{"id":95163,"date":"2008-12-20T00:01:29","date_gmt":"2008-12-19T23:01:29","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=95163"},"modified":"2021-12-26T15:46:18","modified_gmt":"2021-12-26T14:46:18","slug":"ein-intermezzo-kreuz-und-quer","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2008\/12\/20\/ein-intermezzo-kreuz-und-quer\/","title":{"rendered":"Ein Intermezzo. Kreuz und Quer"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: right;\" align=\"right\"><em><span style=\"color: #999999;\">Ein Sp\u00f6tter, ein Dichter, ein Literat \u2013 Streu ich der Worte verf\u00e4ngliche Saat.<\/span><\/em><\/p>\r\n<p style=\"text-align: right;\" align=\"right\"><span style=\"color: #999999;\">Hugo Ball, Intermezzo Gesammelte Gedichte. Z\u00fcrich 1963<\/span><\/p>\r\n<div align=\"justify\">\u00a0<\/div>\r\n<div style=\"text-align: justify;\" align=\"justify\">Kennen Sie Gedichte von Michael Arenz, dem Heraus\u00adgeber der volu\u00admin\u00f6sen Bochumer Litera\u00adtur\u00adzeitschrift \u00bbDer Mongole wartet\u00ab, in deren 18. Ausgabe ich u.a. flotte Gedichte von Florian G\u00fcnther, Ulrich Koch, Clemens Schittko, Iris Schr\u00f6der und Maximi\u00adlian Zander lese? Im Herbst 2008 erschien der Band \u00bbAnweisungen f\u00fcr die vorletzten Tage\u00ab mit dem rassigen Auftakt-Gedicht \u00bbEinladung\u00ab, das in meiner Tabelle der zeit\u00adgen\u00f6s\u00adsischen Gedichte seit l\u00e4ngerem schon auf einem vorderen Platz steht (J\u00fcrgen Nendzas tief\u00adgehendes \u00bbHinterland\u00ab bleibt weiterhin die Nummer Eins). \u00bbEinladung\u00ab geh\u00f6rt zu den reizvollsten unter den von mir nach 2000 zur Kenntnis genommenen Gedichte im deutschen Sprachraum, die t\u00e4glich, st\u00fcndlich, min\u00fctlich den Leserinnen und Lesern zum mehr oder weniger genu\u00dfvollen Fra\u00df hingeworfen werden: Autoren und Verleger von Gedichten kennen weder Pardon noch Winterschlaf. Nicht einmal Jahreszeiten. Auch wenn sie bisweilen so tun und scheinheilig vom Fr\u00fchjahrs- und Herbstprogramm sprechen: pure Augenwischerei. Nonstop wird bei Voll-, ab- und wieder zunehmendem Mond, bei Wind und Wetter, Glatteis und Schnee an Lyrik-, Sammel- und Essayb\u00e4nden gebosselt: \u00bbIn den N\u00e4chten ohne Wolken \/ wird der gute Mond gemolken\u00ab, verlautbart Axel Kutsch in \u00bbWortbruch\u00ab, \u00bbImmer wenn&#8217;s regnet, \/ schreibe er ein Gedicht\u00ab in \u00bbIkarus f\u00e4hrt Omnibus\u00ab. Rund um die Uhr werden B\u00fccher und Brosch\u00fcren gesetzt und formatiert, korrigiert und lektoriert, illustriert, gedruckt, gebunden und geheftet, sodann hartn\u00e4ckig, egal wie und oft vergeblich von Verlegern und Autoren (weniger von Buchh\u00e4ndlern) an die feinf\u00fchlige Frau und den melancholischen Mann zu bringen versucht. \u00bbDie Verluste, \/ selbst die hilfreichen, \/ haben noch ein wenig Geduld\u00ab, lese ich in \u00bbHerzschlag\u00ab, diesen lakonischen, luftigen, vor wenigen Tagen ins Haus gewehten Liebesgedichten von Walter Helmut Fritz. Geduld ist f\u00fcr die Macher von B\u00fcchern ein Fremdwort. Der blaue Planet ist also nicht, auch \u00bbwenn wir die Welt aufmerksam sehn \/ zu allen Zeiten sch\u00f6n\u00ab, wie Barthold Heinrich Brockes mich am 15. Dezember 2008 mit dem Gedicht im \u00bbdeutschen Lyrikkalender\u00ab glauben machen will &#8211; aber immerhin zu manchen Zeiten, besonders gegen zehn Uhr drei\u00dfig am Morgen, wenn es, wie vor wenigen Minuten, klingelt und ich Peter Ettls \u00bbGleitfl\u00fcge zwischen den Gezeiten\u00ab als Gro\u00dfdruckversion mit einer auf Leinwand gedruckten Photocollage des Autors auspacke und mir augenblickslang wird, \u00bbals h\u00e4tte der himmel eine windharfe \/ \u00fcber das wasser gespannt\u00ab. Neue Literaturzeitschriften und Lyrikreihen werden in der wahnwitzigen Hoffnung und Vorstellung aufs sich rasant drehende Karussell geworfen, irgendjemand k\u00f6nnte sich daf\u00fcr interessieren. Das Verr\u00fcckte ist: Obwohl es bereits un\u00fcberschaubar viele Gedichtb\u00fccher, Sammelb\u00e4nde, Lyrikreihen und Zeitschriften gibt, finden sich doch immer wieder ein paar Manische, die sich auf mehr freuen. Im November 2008 ging, beispielsweise, die von Julietta Fix und Frank Milautzcki herausgegebene Reihe \u00bbFixpoetry Lesehefte\u00ab mit drei fein gestalteten, 24seitigen, lesenswerten Lyrikb\u00e4ndchen von Andrea Karim\u00e9, \u00bbalif be, das Klangfell haart sich\u00ab, Julia Mantel, \u00bbNew Poems\u00ab und Julietta Fix, \u00bbLyrik vom Fu\u00dfboden\u00ab in Milautzckis kleinem Verlag im Proberaum 3 in Klingenberg an den Start: \u00bbDer von der Br\u00fccke ist auch da und erz\u00e4hlt von Gedichten.\u00ab Ich kann nicht nein sagen und lausche. Seit Mitte der 1990er Jahre notiere ich, um zumindest einen kleinen \u00dcberblick zu behalten und dem D\u00e4mon Vergessen einzelne Erinnerungsfetzen wenigstens zu entrei\u00dfen, Einw\u00fcrfe, Randbemerkungen und Fu\u00dfnoten, in deren Mittelpunkt zeitgen\u00f6ssische Gedichte im deutschen Sprachraum stehen. Auf diese Weise entstanden neben der Lyrikzeitschrift \u00bbFaltblatt\u00ab (seit 1994) Monographien wie \u00bbOhne Punkt &amp; Komma. Lyrik in den 90er Jahren\u00ab (1999), \u00bbAus dem Hinterland. Lyrik nach 2000\u00ab (2005) sowie \u00bbKiesel &amp; Kastanie. Von neuen Gedichten und Geschichten\u00ab (2008). Am 9. November 2007, dem Tag nach dem Redaktionsschlu\u00df von \u00bbKiesel &amp; Kastanie\u00ab, legte ich einen neuen Ordner an, dessen Word-Dateien in einigen Jahren vielleicht in eine weitere Publikation m\u00fcnden. In den letzten Wochen des Jahres 2008 bereitete ich zum einen den neuen Gedichtband \u00bbWortlos\u00ab vor und verschaffte mir zum anderen erstmals einen umfassenden \u00dcberblick \u00fcber meine Bibliographie, die 1984, seit wir in Sistig wohnen, einsetzt. Ich war immer wieder verbl\u00fcfft, im Internet auf Gedichte und Wortbilder zu sto\u00dfen, von deren Existenz im Netz ich nichts ahnte. Portale und Blogs, wohin ich klicke, Michael Gratz&#8216; \u00bbLyrikzeitung\u00ab und \u00bbMatthias Kehles Lyrik-Blog\u00ab geh\u00f6ren zu denen, an denen ich t\u00e4glich Station mache. Zuletzt warf ich den einen oder anderen Blick auf die neuen Kapitel meiner 2008 entstandenen Notizen zur Lyrik, um mir bewu\u00dft zu machen, welche Anthologien, Gedichtb\u00fccher und Literaturzeitschriften ich in diesem Jahr zur Kenntnis genommen, welche Autorinnen und Autoren ich kennen gelernt, mit welchen B\u00fcchern und Verlagen ich mich in besonderer Weise auseinander\u00adgesetzt habe. Au\u00dferordentlich verbl\u00fcfft hat mich, beispielsweise, das im Herbst 2008 im Mitteldeutschen Verlag in Halle an der Saale erschienene, gro\u00dfz\u00fcgig gestaltete und h\u00f6chst merk!W\u00dcRDIGE Lyrikbuch nicht oder anders von Wolfram Menzel mit Gedichten aus den Jahren 1953 bis 1968. Von dieser unplanm\u00e4\u00dfigen Reise durch die vergangenen zw\u00f6lf Monate m\u00f6chte ich \u2013 die vielen schwungvollen Romane einfach links liegen lassend sowie auf die bereits in \u00bbAuf dem Teppich bleiben. Im B\u00fccherHerbst 2008\u00ab vorgestellten Lyriktitel verweisend \u2013 berichten, indem ich, kreuz und quer durch Raum und Zeit zuckelnd, an zw\u00f6lf Stationen haltmache, um, exemplarisch, eine kleine Auswahl von Autoren und Herausgebern, B\u00fcchern und Verlagen vorzustellen, die mir in fabelhafter, lebendiger Erinnerung bleiben.<\/div>\r\n<div align=\"justify\">\u00a0<\/div>\r\n<div style=\"text-align: justify;\" align=\"justify\"><b>1<\/b> <b>Helmut Salzinger (1935-1993)<\/b>\r\n<p align=\"right\">es l\u00e4chelt der See reglos, scheints, liegt das Moor und still, Turmfalk r\u00fcttelt Helmut Salzinger<\/p>\r\nEs gibt t\u00e4glich zahlreiche Gr\u00fcnde, das Schicksal der Menschen und der Welt zu beweinen, und manch einer tut das ausgiebig und ohne Hoffnung auf Ver\u00e4nderung. Und doch gibt es Momente, in denen die Sonne durch die Wolkendecke bricht \u2013 f\u00fcr Sekunden vielleicht blo\u00df \u2013 und pl\u00f6tzlich alles ganz anders ist. Diese Momente zu erhaschen nenne ich Lebenskunst. Gestern war ein solcher Augenblick, den ich festhalten und dehnen konnte, so da\u00df er einige Stunden lang anhielt, und heute noch strahlt die W\u00e4rme nach, die er ausl\u00f6ste. In einer Sendung von Sibylle Klefinghaus fand ich das von Caroline Hartge und Ralf Z\u00fchlke herausgegebene Buch \u00bbquerFALK. Buch \u00fcber eine Zeitschrift\u00ab (140 Seiten, Broschur, Verlag Peter Engstler, Ostheim\/Rh\u00f6n 2007). Ich hatte mit Caroline Hartge einige Wochen zuvor per Mail \u00fcberlegt, \u00bbquerFALK\u00ab gegen \u00bbKiesel &amp; Kastanie\u00ab zu tauschen. Im November 2007 noch z\u00f6gernd (ich wollte zun\u00e4chst m\u00f6glichst viele B\u00e4nde des soeben erschienenen Buches verkaufen), entschlo\u00df ich mich in den ersten Januartagen 2008, auf den Tausch einzugehen. Und nun kam das Buch \u2013 unverlangt und unerwartet \u2013 aus einer anderen ganz Richtung. Sibylle Klefinghaus lernte ich am 8. Dezember 2007 in W\u00fcrselen (in der N\u00e4he von Aachen) bei der Vorstellung des \u00bbdeutschen Lyrikkalenders\u00ab kennen. Ihr Gedichtbuch \u00bbein unbenutztes ohr\u00ab kannte ich bereits, hatte es mit Freude gelesen und daraus in \u00bbKiesel &amp; Kastanie\u00ab zitiert. Bis gegen vier Uhr in der Fr\u00fch sa\u00dfen wir im Anschlu\u00df an die berauschende Lyriknacht bei bester Stimmung an Birgit und Christoph Leistens K\u00fcchentisch und ver\u00e4nderten die Lyrikwelt. Ich packte \u00bbquerFALK\u00ab aus, wurde sekundenlang vom Titelbild mit dem m\u00e4chtig wirkenden Falkenkopf in den Bann gezogen, bl\u00e4tterte das gro\u00dfformatige Buch einmal durch, las Don DeLillos \u00bbFalling Man\u00ab zu Ende, widmete dem au\u00dferordentlichen, m\u00e4chtig beeindruckenden Roman letzte Gedanken bei einer gro\u00dfen Tasse Darjeeling und