{"id":95960,"date":"2005-08-05T00:01:36","date_gmt":"2005-08-04T22:01:36","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=95960"},"modified":"2022-02-17T15:58:31","modified_gmt":"2022-02-17T14:58:31","slug":"die-entdeckung-afrikas","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2005\/08\/05\/die-entdeckung-afrikas\/","title":{"rendered":"Die Entdeckung Afrikas"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>Die Entdeckung Afrikas war in der Sonne,<\/p>\n<p>Als ich noch zu jung war, sie<\/p>\n<p>Lag nackt auf dem Schnee des Kilimandscharos.<\/p>\n<p>Die spiegelte sich im Nil, w\u00e4hrend<\/p>\n<p>Ein Krokodil tr\u00e4ge in das graue Wasser<\/p>\n<p>Des Fotos starrte.<\/p>\n<p>Sie war ein Mythos so gro\u00df wie die Haut.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>In der Palme die \u00c4ffchen.<\/p>\n<p>In der Kokosnu\u00df die Milch.<\/p>\n<p>\u00c4quator.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Gieraffee im Sanella-Sammelalbum in<\/p>\n<p>Verwaschenen, stumpfen Farben,<\/p>\n<p>Die Fant Eie,<\/p>\n<p>Die Fee Af,<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Waren da nicht auch noch ein paar<\/p>\n<p>Buschm\u00e4nner mit Pfeilen und Bogen, mit<\/p>\n<p>Langen Messern? Und<\/p>\n<p>Wilde Frauen mit kaum Haar und sehr gro\u00dfen<\/p>\n<p>Ohrringen und Fallbr\u00fcsten und einer<\/p>\n<p>Schnur um den Bauch, an den sich<\/p>\n<p>Winzige Babys klammerten?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ich glaube, es war das Wei\u00dfe auf dem Berg und<\/p>\n<p>In den Augen und auf der Landkarte,<\/p>\n<p>In dessen undurchdringlicher Mitte sich<\/p>\n<p>Dr. Livingstone mit wem auch immer zuf\u00e4llig<\/p>\n<p>Traf,<\/p>\n<p>Irgendeine Quelle und Liane<\/p>\n<p>Das M\u00e4dchen aus dem Urwald, das ein Bananen-<\/p>\n<p>R\u00f6ckchen trug mit nichts als Josephine<\/p>\n<p>Baker darunter.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Irgendwann kam dann der Kongo dran.<\/p>\n<p>Die Elfenbeink\u00fcste lag links.<\/p>\n<p>Weit gegen\u00fcber eine Pyramide und ein Kamel,<\/p>\n<p>Vermutlich trank es Wasser aus einem<\/p>\n<p>Schlammigen Timbuktu-Karnevals-T\u00fcmpel,<\/p>\n<p>W\u00e4hrend nachts in Lambarene Albert Schweitzer<\/p>\n<p>Vor seiner Orgel sa\u00df und nicht schlief<\/p>\n<p>Aus Sorge um seine schwarzen Kinder.<\/p>\n<p>Die Buren hatte ich schon fast vergessen.<\/p>\n<p>Aber dass Sahara mit langem a in der Mitte<\/p>\n<p>In Wirklichkeit K\u00f6fferchen hei\u00dft, nicht.<\/p>\n<p>Eine Zeitlang habe ich versucht,<\/p>\n<p>Sahara richtig zu betonen, mit kurzem ersten a,<\/p>\n<p>Als h\u00e4tte man keine Halsentz\u00fcndung dem<\/p>\n<p>Kinderarzt zu verheimlichen,<\/p>\n<p>Aber der Nachrichtensprecher im Fernsehen<\/p>\n<p>War dagegen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Was also kann ein armer Junge dann anderes tun,<\/p>\n<p>Als abwechselnd Sklave und Sklavenh\u00e4ndler<\/p>\n<p>Zu spielen? Die Entdeckung<\/p>\n<p>Afrikas lag irgendwann in der Zukunft,<\/p>\n<p>Ich w\u00fc\u00dfte nicht, wer sie einholen k\u00f6nnte,<\/p>\n<p>Wenn nicht jemand, der aussieht wie<\/p>\n<p>Ananas.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">***<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aus: Hadayatullah H\u00fcbsch: Eurobeat. Gedichte. Hannover: edition roadhouse, 2004<\/p>\n<div id=\"attachment_65815\" style=\"width: 288px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/Hadayatullah.