{"id":95577,"date":"2021-11-12T00:01:38","date_gmt":"2021-11-11T23:01:38","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=95577"},"modified":"2022-02-17T13:48:47","modified_gmt":"2022-02-17T12:48:47","slug":"weniger-ist-mehr","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2021\/11\/12\/weniger-ist-mehr\/","title":{"rendered":"Weniger ist mehr"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\"><em><span class=\"d2edcug0 hpfvmrgz qv66sw1b c1et5uql oi732d6d ik7dh3pa ht8s03o8 a8c37x1j keod5gw0 nxhoafnm aigsh9s9 fe6kdd0r mau55g9w c8b282yb d3f4x2em iv3no6db jq4qci2q a3bd9o3v b1v8xokw oo9gr5id hzawbc8m\" dir=\"auto\">Mein Buch des Jahres ist Theo Breuers neuer Lyrikband \u201eNicht weniger nicht mehr&#8220;<\/span><\/em><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span class=\"d2edcug0 hpfvmrgz qv66sw1b c1et5uql oi732d6d ik7dh3pa ht8s03o8 a8c37x1j keod5gw0 nxhoafnm aigsh9s9 fe6kdd0r mau55g9w c8b282yb d3f4x2em iv3no6db jq4qci2q a3bd9o3v b1v8xokw oo9gr5id hzawbc8m\" dir=\"auto\" style=\"color: #999999;\">Norbert Scheuer<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Wir wollen weniger erhoben, \/ Und flei\u00dfiger gelesen sein<\/em>, lesen wir in einem bekannten Vierzeiler Gotthold Ephraim Lessings. Kann man \u201eflei\u00dfiger lesen\u201c, als Theo Breuer es bekannterma\u00dfen sein Leben lang tut? Und kann man kreativer, lebendiger die Rezeption literarischer Texte f\u00fcr die Produktion ebensolcher nutzen, Leseimpression origineller in Schreibexpression verwandeln, als Theo Breuer es \u2013 eindringlicher denn je \u2013 im neuen Gedichtbuch <strong>nicht weniger nicht mehr<\/strong> handhabt, in dem es auf 133 Seiten <em>suchstaben<\/em> und W\u00f6rter und Verse auf Breuers unnachahmliche Weise <em>regnet <\/em>(prasselt \u2026) und in dessen Gedichten die Buchstaben vom ersten bis zum vierten Kapitel atmen, hopsen, perlen, sprudeln, dass es <em>seine Art<\/em> hat.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Furios und mitrei\u00dfend \u2013 um je ein Beispiel aus den vier Kapiteln mit hier (sehr) kurzen, dort (sehr) langen Gedichten zu benennen \u2013 die Gedichte <em>es war<\/em>, <em>nicht die bohne<\/em>,<em> und lesen<\/em> oder <em>zeit der schl\u00fcsse<\/em>, in dessen sieben Versen soviel Welt, soviel Para- und Gegenwelt steckt, dass es einem Frevel gleichk\u00e4me, einzelne Aspekte einem Kommentar zu unterwerfen. Manches, das an der Oberfl\u00e4che wie reines Spiel mit W\u00f6rtern wirken mag, wird, n\u00e4her betrachtet, zum <em>glutigen<\/em> Ernst. Ja, Kurt Schwitters hat es bis zum bitteren Ende vorgemacht: <em>Wir spielen, bis uns der Tod abholt<\/em>. Aber was, bitte, ist denn das f\u00fcr ein \u201aSpiel\u2018, in dem einem immer wieder das Lachen im Halse stecken bleibt \u2013 wenn etwa im <em>wortversuch<\/em> : <em>ein mord \/ den \/ andren \/ gibt<\/em>?!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Neben dem Reim (mit dessen \u201aunerh\u00f6rten\u2018 M\u00f6glichkeiten wortw\u00e4hrend \u201agespielt\u2018 wird) ist das Paragramm fester Bestandteil in Breuer Wortwerkzeugkasten. Welch enorme Erweiterung wird hier m\u00f6glich durch den Austausch eines Buchstabens: Zun\u00e4chst wird der Leser \u2013 naturgem\u00e4\u00df \u2013 bei \u201aglutig\u2018 an das Ursprungswort \u201ablutig\u2018 denken, um reflexiv und \u201amutig\u2018 weitere Paragramme zu bilden und so \u2013 dank eines einzigen Buchstabens \u2013 in ungeahnte Worttr\u00e4ume vorzuschwingen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Gedichte des ersten Kapitels \u2013 eine siebenteilige, essayistisch angehauchte Lyriksequenz \u2013 sind Werk und Wirken Paul Celans gewidmet, dessen hundertstem Geburtstag und f\u00fcnfzigstem Todestag wir 2020 gedenken: <em>morgens moosgr\u00fcn m\u00fc\u00dfig zwischen maar moor mayr\u00f6cker \/ liegt der stein der leisen <\/em>setzt das Gedicht <em>da :<\/em> ein, das den Leser \u2013 ausgehend von pers\u00f6nlich erlebter <em>wlan<\/em>-Gegenwart \u2013 im <em>schneewahn<\/em> zur\u00fcck in unheilvolle Zeiten katapultiert, deren Grauen Celan so unmittelbar erfuhr.