begann mit der Lekt\u00fcre von \u00bbquerFALK\u00ab, Dokumentation der von Helmut Salzinger und wechselnden Mitherausgebern edierten Literaturzeitschrift FALK, einem hochinteressanten, originell aufgebauten, lebendigen, im Ton durchgehend sehr pers\u00f6nlichen Buch mit Beitr\u00e4gen von Eugen Pletsch, Hadayatullah H\u00fcbsch, Michael Kellner, Theo K\u00f6ppen, Thomas Kaiser, Peer Schr\u00f6der, Sybille Klefinghaus, Klaus Modick, Helmut H\u00f6ge, Martin Brinkmann, Thomas N\u00f6ske und Florian Vetsch, der schreibt: \u00bbHelmut Salzinger repr\u00e4sentierte wie Rolf Dieter Brinkmann, Hubert Fichte, Wolf Wondratschek, J\u00fcrgen Ploog oder Hadayatullah H\u00fcbsch die erste deutsche Beat Generation; und Salzinger tut dies auf eine ganz besondere Art, baute er doch den \u00f6kologischen Ansatz der urspr\u00fcnglich US-amerikani\u00adschen Bewegung in seiner Poesie, seiner autobio\u00adgraphischen und erz\u00e4hlenden Prosa sowie in seinem theoretischen Werk vielf\u00e4ltig und unver\u00adwechselbar aus. \u2013 Es scheint mir deshalb nicht falsch, Salzinger den deutschen Gary Snyder zu nennen, auch wegen seiner N\u00e4he zur ostasiatischen Philosophie, dem Taoismus und dem Zen-<wbr><\/wbr>Buddhis\u00admus zumal. Den FALK habe ich gleich in toto erstanden, in der klobigen br\u00e4unlichen Dreier-Kassette mit allen sechsunddrei\u00dfig Ausgaben, die Peter Engstler noch heute anbietet. Die Auswahl der versammelten Autorinnen und Autoren, die weit \u00fcber die Einbindung der US-Beats und eines Teils der entsprechenden deutschen Szene hinausging, gefiel mir; da\u00df ich dabei auf alte Lieblinge von mir stie\u00df, erh\u00f6hte einerseits das Vergn\u00fcgen, das ich am FALK fand, andererseits vertiefte es die Sympathie, die ich f\u00fcr Salzinger und seine Texte zu empfinden begonnen hatte. Zu diesen Lieblingen z\u00e4hlen Han Shan, Basho, H\u00f6lderlin, Klabund und Walt Whitman\u00ab. Das ockerfarbene Buch vermittelt ein facettenreiches Bild jener famili\u00e4ren, literaturdurchtr\u00e4nkten, wilden Atmosph\u00e4re der regelm\u00e4\u00dfig zu Autorentreffen einladenden HEAD FARM ODISHEIM in den 1980er Jahren, wo mithilfe eigener Produktionsmittel (Kopierer, Schreibmaschine, Schere und Kleber) die Zeitschrift und eine ganze Reihe von Einzeltiteln entstanden. Die autobiographische Erz\u00e4hlung Helmut aus Bert Brunes 2007 erschienenem Erz\u00e4hlband \u00bbEine Runde um den Block\u00ab (das ich im Dezember 2007 mit ihm gegen \u00bbKiesel &amp; Kastanie\u00ab tauschte), in der der K\u00f6lner Stadtwanderer auch seine Besuche auf der HEAD FARM schildert, h\u00e4tte noch fein in den Kontext von \u00bbquerFALK\u00ab gepa\u00dft, zumal Brune auf \u00bbFALK. Loose Bl\u00e4tter f\u00fcr alles M\u00f6gliche\u00ab eingeht, auf denen auch Gedichte des weiter unten vorgestellten Rainer Maria Gerhardt abgedruckt wurden. Die Erz\u00e4hlung entstand allerdings 1998, und in \u00bbquerFALK\u00ab sind ausschlie\u00dflich Originalbeitr\u00e4ge abgedruckt \u2013 was dem Buch naturgem\u00e4\u00df eine lebendige Frische verleiht. Selbst das E-Mail-Telegramm von Martin Brinkmann kommt an. Zwischendurch lese ich Gedichte in den Lyrikb\u00e4nden Helmut Salzingers, die in meinen B\u00fccherreihen stehen: \u00bbGehen, Schritte\u00ab (1979), \u00bbStille Wasser\u00ab (1987), \u00bbDie beiden H\u00e4nde des Sperbers\u00ab (1993) und \u00bbVogelschau\u00ab (1995) hei\u00dfen diese vollkommen unspektakul\u00e4r wirkenden B\u00fccher, die mit ihrem einfachen, klaren und nat\u00fcrlichen Sound vermitteln, was ich im Leben da drau\u00dfen so oft vergeblich suche. Ich habe Shafiq Naz, dem Herausgeber des \u00bbdeutschen Lyrikkalenders\u00ab, die Gedichte von Helmut Salzinger sehr zur Ver\u00f6ffentlichung ans Herz gelegt. Es ist an der Zeit, die Verse Salzingers wieder st\u00e4rker ins Bewu\u00dftsein der Leser zu heben, diesen sanften Gedichten zu neuem Leben zu verhelfen. Auf den Seiten 151\/52 in \u00bbAus dem Hinterland\u00ab halte ich meine Einsch\u00e4tzung nach der ersten Lekt\u00fcre von Salzingers Gedichtb\u00e4nden kurz fest. Dieser gute Eindruck h\u00e4lt auch der erneuten, nach Jahren der inextensiven Kenntnisnahme von Lyrikb\u00fcchern mit sch\u00e4rferer Lesebrille betriebenen Lekt\u00fcre locker stand. Um die guten Stunden mit \u00bbquerFALK\u00ab abzurunden, fahre ich den Rechner hoch (Bert Brune h\u00e4tte sich ins Caf\u00e9 gesetzt und um ein Blatt Papier gebeten, den Bleistiftstummel hat er stets in der Manteltasche), klicke auf Wikipedia und lese den Artikel \u00bbHelmut Salzinger\u00ab. I am terribly amused, \u00fcberarbeite den Artikel, erg\u00e4nze \u00bbFALK, querFALK\u00ab und einiges mehr, springe zum Artikel \u00bbOdisheim\u00ab und trage Salzinger als Pers\u00f6nlichkeit ein. All das gestern, am Freitag, dem 4. Januar 2008. Nun ist Samstagmorgen, es regnet und st\u00fcrmt, und ich \u00fcberlege, welches Buch ich im Anschlu\u00df an \u00bbquerFALK\u00ab lesen m\u00f6chte. Meine seit Wochen anhaltende Unruhe hat sich ein wenig gelegt. Nach der Herausgabe von \u00bbKiesel &amp; Kastanie\u00ab will ich es zum erstenmal seit Jahrzehnten wirklich und wahrhaftig ruhiger angehen lassen. Ich habe zwar siebzehn Autorinnen und Autoren eingeladen, Autographen, Gedichte und Collagen f\u00fcr die dreizehnte Kunstschachtel \u00bbYE\u00ab, deren Titel (was ich am 5. Januar noch nicht wei\u00df) \u00bbKeine Eile\u00ab sein wird, zur Verf\u00fcgung zu stellen, aber das ist eine sch\u00f6ne, angenehme editorische Aufgabe, die mir nicht allzu viel Arbeit bereiten sollte. Vor allem eins ist mir in dieser Woche und auch nach der Lekt\u00fcre von \u00bbquerFALK\u00ab und den Gedichten Helmut Salzingers, die im Verlag Peter Engstler erscheinen, wieder einmal klargeworden (was ich im Alltag immer wieder vergesse): Einklang, Gleichmut, Stille \u2013 das sind die Dinge, die wesentlich sind, und nicht, ob ich heute schon ein Exemplar von \u00bbKiesel &amp; Kastanie\u00ab oder \u00bbAus dem Hinterland\u00ab versendet habe. Dar\u00fcber habe ich nicht nur mit Ralf Z\u00fchlke, dem Verleger der Stadtlichterpresse, schon des \u00f6fteren am Telefon gesprochen: Unsere W\u00fcnsche als Kleinverleger sind winzig, aber ein Buch pro Tag unter die Leser bringen, das ist \u2013 Einklang hin, Gleichmut her \u2013 mein feiner Verlegertraum.<\/div>\r\n<div align=\"justify\">\u00a0<\/div>\r\n<div style=\"text-align: justify;\" align=\"justify\"><b>2<\/b> <b>UNIVERS<\/b><\/div>\r\n<div align=\"justify\">\u00a0<\/div>\r\n<div style=\"text-align: justify;\" align=\"justify\">Nach der Lekt\u00fcre von Peter Salomons \u00bbUNIVERS. Zur Geschichte einer Konstanzer Literaturzeitschrift 1974-1981\u00ab (36 Seiten, geheftete Broschur, Edition Isele, Eggingen 2007) am 3. Januar 2008 bin ich sehr neugierig. Noch nie habe ich ein Exemplar der Literaturzeitschrift UNIVERS in H\u00e4nden gehalten. Ich habe Gl\u00fcck, denn der in Konstanz als \u00bbHerr vom Nebentisch\u00ab sein lyrisches Unwesen treibende Peter Salomon stellt mir auf Anfrage drei Dubletten zur Verf\u00fcgung \u2013 ein Heft ist unvollst\u00e4ndig, ein anderes mit handschriftlichen Anmerkungen versehen, aber das macht ja nun \u00fcberhaupt nichts: Ich sch\u00e4tze mich gl\u00fccklich, die drei im Schreibmaschinensatz erstellten Ausgaben 4, 8 und 9, in denen ich zahlreiche Gedichte aus jenen verr\u00fcckten 70er Jahren vorfinde, meiner Sammlung einverleiben zu k\u00f6nnen. Im Juni 1975 erschien UNIVERS Nr. 4, wenige Monate nach Rolf Dieter Brinkmanns Unfalltod in London. Einen Hinweis im Heft finde ich nicht. In der 8. Ausgabe (Fr\u00fchjahr 1977) mit dem Themenschwerpunkt \u00bbLiteratur \u2013 was ist das?\u00ab werde ich f\u00fcndig: Hier werden Brinkmanns Gedichte in einem Aufsatz von Wolfram Glaser als H\u00f6hepunkte der damaligen Zeit gesehen. In Herbert Achternbuschs Beitrag hei\u00dft es: \u00bbIch jedenfalls hab nicht allzuviel Zeit zum Lesen, weil ich gleich wieder selber schreiben mu\u00df und auch lieber schreibe als lese. Aber wenn ich nie etwas gelesen h\u00e4tte, k\u00f6nnte ich wahrscheinlich gar nicht schreiben. So bin ich auf jeden Fall f\u00fcr die Literatur.\u00ab Das ist sch\u00f6n zu lesen. Peter Salomon, Autor lebendiger Lyrikb\u00e4nde mit \u00bbKleine Pannenhilfe f\u00fcr Sch\u00f6ngeister\u00ab als vorl\u00e4ufigem H\u00f6hepunkt, schreibt im Brief vom 8. Januar 2008, in dem er auf die Lekt\u00fcre von \u00bbKiesel &amp; Kastanie\u00ab eingeht, da\u00df er eine Lebensweise mit mir teile: \u00bbLesen ist mir wichtiger als Schreiben.