{"id":95840,"date":"2021-11-27T00:01:00","date_gmt":"2021-11-26T23:01:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=95840"},"modified":"2022-02-28T11:54:49","modified_gmt":"2022-02-28T10:54:49","slug":"wut-ueber-die-verlorene-zeit","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2021\/11\/27\/wut-ueber-die-verlorene-zeit\/","title":{"rendered":"Wut \u00fcber die verlorene Zeit"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: right;\"><em><span style=\"color: #999999;\">In der analogen Welt hat man stundenlang in Plattenl\u00e4den nach der einen Schallplatte gesucht, hat sie dann wie einen Schatz nach Hause getragen, geh\u00fctet und gesammelt. Heute haben wir 100 Millionen Musiktitel gratis auf Spotify abrufbereit.<\/span><\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">Hartmut Rosa<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Punk war eine Musikrichtung, die von 1976 &#8211; 1977 existierte, und die den Rock\u2019n\u2019Roll auf das reduzierte, was er von Anfang an war: Schnell, hart und laut. Punk musst nicht mehr als ein 4\/4tel-Takt sein, kompositorisch also eher zu vernachl\u00e4ssigen. (Die Redaktion weist in diesem Zusammenhang auf eine kleine Notiz <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2006\/06\/04\/punk-nekrolog-auf-eine-bewegung\/\">hin<\/a>. Erg\u00e4nzend auch: Too Much future \u2013 <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2007\/06\/01\/too-much-future-punk-in-der-ddr\/\">Punk in der DDR<\/a>.)<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">Die Frage ist nicht, was Punk war, sondern warum er eine solche explosive Wirkung erzeugt hat?<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Punk hatte die Eigenschaft bis in das hinterste Hinterland vorzudringen. Sogar an den Niederrhein, wo die Redaktion besonders den Ort <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2015\/08\/31\/twin-peaks-liegt-jetzt-am-niederrhein\/\"><i>Meuchelbeck<\/i><\/a> sch\u00e4tzt. Roland Adelmanns beschreibt in <em>Die Zukunft stirbt zuerst<\/em>, wie die Punkszene der Achtzigerjahre in eine Kleinstadt nahe der niederl\u00e4ndischen Grenze vorgedrungen war: \u201eJetzt, jetzt, jetzt, und so reihen sich Gegenw\u00e4rtigkeiten aneinander und bilden ein Panorama der Auflehnung, des Suffs, der Utopien und bisweilen auch eines harten Aufschlags. Den Tag versaufen, auf Platte gehen, klauen, p\u00f6beln, den n\u00e4chsten Druck setzen\u2026<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><em><span style=\"color: #999999;\">Punk was rotten, punk was vicious<\/span><\/em><br \/>\n<em><span style=\"color: #999999;\">Always being unambitious<\/span><\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">Andreas Frege<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Provinzpunker nennen sich Nele, Jake, Lili, Kr\u00e4tze, Koma, Der Schweiger, Swen, Schorle und auch andere treiben durch die Zeit, scheren sich oft einen Dreck um Gesetz und geregeltes Leben, provozieren das Elternhaus und lehnen Norm und postfaschistisches Spie\u00dfertum ab. W\u00e4hrend sich die einen immer mehr zwischen Sucht und Flatter verlieren und kaum am schmierigen Eddie vorbeikommen, wollen sich andere an Utopien wagen, dem Leben einen neuen Sinn geben, um sich nicht v\u00f6llig zu verlieren. Das reicht zwar auf Dauer nicht f\u00fcr das Dagegen-Sein, aber immerhin f\u00fcr eine verl\u00e4ngerte Gegenwart.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><em><span style=\"color: #999999;\">I was a punk before you were a punk<\/span><\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">Tubes<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Alt-Punk Roland Adelmann ist sich nach <em><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2010\/06\/08\/rodneys-grand-slam\/\">Rodneys Slam<\/a><\/em> treu geblieben, man kann das als Strukturkonservativ bezeichnen oder als eine andere Form der Geschichtsschreibung. Es sind die letzten Zuckungen dessen, was man einst als <em>Social Beat<\/em> bezeichnete.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">***<\/p>\n<p><strong>Die Zukunft stirbt zuerst<\/strong>, von Roland Adelmann. Outbird, 2021<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-95841 size-medium\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/Zukunft_Cover-214x300.jpg\" alt=\"\" width=\"214\" height=\"300\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/Zukunft_Cover-214x300.jpg 214w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/Zukunft_Cover-160x224.jpg 160w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/Zukunft_Cover.jpg 356w\" sizes=\"auto, (max-width: 214px) 100vw, 214px\" \/>Weiterf\u00fchrend \u2192 <\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zu den Gr\u00fcndungsmythen der alten BRD geh\u00f6rt die <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2001\/04\/01\/nonkonformistische-literatur\/\">Nonkonformistische Literatur<\/a>, lesen Sie dazu auch ein Portr\u00e4t von <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2000\/04\/04\/vauo\/\">V.O. Stomps<\/a>, dem Klassiker des Andersseins. Kaum jemand hat die L\u00fcckenhaftigkeit des <em>Underground<\/em> so konzequent <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2008\/09\/24\/underground\/\">erz\u00e4hlt<\/a> wie N\u00ed Gudix und ihre <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2008\/08\/23\/kritik-an-der-literarischen-alternative\/\">Kritik an der literarischen Alternative<\/a> ist berechtigt. Ein Portr\u00e4t von N\u00ed Gudix findet sich <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2015\/08\/16\/da-lernst-du-die-menschen-kennen\/\">hier<\/a> (und als Leseprobe ihren <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2006\/12\/30\/hausaffentango\/\">Hausaffentango<\/a>). Lesen Sie auch die <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2005\/09\/24\/erinnerungen\/\">Erinnerungen an den Bottroper Literaturrocker<\/a> von Werner Streletz und den <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2008\/09\/28\/rip-bruno\/\">Nachruf<\/a> von Bruno Runzheimer. Zum 100. Geburtstag von Charles Bukowski, eine <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2020\/08\/16\/ledertasche-geborgt\/\">Doppelbesprechung<\/a> von Hartmuth Malornys Ruhrgebietsroman <em>Die schwarze Ledertasche<\/em>. 