{"id":96054,"date":"2024-10-17T00:01:43","date_gmt":"2024-10-16T22:01:43","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=96054"},"modified":"2022-02-21T18:02:34","modified_gmt":"2022-02-21T17:02:34","slug":"der-nervenschwache","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2024\/10\/17\/der-nervenschwache\/","title":{"rendered":"Der Nervenschwache"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Mit einer Stirn, die Traum und Angst zerfra\u00dfen,<\/p>\n<p>Mit einem K\u00f6rper, der verzweifelt h\u00e4ngt<\/p>\n<p>An einem Seile, das ein Teufel schwenkt,<\/p>\n<p>&#8211; So l\u00e4uft er durch die langen Gro\u00dfstadtstra\u00dfen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Verschweinte Kerle, die die Stra\u00dfe kehren,<\/p>\n<p>Verkohlen ihn; schon gr\u00f6hlt er arienhaft:<\/p>\n<p>&#8222;Ja, ja &#8211; ja, ja! Die Leute haben Kraft!<\/p>\n<p>Mir wird ja nie, ja nie ein Weib geb\u00e4ren<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Mir je ein Kind!&#8220; Der Mond liegt wie ein Schleim<\/p>\n<p>Auf ungeheuer nachtendem Velours.<\/p>\n<p>Die Sterne zucken zart wie Embryos<\/p>\n<p>An einer unsichtbaren Nabelschnur.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Dirnen z\u00fcngeln im geschlossnen Munde,<\/p>\n<p>Die Dirnen, die ihn welkend weich umwerben.<\/p>\n<p>Ihn \u00e4ngsten Darmverschlingung, Schmerzen, Sterben,<\/p>\n<p>Zuh\u00e4ltermesser und die gro\u00dfen Hunde.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">***<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Die Strassen komme ich entlang geweht<\/strong>, Gedichte von Ernst Blass. Heidelberg: Weissbach 1912 &#8211; KUNO empfiehlt die verdienstvolle Gesamtausgabe in der Edition Memoria<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-99334\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/Ernst-Blass-e1645462862720.jpg\" alt=\"\" width=\"184\" height=\"300\" \/>Wer die expressionistische Gedichtesammlung &#8222;Menschheitsd\u00e4mmerung&#8220; von Kurt Punthus kennt, der wird dort den Namen Ernst Blass leider vergebens suchen. Auch wenn dort viele gro\u00dfartige Expressionisten ber\u00fccksichtigt wurden, fehlt dieser leider zu Unrecht in Vergessenheit geratene Dichter dort g\u00e4nzlich. Blass hat mit seinem expressionistischen Gedichtband <em>Die Stra\u00dfen komme ich entlang geweht<\/em> das Leben in der modernen Gro\u00dfstadt in all seinen Facetten in die deutsche Lyrik eingef\u00fchrt. Angefangen von den Verkehrsmitteln \u00fcber die vielen Vergn\u00fcgungen bis hin zu den Lebensrhythmen in einer modernen Metropole. Seinem Wechsel zu einem neoklassischen Stil unter dem Einfluss des George-Kreises in Heidelberg begegneten seine Berliner Freunde mit Reserve. In der zweiten H\u00e4lfte der 1920er Jahre fand er in seiner Lyrik dann aber Anschluss an die Str\u00f6mung der Neuen Sachlichkeit. Ungew\u00f6hnlich ist, dass er nach dem Zweiten Weltkrieg als bedeutender Autor des Fr\u00fchexpressionismus kaum mehr zur Kenntnis genommen wurde.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Weiterf\u00fchrend \u2192<\/strong> Sein poetologisches Programm <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2015\/01\/23\/die-strassen-komme-ich-entlang-geweht\/\">beschreibt<\/a> Ernst Blass in einem Essay.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>\u2192<\/strong> Poesie z\u00e4hlt f\u00fcr KUNO weiterhin zu den identit\u00e4ts- und identifikationstiftenden Elementen einer Kultur, dies bezeugte auch der Versuch einer <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=25630\">poetologischen Positionsbestimmung<\/a>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; Mit einer Stirn, die Traum und Angst zerfra\u00dfen, Mit einem K\u00f6rper, der verzweifelt h\u00e4ngt An einem Seile, das ein Teufel schwenkt, &#8211; So l\u00e4uft er durch die langen Gro\u00dfstadtstra\u00dfen. &nbsp; Verschweinte Kerle, die die Stra\u00dfe kehren, Verkohlen ihn; schon&hellip;<\/p>\n<p class=\"more-link-p\"><a class=\"more-link\" href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2024\/10\/17\/der-nervenschwache\/\">Read more &rarr;<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":240,"featured_media":99334,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[3227],"class_list":["post-96054","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-literatur","tag-ernst-blass"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/96054","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/240"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=96054"}],"version-history":[{"count":2,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/96054\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":99336,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/96054\/revisions\/99336"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media\/99334"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=96054"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=96054"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=96054"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}