\u00ab<\/div>\r\n<div align=\"justify\">\u00a0<\/div>\r\n<div style=\"text-align: justify;\" align=\"justify\"><b>3<\/b> <b>Jahrbuch der Lyrik \u00b7 Versnetze \u00b7 Sehepunkte<\/b><\/div>\r\n<div align=\"justify\">\u00a0<\/div>\r\n<div style=\"text-align: justify;\" align=\"justify\">Morgengebet Was machst du mit einem Schutzengel, der morgens, w\u00e4hrend du gem\u00fctlich Kaffee trinkst und die Welt ordnest, die du gestern etwas durcheinander brachtest, aus dem Himmel st\u00fcrzt und auf den Balkon klatscht und tot liegen bleibt. Zuerst denkst du, Gott sei Dank, er hat mich nicht erschlagen. Und dann? Am 7. Januar 2008 lese ich Franz Hodjaks \u00bbMorgengebet\u00ab in der von Axel Kutsch besorgten Anthologie \u00bbVersnetze. Das gro\u00dfe Buch der neuen deutschen Lyrik\u00ab, die auf 328 Seiten Gedichten von 200 Lyrikerinnen und Lyrikern Platz bietet. Im M\u00e4rz 2008 erscheint Christoph Buchwalds gemeinsam mit Ulf Stolterfoht ediertes \u00bbJahrbuch der Lyrik 2008\u00ab mit 123 Autorinnen und Autoren auf 222 Seiten. Seit mehr als zwei Jahrzehnten vermitteln Axel Kutsch und Christoph Buchwald \u2013 im Gleichschritt gleichsam, Kutsch trotz deutlich umfangreicherer Sammelb\u00e4nde, deren editorische Komposition mich durchweg st\u00e4rker in den Bann zieht, viel weniger vom Feuilleton beachtet als Buchwald \u2013 lebendige Querschnitte zeitgen\u00f6ssischer Lyrik im deutschen Sprachraum. Die Schnittmenge ist jeweils gering. Aktuelles Beispiel: Lediglich 21 Beitr\u00e4ger tauchen in beiden neuen Anthologien auf. Ich habe sowohl \u00bbVersnetze\u00ab als auch das \u00bbJahrbuch der Lyrik 2008\u00ab gern und mit Gewinn gelesen. Die \u00fcberw\u00e4ltigende Mehrzahl der Gedichte spricht mich an \u2013 auf unterschiedlichste Weise: W\u00e4hrend ich \u00bbAnschauen, ein Ausland\u00ab von Michael Lentz lese, f\u00fchle ich mich auf wundersame Weise umarmt, Jutta Overs \u00bbBrachvogel vor Einsatz des Regens\u00ab nimmt mich auf seine Fl\u00fcgel, dieweil Johannes K\u00fchns lakonische \u00bbBescheidung\u00ab mich zur\u00fcckholt auf den Boden der nicht immer fr\u00f6hlichen facts of life, \u00bbich erschrecke \/ &amp; fliehe \/ hinab an die ecke zu den br\u00fcdern \/ die nachts auf blachem felde ruhn \/ die r\u00fccken am feuer zusammen die sagen \/ gib deinen napf hier ist tee &amp; hier sind \/ wilde brombeeren\u00ab (Caroline Hartge). In beiden B\u00fcchern sto\u00dfe ich auf Namen, die mir bislang nichts sagten (wof\u00fcr ich stets besonders dankbar bin). Im \u00bbJahrbuch\u00ab wird wieder einmal betont, eine Monopolstellung im deutschen Sprachraum innezuhaben. Halten wir f\u00fcr die interessierten Leserinnen und Leser fest: Die Anzahl der von Kutsch und Buchwald herausgegebenen Anthologien h\u00e4lt sich die Waage: Es sind \u2013 seit 1979 bzw. 1983 \u2013 jeweils rund 25. Weitere Anmerkungen zu diesem weiten Feld der Sammelb\u00e4nde k\u00f6nnen in einem umfangreichen Kapitel in \u00bbAus dem Hinterland\u00ab nachgelesen werden. Just for fun habe ich in den letzten beiden Tagen den zwei aktuellen Anthologien eine \u2013 virtuelle \u2013 dritte hinzugef\u00fcgt, die ich spontan \u00bbSehepunkte\u00ab taufe. Entscheidendes Kriterium f\u00fcr die Aufnahme: Die Autorinnen und Autoren sind weder in \u00bbVersnetze. Das gro\u00dfe Buch der neuen deutschen Lyrik\u00ab noch im \u00bbJahrbuch der Lyrik 2008\u00ab vertreten. Dabei war ich wie Buchwald und Kutsch darauf bedacht, ein m\u00f6glichst breites Spektrum in mehrfacher Hinsicht zu bieten: jung und alt, M\u00e4nnlein und Weiblein, Metropole, Gro\u00dfstadt und Provinz, alte Hasen (H\u00e4sinnen) und Newcomer, verschiedene Spielarten der Lyrik und anderes mehr. Ich bin an den B\u00fcchern hier im Sistiger Lyrikkabinett vorbeispaziert und habe aus aktuellen Einzeltiteln, Kalendern und Zeitschriften Gedichte von diesen Autorinnen und Autoren ausgew\u00e4hlt: Bhikku Abhinando, Kurt Aebli, Henning Ahrens, Ilse Aichinger, C. W. Aigner, Klaus Anders, Renato P. Arlati, Reinhold Aumeier, Iren Baumann, J\u00fcrgen Becker, Margot Beierwaltes, Holger Benkel, Ingrid van Biesen, Werner Bli\u00df, Paulus B\u00f6hmer, Erika Brandner, Volker Braun, Beat Brechb\u00fchl, Alfred Brendel, Bert Brune, Carmen Caputo, Zehra \u00c7irak, Eva Corino, Franz Josef Czernin, Renatus Deckert, Klaus Peter Dencker, Antonin Dick, Uwe Dick, Michael Donhauser, Jutta Dornheim, Richard Dove, Kurt Drawert, Margot Ehrich, Sara Ehsan, Erwin Einzinger, Hans Magnus Enzensberger, Daniel Falb, Wolfgang G. Fienhold, Swen Friedel, Walter Helmut Fritz, Christian Futscher, Peter Gehrisch, Marianne Gla\u00dfer, Thomas Glatz, Durs Gr\u00fcnbein, Anna Gudera, Astrid G\u00fcnther, Florian G\u00fcnther, Aldona Gustas, Markus Haupt, Carsten Heinrich, Axel Helbig, Simone Heembrock, Henning Heske, Michael Hillen, Herbert Hindringer, Katharina H\u00f6cker, Tobias Hoffmann, Christine Huber, Hadayatullah H\u00fcbsch, Sabine Imhof, Hendrik Jackson, Heinz Kattner, Myriam Keil, Jochen Kelter, Alexander M. Kiefer, Reinhard Kiefer, Ilse Kilic, Sarah Kirsch, Karin Kiwus, Sybille Klefinghaus, Nicolai Kobus, Barbara K\u00f6hler, Uwe Kolbe, Jan Konnefke, Dieter Krause, Martin Krauss, Thomas Kr\u00fcger, Jan Kuhlbrodt, Norbert Lange, Christian Lehnert, Siggi Liersch, Maik Lippert, Werner Lutz, Michael M\u00e4de, Kurt Marti, Norbert Mayer, Steffen Mensching, Regine M\u00f6nkemeier, Stefan Monhardt, Alexander Nitzberg, Helga M. Novak, Jost N\u00fcnlist, Jos\u00e9 F. A. Oliver, Hellmuth Opitz, Reinhild Paarmann, Antje Paehler, Dirk von Petersdorff, Richard Pietra\u00df, Jennifer Poehler, Marion Poschmann, Walter Pucher, Ilma Rakusa, Arne Rautenberg, Klaus Reichert, Lars Reyer, Nikola Richter, Francisca Ricinski, Jan Volker R\u00f6hnert, Christian R\u00f6se, Peter R\u00fchmkorf, Doris Runge, Said, Frank Schablewski, Hansj\u00f6rg Schertenleib, Norbert Scheuer, Silke Scheuermann, Sabine Schiffner, Robert Schindel, Clemens Schittko, Dieter Schlesak, Christian Schloyer, Ferdinand Schmatz, Nathalie Schmid, Thilo Schmid, Elke Schmitter, Frank Schmitter, Raoul Schrott, Christiane Schulz, Tom Schulz, Thomas Schweisthal, Matthias Schwincke, J\u00f6rg Seifert, Armin Senser, Volker Sielaff, Hans-J\u00fcrgen Singer, Werner S\u00f6llner, Tobias Sommer, Armin Steigenberger, J\u00fcrgen Peter St\u00f6ssel, Dieter Straub, Rainer Strobelt, Tina Stroheker, Johann P. Tammen, Hannelies Taschau, Christian Teissl, Uwe Tellkamp, J\u00fcrgen Theobaldy, Hans-Ulrich Treichel, Raphael Urweider, Anja Utler, G\u00fcnter Vallaster, Guntram Vesper, Richard Wagner, Peter Waterhouse, Fritz Widhalm, Ruth Wiebusch, Bastian Winkler, Lino Wirag, Michael W\u00fcstefeld, Rosemarie Zens, Alfred Zoppelt, Gerald Zschorsch. Gut also, da\u00df es mit Christoph Buchwald und Axel Kutsch wenigstens zwei Anthologisten gibt, die es sich mehr oder weniger j\u00e4hrlich zur Aufgabe machen, den wuchernden deutschsprachigen Lyrikbuchwald engagiert, kenntnisreich und zuverl\u00e4ssig zu durchforsten, und da\u00df Verlage wie S. Fischer und Ralf Liebe das Risiko nicht scheuen, diese Sammelb\u00e4nde zu publizieren. Gegen einen dritten h\u00e4tten die Leserinnen und Leser von \u00bbVersnetze\u00ab und \u00bbJahrbuch\u00ab wahrscheinlich nichts einzuwenden. Oder w\u00e4re das etwa des Guten zuviel? Ach was, jetzt geht es erst richtig zur Sache, denn die n\u00e4chste Station befindet sich \u00bbin h\u00f6chsten H\u00f6hen\u00ab, um mit Peter R\u00fchmkorf, \u00bbauf dem Olymp\u00ab, um mit Axel Kutsch zu sprechen.<\/div>\r\n<div style=\"text-align: justify;\" align=\"justify\">\r\n<div align=\"justify\">\u00a0<\/div>\r\n<div align=\"justify\">\u00a0<\/div>\r\n<b>4<\/b> <b>Der Gro\u00dfe Conrady<\/b>\r\n<p align=\"right\">In deinen Augen trieben mal Delphine Thomas Kunst<\/p>\r\nWas 1977 mit \u00bbDas gro\u00dfe deutsche Gedicht\u00adbuch\u00ab begann, 1991 modifiziert und 2000 in \u00bbDer Neue Conrady\u00ab deutlich erweitert wurde, liegt nun in noch nie dagewesener Bandbreite vor. Der \u00bbConrady\u00ab in seiner Gesamtheit ist endg\u00fcltig eine im wahrsten Sinne des Wortes einmalige Lyrik-Dokumentation, Vater aller Sammelb\u00e4nde, Mutter der Anthologien. Von April bis Juli 2008 erschien nach und nach die nochmals erweiterte repr\u00e4sen\u00adtativste und viel\u00adf\u00e4ltigste Sammlung deutsch\u00adsprachiger Lyrik von den Anf\u00e4ngen bis zur Gegenwart: \u00bbLust auf Lauter Lyrik. Der H\u00f6r-<wbr><\/wbr>Conrady. Ein Auftakt\u00ab (CD mit einer Auswahl von 64 Gedichten, Booklet 22 Seiten), \u00bbLauter Lyrik. Der H\u00f6r-Conrady\u00ab (21 CDs und 2 MP3 mit 1.100 Gedichten), \u00bbDer Kleine Conrady\u00ab (Booklet von 800 Seiten zu \u00bbLauter Lyrik\u00ab), \u00bbDer Gro\u00dfe Conrady\u00ab (2.500 Gedichte von 650 Autorinnen und Autoren). An einem der wenigen sehr hei\u00dfen Tage im Sommer 2008 \u00fcberreichte der Postbote, schwei\u00dftriefend, das Paket, in dem sich \u00bbDer Gro\u00dfe Conrady\u00ab befand. Nico Bleutge, Mirko Bonn\u00e9, Nora Bossong, Theo Breuer, Lars Arvid Brischke, Ann Cotten, Michael Donhauser, Ulrike Draesner, Alex Dreppec, Oswald Egger, Manfred Enzensperger, Peter Ettl, Gerald Fiebig, Matthias G\u00f6ritz, Hauke H\u00fcckst\u00e4dt, Adrian Kasnitz, Matthias Kehle, Helmut Krausser, Thomas Kunst, Stan Lafleur, Christine Langer, Christian Lehnert, Christoph Leisten, Michael Lentz, Dagmar Leupold, Frank Milautzcki, Alexander Nitzberg, Hellmuth Opitz, Steffen Popp, Marion Poschmann, Lars Reyer, Monika Rinck, Jan Volker R\u00f6hnert, Hendrik Rost, Walle Sayer, Silke Scheuermann, Sabine Schiffner, Kathrin Schmidt, Elke Schmitter, Lutz Seiler, Armin Senser, Amir Shaheen, Ulf Stolterfoht, Hans Thill, Anja Utler, Raphael Urweider, Florian Voss, Jan Wagner, Michael Wildenhain, Ron Winkler und Uljana Wolf hei\u00dfen exemplarisch ausgew\u00e4hlte und die Bandbreite lyrischen Schreibens im deutschen Sprachraum repr\u00e4sentierende Autorinnen und Autoren der Jahrg\u00e4nge 1952 bis 1982, die mit Gedichten neu aufgenommen wurden und die Farben im Bild zeitgen\u00f6ssischer Lyrik im deutschen Sprachraum weiter auffrischen. Viele m\u00e4\u00dfige Sommertage verbringe ich mehrere Stunden t\u00e4glich in diesem wundervollen Folianten mit den ausf\u00fchrlichen, interessanten, tiefgehenden Vorworten lesend, mich zum wiederholten Male in die Gedichte des Mittelalters schanzend, liebste Gedichte laut und leise wiederlesend und jedes Mal wieder neu \u00fcber die frische Vielfalt staunend, die sich \u00fcber 1380 Seiten von Seite zu Seite erschlie\u00dft usw. usw. usw. Seit einigen Tagen h\u00f6re ich auch hinein. Ich lausche Sophie Rois, wie sie mit ihrer rauchigen Stimme \u00bbFeier des Wortes\u00ab von Axel Kutsch rezitiert: \u00bbBevor Sie dieses Gedicht betreten, \/ ziehen Sie sich bitte die Schuhe aus\u00ab, runzle die Stirn bei Ullrich Matthes&#8216; Interpretation von Paul Celans \u00bbTodesfuge\u00ab \u2013 \u00bber hetzt seine R\u00fcden auf uns er schenkt uns ein Grab in der Luft\u00ab \u2013 und schmunzle, wie Christian Br\u00fcckner (die deutsche Stimme Robert de Niros) Ernst Jandls \u00bbOttos Mops\u00ab zu neuem Leben erweckt: \u00bbogottogott\u00ab. Gelegentlich w\u00fcnsche ich mir mehr Leidenschaft beim Vortrag (statt routinierter Souver\u00e4nit\u00e4t), gelegentlich schleicht sich ein ferner Leierton ein (den Gedichte \u00fcberhaupt nicht vertragen), gelegentlich bereitet das Enjambement Probleme (das nur in Ausnahmef\u00e4llen so gelesen werden sollte, wie es dasteht), aber insgesamt sind Auswahl und Pr\u00e4sentation von angenehmer Professionalit\u00e4t: \u00fcberzeugend und immer wieder gro\u00dfe Klasse \u2013 wenn beispielsweise Matthias Habich, J\u00fcrgen Hentsch und Rosel Zech sich das Gedicht anverwandelt haben und es ganz einfach von innen heraus sprechen. Noch Fragen? Lesen Sie G\u00fcnter Grass&#8216; \u00bbVerwaiste Reime \u2013 Peter R\u00fchmkorf nachgerufen\u00ab (hier), und Sie wissen endg\u00fcltig, warum \u00bbDer Gro\u00dfe Conrady\u00ab keinesfalls mehr fehlen darf in Ihrer Sammlung von B\u00fcchern.