{"id":95025,"date":"2022-09-25T00:01:16","date_gmt":"2022-09-24T22:01:16","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=95025"},"modified":"2022-02-24T16:38:05","modified_gmt":"2022-02-24T15:38:05","slug":"der-selbstmord-des-zoeglings-mueller","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2022\/09\/25\/der-selbstmord-des-zoeglings-mueller\/","title":{"rendered":"Der Selbstmord des Z\u00f6glings M\u00fcller"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein Herr Ludwig Lenzlicht war Erzieher und Hauslehrer in einer Anstalt f\u00fcr psychopathische Kinder. Er wurde immer \u00bbHerr Kandidat\u00ab gerufen. Er war bartlos wie ein Schauspieler, auch sprach er so. Meist trug er eine strenge scharfe Maske auf dem Gesicht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dieser Herr Lenzlicht fand zwei Tage nach der Beerdigung des Z\u00f6glings Martin M\u00fcller (der hatte sich vorher mit den Str\u00fcmpfen der Erzieherin Nora Neumann an dem Fensterriegel einer Bodenluke erh\u00e4ngt) in einem dunklen Winkel seines Pultes ein Schreibheft. Er nahm es heraus. Und sah es an. Auf dem Etikett war zu lesen:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dieses Werk widmet Martin M\u00fcller den neuen Primitiven. Auf der ersten Seite war zu lesen: Lieber Lenzlicht, Sie sind der einzige von den Imbezillen der Anstalt, dem ich etwas Verst\u00e4ndnis f\u00fcr die Betrachtungen zutraue, die ich hier niedergeschrieben habe. Doch da\u00df auch Sie an meiner Pers\u00f6nlichkeit, ohne deren Kulturkraft zu f\u00fchlen, wie an einem leeren Gesicht vorbeigerannt sind, armer Blinder, wird Ihnen die Lekt\u00fcre beweisen. Vielleicht werden Sie halbhell. (Dann w\u00e4ren Sie ein Gl\u00fccklicher zu nennen.) Ich werde mich jetzt in der Dachluke zerst\u00f6ren, ein Einsamer in der Erkenntnis. Mein Werk wird dauern. Mar tin M\u00fcller.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Herr Lenzlicht wunderte sich, als er die S\u00e4tze las. Nachher dachte er \u00fcber Gr\u00f6\u00dfenvorstellungen bei Knaben. Er war nicht lustig und nicht traurig, aber er sah finster aus. Das Denken war ihm keine Leidenschaft, deshalb las er bald weiter.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auf den n\u00e4chsten Seiten waren einige Abhandlungen \u00fcber den Wert der Kunst geschrieben, \u00fcber ihre Zukunft, \u00fcber die Wechselwirkung der einzelnen K\u00fcnste, \u00fcber die Architektur des literarischen Stils, \u00fcber die neuen Primitiven, die, von M\u00fcller ausgehend, eine siegessichere Revolution in dem Kunstleben herbeif\u00fchren w\u00fcrden. Die Abhandlungen f\u00fcllten das Heft fast. Herr Lenzlicht las sie ohne regere Anteilnahme, oft \u00fcberbl\u00e4tterte er Seiten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der letzte Aufsatz des Heftes schien ihn mehr zu interessieren. Die Augen waren weit, sie klammerten sich an die Schriftzeichen. Auch hielt er das Papier wie ein Kurzsichtiger; und mit beiden H\u00e4nden. Manchmal sprach er etwas Undeutliches. Oder er lachte, ohne es zu wissen. Oder er lachte, wie einer Donnerwetter sagt. Oder er lie\u00df die Zunge aus dem Mund h\u00e4ngen. In dem Heft war zu lesen:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich sitze an dem Arbeitstisch und tr\u00e4ume, was dem guten Lenzlicht bedenklich erscheinen w\u00fcrde: Die Jungen d\u00fcrfen nicht tr\u00e4umen. Und dem Lenzlicht ist schon aufgefallen, da\u00df die Haut um meine Augen wie Asche geworden ist. Er sagt h\u00e4ufig mit sonderbarer Betonung: ob ich denn schlecht schlafe, ich s\u00e4he so komisch aus. Einmal wurde ich \u00e4rgerlich, ich sagte: \u00bbSie auch, Herr Kandidat.