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Genug des \u201eErhebens\u201c. Auch Theo Breuers Gedichtbuch <em>nicht weniger nicht mehr<\/em> will : <em>flei\u00dfiger gelesen sein<\/em> \u2026<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>\u00a0***<br \/>\n<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>nicht weniger nicht mehr. <\/strong>Gedichte von Theo Breuer. Pop-Verlag, Reihe Lyrik Bd. 151<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-95580 size-medium\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/nicht_weniger_Cover-206x300.jpg\" alt=\"\" width=\"206\" height=\"300\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/nicht_weniger_Cover-206x300.jpg 206w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/nicht_weniger_Cover-344x500.jpg 344w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/nicht_weniger_Cover-160x233.jpg 160w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/nicht_weniger_Cover.jpg 629w\" sizes=\"auto, (max-width: 206px) 100vw, 206px\" \/><\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Weiterf\u00fchrend<\/strong> <strong>\u2192<\/strong> Ein Essay \u00fcber den <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2013\/12\/26\/lauschender-leser-und-redender-schreiber-2\/\">Lyrikvermittler<\/a> Theo Breuer.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>\u2192<\/strong> Poesie z\u00e4hlt f\u00fcr KUNO zu den identit\u00e4ts- und identifikationstiftenden Elementen einer Kultur, dies bezeugt der Versuch einer <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=25630\">poetologischen Positionsbestimmung<\/a>. Um den Widerstand gegen die gepolsterte Gegenwartslyrik ein wenig anzufachen schickte <span data-offset-key=\"d96ve-1-0\">Wolfgang Schlott<\/span><span data-offset-key=\"d96ve-2-0\"> dieses\u00a0 post-dadaistische <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2016\/02\/03\/handwerkliche-anleitungen-zur-ueberwindung-von-schreibblockaden\/\">Manifest<\/a>. Warum<\/span> Lyrik wieder in die Zeitungen geh\u00f6rt <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2017\/10\/07\/der-dichtung-eine-bresche-schlagen\/\">begr\u00fcndete<\/a> Walther Stonet, diese Forderung hat nichts an Aktualit\u00e4t verloren. Lesen Sie auch Maximilian Zanders <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=5418\">Essay <\/a>\u00fcber Lyrik und ein R\u00fcckblick auf den <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2014\/01\/08\/lyrik-katalog-bundesrepublik\/\"><em>Lyrik-Katalog Bundesrepublik<\/em><\/a>. KUNO sch\u00e4tzt den minuti\u00f6sen Selbstinszenierungsprozess des lyrischen Dichter-Ichs von Ulrich Bergmann in der Reihe <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=27947\">Keine Bojen auf hoher See, nur Sterne \u2026 und Schwerkraft. Gedanken \u00fcber das lyrische Schreiben<\/a>. Lesen Sie ein <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=22835\">Portr\u00e4t <\/a>\u00fcber die interdisziplin\u00e4re T\u00e4tigkeit von Angelika Janz, sowie einen <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=29450\">Essay<\/a> der <em>Fragmenttexterin.