<\/div>\r\n<div align=\"justify\">\u00a0<\/div>\r\n<div style=\"text-align: justify;\" align=\"justify\"><b>5<\/b> <b>Junge Pferde!<\/b><\/div>\r\n<div align=\"justify\">\u00a0<\/div>\r\n<div style=\"text-align: justify;\" align=\"justify\">Immer wieder werde ich auf die Frage, ob er oder sie Paul Boldt kenne, mit einer knappen negativen Antwort beschieden. \u00bbNein.\u00ab Seit einigen Jahren \u00fcberlegte ich nicht nur deshalb, ob ich die Gedichte Paul Boldts in der Lyrikreihe der Edition YE wieder auflegen sollte. 2008 kamen mir gleich zwei Verlage zuvor. In der Edition Razamba brachte Martin Ebbertz das Buch heraus, das Paul Boldt im fr\u00fchen 20. Jahrhundert im Handumdrehen ber\u00fchmt machte: Vor Begeisterung raunte man einander tagt\u00e4glich die titelgebenden Verse zu: \u00bbJunge Pferde! Junge Pferde!\u00ab Das 58 Seiten umfassende B\u00e4ndchen mit schwarz gl\u00e4nzendem Umschlag kommt in der einfachen Gestaltung daher, die wir von BoD-Titeln kennen. Deutlich aufwendiger, ja, sehr sch\u00f6n gestaltet ist das Buch \u00bbDer Wind schweigt. Ausgew\u00e4hlte Gedichte\u00ab (mit einem Nachwort von Peter H\u00e4rtling und Photographien von Annette K\u00fchn), das im Juni 2008 im jungen Wiesbadener Christian Lux Verlag erschien, der sich mit klaren Vorstellungen und voller Tatendrang in die lyrische Umlaufbahn begibt: Neben der Reihe, die den R\u00fcckblick \u00f6ffnet f\u00fcr bedeutende, aber vergriffene oder vergessene Lyrik im deutschen und europ\u00e4ischen Sprachraum, ist die Reihe \u00bbamericana\u00ab Kern der lyrischen Aktivit\u00e4ten. \u00bbDort wollen wir, m\u00f6glichst ausufernd und Rezeptionsl\u00fccken schlie\u00dfend, mit der Zeit eine kleine Bibliothek der US-Lyrik aufbauen. Und zwar immer mit dem Auge f\u00fcr die Klassiker und einem wilden, offenen Herzen f\u00fcr die zeitgen\u00f6ssischen Stimmen aller Altersgruppen\u00ab, schreibt Christian Lux in der Mail vom 17. Dezember 2008, die auch einen Ausblick auf kommende Untaten vermittelt: \u00bbAndre Rudolph und Arne Rautenberg er\u00f6ffnen 2009 die Reihe mit aktueller deutschsprachiger Lyrik, w\u00e4hrend wir mit Fabian Casas und Timo Berger in die buntscheckige Welt der lateinamerikanischen Lyrik aufbrechen.\u00ab Durchgehend illustriert, d\u00fcrften die B\u00fccher aus dem von Annette K\u00fchn und Christian Lux gef\u00fchrten Verlag mit den \u00bbluxbooks\u00ab (dessen Programm die \u00bbgraphik\u00ab-Reihe mit Kinder- und Graphikb\u00fcchern abrundet) jeden Leser, der auch Liebhaber sch\u00f6n gestalteter B\u00fccher ist, in besonderer Weise ansprechen. \u00dcber Paul Boldt und seine Gedichte sage ich nichts weiter \u2013 au\u00dfer: Sie wollen gelesen sein. Die Sintflut Die Wolken wachsen aus den Horizonten Und trinken Himmel mit den Regenh\u00e4lsen. Die Menschen bissen auf den h\u00f6chsten Felsen In wei\u00dfe Stirnen, die nicht denken konnten, Da\u00df L\u00e4use aus dem Meer, die Seen, krochen. Im Abendsturm ertranken lange Pappeln.- Sie h\u00f6rten auf der Nacht die Sterne trappeln, Die in dem All den warmen Erdrauch rochen, Dann schwamm die Sonne in dem glatten Wasser. Das Wasser fiel. Die See faulten ab. Die Erde trug der Meere hellen Schurz. Die Sterne standen, von Begierde blasser, Mit d\u00fcnnem Atem an des Ostens Kap. Ein Stern sprang nach der Erde, sprang zu kurz.<\/div>\r\n<div align=\"justify\">\u00a0<\/div>\r\n<div style=\"text-align: justify;\" align=\"justify\"><b>6<\/b> <b>Handbuch des Fliegens<\/b>\r\n<p align=\"right\">Flugzeuge. Vorst\u00e4dte. Schneearme Winter. Nichts, was ich mir merken m\u00fcsste. Heute aber warf einer eine Scheibe ein, und ich sah mich um.<\/p>\r\n<p align=\"right\">Brigitte Fuchs<\/p>\r\nIn einer Mail schreibe ich am 24. Oktober 2008 an Brigitte Fuchs: \u00bbGestern erhielt ich gleich zwei B\u00fcchersendungen aus der Schweiz. Welch guter Zufall. Die eine war die ungeduldig erwartete \u203aPoesie Agenda\u2039 aus Werner Buchers Appenzeller orte-Verlag, die wieder viele gute Seiten hat: \u203aEin Wort, ein Buch, ein Autor sind nichts als einzelne Wassertropfen. Alle zusammen ergeben den Strom, der alles hinwegrei\u00dft.\u2039 (Adelbert von Chamisso). Die andere war Ihr \u00fcberraschendes \u203aHandbuch des Fliegens\u2039 \u2013 im Z\u00fcricher Verlag edition 8 erschienen, von dem ich noch nichts geh\u00f6rt habe bislang. Vielen Dank daf\u00fcr. Wie komme ich zu der Ehre? Ich kannte bislang zwei Gedichte von Ihnen (aus \u203aVersnetze\u2039), die ich nun unter den vielen anderen Gedichten im \u203aHandbuch des Fliegens\u2039 wiederlese. Etliche Ihrer Gedichte haben mich dort erreicht, wo Gedichte andocken m\u00fcssen, damit ich sie nicht nur lese, sondern auch an- und aufnehme. Zunehmend, mu\u00df ich sagen, der Band nimmt Fahrt auf, wird in der zweiten H\u00e4lfte st\u00e4rker, vor allem dort, wo ich auf die einfachen, guten, klaren W\u00f6rter sto\u00dfe, denen ich immer auf der Spur bin. Das souver\u00e4ne Herauskitzeln von Ambivalenzen, die formale Beherrschung des Stoffs allein (usw.) bringt es nicht. Die einfachen, guten, klaren W\u00f6rter fehlen in manchen zeitgen\u00f6ssischen Gedichtb\u00e4nden. So habe ich heute morgen das ganze \u203aHandbuch des Fliegens\u2039 gern gelesen, und die in Verse gebannten Augenblicke, in denen Banalit\u00e4ten in \u00dcberraschungsmomente umgewandelt werden, halfen sp\u00fcrbar, die nun seit langer Zeit schon anhaltenden Depressionen ein wenig zu d\u00e4mpfen. Ich freue mich, von Ihnen zu h\u00f6ren, da ich immer gern erfahre, wie Menschen auf mich sto\u00dfen und was sie dazu bringt, mir B\u00fccher oder Zeitschriften zuzusenden, was f\u00fcr mich in der Mehrzahl der F\u00e4lle eine den Tag versch\u00f6nernde Sache ist.\u00ab<\/div>\r\n<div align=\"justify\">\u00a0<\/div>\r\n<div style=\"text-align: justify;\" align=\"justify\"><b>7<\/b> <b>Der Versefl\u00fcsterer. Zu Besuch bei Hans Bender<\/b>\r\n<p align=\"right\">even the business of dying must be set aside occasionally<\/p>\r\n<p align=\"right\">D. A. Powell<\/p>\r\nAm Samstag, dem 25. Oktober 2008, wagte ich mich nach langer Zeit einmal wieder aus unserem in 545 Metern H\u00f6he gelegenen, in diesen Tagen mit Herbst\u00adlaub garnierten, von Amsel und Eichel\u00adh\u00e4her, Elster und Zaunk\u00f6nig umschwirrten Haus in Sistig. Es fiel mir alles andere als leicht, den drei Eich\u00adh\u00f6rnchen, die seit mehreren Monaten tags\u00fcber in unserem Garten leben, die St\u00e4mme von Walnu\u00df, Blumen\u00adesche und Ahorn hinauf- und hinab\u00adjagend, N\u00fcsse klaubend und im Erdreich vergrabend, Lebewohl zu sagen, zu sehr habe ich mich daran gew\u00f6hnt, ihnen tagt\u00e4glich von morgens bis abends immer wieder bei ihrem unerm\u00fcdlichen emsigen Treiben zuzuschauen, aber mein Sohn Andreas schleppte mich mit tatkr\u00e4ftiger Unterst\u00fctzung der Eifelbahn \u00fcber die Stationen Kall \u00b7 Scheven \u00b7 Mechernich \u00b7 Satzvey \u00b7 Euskirchen \u00b7 Gro\u00dfb\u00fcllesheim \u00b7 Derkum \u00b7 Weilerswist \u00b7 Erftstadt \u00b7 Kalscheuren \u00b7 K\u00f6ln-S\u00fcd tats\u00e4chlich in die K\u00f6lner S\u00fcdstadt. Dort besuchte ich zun\u00e4chst Hans Bender, der am 1. Juli 2009 neunzig Jahre alt wird, in der Taubengasse am Z\u00fclpicher Platz, anschlie\u00dfend meinen Freund Peter Weber, der sich mit Umzugspl\u00e4nen nach K\u00f6ln-M\u00fclheim herumschl\u00e4gt, in dessen Antiquariat auf dem Mauritiussteinweg in der N\u00e4he des Neumarkts, um abends mit zwei Taschen voll sch\u00f6ner B\u00fccher nach Hause zur\u00fcckzukehren, darunter Pablo Nerudas \u00bbThe Book of Questions\u00ab (\u00bbWhat does it mean to persist \/ on the alley of death?\u00ab), Federico Garc\u00eda Lorcas \u00bbPoem of the Deep Song\u00ab (\u00bbAnd he was left dead in the streeet, \/ and with a dagger in his chest, \/ and nobody knew who he was\u00ab) und Glen Baxters Graphic Novel \u00bbThe Billiard Table Murders\u00ab (\u00bbGradually, however, even this idyllic existence begann to pall\u00ab) \u2013 eine herrliche Lekt\u00fcre, die mir die R\u00fcckfahrt \u00fcber die eben benannten elf Stationen auf wundersame Weise verk\u00fcrzte. Mein Hunger auf B\u00fccher erweist sich weiterhin als derma\u00dfen unstillbar, da\u00df ich von \u2013 offenbar therapieresistenter \u2013 Buchfre\u00dfsucht ausgehen mu\u00df. \u00bbWas\u00ab nicht \u00bbschlimm ist\u00ab. Nachdem ich mich am fr\u00fchen Morgen so elendm\u00fcde f\u00fchlte, da\u00df ich mir im Geiste im Nebel des Z\u00fclpicher Platzes humorlos die imaginierte schwarze Pistole an die linke Schl\u00e4fe setzte, gleichzeitig die RDB-Verse fl\u00fcsternd: \u00bbEinen jener klassischen \/\/ schwarzen Tangos in K\u00f6ln, Endes des \/ Monats August, da der Sommer schon \/ ganz verstaubt ist, kurz nach Laden \/ Schlu\u00df aus der offenen T\u00fcr einer \/ dunklen Wirtschaft, die einem \/ Griechen geh\u00f6rt, h\u00f6ren, ist beinahe \/ ein Wunder: f\u00fcr einen Moment eine \/ \u00dcberraschung, f\u00fcr einen Moment \/ eine Pause in dieser Stra\u00dfe, \/ die niemand liebt und atemlos \/ macht, beim Hindurchgehen. Ich \/ schrieb das schnell auf, bevor \/ der Moment in der verfluchten \/ dunstigen Abgestorbenheit K\u00f6lns \/ wieder erlosch\u00ab, wurde mein Tag bereits in jenem Moment und sp\u00e4testens mit dem Eintritt um f\u00fcnf vor zehn in die Bendersche Wohnung auf der dritten Etage zunehmend besser. Mit Hans Bender (wir sind seit rund 20 Jahren freundschaftlich verbunden) hatte ich das bislang bemerkenswerteste, intensivste, sch\u00f6nste Treffen \u00fcberhaupt. Von Minute zu Minute f\u00fchlte ich mich wohler, wir gerieten in einen regelrechten Lyrikrausch, bei dem wir einander Gedichte vorlasen, Bender beispielsweise seinen Vierzeiler \u00bbVasco Popa \/ gab die Antwort \/\/ Was mein Gedicht mir bedeutet? \/ Fragt nicht mich, fragt den Apfelbaum, \/ warum er Fr\u00fcchte tr\u00e4gt. \/ Noch besser, bei\u00dft hinein!