{"id":95999,"date":"2004-01-06T00:01:28","date_gmt":"2004-01-05T23:01:28","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=95999"},"modified":"2021-12-09T17:44:13","modified_gmt":"2021-12-09T16:44:13","slug":"die-toten","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2004\/01\/06\/die-toten\/","title":{"rendered":"Die Toten"},"content":{"rendered":"<div><\/div>\n<div class=\"cite\" style=\"text-align: right;\"><em><span style=\"color: #999999;\">Mit erstaunlicher Direktheit werden die Sorgen, die zuvor indirekt ber\u00fchrt werden, enth\u00fcllt \u2013 die Verg\u00e4nglichkeit aller Dinge, darunter Liebe, die Um\u00f6glichkeit der Vergangenheit zu entkommen und insbesondere den Toten, die nicht auf ihren Friedh\u00f6fen begraben bleiben wollen, und die Beziehung zwischen dem Belebten und dem Unbelebten in der Natur, die nicht verstanden, sondern nur akzeptiert werden kann.<\/span><\/em><\/div>\n<div class=\"cite\" style=\"text-align: right;\"><span class=\"Person\" style=\"color: #999999;\">Vincent Canby, The New York Times<\/span><\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Erz\u00e4hlung des irischen Schriftstellers James Joyce spielt vor 100 Jahren in Dublin am 6. Januar 1904, ein kalter Wintertag voller Schnee. Die bereits \u00e4lteren Schwestern Julia und Kate Morkan sowie deren Nichte Mary Jane laden traditionell wie seit vielen Jahren G\u00e4ste zu einer Epiphaniasfeier ein. An der Treppe empfangen die Schwestern ihre sehr unterschiedlichen G\u00e4ste, darunter: der Alkoholiker Freddy Malins und seine herrschs\u00fcchtige, streng katholische Mutter; der \u00e4ltere Gentleman Mr. Browne, einziger protestantischer Gast auf der Feier; Mr. Grace, der ein trauriges Gedicht vortr\u00e4gt; die f\u00fcr die Unabh\u00e4ngigkeit Irlands eintretende Molly Ivers; Bartell D\u2019Arcy, ein bekannter Tenors\u00e4nger, der im Laufe der Feier der Vogelkundlerin Miss O\u2019Callaghan n\u00e4herkommt. Alle stammen aus der oberen Mittelschicht Dublins. Viele der G\u00e4ste hegen eine Begeisterung f\u00fcr Musik und Tanz, weshalb sie \u00fcber Opern sowie verschiedene, teilweise bereits lange verstorbene S\u00e4nger diskutieren. Die nie verheiratete Tante Julia, die fr\u00fcher in einem Chor gesungen hatte, stimmt mit zittriger, aber doch ber\u00fchrender Stimme das Lied <i>Arrayed for the Bridal<\/i> aus ihrer Jugendzeit an.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Gabriel Conroy, der Neffe der Tanten, und seine Frau Gretta geh\u00f6ren ebenfalls zu den G\u00e4sten. Gabriel ist Journalist bei einer pro-britischen Zeitung und betrachtet die irische Kultur und Lebensweise mit einiger Distanz. In seiner Festrede lobt Gabriel seine Tanten, die f\u00fcr die Tradition der irischen Gastfreundschaft stehen w\u00fcrden, aber kritisiert auch, dass die Menschen \u2013 anstelle st\u00e4ndig in Erinnerungen an die Vergangenheit zu schwelgen \u2013 in der Gegenwart leben und dort ihre Aufgaben erf\u00fcllen sollten. Kurz vor dem Verlassen der Feier h\u00f6rt Gretta das von Bartell D\u2019Arcy gesungene Lied <i>The Lass of Aughrim<\/i>, das sie an ihre Jugend im l\u00e4ndlichen Galway und ihre Jugendliebe, Michael Furey, erinnert. Von ihren Erinnerungen \u00fcberw\u00e4ltigt berichtet sie ihrem Ehemann von ihren Gef\u00fchlen: Michael starb bereits mit 17 Jahren, eine Woche nachdem er \u2013 bereits schwer erkrankt \u2013 in einer kalten Winternacht voller Liebe an Grettas Fenster das Lied gesungen habe.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Gabriel wird schmerzlich bewusst, dass sie im Grunde immer nur Michael geliebt hat und ebenso von Erinnerungen dominiert wird wie die anderen G\u00e4ste der Feier. Auch bemerkt er, dass er selbst nie eine \u00e4hnlich intensive und todesmutige Liebe wie der verstorbene Michael gef\u00fchlt hat. Gabriel stellt sich die Zukunft und den bereits nahenden Tod der alten Tante Julia vor und das Ende der j\u00e4hrlichen Feiern, die Verg\u00e4nglichkeit und Insignifikanz des einzelnen Menschen vor der Welt und schlie\u00dflich auch, wie der Schnee \u00fcber ganz Irland f\u00e4llt, auch \u00fcber das Grab von Michael Furey.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><b><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-96002 size-medium\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2004\/01\/dead-220x300.jpg\" alt=\"\" width=\"220\" height=\"300\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2004\/01\/dead-220x300.jpg 220w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2004\/01\/dead-367x500.jpg 367w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2004\/01\/dead-160x218.jpg 160w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2004\/01\/dead.jpg 661w\" sizes=\"auto, (max-width: 220px) 100vw, 220px\" \/>Die Toten<\/b>, verfilmt von John Huston, 1987<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mit erstaunlicher Direktheit werden die Sorgen, die zuvor indirekt ber\u00fchrt werden, enth\u00fcllt \u2013 die Verg\u00e4nglichkeit aller Dinge, darunter Liebe, die Um\u00f6glichkeit der Vergangenheit zu entkommen und insbesondere den Toten, die nicht auf ihren Friedh\u00f6fen begraben bleiben wollen, und die Beziehung&hellip;<\/p>\n<p class=\"more-link-p\"><a class=\"more-link\" href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2004\/01\/06\/die-toten\/\">Read more &rarr;<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":96002,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[124,3225],"class_list":["post-95999","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-literatur","tag-james-joyce","tag-john-huston"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/95999","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=95999"}],"version-history":[{"count":0,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/95999\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=95999"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=95999"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=95999"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}