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-65815\" class=\"wp-image-65815 size-medium\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/Hadayatullah-278x300.jpg\" alt=\"\" width=\"278\" height=\"300\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/Hadayatullah-278x300.jpg 278w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/Hadayatullah-949x1024.jpg 949w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/Hadayatullah-768x829.jpg 768w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/Hadayatullah-560x604.jpg 560w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/Hadayatullah-260x281.jpg 260w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/Hadayatullah-160x173.jpg 160w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/Hadayatullah.jpg 1112w\" sizes=\"auto, (max-width: 278px) 100vw, 278px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-65815\" class=\"wp-caption-text\">Der Urvater des Social-Beat. Hadayatullah H\u00fcbsch. Photo: Masroor-ahmad<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\">H\u00fcbschs literarische Laufbahn begann mit einer Ver\u00f6ffentlichung in der von Peter R\u00fchmkorf herausgegebenen, viel beachteten Sammlung <i>Primanerlyrik \u2013 Primanerprosa<\/i>.<sup id=\"cite_ref-18\" class=\"reference\"><\/sup> 1969 ver\u00f6ffentlichte H\u00fcbsch seinen ersten Gedichtband <i>Mach was du willst<\/i> bei Luchterhand. Der ebenfalls bei Luchterhand ver\u00f6ffentlichte sp\u00e4tere Literaturnobelpreistr\u00e4ger G\u00fcnter Grass prophezeite H\u00fcbsch daraufhin eine gro\u00dfe Karriere als Lyriker;<sup id=\"cite_ref-19\" class=\"reference\"><\/sup> H\u00fcbsch bevorzugte es jedoch, Undergroundpoet jenseits der \u201eHauptstra\u00dfen\u201c zu bleiben.<sup id=\"cite_ref-20\" class=\"reference\"><\/sup><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">H\u00fcbschs Lyrik war inspiriert von experimenteller Literatur, dem Dadaismus und expressionistischer Lyrik. Sp\u00e4ter haben ihn die Beatliteraten gepr\u00e4gt, vor allem Allen Ginsberg, William S. Burroughs und Jack Kerouac. Nach seiner Konversion zum Islam war seine Lyrik zus\u00e4tzlich von der mystischen Poesie Persiens, von Hafis, Rumi und Sadi beeinflusst.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">H\u00fcbsch war ein \u201eSpoken-Word-Dichter\u201c, der die literarische Str\u00f6mung des deutschen Poetry Slam mitbegr\u00fcndete und Namensvater des ersten Social-Beat Festivals in Berlin war.<sup id=\"cite_ref-21\" class=\"reference\"><\/sup> Er gilt als \u201eUrgestein\u201c<sup id=\"cite_ref-22\" class=\"reference\"><\/sup> und \u201eLegende\u201c<sup id=\"cite_ref-23\" class=\"reference\"><\/sup> der Social-Beat-Szene und der \u201eLyrik Performance\u201c. Er war deutschlandweit unterwegs auf Lesetouren und f\u00f6rderte junge Nachwuchsliteraten. 1996 wurde er zum \u201eDeutschen Literatur-Meister\u201c beim internationalen Poetry Slam gew\u00e4hlt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Weiterf\u00fchrend \u2192 <\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zu den Gr\u00fcndungsmythen der alten BRD geh\u00f6rt die <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2001\/04\/01\/nonkonformistische-literatur\/\">Nonkonformistische Literatur<\/a>, lesen Sie dazu auch ein Portr\u00e4t von <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2000\/04\/04\/vauo\/\">V.O. Stomps<\/a>, dem Klassiker des Andersseins. Kaum jemand hat die L\u00fcckenhaftigkeit des <em>Underground<\/em> so konzequent <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2008\/09\/24\/underground\/\">erz\u00e4hlt<\/a> wie N\u00ed Gudix und ihre <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2008\/08\/23\/kritik-an-der-literarischen-alternative\/\">Kritik an der literarischen Alternative<\/a> ist berechtigt. Ein Portr\u00e4t von N\u00ed Gudix findet sich <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2015\/08\/16\/da-lernst-du-die-menschen-kennen\/\">hier<\/a> (und als Leseprobe ihren <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2006\/12\/30\/hausaffentango\/\">Hausaffentango<\/a>). Lesen Sie auch die <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2005\/09\/24\/erinnerungen\/\">Erinnerungen an den Bottroper Literaturrocker<\/a> von Werner Streletz und den <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2008\/09\/28\/rip-bruno\/\">Nachruf<\/a> von Bruno Runzheimer. Zum 100. Geburtstag von Charles Bukowski, eine <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2020\/08\/16\/ledertasche-geborgt\/\">Doppelbesprechung<\/a> von Hartmuth Malornys Ruhrgebietsroman <em>Die schwarze Ledertasche<\/em>. 