\u00ab, den Sie im deutschen Lyrikkalender am 1. Juli 2009 lesen k\u00f6nnen, neue B\u00fccher einsch\u00e4tzten und \u203aSpazierg\u00e4nge\u2039 in die literarische Vergangenheit machten. Es war wie immer \u2013 nur eben noch viel dichter als sonst. Zwischendurch standen wir an B\u00fccherw\u00e4nden, und Bender dr\u00fcckte mir W. H. Audens zweisprachige \u00bbLiebesgedichte\u00ab (Insel, Frankfurt am Main 2008), Feridun Zaimoglus Roman \u00bbLiebesbrand\u00ab (Kiepenheuer &amp; Witsch, K\u00f6ln 2008) und schlie\u00dflich, mich sprachlos machend, weshalb ich ihn in den Arm nahm und fest an mich dr\u00fcckte, den Handpressendruck \u00bbOhne Neger\u00ab in die Hand, den Brinkmann ihm 1966 schenkte \u2013 die Nummer 50 von 150 Exemplaren: \u00bbSolche Art Lied \/\/ ist nicht immer sch\u00f6n.\u00ab Sie k\u00f6nnen sich vorstellen, wie sehr ich aus dem H\u00e4uschen war, bin und morgen noch sein werde.<\/div>\r\n<div align=\"justify\">\u00a0<\/div>\r\n<div style=\"text-align: justify;\" align=\"justify\"><b>8<\/b> <b>Brinkmanns wirkende W\u00f6rter<\/b>\r\n<p align=\"right\">Ein Comicbildchen zeigte, wie jemand Zeichen in eine Steinplatte schlug, und eine Fotografie zeigte eine Schreibmaschine.<\/p>\r\n<p align=\"right\">Rolf Dieter Brinkmann<\/p>\r\nIn einer der Mails, die ich am Abend nach der R\u00fcckkehr aus K\u00f6ln lese, macht Karl Otto Conrady auf den Aufsatz \u00bbPop und danach. Rolf Dieter Brinkmanns Lyrik in ihrem Dilemma\u00ab aufmerksam, der im August 2008 in der germanistischen Zeitschrift \u00bbWirkendes Wort\u00ab erschien. \u00bbDilemma\u00ab, denke ich, welches \u00bbDilemma\u00ab? Das erste Dilemma, das ich hier erkenne, ist der Zusammenhang, der \u2013 mal wieder \u2013 zwischen Pop und Brinkmann hergestellt wird: \u00bbPop, like most art historical labels, is a convenience for critics and historians but an irrelevance and an irritant for most of the artists to whom it has been supplied.\u00ab (Marco Livingstone) Zu Beginn des Aufsatzes hei\u00dft es, Brinkmann (1940-1975) sei mehrfach zur \u00bbGalionsfigur seiner Generation\u00ab geworden und mittlerweile aus dem Blickfeld verschwunden: \u00bbAbgesehen vom Kultstatus in einer kleinen Fangemeinde genie\u00dft sein Werk heute den Bekanntheitsgrad eines Geheimtipps.\u00ab Hinter \u00bbFangemeinde\u00ab die Fu\u00dfnote 3, in der es hei\u00dft: \u00bbBesonders distanzlos: Theo Breuer, \u203aWas Neues im Westen oder Brinkmann macht weiter\u2039, in: \u203aAus dem Hinterland. Lyrik nach 2000\u2039.\u00ab In einer renommierten Zeitschrift wie \u00bbWirkendes Wort\u00ab diese Fehlinformation zu verbreiten ist nicht besonders r\u00fchmlich: \u00bbMan k\u00f6nnte solchen Unsinn ignorieren, wenn er nicht in einem angesehenen Fachblatt f\u00fcr Germanisten publiziert worden w\u00e4re und somit zur Meinungsbildung von Menschen beitr\u00e4gt, die das geistige Niveau junger Leute erheblich mitbestimmen.\u00ab (Axel Kutsch) Es tut Brinkmanns weiterhinweithin wirkenden W\u00f6rtern allerdings auch keinerlei Abbruch: \u00bbMassenhafte Verbreitung finden einige der Gedichte (darunter \u00bbDie Orangensaftmaschine\u00ab und \u00bbEinen jener klassischen\u00ab) durch Abdruck und Interpretation in Leseb\u00fcchern f\u00fcr den Schulgebrauch.\u00ab (Gunter Geduldig) Davon abgesehen, da\u00df mein hemmungslos auf Tuchf\u00fchlung bedachter In-Fight-Stil nicht seine Sache zu sein scheint, sprechen einige in dieser Stunde zusammengetragene Fakten zu Brinkmann eine etwas andere Sprache als Dieter Liewerscheidts verworrene Auslassung. Allein die Auflagenh\u00f6he von Brinkmanns lyrischem Hauptwerk, dem erratischen Block \u00bbWestw\u00e4rts 1 &amp; 2\u00ab, erstmals 1975 bei Rowohlt erschienen und 2005 in der urspr\u00fcnglich von Brinkmann intendierten, deutlich erweiterten Fassung neu herausgegeben, liegt mit bislang insgesamt 22.000 Exemplaren weit \u00fcber den \u00fcblichen 100, 200 oder 500 Exemplaren, mit denen sich auch ein gro\u00dfer Verlag wie Suhrkamp bei den Lyriktiteln herumschlagen mu\u00df. Der umfangreiche Band \u00bbStandphotos\u00ab (1980), der Brinkmanns neun Lyriktitel der Jahre 1962 bis 1970 versammelt, ist ebenfalls vieltausendfach verkauft worden und weiterhin lieferbar (g\u00e4be es keine Nachfrage, w\u00e4re er wohl l\u00e4ngst im Modernen Antiquariat gelandet). Unvollst\u00e4ndige Liste aktueller RDB-Rezeption, in der Brinkmanns Poesie unaufh\u00f6rlich ihre lebendige Rolle spielt: der 2008 auch im WDR gezeigte Kinofilm \u00bbBrinkmanns Zorn\u00ab von 2006 (auch als DVD erh\u00e4ltlich \u2013 mit Director&#8217;s Cut), die f\u00fcnfteilige Audio-CD-Sammlung \u00bbW\u00f6rter Sex Schnitt\u00ab von 2005 \u2013 mit dem Mitschnitt von Brinkmanns letzter, das Publikum mitrei\u00dfender Lesung beim Cambridge Poetry Festival 1975, wenige Tage vor dem Unfalltod in London, 2008 das Theaterst\u00fcck Westw\u00e4rts im Theater Bonn und Maxim Gorki Theater Berlin sowie bei der Ruhr-Triennale in Gladbeck, RDB-Ausstellungen (K\u00f6ln 2006, Bremen 2006, Vechta 2008), Radiobeitr\u00e4ge: \u00bbBrinkmann. Westw\u00e4rts 1 &amp; 2\u00ab (Deutschlandradio 2005), \u00bbDie W\u00f6rter sind b\u00f6se\u00ab (Hessischer Rundfunk 2004), \u00bbIch kann nur sprechen, wenn mir etwas nicht gef\u00e4llt\u00ab (Deutschlandfunk 2003), zahlreiche bis 2008 in regelm\u00e4\u00dfigen Abst\u00e4nden erscheinende Monographien (die aktuellste wird unten vorgestellt), Artikel, Features und Essays in Zeitungen, Fachzeit\u00adschriften und im Internet, Lyrik-Seminare an Hochschulen wie Jena oder K\u00f6ln \u2013 meine Tochter Anna hielt im Wintersemester 2008\/09 ein Referat \u00fcber Brinkmanns Polemik \u00bbIch hasse alte Dichter\u00ab, unz\u00e4hlige Echos \/ Allusionen in Gedichten, Essays, Rezensionen bekannter und weniger bekannter Autoren verschiedenster Herkunft und Generation \u2013 ich benenne exemplarisch: Paulus B\u00f6hmer, Jan Volker R\u00f6hnert, Joachim Sartorius und Gerrit Wustmann (mit der gelungenen Hommage \u00bbengelbertstr 65, k\u00f6ln \/ @ rdb\u00ab, das ich in \u00bbDer deutsche Lyrikkalender 2009\u00ab lese). In R\u00f6hnerts Beitrag \u00bbRolf Dieter Brinkmann\u00ab, nachzubl\u00e4ttern auf den Seiten 594 bis 612 in dem von Ursula Heukenkamp und Peter Geist herausgegeben Band \u00bbDeutschsprachige Lyriker des 20. Jahrhunderts\u00ab (Erich Schmidt Verlag, Berlin 2006), lese ich: \u00bbAuf eine Weise jedoch haben die Gedichte Brinkmanns auch nach dem Tod ihres Sch\u00f6pfers \u203aweitergemacht\u2039: Beim Leserpublikum und einer Vielzahl von Lyrikern, die sich von Brinkmann zu \u2013 mehr oder weniger gelungenen \u2013 eigenen Versuchen inspirieren lie\u00dfen. Seine Anregungen scheinen jeweils dort am fruchtbarsten aufgehoben zu sein, wo sie innerhalb eines wiederum selbst\u00e4ndigen Dichtungsentwurfs neue Gestalt gewinnen. Etwa f\u00fcr den \u203aKaddish\u2039-Zyklus von Brinkmanns Generationskollegen Paulus B\u00f6hmer, die Lyrik der rum\u00e4niendeutschen Dichter Werner S\u00f6llner (\u203aKopfland. Passagen\u2039) oder Richard Wagner (\u203aHotel California\u2039) ist Brinkmanns Poesie ein fester Bezugspunkt, aber auch f\u00fcr das Selbstverst\u00e4ndnis ostdeutscher Lyriker wie Uwe Kolbe, Thomas B\u00f6hme oder Michael W\u00fcstefeld spielt Brinkmann eine wichtige Rolle; auch aus den fr\u00fchen Gedichtb\u00e4nden Thomas Klings \u203ageschmacksverst\u00e4rker\u2039 und aus Durs Gr\u00fcnbein \u203aGrauzone morgens\u2039 ist Brinkmanns Stimme heraus\u00adzuh\u00f6ren.\u00ab Auch die Lyrikanthologien sprechen eine eindeutige Sprache: In s\u00e4mtlichen repr\u00e4sentativen Sammlungen ist Brinkmann seit Jahrzehnten selbst\u00adverst\u00e4nd\u00adlich vertreten. In \u00bbDer Gro\u00dfe Conrady\u00ab (2008) verteilen sich die Gedichte ebenso \u00fcber mehrere Seiten wie in \u00bbReclams gro\u00dfem Buch der deutschen Gedichte\u00ab (2007) oder \u00bbDas deutsche Gedicht\u00ab (2005), wobei die Herausgeber augenscheinlich darauf geachtet haben, jeweils andere Gedichte aus der gro\u00dfen Zahl der besonders gelungenen Brinkmannschen Gedichte auszuw\u00e4hlen. In \u00bbLUFTFRACHT. Internationale Poesie 1940 bis 1990\u00ab (Eichborn, Frankfurt am Main 1991) entschied sich Harald Hartung f\u00fcr diese 13 Autoren aus dem deutschen Sprachraum: Ingeborg Bachmann, J\u00fcrgen Becker, Gottfried Benn, Bertolt Brecht, Rolf Dieter Brinkmann, Paul Celan, G\u00fcnter Eich, Hans Magnus Enzensberger, Erich Fried, Ernst Jandl, G\u00fcnter Kunert, Oskar Pastior, Rainer Maria Rilke und Immanuel Wei\u00dfglas. Das Register der von Gunter Geduldig und Claudia Wehebrink zusammengetragenen \u00bbBibliographie Rolf Dieter Brinkmann\u00ab (Aisthesis, Bielefeld 1997) liest sich wie ein \u00bbWho is Who\u00ab der deutschen Gegenwartsliteratur. Seit 1997 stelle ich in \u00bbMeine Bibliographie Rolf Dieter Brinkmann\u00ab zus\u00e4tzlich all das zusammen, was mir an Neuem von und \u00fcber Rolf Dieter Brinkmann in die Finger ger\u00e4t. Bis heute sind auf diese Weise mehrere hundert Eintr\u00e4ge zusammengekommen. Ist in der nieder\u00adrheinischen Tiefebene bekannt, wie tiefgreifend Brinkmanns Lyrik als westdeutsche Ausnahme\u00aderscheinung in der DDR rezipiert wurde? 