<\/em> Ein Portr\u00e4t von Sophie Reyer findet sich\u00a0<a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2013\/10\/08\/von-sappho-zu-sophie\/\">hier<\/a>, ein Essay fasst das transmediale Projekt<em> &#8222;<a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2021\/04\/14\/bi-textualitaet\/\">Wortspielhalle<\/a>&#8220; <\/em>zusammen<em>. <\/em>Auf KUNO lesen Sie u.a. Rezensionsessays von <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2015\/06\/17\/beschwoerungszauber\/\">Holger Benkel<\/a> \u00fcber <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=15175\">Andr\u00e9 Schinkel<\/a>, <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2017\/11\/12\/mit-deutschen-untertiteln\/\">Ralph Pordzik<\/a>,\u00a0<a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2018\/12\/20\/wohnraeume-der-poesie\/\">Friederike Mayr\u00f6cker<\/a>, <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2017\/03\/19\/welten-gegenwelten\/\">Werner Weimar-Mazur<\/a>, <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2019\/06\/26\/wohnraeume-der-poesie-2\/\">Peter Engstler<\/a>, <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=15177\">Birgitt Lieberwirth<\/a>, <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2019\/08\/17\/der-grill-auf-der-hauswiese-der-welt\/\">Linda Vilhj\u00e1lmsd\u00f3ttir<\/a>, und <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2017\/09\/17\/rettungsversuche-der-literatur-im-digitalen-raum\/\">A.J. Weigoni<\/a>. Lesenswert auch die <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2020\/05\/16\/verseschmied-und-lyrikfischer\/\">Gratulation<\/a> von Axel Kutsch durch Markus Peters zum 75. Geburtstag. Nicht zu vergessen eine Empfehlung der kristallklaren Lyrik von <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2020\/01\/19\/die-lyrikerin-ines-hagemeyer\/\">Ines Hagemeyer<\/a>. Diese Betrachtungen versammeln sich in der Tradition von <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2000\/04\/04\/vauo\/\">V.O. Stomps<\/a>, dem Klassiker des Andersseins, dem <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2005\/09\/24\/erinnerungen\/\">Bottroper Literaturrocker<\/a> &#8222;Biby&#8220; Wintjes und Hadayatullah H\u00fcbsch, dem Urvater des <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1995\/06\/30\/wie-was-social-beat-ist-und-warum-und-warum-nicht\/\"><em>Social-Beat<\/em><\/a>, im KUNO-Online-Archiv. Wir empfehlen f\u00fcr Neulinge als Einstieg in das weite Feld der nonkonformistischen Literatur <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2001\/04\/01\/nonkonformistische-literatur\/\">diesem Hinweis<\/a> zu folgen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mein Buch des Jahres ist Theo Breuers neuer Lyrikband \u201eNicht weniger nicht mehr&#8220; Norbert Scheuer Wir wollen weniger erhoben, \/ Und flei\u00dfiger gelesen sein, lesen wir in einem bekannten Vierzeiler Gotthold Ephraim Lessings. Kann man \u201eflei\u00dfiger lesen\u201c, als Theo Breuer&hellip;<\/p>\n<p class=\"more-link-p\"><a class=\"more-link\" href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2021\/11\/12\/weniger-ist-mehr\/\">Read more &rarr;<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":97870,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[84],"class_list":["post-95577","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-literatur","tag-theo-breuer"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/95577","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=95577"}],"version-history":[{"count":1,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/95577\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":97872,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/95577\/revisions\/97872"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media\/97870"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=95577"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=95577"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=95577"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}