel und die Beschneidung existentieller Freiheiten, die Securitate-Bespitzelung und das damit verbundene grassierende Misstrauen, die graue Tristesse im realsozialistischen Alltag und zum anderen der schwer zu ertragenden Widerspruch zwischen dem in Politik und Medien gepflegten, hehren Selbstbild von Nicolae Ceau\u0219escu, in einem sich auf dem Weg ins kommunistische Paradies w\u00e4hnenden Landes und letztlich dem, was tats\u00e4chlich Tag f\u00fcr Tag von den nicht nur die geografischen Grenzen als beengend empfindenden Menschen gelebt werden musste. In Timi\u0219oara, der gr\u00f6\u00dften Stadt des Banats, war es schon im November 1989 zweimal zu Unruhen gekommen, die jedoch sofort niedergeschlagen wurden. Die Fernsehprogramme Ungarns und Jugoslawiens konnten in Timi\u0219oara empfangen werden und wurden von Teilen der Bev\u00f6lkerung, besonders innerhalb der ungarischen und serbischen Minderheiten, auch verstanden. Die Deutschen waren durch verwandtschaftliche Beziehungen \u00fcber die Revolutionen in Osteuropa informiert. Das Zusammenleben der Ethnien war im Banat, anders als in Siebenb\u00fcrgen, weitgehend spannungsfrei. Die rum\u00e4nische Revolution von 1989 war kein <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1989\/08\/19\/paneuropaeisches-picknick\/\"><em>Paneurop\u00e4isches Picknick<\/em><\/a>, sondern eine Kette von Demonstrationen, Unruhen und blutigen K\u00e4mpfen, die vom 16. bis zum 27. Dezember 1989 in Timi\u0219oara, Bukarest und anderen rum\u00e4nischen St\u00e4dten stattfand. Sie f\u00fchrte zum Sturz und zur Hinrichtung des rum\u00e4nischen Diktators Nicolae Ceau\u0219escu und seiner Frau Elena Ceau\u0219escu und zum Ende des realsozialistischen Systems in Rum\u00e4nien. Der Weg durch den &#8222;Mankoismus&#8220; fand ein Ende, 1990 emigrierte Pop mit seiner rum\u00e4niendeutschen Frau in die Bundesrepublik und nahm die deutsche Staatsb\u00fcrgerschaft an. 2003 gr\u00fcndete er den Pop Verlag.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">* * *<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Die 53. Woche<\/strong>, Gedichte von Traian Pop. Aus dem Rum\u00e4nischen \u00fcbertragen von Gerhardt Csejka, Horst Fassel, Edith Konradt, Johann Lippet und Dieter Schlesak. Edition Monrepos, 2013<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-97119 size-medium\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2015\/12\/53Woche-198x300.jpg\" alt=\"\" width=\"198\" height=\"300\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2015\/12\/53Woche-198x300.jpg 198w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2015\/12\/53Woche-160x243.jpg 160w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2015\/12\/53Woche.jpg 329w\" sizes=\"auto, (max-width: 198px) 100vw, 198px\" \/>Weiterf\u00fchrend<\/strong> <strong>\u2192<\/strong> Poesie z\u00e4hlt f\u00fcr KUNO zu den identit\u00e4ts- und identifikationstiftenden Elementen der Kultur, dies bezeugt der Versuch einer <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=25630\">poetologischen Positionsbestimmung<\/a>. Um den Widerstand gegen die gepolsterte Gegenwartslyrik ein wenig anzufachen schickte <span data-offset-key=\"d96ve-1-0\">Wolfgang Schlott<\/span><span data-offset-key=\"d96ve-2-0\"> dieses\u00a0 post-dadaistische <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2016\/02\/03\/handwerkliche-anleitungen-zur-ueberwindung-von-schreibblockaden\/\">Manifest<\/a>. Warum<\/span> Lyrik wieder in die Zeitungen geh\u00f6rt <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2017\/10\/07\/der-dichtung-eine-bresche-schlagen\/\">begr\u00fcndete<\/a> Walther Stonet, diese Forderung hat nichts an Aktualit\u00e4t verloren. Lesen Sie auch Maximilian Zanders <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=5418\">Essay <\/a>\u00fcber Lyrik und ein R\u00fcckblick auf den <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2014\/01\/08\/lyrik-katalog-bundesrepublik\/\"><em>Lyrik-Katalog Bundesrepublik<\/em><\/a>, sowie einen Essay \u00fcber den <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2013\/12\/26\/lauschender-leser-und-redender-schreiber-2\/\">Lyrikvermittler<\/a> Theo Breuer. KUNO sch\u00e4tzt den minuti\u00f6sen Selbstinszenierungsprozess des lyrischen Dichter-Ichs von Ulrich Bergmann in der Reihe <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=27947\">Keine Bojen auf hoher See, nur Sterne \u2026 und Schwerkraft. Gedanken \u00fcber das lyrische Schreiben<\/a>. Lesen Sie ein <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=22835\">Portr\u00e4t <\/a>\u00fcber die interdisziplin\u00e4re T\u00e4tigkeit von Angelika Janz, sowie einen <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=29450\">Essay<\/a> der <em>Fragmenttexterin.