1986 erschien bei \u00bbVolk und Welt\u00ab der \u00fcber 200 Seiten starke Auswahlband \u00bbRolltreppen im August\u00ab, den kaum ein ostdeutscher Lyriker bzw. Lyrikleser nicht gelesen haben d\u00fcrfte. Jeder, mit dem ich bei meinen drei Lesungen in Ostdeutschland Anfang der 90er Jahre sprach, kannte \u2013 selbst\u00adverst\u00e4ndlich \u2013 Brinkmann. (Das entsprechende Heiner-M\u00fcller-Zitat bringt es auf den Punkt.) Im August 2008 erschien in der \u00bbedition text + kritik\u00ab die durchg\u00e4ngig illustrierte (collagierte), von Karl-Eckhard Carius und anderen besorgte, 192 Seiten umfassende Monographie \u00bbBrinkmann. Schnitte im Atemschutz\u00ab in einer sehr au\u00dfer\u00adgew\u00f6hnlichen, attraktiven Gestaltung (u.a. mit zahlreichen Photos von Brigitte Friedrich). Darin lese ich eine Reihe ergiebiger Beitr\u00e4ge, von denen mich die von Ralf-Rainer Rygulla, J\u00f6rg Schr\u00f6der, Michael T\u00f6teberg und Dieter Wellershoff am meisten interessieren. Der Lyriker und Literaturwissenschaftler Jan Volker R\u00f6hnert, dessen \u00bbMetropolen\u00ab (Edition Lyrik Kabinett, Hanser, M\u00fcnchen 2007) zu den von der jungen Generation in Deutschland seit 2000 ver\u00f6ffentlichten Gedicht\u00adb\u00fcchern geh\u00f6rt, die am st\u00e4rksten meine Aufmerksamkeit erregten, bringt es auf den Punkt: \u00bbBrinkmanns Poesie ist zeitlos geworden, weil sie genauso wie Baudelaires sich bedingungslos ihrer unmittelbaren Gegenwart auslieferte. Die Dignit\u00e4t scheinbar banaler, allt\u00e4glicher Objekte, die das audiovisuelle Raster unserer synthetischen Umwelt ausmachen \u2013 Nylonstrumpfhosen, Vinylplatten, Gitarren\u00adverst\u00e4rker, Hochglanzbl\u00e4tter, Make-up, Kinoleinw\u00e4nde &#8230; \u2013, hat er entdeckt und auf unverwechselbare Weise poetisch transformiert.\u00ab Brinkmann wirkt weiter. Die Literatur\u00adgeschichte geht weiter. Ich mache weiter \u2013 und treffe auf der n\u00e4chsten Station einen weiteren lebenden Toten:<\/div>\r\n<div align=\"justify\">\u00a0<\/div>\r\n<div align=\"justify\"><b>9<\/b> <b>Rainer Maria Gerhardt (1927-1954)<\/b><\/div>\r\n<div align=\"justify\">\u00a0<\/div>\r\n<div style=\"text-align: justify;\" align=\"justify\"><b>\u00bb<\/b>Umkreisung\u00ab \u2013 das ist in diesem Falle die fulminante Werkausgabe von Rainer Maria Gerhardt. Gerhardt, im deutschen Sprachraum nahezu, bei Lyrikern und Lesern in den USA keineswegs vergessen, war der erste deutsche \u00dcbersetzer Ezra Pounds. Mit Hans Arp, Robert Creeley, Max Ernst, Charles Olson und anderen K\u00fcnstlern und Dichtern seiner Zeit befreundet, versuchte er in den Jahren 1949 bis 1954 vehement, jedoch v\u00f6llig vergeblich, die Moderne in dieses zerschossene Niemandsland zu katapultieren. Gerhardts totales Engagement kam zu fr\u00fch f\u00fcr ein Land, das offenbar zuerst einmal ein Wirtschaftswunder \u2013 mit all seinen Begleiterscheinungen \u2013 brauchte, bevor es sich mit der in vielen L\u00e4ndern seit Jahrzehnten etablierten Dichtung der Moderne auseinandersetzen konnte. Als er den erlittenen Schiffbruch, entsetzt und verzweifelt, erkannte, nahm Gerhardt sich, \u00bbdem grab geh\u00f6re ich \/ gebe ihm meine rechte\u00ab, das Leben. Das von Uwe P\u00f6rksen vorz\u00fcglich, ja, liebevoll edierte Gesamtwerk l\u00e4\u00dft mich die Augen untertassengro\u00df aufrei\u00dfen angesichts dieses in nur wenigen Jahren entstandenen lyrischen, essayistischen, herausgeberischen, korrespondierenden, \u00fcbersetzerischen und verlegerischen Gewaltakts. H\u00e4tte Gottfried Benn sich f\u00fcr diesen Fall einmal von seinem Olymp herabbegeben und Gerhardt und dessen \u00bbfragmente\u00ab-Initiativen mit kleinen Hinweisen gef\u00f6rdert, statt sich ihrer zu bedienen und fortan gegen den offenbar als Bedrohung empfundenen genialischen, unerschrockenen, zornigen jungen Mann zu intrigieren, die Lyrik der 1950er Jahre, zu deren Ver\u00e4chtern ich notabene nicht geh\u00f6re, h\u00e4tte wohl eine andere Entwicklung genommen. Hans Magnus Enzensberger und Rolf Dieter Brinkmann taten auf ihre Art das, was Gerhardt verwehrt blieb. Das 1960 von Enzensberger eingerichtete \u00bbMuseum der Poesie\u00ab und Brinkmanns \u00bbAcid. Neue amerikanische Szene\u00ab von 1969 sind internationale Lyrik nach Deutschland bef\u00f6rdernde Anthologie-Klassiker, bei denen Rainer Maria Gerhardt als Lyrikerzengel mit himmlischem Fingerzeig Pate gestanden hat \u2013 garantiert.<\/div>\r\n<div align=\"justify\">\u00a0<\/div>\r\n<div style=\"text-align: justify;\" align=\"justify\"><b>10<\/b> <b>Die kleinen Raubtiere unter ihrem Pelz<\/b><\/div>\r\n<div align=\"justify\">\u00a0<\/div>\r\n<div style=\"text-align: justify;\" align=\"justify\">Ichmache einen weiten Satz zur\u00fcck: zur\u00fcck: Am 24. Dezember 2007 beschert mich die Conne\u00adwitzer Verlags\u00adbuchhandlung aus Leipzig mit Ulrike Almut Sandigs faszi\u00adnierendem Gedicht\u00adbuch \u00bbStreumen\u00ab, das ich am ersten Weihnacht\u00adstag mit gro\u00dfer Freude und Auf\u00admerksamkeit lese: \u00bbelektrische ketten am busch schlagen haken\u00ab. Ich gratuliere der Autorin zu durchweg gelungenen Gedichten. Gelungen, weil sie einen unver\u00adwechselbaren Sound haben, weil sie markante W\u00f6rter beinhalten, die mich aufmerken lassen, weil sie lakonisch, luftig, liebevoll sind. Gedichte in \u00bbBella triste\u00ab, \u00bbVersnetze\u00ab sowie im \u00bbdeutschen Lyrikkalender 2008\u00ab machten mich neugierig auf eine Autorin, die f\u00fcr mich nach der Lekt\u00fcre des zugkr\u00e4ftigen \u00bbStreumen\u00ab mit beispielsweise Karin Fellner (\u00bbunter der flanke dem hang \/ rollen sedimente\u00ab), Claudia Gabler (mit frechen \u00bbkleinen Raubtieren unter ihrem Pelz\u00ab), Nora-Eugenie Gomringer (\u00bbIch eine wirre Frau\u00ab), Sabine Imhof, Myriam Keil, Nadja K\u00fcchenmeister, Swantje Lichtenstein (\u00bbein drehen und schrauben, ein ziehen \/ in der winde herum und herr keiner sinne\u00ab), Sabina Naef, Nathalie Schmid und Ruth Wiebusch (\u00bbgrasgeruch im treppenhaus\u00ab) ins deutschsprachige U-\u00dc?-30-Lyrik-Team geh\u00f6rt \u2013 wobei in der Lyrik nach 2006 die gleichen Regeln wie im Fu\u00dfball unter L\u00f6w: Stammplatzgarantien gibt es nicht, und Marjana Gaponenko, Tina Ilse Gintrowski (\u00bbherzhafter herbstinfarkt \/ in meinem flur brennt eine osram\u00ab), Greta Granderath, Sonja Harter, Andrea Heuser (\u00bbbauschiges niederm\u00e4hen, geiles gras grapschen, gras, und \/ ganz und gar rollig sein, bl\u00fctenbauch und busengekitzel\u00ab), Nancy H\u00fcnger, Katrin Marie Merten, Marlen Pelny (\u00bbstolper ich die Uhrzeit tot\u00ab), Cornelia Schmerle, Katharina Schultens und Judith Zander scharren am Spielfeldrand ungeduldig mit den Hufen, fordern einen Platz.) Die u. a. auf Schaupl\u00e4tzen wie \u00bbLyrik von Jetztzwei\u00ab und \u00bbNeubuch\u00ab zu bewundernden flotten Flankenl\u00e4ufe dieser immer wieder kaprizi\u00f6se Haken schlagenden Frauen mit reichlich Fleisch auf den Lyrikrippen provoziert w\u00e4hrend des ganzen Lyrikjahrs 2008 fortgesetzt Szenenapplaus: so hautnah erlebt im Falle Swantje Lichtensteins w\u00e4hrend der erneut sehr gut besuchten zweiten Pr\u00e4sentation des \u00bbdeutschen Lyrikkalenders\u00ab am 8. November 2008 anl\u00e4\u00dflich der \u00bbTage der Poesie\u00ab in W\u00fcrselen, wo 18 aus dem ganzen Land angereiste Lyrikerinnen und Lyriker eigene und ausgew\u00e4hlte Gedichte von Celan, Goethe, Heine, H\u00f6lderlin, Morgenstern, Nelly Sachs und zahlreichen anderen im wahrsten Wortsinn (\u00bbKroklokwafzi? Semememi!\u00ab) zum besten gaben und wir bisweilen wie gebannt da sa\u00dfen, um abermals mitgerissen zu werden: \u00bbWir weben hinein den dreifachen Fluch \u2013 \/ Wir weben, wir weben!\u00ab \/\/\/ \u00bbwir trinken dich mittags und morgens wir trinken dich abends \/ wir trinken und trinken.\u00ab<\/div>\r\n<div align=\"justify\">\u00a0<\/div>\r\n<div style=\"text-align: justify;\" align=\"justify\"><b>11<\/b> <b>Ein Gedicht, Leute. Rolltreppen im Dezember<\/b>\r\n<p align=\"right\">Ein Gedicht entsteht \u00fcberhaupt sehr selten \u2013 ein Gedicht wird gemacht Gottfried Benn Gedichte sind momentane Phantasien Rolf Dieter Brinkmann<\/p>\r\nD\u00fcren ist der Hauptort des rheinl\u00e4ndischen Kreises, in dem ich 1956 in B\u00fcrvenich geboren wurde. Wann immer ich das Wort \u203aD\u00fcren\u2039 h\u00f6re, weckt es Erinnerungen, die bis in die fr\u00fcheste Kindheit am Ende der 50er Jahre zur\u00fcckreichen. Erinnerungen an zugleich ruhig-behagliche, aber auch aufregende Ferientage bei den D\u00fcrener Verwandten Anni, Martin und Hans-J\u00fcrgen Baum in deren gem\u00fctlicher Kleinwohnung im gro\u00dfen, grauen Mietshaus mit kaltem, nach Putzmittel riechendem, stets blitzblankem Treppenhaus und wei\u00dflackierten Wohnungst\u00fcren mit Spion. Ich sehe Lichterglanz, stehe auf Rolltreppen im Dezember, die kilometerlangen Ausfallstra\u00dfen sind ges\u00e4umt von bleiernen Fassaden mit Hunderten knorpeliger Einschu\u00dfl\u00f6cher und glaslosen Fenstern, rote, gelbe, gr\u00fcne Ampeln blinken mich an, ich gehe \u00fcber Zebrastreifen und staune \u00fcber den unaufh\u00f6rlichen, mich keineswegs erschreckenden Verkehr, wie ich ihn nicht kenne aus B\u00fcrvenich, dem hinterl\u00e4ndischen Nest, dessen Bauernhofl\u00e4rm und Schweinestallgestank ich fr\u00fch schon sehr abscheulich finde. Am 28. September 2008 wandern meine Frau Birgit und ich von Sistig durch den Wald \u00fcber die Sistiger Heide in das f\u00fcnf Kilometer entfernte D\u00f6rfchen Broich, wo zwei Wochen lang die Kulturtage \u00bbMenschen in Broich 2008. Literatur, Kunst, Musik, Theater\u00ab stattfinden, in deren Verlauf ich am 29. September im S\u00e4gewerk eine Lyriklesung gestalte. Wir lauschen eine gute Stunde lang den \u00bbVexations\u00ab, einem Klavierst\u00fcck von Erik Satie mit 840 Wiederholungen, rund sechsundzwanzig Stunden lang von zehn Pianisten gespielt. Auf dem Heimweg im str\u00f6menden Regen hallen in unmittelbarer N\u00e4he Sch\u00fcsse durch den Wald. Am Wegesrand sehen wir mehrere gr\u00fcne Jeeps stehen, einen mit dem Kennzeichen DN. Da sind sie wieder, die Einschu\u00dfl\u00f6cher aus der Kindheit. Wir geben Fersengeld. In Wikipedia lese ich: \u00bbAm 16. November 1944 wurde D\u00fcren durch den schwersten und verheerendsten von insgesamt 51 Luftangriffen der Alliierten v\u00f6llig zerst\u00f6rt. Ungef\u00e4hr 22.000 Menschen lebten zu jener Zeit noch in der Stadt, von denen 3.106 im Bombenhagel starben: 2.392 D\u00fcrener B\u00fcrger, 394 ausw\u00e4rtige Personen, 220 Soldaten und 100 Unbekannte. Nur wenige Geb\u00e4ude blieben unversehrt. Mit 99,2 % zerst\u00f6rten Wohnungen war D\u00fcren die am st\u00e4rksten betroffene Stadt Deutschlands. Rund 1,6 Millionen Kubikmeter Tr\u00fcmmer bedeckten den D\u00fcrener Boden. Das Leben in den Ruinen war nicht mehr m\u00f6glich. Die \u00fcberlebenden D\u00fcrener mu\u00dften ihre Heimat verlassen und wurden nach Mitteldeutschland evakuiert, nur vier Menschen blieben in der Stadt.