{"id":96468,"date":"1994-12-24T00:00:31","date_gmt":"1994-12-23T23:00:31","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=96468"},"modified":"2021-12-25T07:08:10","modified_gmt":"2021-12-25T06:08:10","slug":"kaschubisches-weihnachtslied","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1994\/12\/24\/kaschubisches-weihnachtslied\/","title":{"rendered":"KASCHUBISCHES WEIHNACHTSLIED"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p>W\u00e4rst du, Kindchen, im Kaschubenlande,<\/p>\n<p>w\u00e4rst du, Kindchen, doch bei uns geboren!<\/p>\n<p>Sieh, du h\u00e4ttest nicht auf Heu gelegen,<\/p>\n<p>w\u00e4rst auf Daunen weich gebettet worden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Nimmer w\u00e4rst du in den Stall gekommen,<\/p>\n<p>dicht am Ofen st\u00fcnde warm dein Bettchen,<\/p>\n<p>der Herr Pfarrer k\u00e4me selbst gelaufen,<\/p>\n<p>dich und deine Mutter zu verehren.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Kindchen, wie wir dich gekleidet h\u00e4tten!<\/p>\n<p>M\u00fc\u00dftest eine Schaffellm\u00fctze tragen,<\/p>\n<p>blauen Mantel von kaschubischem Tuche,<\/p>\n<p>pelzgef\u00fcttert und mit B\u00e4nderschleifen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>H\u00e4tten dir den eig&#8217;nen Gurt gegeben,<\/p>\n<p>rote Schuhchen f\u00fcr die kleinen F\u00fc\u00dfe,<\/p>\n<p>fest und blank mit N\u00e4gelchen beschlagen!<\/p>\n<p>Kindchen, wie wir dich gekleidet h\u00e4tten!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Kindchen, wie wir dich gef\u00fcttert h\u00e4tten!<\/p>\n<p>Fr\u00fch am Morgen wei\u00dfes Brot mit Honig,<\/p>\n<p>frische Butter, wunderweiches Schmorfleisch,<\/p>\n<p>mittags Gerstengr\u00fctze, gelbe Tunke,<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>G\u00e4nsefleisch und Kuttelfleck mit Ingwer,<\/p>\n<p>fette Wurst und gold&#8217;nen Eierkuchen,<\/p>\n<p>Krug um Krug das starke Bier aus Putzig!<\/p>\n<p>Kindchen, wie wir dich gef\u00fcttert h\u00e4tten!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Und wie wir das Herz dir schenken wollten!<\/p>\n<p>Sieh, wir w\u00e4ren alle fromm geworden,<\/p>\n<p>alle Knie w\u00fcrden sich dir beugen,<\/p>\n<p>alle F\u00fc\u00dfe Himmelwege gehen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Niemals w\u00fcrde eine Scheune brennen,<\/p>\n<p>sonntags nie ein trunk&#8217;ner Sch\u00e4del bluten, \u2014<\/p>\n<p>w\u00e4rst du, Kindchen, im Kaschubenlande,<\/p>\n<p>w\u00e4rst du, Kindchen, doch bei uns geboren!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-44595 size-medium\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/der-lyrik-eine-bresche-fuer-ein-gedicht-je-ausgabe-einer-zeitung_1505748323-1-300x200.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"200\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/der-lyrik-eine-bresche-fuer-ein-gedicht-je-ausgabe-einer-zeitung_1505748323-1-300x200.jpg 300w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/der-lyrik-eine-bresche-fuer-ein-gedicht-je-ausgabe-einer-zeitung_1505748323-1.jpg 450w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/>Werner Bergengruen schrieb in der Nachfolge der gro\u00dfen Autoren des 19. Jahrhunderts Romane, Erz\u00e4hlungen, Gedichte und \u00dcbersetzungen, die sich durch geschliffene Sprache und klassischen, spannungsreichen Aufbau auszeichnen. Er war ein Erz\u00e4hler, der sein christlich-humanistisches Weltbild in gro\u00dfe Fabeln und Parabeln verpackte und dabei sowohl in weit ausgesponnenen Romanen (wie z. B. <i>Am Himmel wie auf Erden<\/i>) wie auch in \u2013\u00a0teilweise durch Rahmenerz\u00e4hlungen zusammengehaltenen\u00a0\u2013 kleinen, oft anekdotenhaften Formen brillierte. Die novellistischen Erz\u00e4hlungen machen einen Schwerpunkt in Bergengruens Werk aus.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In der deutschen Nachkriegszeit galt er als Beispiel eines Autors der Inneren Emigration w\u00e4hrend des NS-Regimes. Er war einer der bekanntesten und erfolgreichsten Autoren der fr\u00fchen Bundesrepublik. Das Christentum und der abendl\u00e4ndische Humanismus bestimmten Bergengruens gesamtes Werk durchziehende Weltanschauung. Seine Novellen handeln von der Bindung des Menschen an eine h\u00f6here Ordnung und vom Wirken g\u00f6ttlicher Vorsehung, gehalten in klassischer Erz\u00e4hlform, in der eine (im Sinne Goethes) \u201eunerh\u00f6rte Begebenheit\u201c als zeitloser Handlungsprototyp thematisiert wird.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sein bekanntestes Novellenwerk <i>Die drei Falken<\/i> (1936) lehnt sich in seinen Strukturen an Boccaccios Falkennovelle im Decamerone (neunte Novelle des f\u00fcnften Tages) an. So ist auch bei Bergengruen der Falkenbesitzer verarmt und alleinstehend, und er trennt sich vom materiellen und ideologischen Besitz (Boccaccios Protagonist f\u00fcr die gastfreundschaftliche H\u00f6flichkeit, Bergengruens durch die hohe Achtung vor dem Tier). Dabei spielt bei Bergengruen der Falke nicht die Rolle eines Phallussymbols \/ eines\/r Geliebten,<sup id=\"cite_ref-12\" class=\"reference\"><\/sup> wie es in mittelalterlicher Literatur \u2013\u00a0eben auch bei Boccaccio\u00a0\u2013 \u00fcblich war.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Weiterf\u00fchrend \u2192<\/strong>\u00a0Poesie z\u00e4hlt f\u00fcr KUNO weiterhin zu den identit\u00e4ts- und identifikationstiftenden Elementen einer Kultur, dies bezeugte auch der Versuch einer <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=25630\">poetologischen Positionsbestimmung<\/a>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; W\u00e4rst du, Kindchen, im Kaschubenlande, w\u00e4rst du, Kindchen, doch bei uns geboren! 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