{"id":96138,"date":"2005-12-10T00:01:03","date_gmt":"2005-12-09T23:01:03","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=96138"},"modified":"2022-03-14T17:17:50","modified_gmt":"2022-03-14T16:17:50","slug":"der-brief","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2005\/12\/10\/der-brief\/","title":{"rendered":"Der Brief"},"content":{"rendered":"<h1 class=\"sg12\"><\/h1>\n<p class=\"stext\">Ein Fetzen Weh, vom Wind daher gefegt,<\/p>\n<p class=\"stext\">Das war er nun.<\/p>\n<p class=\"stext\">Ich hab&#8216; ihn still ins heil&#8217;ge Buch gelegt,<\/p>\n<p class=\"stext\">Zu ruhn &#8211; zu ruhn&#8212;&#8211;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Und die vergilbten Bl\u00e4tter schl\u00f6ssen ihn<\/p>\n<p>So linde ein,<\/p>\n<p>Wie Totenh\u00fclle, wei\u00dfer denn Jasmin,<\/p>\n<p>Der braune Schrein.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>So fern der Unrast, die da drau\u00dfen tost,<\/p>\n<p>Hat er geruht.<\/p>\n<p>Und war der Klage voll und gab mir Trost<\/p>\n<p>Er war so gut&#8212;&#8211;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">***<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-96011 size-medium\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/1994\/12\/Kolmar_Cover-192x300.jpg\" alt=\"\" width=\"192\" height=\"300\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/1994\/12\/Kolmar_Cover-192x300.jpg 192w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/1994\/12\/Kolmar_Cover-320x500.jpg 320w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/1994\/12\/Kolmar_Cover-768x1200.jpg 768w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/1994\/12\/Kolmar_Cover-983x1536.jpg 983w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/1994\/12\/Kolmar_Cover-160x250.jpg 160w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/1994\/12\/Kolmar_Cover.jpg 1257w\" sizes=\"auto, (max-width: 192px) 100vw, 192px\" \/>1917 erschien ihr erster Gedichtband unter dem Pseudonym <i>Gertrud Kolmar<\/i>. Das Pseudonym erkl\u00e4rt sich aus der Herkunft ihres Familiennamens von der Stadt Chodziesen in der damaligen preu\u00dfischen Provinz Posen, die 1878 in <i>Kolmar<\/i> umbenannt worden war. Ab Ende der 1920er-Jahre erschienen einzelne ihrer Gedichte in literarischen Zeitschriften und Anthologien. 1934 wurde ihr zweiter Gedichtband <i>Preu\u00dfische Wappen<\/i> im Verlag <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1990\/04\/04\/der-nonkonformistische-geist-der-rabenpresse\/\"><i>Die Rabenpresse<\/i><\/a> von <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1997\/09\/26\/vauo\/\">Victor Otto Stomps<\/a> publiziert. Diese Ver\u00f6ffentlichung brachte den Verlag auf eine Liste unerw\u00fcnschter Verlage des B\u00f6rsenvereins des deutschen Buchhandels, von dem er dann boykottiert wurde. Kolmar durfte ab 1936 nicht mehr unter ihrem K\u00fcnstlernamen publizieren, sondern nur noch unter ihrem Familiennamen Chodziesner.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ihr dritter Gedichtband <i>Die Frau und die Tiere<\/i>, der im August 1938 im Verlag Erwin L\u00f6we erschien, wurde nach der Reichspogromnacht vom 9. November 1938 in Zusammenhang mit der Aufl\u00f6sung der j\u00fcdischen Buchverlage verramscht.<sup id=\"cite_ref-1\" class=\"reference\"> <\/sup>Die Familie Chodziesner wurde infolge der versch\u00e4rften Verfolgung der j\u00fcdischen Bev\u00f6lkerung noch im November 1938 zum Verkauf ihres Hauses in Finkenkrug und zum Umzug in eine Etagenwohnung in einem sogenannten \u201eJudenhaus\u201c in Berlin-Sch\u00f6neberg gezwungen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ab Juli 1941 musste Gertrud Kolmar Zwangsarbeit in der R\u00fcstungsindustrie leisten. Ihr Vater wurde im September 1942 in das Ghetto Theresienstadt deportiert und starb dort im Februar 1943. Gertrud Kolmar wurde am 27. Februar 1943 im Verlauf der Fabrikaktion verhaftet und am 2. M\u00e4rz 1943 im 32. sogenannten <i>Osttransport<\/i> des RSHA ins Konzentrationslager Auschwitz deportiert. Von den etwa 1500 Berliner J\u00fcdinnen und Juden, die in diesem Zug am 3. M\u00e4rz 1943 in Auschwitz ankamen, wurden nach der Selektion an der &#8218;Alten Rampe&#8216; 535 M\u00e4nner und 145 Frauen als \u201earbeitsf\u00e4hige\u201c H\u00e4ftlinge registriert und in das Lager eingewiesen. Die \u00fcbrigen etwa 820 Deportierten dieses Zuges, darunter Gertrud Kolmar, wurden nicht als H\u00e4ftlinge registriert und vermutlich sofort nach der Ankunft in der Gaskammer ermordet.<sup id=\"cite_ref-2\" class=\"reference\"><\/sup><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Gertrud Kolmar, von deren Werk zu Lebzeiten relativ wenig erschien, gilt heute als eine der bedeutendsten deutschsprachigen Lyrikerinnen des 20. Jahrhunderts. Nach eher konventionellen Anf\u00e4ngen fand sie in ihren Gedichten vor allem ab Ende der Zwanzigerjahre zu einem eigenen, unverkennbaren Ton, gepr\u00e4gt von gro\u00dfer sprachlicher Virtuosit\u00e4t und Expressivit\u00e4t, unter gleichzeitiger Beibehaltung traditioneller Formen. In ihrem Werk herrschen Natur- und Frauenthemen vor, oft ins Mystische und Hymnische gesteigert.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Weiterf\u00fchrend \u2192<\/strong>\u00a0Poesie z\u00e4hlt f\u00fcr KUNO weiterhin zu den identit\u00e4ts- und identifikationstiftenden Elementen einer Kultur, dies bezeugte auch der Versuch einer <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=25630\">poetologischen Positionsbestimmung<\/a>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Fetzen Weh, vom Wind daher gefegt, Das war er nun. 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