{"id":96405,"date":"1999-03-08T00:01:45","date_gmt":"1999-03-07T23:01:45","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=96405"},"modified":"2021-12-21T08:25:35","modified_gmt":"2021-12-21T07:25:35","slug":"die-gelben-titelseiten","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1999\/03\/08\/die-gelben-titelseiten\/","title":{"rendered":"Die gelben Titelseiten"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: right;\"><em><span style=\"color: #999999;\">Gute Literatur muss abgeschafft werden, das heisst, was wir immer so unter guter Literatur verstanden haben<\/span><\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">J\u00f6rg Schr\u00f6der<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im M\u00e4rz 1969 gr\u00fcndete J\u00f6rg Schr\u00f6der daher als Komplement\u00e4r mit den ehemaligen Angestellten des Melzer Verlags \u2013 Peter Beitlich (Vertrieb), Anne Hansal (Sekretariat) und Adolf Heinzlmeier (Herstellung) als Kommanditisten sowie sp\u00e4ter Karl Dietrich Wolff (politisches Lektorat) \u2013 die M\u00e4rz Verlag J\u00f6rg Schr\u00f6der KG in Darmstadt sowie etwas sp\u00e4ter die Olympia Press GmbH. Die meisten Autoren waren von Melzer zum M\u00e4rz Verlag gewechselt. J\u00f6rg Schr\u00f6der hatte mit Zustimmung von Maurice Girodias die deutsche Olympia Press gegr\u00fcndet, f\u00fcr die er ein neues Erscheinungsbild entworfen hatte. Den M\u00e4rz-Auftritt mit dem gelb-rot-schwarzen Corporate Design entwarf Schr\u00f6der selbst.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">Neue Bewusstseinsmodelle<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Als \u201edenkw\u00fcrdigsten und wichtigsten M\u00e4rz-Titel\u201c bezeichnete Schr\u00f6der in sp\u00e4teren Jahren das Aufkl\u00e4rungsbuch Sexfront von G\u00fcnter Amendt, \u201eweil es eine ganze Generation gl\u00fccklicher machte.\u201c Man hatte sich auf einen besonders niedrigen Verkaufspreis geeinigt, und Schr\u00f6der ging bei 400.000 Exemplaren von zwei Millionen Lesern aus. Auch seien Amendts Botschaften \u201eder autonomen Verantwortung im Sexuellen, der Integration von Sexualit\u00e4t und Z\u00e4rtlichkeit, der sexuellen Gleichheit von Mann und Frau\u201c vielfach durch die Medien multipliziert worden.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><em><span style=\"color: #999999;\">In seinem individuellen Schreiben spiegelt sich das kollektive Scheitern jener Generation wider, die Mitte der sechziger Jahre aufbrach, die versteinerte Gesellschaft der westlichen Industriestaaten zu ver\u00e4ndern und die heute, wie es scheint, mit wenig mehr als der ohnm\u00e4chtigen Hoffnung in leeren H\u00e4nden dasteht.<\/span><\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">Uwe Schweikert<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00d6konomisch wurde die Gr\u00fcndung und Finanzierung von M\u00e4rz und Olympia Press durch die hohen Auflagen der Olympia-Press-Erotica erm\u00f6glicht, die auch mit ihrem sp\u00e4teren, \u00fcberwiegend pornographischen Programm in Deutschland bei der Kritik von ihrem Ruf als Verlag verfemter Autoren wie Samuel Beckett, Henry Miller, William S. Burroughs, Jean Genet und Vladimir Nabokov profitieren konnte. Inhaltlich war das M\u00e4rz-Programm vor allem der \u201eOriginalit\u00e4t, de[m] k\u00fcnstlerische[n] Instinkt und ganz und gar undogmatische[n] Geist\u201c des Verlegers J\u00f6rg Schr\u00f6der zu verdanken. KD\u00a0Wolff war Verlagslektor von 1969 bis 1970, Ralf-Rainer Rygulla von 1969 bis 1971.