\u00ab Verlegen l\u00e4chelnd schlug er mich blutig.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich mu\u00dfte das Schreiben unterbrechen, weil Fr\u00e4ulein Neumann hereinkam. Sie hat heute bunte Beine mit Lackschuhen, das reizt mich. Ich hatte mir zwar vorgenommen, sie nicht mehr zu beachten &#8230; Sie hat sich neulich so pr\u00fcde gezeigt &#8230; Sie war nachmittags in die Stadt gefahren. Sie kam sp\u00e4t zur\u00fcck. Ich begegnete ihr auf der Treppe. Sie ri\u00df sich aber los. Und sagte erregt: \u00bbBett ist Bett.\u00ab Und ging in ihre Stube. In den folgenden Tagen sah ich sie nicht. Der Hausdiener Hermann sagte, sie m\u00fcsse das Zimmer h\u00fcten. Ich fragte, warum. \u2013 Er sagte, sie habe sich verlobt. Er schmunzelte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mir sind die erotischen Unterhaltungen allm\u00e4hlich ein Greuel geworden. Immer versuche ich, frei zu werden. Es gelingt selten. Ich wei\u00df, da\u00df ein begreifendes Weib mich erl\u00f6sen kann. Hier gibt es das nicht: Fr\u00e4ulein Neumann ist ein albernes junges Ding von achtundzwanzig Jahren. Die K\u00f6chin ist ein unreifes Schwein. Das Stubenm\u00e4dchen Minna ist hochm\u00fctig, sie ist ohne Grund unzug\u00e4nglich. In Betracht k\u00e4me vielleicht die Leiterin, Doktor Mondmilch; aber wenn ich einmal versuche, ihr meine Leiden und Sch\u00f6nheiten in ernster Unterhaltung verst\u00e4ndlich zu machen, sehns\u00fcchtig auf ihre Augen schaue, mich ihr gebe &#8230; ist sie fremd, macht Notizen, hat geheime Unterredungen mit Lenzlicht, verordnet mir Beruhigungsmittel. Sie ist sehr brutal, ich glaube zuweilen: sie liebt mich heimlich. Sie scheint ungl\u00fccklich zu sein, ich habe sie gern. \u2013<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Gestern konnte ich nicht weiterschreiben, weil der fette Idiot Backberg mich zu Tisch rief. Ich sitze neben der Russin Recha. Die kneift mich gern in die Beine; sie sagt, ich sei zu dick. Den langen Lehkind k\u00fc\u00dft sie, weil er wie ein Skelett aussieht. \u00dcberhaupt vertrage ich mich mit den Viechern, die man hier zusammengebracht hat, nicht. T\u00e4glich ist \u00c4rger. Besonders der \u00fcberaus kleine siebenj\u00e4hrige Max Mechenmal \u2013 \u00fcbrigens ein au\u00dfergew\u00f6hnlich unbedeutender Mensch \u2013 macht mir viel zu schaffen. Er mag mich nicht, weil er meine \u00dcberlegenheit f\u00fchlt; er versucht auf jede Weise, mich unm\u00f6glich zu machen. Er ist hinterlistig und feig. Niemand findet ihn nett. Er tut nichts lieber, als uns aufeinander zu hetzen, arge Klatschereien zu verbreiten, m\u00f6glichst viel Schaden anzurichten. Er versteht, sich in dem Hintergrund zu halten, in dem geeigneten Augenblick zu verschwinden. \u2013<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Einmal schrieb ich, nichts B\u00f6ses vermutend, in unserem ger\u00e4umigen Bade- und Klosettraum (hier bin ich vor \u00dcberraschungen sicher) eine l\u00e4ngere Arbeit \u00fcber den \u00bbSchwindel von dem Genie\u00ab. Ich f\u00fchrte etwa aus: Genie ist ein Titel, keine Eigenschaft. Das wird nicht bedacht, deshalb ist die gro\u00dfe Verwirrung. Titel ist Zufallssache, zumeist verd\u00e4chtig. Wer Genie genannt wird, ist darum nicht ein genialer Mensch. Geniale Menschen werden diesen Titel, der von der Menge verliehen