<\/em> Ein Portr\u00e4t von Sophie Reyer findet sich\u00a0<a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2013\/10\/08\/von-sappho-zu-sophie\/\">hier<\/a>, ein Essay fasst das transmediale Projekt<em> \u201e<a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2021\/04\/14\/bi-textualitaet\/\">Wortspielhalle<\/a>\u201c <\/em>zusammen<em>. <\/em>Auf KUNO lesen Sie u.a. Rezensionsessays von <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2015\/06\/17\/beschwoerungszauber\/\">Holger Benkel<\/a> \u00fcber <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=15175\">Andr\u00e9 Schinkel<\/a>, <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2017\/11\/12\/mit-deutschen-untertiteln\/\">Ralph Pordzik<\/a>,\u00a0<a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2018\/12\/20\/wohnraeume-der-poesie\/\">Friederike Mayr\u00f6cker<\/a>, <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2017\/03\/19\/welten-gegenwelten\/\">Werner Weimar-Mazur<\/a>, <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2019\/06\/26\/wohnraeume-der-poesie-2\/\">Peter Engstler<\/a>, <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=15177\">Birgitt Lieberwirth<\/a>, <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2019\/08\/17\/der-grill-auf-der-hauswiese-der-welt\/\">Linda Vilhj\u00e1lmsd\u00f3ttir<\/a>, und <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2017\/09\/17\/rettungsversuche-der-literatur-im-digitalen-raum\/\">A.J. Weigoni<\/a>. Lesenswert auch die <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2020\/05\/16\/verseschmied-und-lyrikfischer\/\">Gratulation<\/a> von Axel Kutsch durch Markus Peters zum 75. Geburtstag. Nicht zu vergessen eine Empfehlung der kristallklaren Lyrik von <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2020\/01\/19\/die-lyrikerin-ines-hagemeyer\/\">Ines Hagemeyer<\/a>. Diese Betrachtungen versammeln sich in der Tradition von <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2000\/04\/04\/vauo\/\">V.O. Stomps<\/a>, dem Klassiker des Andersseins, dem <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2005\/09\/24\/erinnerungen\/\">Bottroper Literaturrocker<\/a> &#8222;Biby&#8220; Wintjes und Hadayatullah H\u00fcbsch, dem Urvater des <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1995\/06\/30\/wie-was-social-beat-ist-und-warum-und-warum-nicht\/\"><em>Social-Beat<\/em><\/a>, im KUNO-Online-Archiv. Wir empfehlen f\u00fcr Neulinge als Einstieg in das weite Feld der nonkonformistischen Literatur <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2001\/04\/01\/nonkonformistische-literatur\/\">diesem Hinweis<\/a> zu folgen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das vorliegende Buch ist jedoch mehr als das historische Dokument einer nie verstummenden lyrischen Stimme von gro\u00dfer Kraft. Es ist in seinen lyrischen Dokumenten des Aufbegehrens gegen eine erstickende Ordnung die unverzichtbare Stimme literarisch-politischer Revolution. Ihr ist zuzuh\u00f6ren. Georg Scherg&hellip;<\/p>\n<p class=\"more-link-p\"><a class=\"more-link\" href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2013\/09\/18\/eine-leselektuere-als-lebensreise\/\">Read more &rarr;<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":257,"featured_media":101074,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[1593,3303,3304,3305,3306,443,301],"class_list":["post-97227","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-literatur","tag-dieter-schlesak","tag-edith-konradt","tag-georg-scherg","tag-gerhardt-csejka","tag-horst-fassel","tag-johann-lippet","tag-traian-pop"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/97227","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/257"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=97227"}],"version-history":[{"count":1,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/97227\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":101099,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/97227\/revisions\/101099"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media\/101074"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=97227"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=97227"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=97227"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}