{"id":95445,"date":"1995-07-17T00:01:44","date_gmt":"1995-07-16T22:01:44","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=95445"},"modified":"2021-11-25T04:39:58","modified_gmt":"2021-11-25T03:39:58","slug":"die-wuerde-des-schunds","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1995\/07\/17\/die-wuerde-des-schunds\/","title":{"rendered":"Die W\u00fcrde des Schunds"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><em><span style=\"color: #999999;\">Auch ist das letzten Endes nur ein Zeichen daf\u00fcr, dass man bei uns noch mehr als anderswo auf der Hut sein muss vor den Kulturverwertern, diesen Schakalen der total medialisierten Welt (\u2026). Nicht mal sterben kann man, ohne Angst zu haben, verschaukelt und verscheissert zu werden.\u201c<\/span><\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">J\u00f6rg Fauser \u00fcber den Petrarca\u2013Preis, der 1975 posthum an Rolf Dieter Brinkmann verliehen wurde.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Fauser starb am 17. Juli 1987, als er gegen 4:10 Uhr auf der A 94 zwischen den M\u00fcnchner Stadtteilen Zamdorf und Riem in Fahrtrichtung Anschlussstelle Feldkirchen von einem Lkw erfasst wurde. Er hatte zuvor die eigene Feier zu seinem 43. Geburtstag verlassen und offenbar alkoholisiert versucht, die Fahrbahn zu \u00fcberqueren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein Jahr nach seinem Tod wurde Fauser posthum der Friedrich\u2013Glauser\u2013Preis verliehen. Er war in seinen fr\u00fchen Jahren ein Underground-Autor, der stark von der amerikanischen Beat-Literatur beeinflusst war und in seinen Texten eigene Drogenerfahrungen verarbeitete. Unter dem Einfluss der amerikanischen Hard-boiled-Autoren Dashiell Hammett und Raymond Chandler wandelten sich in den 1980er-Jahren zwar seine Sujets, die in der zeitgen\u00f6ssischen Literaturkritik oft vorgenommene Etikettierung Fausers als Autor von Kriminalromanen aus der bundesrepublikanischen Wirklichkeit wird seinem literarischen Gewicht jedoch keineswegs gerecht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00c4hnlich wie RDB war J\u00f6rg Fauser ein Nonkonformist, f\u00fcr den der Literaturbetrieb der alten Bundesrepublik keinen Platz hatte. Exemplarisch f\u00fcr das Fauser von der etablierten Literaturkritik oft entgegengebrachte Unverst\u00e4ndnis war die vernichtende Beurteilung durch Marcel Reich-Ranicki beim Lesewettbewerb um den Ingeborg-Bachmann-Preis von 1984.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">***<\/p>\n<p>J\u00f6rg-Fauser-Edition in acht B\u00e4nden, einem Beiheft und Erg\u00e4nzungsband bei Rogner &amp; Bernhard, Hamburg:<\/p>\n<ul>\n<li>1990: Band 1. <i>Romane I<\/i><\/li>\n<li>1990: Band 2. <i>Romane II<\/i><\/li>\n<li>1990: Band 3. <i>Erz\u00e4hlungen I<\/i><\/li>\n<li>1990: Band 4. <i>Erz\u00e4hlungen II<\/i><\/li>\n<li>1990: Band 5. <i>Gedichte<\/i><\/li>\n<li>1990: Band 6. <i>Essays, Reportagen, Kolumnen I<\/i><\/li>\n<li>1990: Band 7. <i>Essays, Reportagen, Kolumnen II<\/i><\/li>\n<li>1990: Band 8. <i>Marlon-Brando-Biographie<\/i><\/li>\n<li>1990: Beiheft. <i>Informationen und Bilder<\/i><\/li>\n<li>1994: Erg\u00e4nzungsband <i>Das leise l\u00e4chelnde Nein und andere Texte.<\/i><\/li>\n<\/ul>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-13483\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/12\/Rdb.selfmade.100607.wisc_.jpg\" alt=\"\" width=\"118\" height=\"159\" \/>Weiterf\u00fchrend \u2192 <\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zu den Gr\u00fcndungsmythen der alten BRD geh\u00f6rt die <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2001\/04\/01\/nonkonformistische-literatur\/\">Nonkonformistische Literatur<\/a>, lesen Sie dazu auch ein Portr\u00e4t von <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2000\/04\/04\/vauo\/\">V.O. Stomps<\/a>, dem Klassiker des Andersseins. Kaum jemand hat die L\u00fcckenhaftigkeit des <em>Underground<\/em> so konzequent <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2008\/09\/24\/underground\/\">erz\u00e4hlt<\/a> wie N\u00ed Gudix und ihre <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2008\/08\/23\/kritik-an-der-literarischen-alternative\/\">Kritik an der literarischen Alternative<\/a> ist berechtigt. Ein Portr\u00e4t von N\u00ed Gudix findet sich <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2015\/08\/16\/da-lernst-du-die-menschen-kennen\/\">hier<\/a> (und als Leseprobe ihren <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2006\/12\/30\/hausaffentango\/\">Hausaffentango<\/a>). Lesen Sie auch die <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2005\/09\/24\/erinnerungen\/\">Erinnerungen an den Bottroper Literaturrocker<\/a> von Werner Streletz und den <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2008\/09\/28\/rip-bruno\/\">Nachruf<\/a> von Bruno Runzheimer. Zum 100. Geburtstag von Charles Bukowski, eine <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2020\/08\/16\/ledertasche-geborgt\/\">Doppelbesprechung<\/a> von Hartmuth Malornys Ruhrgebietsroman <em>Die schwarze Ledertasche<\/em>. 1989 erscheint Helge Schneiders allererste Schallplatte <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=26990\"><em>Seine gr\u00f6\u00dften Erfolge<\/em><\/a>, produziert von Helge Schneider und <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2012\/07\/20\/klangkloetzchen\/\">Tom T\u00e4ger<\/a> im Tonstudio\/Ruhr. Lesen Sie auch das <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=26709\">Portr\u00e4t <\/a>der einzigartigen Proletendiva aus dem Ruhrgebeat auf KUNO. In einem Kollegengespr\u00e4ch mit Barbara Ester dekonstruiert A.J. Weigoni die <em><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1997\/10\/09\/ruhrgebietsromantik\/\">Ruhrgebietsromantik<\/a><\/em>. Mit<a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=6071\"> Kersten Flenter<\/a> und <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2001\/06\/23\/killroy-review\/\">Michael Sch\u00f6nauer<\/a> geh\u00f6rte <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2015\/08\/24\/polyphone-ich-erzaehlungen\/\">Tom de Toys<\/a> zum\u00a0Dreigestirn des deutschen <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1997\/01\/05\/bewegung\/\">Poetry Slam<\/a>. Einen Nachruf von Theo Breuer auf den Urvater des Social-Beat finden Sie <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2012\/03\/07\/hubsch-revisited\/\">hier<\/a> \u2013 Sowie selbstverst\u00e4ndlich his <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1995\/06\/25\/wie-was-social-beat-ist-und-warum-und-warum-nicht\/\">Masters voice<\/a>. Und Dr. Stahls kaltgenaue <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2002\/06\/26\/social-beat-vs-digitales-dasein\/\">Analyse<\/a>. \u2013 Constanze Schmidt beschreibt den Weg von <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=26080\">Proust zu Pulp<\/a>. Ebenso eindr\u00fccklich empfohlen sei Heiner Links <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=42272\">Vorwort<\/a> zum Band Trash-Piloten. Inzwischen hat sich Trash andere Kunstformen erobert, dazu die <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2014\/11\/01\/trash-eine-einfuehrung\/\">Aufmerksamkeit<\/a> einer geneigten Kulturkritik. In der Reihe <em>Gossenhefte<\/em> zeigt sich, was passiert, wenn sich literarischer Bodensatz und die Reflexionsm\u00f6glichkeiten von popul\u00e4rkulturellen Tugenden nahe genug kommen, der Essay <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=35655\"><em>Perlen des Trash<\/em><\/a> stellt diese Reihe ausf\u00fchrlich vor. Die KUNO-Redaktion bat A.J. Weigoni um einen Text mit Bezug auf die Mainzer Minpressenmesse (MMPM) und er kramte eine <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1993\/05\/31\/treff-der-titanen\/\">Realsatire<\/a> aus dem Jahr 1993 heraus, die er f\u00fcr den Mainzer Verleger Jens Neumann geschrieben hat. J\u00fcrgen Kipp \u00fcber die <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2013\/06\/01\/geschichte-und-aufgaben-des-mainzer-minipressen-archives-mmpa\/\">Aufgaben des Mainzer Minipressen-Archives<\/a>. Ein w\u00fcrdiger Abschlu\u00df gelingt Boris Kerenski mit <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2021\/03\/30\/wer-war-ist-noch-social-beat\/\">Stimmen aus dem popliterarischen Untergrund<\/a><strong>.<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; Auch ist das letzten Endes nur ein Zeichen daf\u00fcr, dass man bei uns noch mehr als anderswo auf der Hut sein muss vor den Kulturverwertern, diesen Schakalen der total medialisierten Welt (\u2026). 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