wird, regelm\u00e4\u00dfig nicht erlangen. Die genialsten Menschen aller Zeiten sind gewi\u00df in Tollh\u00e4usern und Gef\u00e4ngnissen geborsten. Wer von tausend Alltagsleuten verstanden wird, geliebt wird &#8230; gilt mir nicht. \u2013<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Da wurde ich durch das langsame, seelenvolle Geschrei des blinden kleinen Kohn, mit dem ich trotz meiner antisemitischen Grunds\u00e4tze innig befreundet bin, erschreckt. Ich sprang auf, eilte hinaus. Ich sah, wie Max Mechenmal hin und her lief, den kleinen Kohn in die Beine zwickte oder \u00e4hnliche Bosheiten tat; dabei rief er: \u00bbFange mich.\u00ab &#8212; Der kleine Kohn war bleicher. In seiner Hilflosigkeit. Er hielt den R\u00fccken gegen eine Wand. Die d\u00fcnnen leidenden H\u00e4nde tasteten in der Luft &#8230; Ich habe niemals so viel konzentrierten Schmerz gesehen, wie auf den verstorbenen Augen des kleinen Kohn lag. Ich eilte, ohne mir Zeit zu lassen, die Kleider in Ordnung zu bringen, auf Mechenmal zu, um ihn f\u00fcr die rohe Gesinnung zu z\u00fcchtigen. Meine Hose wurde durch einen Nagel, der aus der Wand ragte, besch\u00e4digt. Mechenmal benutzte die Verz\u00f6gerung, schl\u00fcpfte an mir vorbei, lief in den Klosettraum, den er hinter sich verriegelte. Ich schlug an die T\u00fcr. Er sagte: \u00bbBesetzt!\u00ab Ich war sehr \u00e4rgerlich. Mir fiel zudem ein, da\u00df ich die Papiere, auf denen die Arbeit \u00fcber den \u00bbSchwindel von dem Genie\u00ab geschrieben war, in der Eile vergessen hatte mitzunehmen. Ich rief, er m\u00f6ge sie herausgeben. Er antwortete nicht. Sp\u00e4ter h\u00f6rte ich, wie er gewaltig kicherte. Und ich wu\u00dfte: Das Manuskript, das ich der neuen Zeitschrift \u00bbDas andere A\u00ab einreichen wollte, werde ich nicht wiedersehen. Traurig ging ich fort \u2013<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ach, der kleine Kohn ist nun leider tot. Er ist an seinen Gespenstern gestorben, er hat mir das oft vorausgesagt. Seine Gespenster hat er gesehen, der blinde kleine Kohn. Manchmal, wenn heller Tag war. Dann fand man ihn zitternd und wei\u00df in einem Winkel. Die Beine hatte er so weit angezogen, da\u00df die Oberschenkel gegen die eingesunkene Brust gepre\u00dft waren. Zwischen den Knien lag der Kopf. Die winzigen erschrockenen Fingerchen krampften sich um die Schuhspitzen. Wenn man ihn ber\u00fchrte, schrie es aus ihm. Der Schrei war so gellend grauenhaft, da\u00df man unwillk\u00fcrlich loslie\u00df, als h\u00e4tte man einen Sto\u00df erhalten. Sooft das geschah, war man ratlos wie bei dem ersten Mal. Doktor Mondmilch wurde gerufen. Sie streichelte ihn ganz wenig. Die Starrheit l\u00f6ste sich in Schluchzen auf. Er bekam Tropfen, wurde in sein Bett gelegt, schlief schlimm. Mechenmal rief, da\u00df es bis auf die Stra\u00dfe schallte: \u00bbKohn ist wieder verr\u00fcckt.\u00ab<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In der letzten Zeit hatten sich die Anf\u00e4lle geh\u00e4uft, besonders nachts. Die Ohnmachten waren tiefer, die nachfolgende Ermattung trostloser. Als an einem Abend Doktor Mondmilch, einer Einladung des Tier-und Nervenarztes Bruno Bibelbauer folgend, f\u00fcr l\u00e4ngere Zeit weggegangen war, trat die Katastrophe ein. Der kleine Kohn lag bald tot in dem Bett. Mechenmal sagte: \u00bbJetzt st\u00f6rt er einen wenigstens nicht mehr, wenn man schlafen will.