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">Der <em>M\u00e4rz Verlag<\/em> war erweitertes Verlegertum, postmoderne Literatur und Business Art<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Weil ein vorgesehenes Mitbestimmungsmodell nicht funktionierte, schieden 1971 alle wichtigen und am Verlag beteiligten Kommanditisten (Peter Beitlich, Anne Hansal, Adolf Heinzlmeier und Karl Dietrich Wolff) mit Abfindungen aus dem Verlag aus. 1973 war der erste M\u00e4rz Verlag am Ende. Als Schr\u00f6der auch die Zusammenarbeit mit Maurice Girodias aufk\u00fcndigte (<em>Schr\u00f6der erz\u00e4hlt<\/em>) und ihm nach einem Rechtsstreit die Rechte an der Olympia Press zur\u00fcckgeben musste, war der Konkurs unvermeidlich. Schr\u00f6der musste Konkurs anmelden und haftete mit seinem gesamten Verm\u00f6gen. Diese erste Phase des M\u00e4rz Verlags endete 1973 und somit der wichtiges Umschlagplatz der Gegenkultur und der hedonistischen Linken.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-96409 size-medium\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/1999\/03\/Cover_Trivialmythen_web-195x300.jpg\" alt=\"\" width=\"195\" height=\"300\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/1999\/03\/Cover_Trivialmythen_web-195x300.jpg 195w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/1999\/03\/Cover_Trivialmythen_web-324x500.jpg 324w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/1999\/03\/Cover_Trivialmythen_web-160x247.jpg 160w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/1999\/03\/Cover_Trivialmythen_web.jpg 600w\" sizes=\"auto, (max-width: 195px) 100vw, 195px\" \/>Weiterf\u00fchrend \u2192 <\/strong><strong><br \/>\n<\/strong><\/p>\n<div>\n<p style=\"text-align: justify;\">KUNO hat ein Faible f\u00fcr Trash. Dem Begriff <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2014\/11\/01\/trash-eine-einfuehrung\/\"><em>Trash<\/em><\/a> haftet der Hauch der Verruchtheit und des Nonkonformismus an. In Musik, Kunst oder Film gilt Trash als Bewegung, die im Klandestinen stattfindet und an der nur ein exklusiver Kreis nonkonformistischer Aussenseiter partizipiert. Dieser angeschmutzte Realismus entzieht sich der Rezeption in einer \u00f6ffentlichen Institution. 1989 erscheint Helge Schneiders allererste Schallplatte <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=26990\"><em>Seine gr\u00f6\u00dften Erfolge<\/em><\/a>. Produziert von Helge Schneider und <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2012\/07\/20\/klangkloetzchen\/\">Tom T\u00e4ger<\/a> im Tonstudio\/Ruhr. Constanze Schmidt beschreibt den Weg von <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=26080\">Proust zu Pulp<\/a>. Ebenso eindr\u00fccklich empfohlen sei Heiner Links <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=42272\">Vorwort<\/a> zum Band Trash-Piloten. Ebenso verwiesen sei auf <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=44449\">Trash-Lyrik <\/a>.<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gute Literatur muss abgeschafft werden, das heisst, was wir immer so unter guter Literatur verstanden haben J\u00f6rg Schr\u00f6der Im M\u00e4rz 1969 gr\u00fcndete J\u00f6rg Schr\u00f6der daher als Komplement\u00e4r mit den ehemaligen Angestellten des Melzer Verlags \u2013 Peter Beitlich (Vertrieb), Anne Hansal&hellip;<\/p>\n<p class=\"more-link-p\"><a class=\"more-link\" href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1999\/03\/08\/die-gelben-titelseiten\/\">Read more &rarr;<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":96409,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[3251,3250,3252,2574],"class_list":["post-96405","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-literatur","tag-guenter-amendt","tag-joerg-schroeder","tag-kd-wolff","tag-ralf-rainer-rygulla-2"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/96405","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=96405"}],"version-history":[{"count":0,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/96405\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=96405"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=96405"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=96405"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}