\u00ab Am 29. November 2008 findet in D\u00fcren zum zweitenmal nach 2006 die \u00bbLange Nacht der Poesie\u00ab statt: Gomringer und Gustafsson geh\u00f6ren zu den Geladenen. D\u00fcren und Lyrik \u2013 das pa\u00dft \u00fcberhaupt nicht zusammen. So ist es um so erfreulicher, da\u00df diese nach dem Krieg so totgebaute Gro\u00dfstadt von mittlerweile \u00fcber 100.000 Einwohnern Knall auf Fall Gedichte pr\u00e4sentiert. Seit Wochen rumort es. Ich sp\u00fcre: Ein Gedicht ist im Entstehen, in dem das Wort \u203aD\u00fcren\u2039 eine Rolle spielt. Die Namen der zehn Stationen, die ich mit dem rumpelnden Postbus auf der zwanzig Kilometer langen Strecke hinter mich bringen mu\u00dfte, sollen darin eine Rolle spielen: B\u00fcrvenich \u00b7 Eppenich \u00b7 Wollersheim \u00b7 Embken \u00b7 Ginnick \u00b7 Froitzheim \u00b7 Frangenheim \u00b7 Soller \u00b7 Stockheim \u00b7 D\u00fcren, dazu die zehnst\u00f6ckigen Hochhausbl\u00f6cke, in denen belgische Soldaten mit ihren Familien wohnten, die nicht enden wollenden grauen, dunkelgrauen Hausfassaden. Nachdem Axel Kutsch mir am Abend des 22. November 2008 in einer Mail mitteilt, da\u00df er eine Karte f\u00fcr die lange Lyriknacht in D\u00fcren reserviert hat, rutscht das Gedicht, aus dessen Fugen und Furchen die Rheinl\u00e4nder Michael Lentz, Axel Kutsch, Thomas Kling und Joseph Beuys hervorlugen, am verschneiten Morgen des 23. November 2008 heraus. Es kommt also ganz anders, wird in den folgenden Stunden bearbeitet, als letztes Gedicht in \u00bbWortlos und andere Gedichte\u00ab (Silver Horse Edition, Marklkofen 2009) eingef\u00fcgt und ist gleichsam die vorletzte Station dieser kleinen lyrischen Kreuz- und Querreise im Dezember 2008:leute halten auch in d\u00fcren heute und in letzten tagen morsche t\u00fcren leere fenster sehr geschlossen noch wird \u00b7 nicht einmal \u00b7 mit pfeffer \u00b7 geschossen jedenfalls nicht hier drau\u00dfen im revier [wespen bleischwer hinter borken] bei schneefall treiben wir zwischen eggen forken walzen liegt ein hase mit der nase fett im dreck wir \u2013 \u2013 \u2013 nichts wie \u00b7 weg<\/div>\r\n<div align=\"justify\">\u00a0<\/div>\r\n<div style=\"text-align: justify;\" align=\"justify\"><b>12<\/b> <b>Anthologien \u00b7 Gedichtb\u00e4nde \u00b7 Zeitschriften<\/b>\r\n<p align=\"right\">Ein Wort f\u00fcr Gottfried Benn Ein Wort Rotwein Mario D\u00fctsch<\/p>\r\nAuch 2008 wurden wieder 1.200 und mehr Lyriktitel im deutschen Sprachraum ver\u00f6ffentlicht. 120 davon brachte der Postbote von Januar bis Dezember ins Haus. Eine kleine Auswahl von 24 Gedichtb\u00fcchern, Sammelb\u00e4nden und Zeitschriften vermittelt exemplarisch die Vielgestaltigkeit der Lyrik: W\u00e4hrend Mario D\u00fctsch in seinem Anagrammgedicht mit einem einzigen Wort aus der Tiefe des norddeutschen Sprachraums kommt, l\u00e4\u00dft G\u00fcnter Vallaster es \u00bbHinter dem Buchstabenzaun\u00ab krachen, indem er uns an s\/einem komplex-komplizierten lyr(typ)ischen Wiener Tagesablauf teilhaben l\u00e4\u00dft, der von \u00bbaufgewache\u00ab \u00fcber rund 120 Stationen punktgenau bei \u00bbaugenaufbildschirmgerichte\u00ab landet. Da\u00df wir von H\u00f6lderlin nicht loskommen, was gut ist, demonstriert Urs Allemanns Gedichtbuch \u00bbim kinde schwirren die ahnen\u00ab (Urs Engeler Editor 2008), auf das ich genauso gern n\u00e4her eingegangen w\u00e4re wie auf Tina Strohekers \u00bbWas vor Augen liegt\u00ab (Kl\u00f6pfer &amp; Meyer 2008) oder Bert Papenfu\u00df&#8216; \u00bbRUMBALOTTE CONTINUA\u00ab, dessen weltumspannende 5. Folge 2008 im Verlag Peter Engster erschien. \u00bbK\u00fcrschners Deutscher Literaturkalender 2008\/2009\u00ab stellt \u00fcber 12.000 Autorinnen und Autoren bibliographisch vor: \u00bbogottogott\u00ab. In Michael Kr\u00fcgers farbenfroh daherkommenden \u00bbReden und Einw\u00fcrfe\u00ab lese ich in der \u00bbRede des Chaotikers\u00ab: \u00bbIch mu\u00df mich ganz kurz fassen, \/ um mich nicht zu verlieren. \/ Wo war ich stehengeblieben?\u00ab. Gespannt bin ich auf Gerhard Falkners \u00bbH\u00f6lderlin Reparatur\u00ab (Berlin Verlag 2008), Franz Hodjaks \u00bbDie Faszination eines Tages, den es nicht gibt\u00ab (Verlag Ralf Liebe 2008) und Thomas Kunsts \u00bbEstemaga\u00ab (Edition Rugerup 2008), Gedichtb\u00fccher, die ganz oben auf dem Wunschzettel stehen. \u00bbKokoko\u00ab nenne ich dieses Amalgam aus Kollaborations-, Kommunikations- und Korrespondenzlust, das mich weiterhin antreibt, an durchl\u00e4ssigen Netzwerken mitzukn\u00fcpfen, die vor dem unfreiwilligen Fall bewahren und das Unterwegssein ins Offene f\u00f6rdern. Luftig- und Leichtigkeit (bei aller Schwere), Wort und Spiel (bei allem Ernst), Sound und Rhythmus (bei aller Ungebundenheit), Temperament und Schwingung (bei aller Trauer) geh\u00f6ren zu den wesentlichen Faktoren, denen ich in ernstgemeinten Gedichten mit Pfiff und aller ART auf der Spur bin und die in den Ihnen in \u00bbLyrikstationen 2008\u00ab ans Herz gelegten B\u00fcchern oft gefunden habe. Gedichte sind nicht an Raum und Zeit gebunden. Sie fliegen zu uns von \u00bb\u00dcberallher\u00ab und tragen uns nach \u00bb\u00dcberallhin\u00ab. Und keine Bange: Garten, Wald und Fu\u00dfballtennis (vom Schneeschippen ganz zu schweigen) \u00fcben in meinem Dasein hier in Sistig im Nationalpark Eifel weiterhin die Faszination aus, die n\u00f6tig ist, den Arsch immer wieder hochzukriegen: \u00bbYou&#8217;ve got to stand up to live before you sit down to write.\u00ab (W. H. Auden) Ich w\u00fcnsche allen Leserinnen und Lesern lebensfrohe Lekt\u00fcretage und sch\u00f6ne Schwingungen zwischen den Zeilen.\r\n<p align=\"right\">Der Romancier i\u00dft sich rund und satt. Der Lyriker kaut sein Lorbeerblatt<\/p>\r\n<p align=\"right\">Axel Kutsch<\/p>\r\n\u00a0<\/div>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><!-- \/wp:post-content -->\r\n\r\n<!-- wp:paragraph --><\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><!-- \/wp:paragraph -->\r\n\r\n<!-- wp:image {\"align\":\"left\",\"id\":139} --><\/p>\r\n<div class=\"wp-block-image\" style=\"text-align: justify;\">\u00a0<\/div>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><!-- \/wp:image -->\r\n\r\n<!-- wp:paragraph --><\/p>\r\n<p style=\"text-align: center;\">* * *<\/p>\r\n<p><strong>Weiterf\u00fchrend<\/strong> <strong>\u2192<\/strong> Ein Essay \u00fcber den <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2013\/12\/26\/lauschender-leser-und-redender-schreiber-2\/\">Lyrikvermittler<\/a> Theo Breuer.<\/p>\r\n<div id=\"attachment_44595\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-44595\" class=\"wp-image-44595 size-medium\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/der-lyrik-eine-bresche-fuer-ein-gedicht-je-ausgabe-einer-zeitung_1505748323-1-300x200.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"200\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/der-lyrik-eine-bresche-fuer-ein-gedicht-je-ausgabe-einer-zeitung_1505748323-1-300x200.jpg 300w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/der-lyrik-eine-bresche-fuer-ein-gedicht-je-ausgabe-einer-zeitung_1505748323-1.jpg 450w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><p id=\"caption-attachment-44595\" class=\"wp-caption-text\">Poesie z\u00e4hlt f\u00fcr KUNO zu den identit\u00e4ts- und identifikationstiftenden Elementen der Kultur<\/p><\/div>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>\u2192<\/strong> Poesie z\u00e4hlt f\u00fcr KUNO zu den identit\u00e4ts- und identifikationstiftenden Elementen einer Kultur, dies bezeugt der Versuch einer <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=25630\">poetologischen Positionsbestimmung<\/a>. Um den Widerstand gegen die gepolsterte Gegenwartslyrik ein wenig anzufachen schickte <span data-offset-key=\"d96ve-1-0\">Wolfgang Schlott<\/span><span data-offset-key=\"d96ve-2-0\"> dieses\u00a0 post-dadaistische <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2016\/02\/03\/handwerkliche-anleitungen-zur-ueberwindung-von-schreibblockaden\/\">Manifest<\/a>. Warum<\/span> Lyrik wieder in die Zeitungen geh\u00f6rt <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2017\/10\/07\/der-dichtung-eine-bresche-schlagen\/\">begr\u00fcndete<\/a> Walther Stonet, diese Forderung hat nichts an Aktualit\u00e4t verloren. Lesen Sie auch Maximilian Zanders <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=5418\">Essay <\/a>\u00fcber Lyrik und ein R\u00fcckblick auf den <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2014\/01\/08\/lyrik-katalog-bundesrepublik\/\"><em>Lyrik-Katalog Bundesrepublik<\/em><\/a>. KUNO sch\u00e4tzt den minuti\u00f6sen Selbstinszenierungsprozess des lyrischen Dichter-Ichs von Ulrich Bergmann in der Reihe <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=27947\">Keine Bojen auf hoher See, nur Sterne \u2026 und Schwerkraft. Gedanken \u00fcber das lyrische Schreiben<\/a>. Lesen Sie ein <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=22835\">Portr\u00e4t <\/a>\u00fcber die interdisziplin\u00e4re T\u00e4tigkeit von Angelika Janz, sowie einen <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=29450\">Essay<\/a> der <em>Fragmenttexterin.