\u00ab Der fette Idiot Backberg freute sich auf die Beerdigung. Die K\u00f6chin heulte; und das Stubenm\u00e4dchen Minna. Nora Neumann hatte sich in ein Zimmer eingeschlossen; ich glaube, sie dichtete. Die Russin Recha war verschwunden; nachher fand Lenzlicht sie in dem Sterbezimmer. Sie sa\u00df auf dem Bett, hielt die eine Hand Kohns verz\u00fcckt an ihr Herz, mit der rechten Hand zog sie das Lid seines rechten Auges hin und her. Ich h\u00f6rte, wie sie weinte und sagte: das sei so interessant. Lenzlicht schimpfte wehm\u00fctig.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Noch jetzt sagt Mechenmal, wenn er von dem kleinen Kohn spricht: \u00bbDer war ja verr\u00fcckt.\u00ab Ich bestreite das. Jeder nicht stupide Mensch hat dann und wann Erlebnisse, die mit den althergebrachten, allen zug\u00e4nglichen Gesichten nicht in Einklang zu bringen sind. Manchmal ist man feinf\u00fchliger als sonst und als die anderen. Wenn man allein ist, die bekannten Dinge ruhiger sind &#8230; vielleicht, wenn Abend ist, bei einer halbhellen Lampe &#8230; in der D\u00e4mmerstunde in einsamen R\u00e4umen &#8230; in N\u00e4chten, die keinen Schlaf tragen. Da heben sich aus der Stille Ger\u00e4usche, die ich niemals geh\u00f6rt habe, die ich nicht erkl\u00e4ren kann. Ich schrecke auf \u2013 f\u00fcrchte mich \u2013 will in die hei\u00dfe Helligkeit zu vielen lustigen Menschen \u2013 will nicht h\u00f6ren &#8230; h\u00f6re feiner. Die Stille rei\u00dft auseinander. Alles klafft &#8230; und klingt. Bewegung kommt in die Gegenst\u00e4nde. B\u00f6sartige Schatten \u00e4ngstigen. Alle Formen verlieren ihre Gewohnheit. Ich warte &#8230; auf ein entsetzliches Wunder, auf Unk\u00f6rper.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich bin ein entschiedener Feind von Geistern und Gespenstern und \u00e4hnlichen Dingen. Ich finde diese Erscheinungen wenig sinnig und ohne Witz, ich will nichts mit ihnen zu tun haben. Und konnte doch nicht hindern, da\u00df mir erst k\u00fcrzlich gegen die Mittagsstunde eine antike Frauengestalt mit herben Gesichtsz\u00fcgen erschienen ist. Ich war davon unangenehm ber\u00fchrt. Um so mehr, als mir<a href=\"http:\/\/www.zeno.org\/Literatur\/L\/Lichtenst.-GP\">[30]<\/a> sp\u00e4ter einfiel, da\u00df das m\u00f6glicherweise meine selige Mama gewesen ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es ist nicht weniger unvern\u00fcnftig, die Geister zu leugnen, als unvern\u00fcnftig ist, Wunder anzuerkennen. Wenn Gespenster allt\u00e4glich w\u00e4ren, w\u00fcrden die Philosophen ein Naturgesetz f\u00fcr sie konstruieren, damit man sie daraus herleiten k\u00f6nnte. Und ohne Aufregung \u00fcbersehen k\u00f6nnte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich werde mich weiteren Gr\u00fcbeleien \u00fcber diese verwirrten Dinge entziehen, indem ich mir das Leben nehme. Man wird emp\u00f6rt sein. Mir die Berechtigung absprechen, \u00fcber mich zu verf\u00fcgen. Man wird mich f\u00fcr \u00fcberspannt erkl\u00e4ren. Und das medizinisch begr\u00fcnden. Um sich zu beruhigen; denn wenn jeder so d\u00e4chte, g\u00e4be es bald ein allgemeines Protestieren gegen das Dasein. Das Leben w\u00fcrde boykottiert. Das darf nicht geschehen. Wenn man fragt: warum nicht? \u2013 wird man ein Sophist gescholten. Die Leute sterben nicht gern, das hei\u00dft Lebensenergie. Sie helfen sich mit G\u00f6ttern und heiterer Weltanschauung. Wenn einem der Jammer doch zu grell wird, f\u00e4hrt er in ein besseres Irrenheim.