1989 erscheint Helge Schneiders allererste Schallplatte <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=26990\"><em>Seine gr\u00f6\u00dften Erfolge<\/em><\/a>, produziert von Helge Schneider und <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2012\/07\/20\/klangkloetzchen\/\">Tom T\u00e4ger<\/a> im Tonstudio\/Ruhr. Lesen Sie auch das <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=26709\">Portr\u00e4t <\/a>der einzigartigen Proletendiva aus dem Ruhrgebeat auf KUNO. In einem Kollegengespr\u00e4ch mit Barbara Ester dekonstruiert A.J. Weigoni die <em><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1997\/10\/09\/ruhrgebietsromantik\/\">Ruhrgebietsromantik<\/a><\/em>. Mit<a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=6071\"> Kersten Flenter<\/a> und <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2001\/06\/23\/killroy-review\/\">Michael Sch\u00f6nauer<\/a> geh\u00f6rte <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2015\/08\/24\/polyphone-ich-erzaehlungen\/\">Tom de Toys<\/a> zum\u00a0Dreigestirn des deutschen <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1997\/01\/05\/bewegung\/\">Poetry Slam<\/a>. Einen Nachruf von Theo Breuer auf den Urvater des Social-Beat finden Sie <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2012\/03\/07\/hubsch-revisited\/\">hier<\/a> \u2013 Sowie selbstverst\u00e4ndlich his <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1995\/06\/25\/wie-was-social-beat-ist-und-warum-und-warum-nicht\/\">Masters voice<\/a>. Und Dr. Stahls kaltgenaue <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2002\/06\/26\/social-beat-vs-digitales-dasein\/\">Analyse<\/a>. \u2013 Constanze Schmidt beschreibt den Weg von <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=26080\">Proust zu Pulp<\/a>. Ebenso eindr\u00fccklich empfohlen sei Heiner Links <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=42272\">Vorwort<\/a> zum Band Trash-Piloten. Inzwischen hat sich Trash andere Kunstformen erobert, dazu die <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2014\/11\/01\/trash-eine-einfuehrung\/\">Aufmerksamkeit<\/a> einer geneigten Kulturkritik. In der Reihe <em>Gossenhefte<\/em> zeigt sich, was passiert, wenn sich literarischer Bodensatz und die Reflexionsm\u00f6glichkeiten von popul\u00e4rkulturellen Tugenden nahe genug kommen, der Essay <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=35655\"><em>Perlen des Trash<\/em><\/a> stellt diese Reihe ausf\u00fchrlich vor. Die KUNO-Redaktion bat A.J. Weigoni um einen Text mit Bezug auf die Mainzer Minpressenmesse (MMPM) und er kramte eine <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1993\/05\/31\/treff-der-titanen\/\">Realsatire<\/a> aus dem Jahr 1993 heraus, die er f\u00fcr den Mainzer Verleger Jens Neumann geschrieben hat. J\u00fcrgen Kipp \u00fcber die <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2013\/06\/01\/geschichte-und-aufgaben-des-mainzer-minipressen-archives-mmpa\/\">Aufgaben des Mainzer Minipressen-Archives<\/a>. Ein w\u00fcrdiger Abschlu\u00df gelingt Boris Kerenski mit <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2021\/03\/30\/wer-war-ist-noch-social-beat\/\">Stimmen aus dem popliterarischen Untergrund<\/a><strong>.<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; \u00a0 Die Entdeckung Afrikas war in der Sonne, Als ich noch zu jung war, sie Lag nackt auf dem Schnee des Kilimandscharos. 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