<\/em> Ein Portr\u00e4t von Sophie Reyer findet sich\u00a0<a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2013\/10\/08\/von-sappho-zu-sophie\/\">hier<\/a>, ein Essay fasst das transmediale Projekt<em> &#8222;<a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2021\/04\/14\/bi-textualitaet\/\">Wortspielhalle<\/a>&#8220; <\/em>zusammen<em>. <\/em>Auf KUNO lesen Sie u.a. Rezensionsessays von <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2015\/06\/17\/beschwoerungszauber\/\">Holger Benkel<\/a> \u00fcber <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=15175\">Andr\u00e9 Schinkel<\/a>, <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2017\/11\/12\/mit-deutschen-untertiteln\/\">Ralph Pordzik<\/a>,\u00a0<a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2018\/12\/20\/wohnraeume-der-poesie\/\">Friederike Mayr\u00f6cker<\/a>, <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2017\/03\/19\/welten-gegenwelten\/\">Werner Weimar-Mazur<\/a>, <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2019\/06\/26\/wohnraeume-der-poesie-2\/\">Peter Engstler<\/a>, <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=15177\">Birgitt Lieberwirth<\/a>, <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2019\/08\/17\/der-grill-auf-der-hauswiese-der-welt\/\">Linda Vilhj\u00e1lmsd\u00f3ttir<\/a>, und <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2017\/09\/17\/rettungsversuche-der-literatur-im-digitalen-raum\/\">A.J. Weigoni<\/a>. Lesenswert auch die <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2020\/05\/16\/verseschmied-und-lyrikfischer\/\">Gratulation<\/a> von Axel Kutsch durch Markus Peters zum 75. Geburtstag. Nicht zu vergessen eine Empfehlung der kristallklaren Lyrik von <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2020\/01\/19\/die-lyrikerin-ines-hagemeyer\/\">Ines Hagemeyer<\/a>. Diese Betrachtungen versammeln sich in der Tradition von <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2000\/04\/04\/vauo\/\">V.O. Stomps<\/a>, dem Klassiker des Andersseins, dem <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2005\/09\/24\/erinnerungen\/\">Bottroper Literaturrocker<\/a> &#8222;Biby&#8220; Wintjes und Hadayatullah H\u00fcbsch, dem Urvater des <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1995\/06\/30\/wie-was-social-beat-ist-und-warum-und-warum-nicht\/\"><em>Social-Beat<\/em><\/a>, im KUNO-Online-Archiv. Wir empfehlen f\u00fcr Neulinge als Einstieg in das weite Feld der nonkonformistischen Literatur <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2001\/04\/01\/nonkonformistische-literatur\/\">diesem Hinweis<\/a> zu folgen.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">1 Michael Arenz, \u00bbAnweisungen f\u00fcr die vorletzten Tage. Poeme\u00ab, 42 Seiten, geheftete Broschur, Silver Horse Edition, Marklkofen 2008. 2 Paul Boldt, \u00bbDer Wind schweigt weit. Ausgew\u00e4hlte Gedichte\u00ab, Nachwort von Peter H\u00e4rtling, farbige Photographien von Annette K\u00fchn, 74 Seiten, Broschur, Christian Lux Verlag, Wiesbaden 2008. 3 Theo Breuer (Hg.), \u00bbYE N\u00b0 13. Keine Eile\u00ab, Gedichte und Bilder von Manfred Enzensperger, Marianne Gla\u00dfer, Karl-Friedrich Hacker, Simone Heembrock, Klara Hurkov\u00e1, Sibylle Klefinghaus, Axel Kutsch, Christoph Leisten, Swantje Lichtenstein, Britta Maletz, Bilqis Naz, J\u00fcrgen Nendza, Jutta Over, Andreas Noga, Heike Smets, J\u00fcrgen V\u00f6lkert-Marten und Christoph Wenzel, Kunstschachtel mit 62 Bl\u00e4ttern, Edition YE, Sistig\/Eifel 2008. 4 Werner Bucher, \u00bborte. Schweizer Literaturzeitschrift\u00ab, 156. Ausgabe: Die Liebe sitzt in der Sonne, Liebesgedichte von Carlos Drummond de Andrade, Ingeborg Bachmann, Beat Brechb\u00fchl, Ursula Krechel, Kurt Marti, Andreas Noga, Frank O&#8217;Hara, Cesare Pavese, Sylvia Plath, Kurt Schwitters, Christian Uetz, J\u00fcrgen V\u00f6lkert-Marten u.v.a., 72 Seiten, geheftete Broschur, orte-Verlag, CH-Oberegg 2008. 5 Werner Bucher, \u00bbPoesie Agenda 2009\u00ab, Gedichte, Bilder, literarische Notizen von Gudrun Arndt bis Annemarie Zornack, 256 Seiten, Broschur, orte-Verlag, CH-Oberegg 2008. 6 Christoph Buchwald und Ulf Stolterfoht (Hg.), \u00bbJahrbuch der Lyrik 2008\u00ab, Gedichte von Monica Adolph, Nora Bossong, Heinz Czechowski, Anne Dorn, Michaela Eichwald, Tobias Falberg, Alexander Gumz, Sonja Harter, Manfred Jendryschik, Axel Kutsch, Benedikt Ledebur, Christoph Meckel, J\u00fcrgen Nendza, Jutta Over, Ronald Pohl, Bertram Reinecke, Vera Schindler-Wunderlich, Hans Thill, Wolfgang Utschik, Florian Vo\u00df, Katja Winkler, Martin Zingg u.v.a., 222 Seiten, Hardcover mit Schutzumschlag, Leseb\u00e4ndchen, S. Fischer, Frankfurt am Main 2008. 7 Karl-Eckhard Carius (Hg.), \u00bbBrinkmann. Schnitte im Atemschutz\u00ab, unter Mitwirkung von Wilfried K\u00fcrschner und Olaf Selg, Beitr\u00e4ge von Bazon Brock, Brigitte Friedrich, Jan Volker R\u00f6hnert, Teresa Salema, J\u00f6rg Schr\u00f6der, Michael T\u00f6teberg, Richard Wagner u.a., zahlreiche Abbildungen, 192 Seiten, edition text + kritik im Richard Boorberg Verlag, M\u00fcnchen 2008. 8 Karl Otto Conrady (Hg.), \u00bbDer Gro\u00dfe Conrady. Das Buch deutscher Gedichte. Von den Anf\u00e4ngen bis zur Gegenwart\u00ab, Vorworte zur neuen Ausgabe und zur Ausgabe von 2000 von Karl Otto Conrady, 1380 Seiten, Leinen, Schuber, zwei Leseb\u00e4ndchen, Artemis &amp; Winkler, D\u00fcsseldorf 2008. 9 Mario D\u00fctsch, \u00bbUtopieoase Autopoesie. 66 Anagrammgedichte\u00ab, mit mehrfarbigen originalen Linolschnitten von Karl-Friedrich Hacker und einem Nachwort von Theo Amicus, 107 Seiten, leinengebundenes K\u00fcnstlerbuch, Bleisatz, Handsatz und -bindung, Footura black edition, Itzehoe 2008. 10 Walter Helmut Fritz, \u00bbHerzschlag. Die Liebesgedichte\u00ab, 117 Seiten, Hardcover mit Schutzumschlag, Hoffmann &amp; Campe, Hamburg 2008. 11 Brigitte Fuchs, \u00bbHandbuch des Fliegens\u00ab, Gedichte, 175 Seiten, Hardcover mit Leseb\u00e4ndchen, edition 8, Z\u00fcrich 2008. 12 Claudia Gabler, \u00bbDie kleinen Raubtiere unter ihrem Pelz\u00ab, Gedichte, 56 Seiten, Taschenbuch, Rimbaud, Aachen 2008. 13 Rainer Maria Gerhardt, \u00bbUmkreisung. Das Gesamtwerk\u00ab, herausgegeben von Uwe P\u00f6rksen in Zusammenarbeit mit Franz Josef Knape und Yong-Mi Quester, 544 Seiten, Leinen mit Schutzumschlag, drei Faksimile-Heften der Zeitschrift Fragmente, Papph\u00fclse, Wallstein, G\u00f6ttingen 2007. 14 Karl Friedrich Hacker (Hg.), el mail Tao. International Journal on Mail Art History Today, K\u00fcnstlerzeitschrift, 61. Jahrgang, mit (mehrfarbigen) Beitr\u00e4gen von Carla Bertola, Hendrik Liersch, Pete Spence u.a., 60 unpaginierte Bl\u00e4tter, edition bauwagen, Itzehoe 2008. 15 Caroline Hartge, \u00bbWilde Brombeeren\u00ab, Gedichte, 54 Seiten, geheftete Brosch\u00fcre, Verlag Peter Engstler, Ostheim\/Rh\u00f6n 2008. 16 Andreas Heidtmann (Hg.), \u00bbpoet. Das Magazin des Poetenladens\u00ab, 5. Ausgabe, mit Gedichten von Andreas Altmann, Dominik Dombrowski, Sylvia Geist, Synke K\u00f6hler, Swantje Lichtenstein u.a., Poetenladen, Leipzig 2008. 17 Michael Kr\u00fcger, \u00bbReden und Einw\u00fcrfe\u00ab, 110 Seiten, Hardcover, Insel Verlag, Frankfurt am Main und Leipzig 2008. 18 Axel Kutsch (Hg.), \u00bbVersnetze. Das gro\u00dfe Buch der neuen deutschen Lyrik\u00ab, Gedichte von Andreas Altmann, Hans Bender, Crauss, Ulrike Draesner, Hans Eichhorn, Gerhard Falkner, Harald Gr\u00f6hler, Franz Hodjak, Felix Philipp Ingold, Gerhard Jaschke, Thomas Kunst, Christoph Leisten, Frank Milautzcki, J\u00fcrgen Nendza, Irmhild Oberth\u00fcr, Markus Peters, Hendrik Rost, Vera Schindler, Gabriele Trinckler, G\u00fcnter Ullmann, J\u00fcrgen V\u00f6lkert-Marten, A. J. Weigoni, Maximilian Zander u.v.a.; 328 Seiten, Broschur; Verlag Ralf Liebe, Weilerswist 2008. 19 Hartwig Mauritz, \u00bbbiotope\u00ab, Gedichte, 56 Seiten, Broschur, Lyrikedition 2000, M\u00fcnchen 2008. 20 Frank Milautzcki (Hg.), \u00bbDas Zweite Bein\u00ab, Literaturzeitschrift, 4. Ausgabe, Sonderausgabe mit Buchvorstellungen, 64 Seiten, Broschur, eingeklebte Original-Kunstpostkarte, Verlag im Proberaum 3, Klingenberg 2008. 21 Shafiq Naz (Hg.), \u00bbDer deutsche Lyrikkalender 2009. Jeder Tag ein Gedicht\u00ab, 365 Gedichte vom Mittelalter bis ins 21. Jahrhundert, 410 Seiten, Spiralbindung, Alhambra Publishing, B-Bertem 2008. 22 J\u00fcrgen Nendza, \u00bbDie Rotation des Kolibris\u00ab, Gedichte, 64 Seiten, Hardcover, Verlag Ralf Liebe, Weilerswist 2008. 23 Traian Pop (Hg.), \u00bbMatrix. Zeitschrift f\u00fcr Literatur und Kunst\u00ab, Ausgabe 14, Gedichte von Bob Hicok, Josef Hrub\u00fd, Francisca Ricinski u.a., 118 Seiten, Broschur, Pop, Ludwigsburg 2008. 24 G\u00fcnter Vallaster, \u00bbHinter dem Buchstabenzaun. Extended Versions\u00ab, Gedichte mit Transformationen von Ilse Kilic und einem Vorwort von Fritz Widhalm, 88 Seiten, Broschur, edition ch, Wien 2008.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Sp\u00f6tter, ein Dichter, ein Literat \u2013 Streu ich der Worte verf\u00e4ngliche Saat. Hugo Ball, Intermezzo Gesammelte Gedichte. Z\u00fcrich 1963 \u00a0 Kennen Sie Gedichte von Michael Arenz, dem Heraus\u00adgeber der volu\u00admin\u00f6sen Bochumer Litera\u00adtur\u00adzeitschrift \u00bbDer Mongole wartet\u00ab, in deren 18. 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