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zu dem Entschlu\u00df, mich von mir zu befreien, bin ich vor langer Zeit gekommen. Der wichtigste Beweggrund war: ich bin mir ernsthaft unsympathisch. Ich kann zuf\u00e4llig nicht aushalten, \u00fcber ein ganzes Leben bei mir zu bleiben. Ich kenne mich zu genau. Ich habe h\u00e4ufig geweint, da\u00df ich von mir nicht loskommen kann. Ich empfinde mich als eine h\u00e4\u00dfliche Last. Ich m\u00f6chte in einem mutigen, ehrlichen, reinen Jungen sein. Mein Mensch ist unwahr, un\u00e4sthetisch, plump. Ich wei\u00df, da\u00df der Tod mich gr\u00fcndlich zugrunde richten wird; der Gedanke ist f\u00fcr mich Ursache zu lebhafter Verzweiflung; ich kann ihn nicht lange denken. Ich verliere die F\u00e4higkeit zu atmen. Habe das Gef\u00fchl, als presse ein Ungeheures von innen. Die Gehirnt\u00e4tigkeit scheint ausgeschaltet. Die H\u00e4nde ballen sich in tierischer Angst. Ich weine trocken. Die Institution des Todes ist wohl f\u00fcr manche Menschen nicht angebracht; man h\u00e4tte Mittel und Wege finden sollen, den Tod zu umgehen. Aber \u2013 das Sterben ist eine Bagatelle. Nur darf nicht an den Tod denken, wer sein Sterben vorbereitet.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div id=\"attachment_94979\" style=\"width: 187px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-94979\" class=\"wp-image-94979 size-full\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/Lichtenstein.jpg\" alt=\"\" width=\"177\" height=\"216\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/Lichtenstein.jpg 177w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/Lichtenstein-160x195.jpg 160w\" sizes=\"auto, (max-width: 177px) 100vw, 177px\" \/><p id=\"caption-attachment-94979\" class=\"wp-caption-text\">Der Dichter Alfred Lichtenstein in Milit\u00e4runiform (1914)<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eEr ist nun abseits, wie alle, die Wesentliches zu sagen haben, (\u2026) w\u00e4hrend geschickte Mittelm\u00e4ssigkeit in bunter Kulissenbeleuchtung paradiert. (\u2026) Aber er wird, wenn alle gl\u00e4nzenden Augenblickspropheten (\u2026) l\u00e4ngst zerst\u00e4ubt sind, noch Menschen aufreissen mit seiner brennenden Wahrhaftigkeit.\u201c (Carl Zuckmayer)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Neben der Lyrik verfasste Alfred Lichtenstein verfasste stark groteske Prosa. In seinen Prosast\u00fccken macht er sich \u00fcber einige seiner Bekannten und auch \u00fcber sich selbst im Stile Alfred Jarrys lustig. Dazu kreiert er Phantasiefiguren, die f\u00fcr Freunde und Vorbilder wie etwa Georg Heym, Gottfried Benn und Jakob van Hoddis stehen. Als Freiwilliger nimmt er von Beginn an am Ersten Weltkrieg teil und schreibt unter dem Eindruck der Kriegserlebnisse in seinem Gedicht \u00bbAbschied\u00ab die Zeile: \u00bbVielleicht bin ich in dreizehn Tagen tot.\u00ab Noch im September 1914 f\u00e4llt Alfred Lichtenstein an der Westfront.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Weiterf\u00fchrend \u2192<\/strong>\u00a0Poesie z\u00e4hlt f\u00fcr KUNO weiterhin zu den identit\u00e4ts- und identifikationstiftenden Elementen einer Kultur, dies bezeugte auch der Versuch einer <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=25630\">poetologischen Positionsbestimmung<\/a>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00a0 Ein Herr Ludwig Lenzlicht war Erzieher und Hauslehrer in einer Anstalt f\u00fcr psychopathische Kinder. Er wurde immer \u00bbHerr Kandidat\u00ab gerufen. Er war bartlos wie ein Schauspieler, auch sprach er so. 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