1989 erscheint Helge Schneiders allererste Schallplatte <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=26990\"><em>Seine gr\u00f6\u00dften Erfolge<\/em><\/a>, produziert von Helge Schneider und <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2012\/07\/20\/klangkloetzchen\/\">Tom T\u00e4ger<\/a> im Tonstudio\/Ruhr. Lesen Sie auch das <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=26709\">Portr\u00e4t <\/a>der einzigartigen Proletendiva aus dem Ruhrgebeat auf KUNO. In einem Kollegengespr\u00e4ch mit Barbara Ester dekonstruiert A.J. Weigoni die <em><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1997\/10\/09\/ruhrgebietsromantik\/\">Ruhrgebietsromantik<\/a><\/em>. Mit<a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=6071\"> Kersten Flenter<\/a> und <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2001\/06\/23\/killroy-review\/\">Michael Sch\u00f6nauer<\/a> geh\u00f6rte <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2015\/08\/24\/polyphone-ich-erzaehlungen\/\">Tom de Toys<\/a> zum\u00a0Dreigestirn des deutschen <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1997\/01\/05\/bewegung\/\">Poetry Slam<\/a>. Einen Nachruf von Theo Breuer auf den Urvater des Social-Beat finden Sie <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2012\/03\/07\/hubsch-revisited\/\">hier<\/a> \u2013 Sowie selbstverst\u00e4ndlich his <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1995\/06\/25\/wie-was-social-beat-ist-und-warum-und-warum-nicht\/\">Masters voice<\/a>. Und Dr. Stahls kaltgenaue <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2002\/06\/26\/social-beat-vs-digitales-dasein\/\">Analyse<\/a>. \u2013 Constanze Schmidt beschreibt den Weg von <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=26080\">Proust zu Pulp<\/a>. Ebenso eindr\u00fccklich empfohlen sei Heiner Links <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=42272\">Vorwort<\/a> zum Band Trash-Piloten. Inzwischen hat sich Trash andere Kunstformen erobert, dazu die <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2014\/11\/01\/trash-eine-einfuehrung\/\">Aufmerksamkeit<\/a> einer geneigten Kulturkritik. In der Reihe <em>Gossenhefte<\/em> zeigt sich, was passiert, wenn sich literarischer Bodensatz und die Reflexionsm\u00f6glichkeiten von popul\u00e4rkulturellen Tugenden nahe genug kommen, der Essay <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=35655\"><em>Perlen des Trash<\/em><\/a> stellt diese Reihe ausf\u00fchrlich vor. Die KUNO-Redaktion bat A.J. Weigoni um einen Text mit Bezug auf die Mainzer Minpressenmesse (MMPM) und er kramte eine <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1993\/05\/31\/treff-der-titanen\/\">Realsatire<\/a> aus dem Jahr 1993 heraus, die er f\u00fcr den Mainzer Verleger Jens Neumann geschrieben hat. J\u00fcrgen Kipp \u00fcber die <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2013\/06\/01\/geschichte-und-aufgaben-des-mainzer-minipressen-archives-mmpa\/\">Aufgaben des Mainzer Minipressen-Archives<\/a>. Ein w\u00fcrdiger Abschlu\u00df gelingt Boris Kerenski mit <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2021\/03\/30\/wer-war-ist-noch-social-beat\/\">Stimmen aus dem popliterarischen Untergrund<\/a><strong>.<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In der analogen Welt hat man stundenlang in Plattenl\u00e4den nach der einen Schallplatte gesucht, hat sie dann wie einen Schatz nach Hause getragen, geh\u00fctet und gesammelt. 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Hartmut Rosa Punk war&hellip;<\/p>\n<p class=\"more-link-p\"><a class=\"more-link\" href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2021\/11\/27\/wut-ueber-die-verlorene-zeit\/\">Read more &rarr;<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":98312,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[3222,2893,2633,3223],"class_list":["post-95840","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-literatur","tag-andreas-frege","tag-hartmut-rosa","tag-roland-adelmann","tag-tubes"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/95840","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=95840"}],"version-history":[{"count":1,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/95840\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":101181,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/95840\/revisions\/101181"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media\/98312"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=95840"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=95840"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=95840"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}