{"id":95019,"date":"2022-08-23T00:01:17","date_gmt":"2022-08-22T22:01:17","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=95019"},"modified":"2022-02-24T14:58:54","modified_gmt":"2022-02-24T13:58:54","slug":"cafe-kloesschen","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2022\/08\/23\/cafe-kloesschen\/","title":{"rendered":"Cafe Kl\u00f6\u00dfchen"},"content":{"rendered":"<h5 style=\"text-align: justify;\"><\/h5>\n<h5 style=\"text-align: justify;\">I<\/h5>\n<p style=\"text-align: justify;\">Lisel Liblichlein war aus der Provinz in die Stadt gekommen, weil sie Schauspielerin werden wollte. Zu Haus empfand sie alles spie\u00dfig, eng, verbl\u00f6dend. Die Herren waren dumm. Der Himmel, das K\u00fcssen, die Freundinnen, die Sonntagnachmittage wurden unertr\u00e4glich. Am liebsten weinte sie. Schauspielerin sein bedeutete ihr: klug sein, frei sein, gl\u00fcckselig sein. Wie das ist, wu\u00dfte sie nicht. Ob sie Talent habe, pr\u00fcfte sie nicht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sie schw\u00e4rmte f\u00fcr den Vetter Schulz, weil er in der Stadt wohnte und Gedichte machte. Als der Vetter einmal schrieb, er habe die Juristerei satt, er werde als Schriftsteller seinen Neigungen leben, teilte sie den erschrockenen Eltern mit, das verbauerte Leben wachse ihr aus dem Halse heraus; sie werde als Schauspielerin ihren Idealen nachgehen. Man versuchte auf jede Art, sie von diesem Vorhaben abzubringen. Es gelang nicht. Sie wurde bestimmter, drohend. Man gab unwillig nach, fuhr mit ihr in die Stadt, mietete ein kleines Zimmer in einem gro\u00dfen Pensionat, meldete sie in einer billigen Theaterschule an. Der Vetter Schulz wurde gebeten, sich ihrer anzunehmen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Herr Schulz war h\u00e4ufig mit Cousine Liblichlein zusammen. Er f\u00fchrte sie in Kabaretts; las Gedichte vor; zeigte seine Bohemebude; bestellte sie in das Literatencaf\u00e9 Kl\u00f6\u00dfchen; ging mit ihr Hand in Hand stundenlang durch die n\u00e4chtlichen Stra\u00dfen; betastete sie; k\u00fc\u00dfte sie. Fr\u00e4ulein Liblichlein war von allem Neuen angenehm bet\u00e4ubt; bald fiel ihr ein, da\u00df sie sich das meiste sch\u00f6ner vorgestellt hatte. Verdrie\u00dflich war ihr schon anfangs, da\u00df der Direktor der Theaterschule, die Kollegen, die Literaten des Caf\u00e9 Kl\u00f6\u00dfchen \u2013 alle M\u00e4nner, mit denen sie h\u00e4ufiger zusammentraf, ein Vergn\u00fcgen darin fanden, sie anzufassen, ihre H\u00e4nde zu streicheln, die Knie an ihre Knie zu dr\u00fccken, sie unversch\u00e4mt anzusehen. Sogar die Ber\u00fchrungen des Schulz wurden ihr l\u00e4stig.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Um ihn nicht zu kr\u00e4nken, auch um nicht kleinst\u00e4dtisch zu wirken, gab sie ihm das selten zu verstehen. Aber einmal schlug sie ihm heftig auf das Gesicht. Sie waren in seinem Zimmer, er hatte ihr gerade die letzten Zeilen seines Gedichtes \u00bbM\u00fcdigkeit\u00ab erkl\u00e4rt. Die waren:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Abend steht vor meinem Fenster, grauer Mann!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Am besten ist wohl, wenn wir schlafen gehen \u2013<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Danach hatte er versucht, ihr die Bluse abzuziehen. Der Schulz war \u00fcber den Schlag recht best\u00fcrzt. Er sagte, fast weinend, sie m\u00fcsse gemerkt haben, da\u00df er sie liebe. Au\u00dferdem sei er ihr Vetter. Sie sagte, das \u00d6ffnen der Bluse behage ihr nicht. Zudem habe er einen Knopf abgerissen. Er sagte, er halte das nicht mehr aus. Wenn man einen liebe, m\u00fcsse man sich ihm hingeben. Er werde bei Kokotten Vergessen suchen. Sie wu\u00dfte keine Antwort. Er dachte st\u00f6hnend: O, o. Sie sa\u00df betr\u00fcbt neben ihm.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In den n\u00e4chsten Tagen lie\u00df er sich nicht sehen. Als er wiederkam, war er bleich und grau. Die blutleeren roten Augen lagen tr\u00e4nend in schmierigen Schatten. Die Stimme hatte nur einen Singsangton, der klang maniriert melancholisch. Schulz sprach kl\u00e4glich schw\u00e4rmend von Verzweiflung, Hurerei, Zerrissensein. Da\u00df er der Lebensfreude \u00fcberdr\u00fcssig sei. Da\u00df er seinen Tod bald eingeholt haben werde. Er vermied Z\u00e4rtlichkeiten, aber er seufzte oft schmerzlich. Kokettierte theatralisch mit einer Sehnsucht nach dem Sterben. F\u00fchrte die Freundin in leichenreiche Trauerspiele, in d\u00fcstere Kinodramen, in ernste Konzerte in verdunkelten S\u00e4len.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Eine Woche war vielleicht vergangen. Eine Dame hatte gesungen. Die H\u00e4nde der Zuh\u00f6rer knallten laut und lange. Gottschalk Schulz fa\u00dfte leidenschaftlich einige Finger Lisel Liblichleins, legte sie g\u00fctig auf einen Schenkel seiner Beine, sagte: \u00bbIst es nicht eigenartig, wie der Gesang einer Dame einem an die Seele greift!\u00ab Dann fing er wieder an, bittend und weinerlich von Liebe und Hingebung zu reden. Lisel Liblichlein sagte, dies sei ihr langweilig oder ekelhaft. Aus Mitleid \u2013 und weil sie hinaufgehen wollte \u2013 erkl\u00e4rte sie schlie\u00dflich in der Haust\u00fcr, mit der Liebe sei sie einverstanden, wenn er auf die Hingebung verzichte. Schulz dr\u00fcckte sie gl\u00fccklich an sich. Er stand noch lange tr\u00e4umend da. Er sang: \u00bbO Tr\u00e4nen. O G\u00fcte. O Gott. O Sch\u00f6nheit. O Liebe. O Liebe. O Liebe &#8230;\u00ab Er st\u00fcrzte durch die Stra\u00dfen. In dem Kl\u00f6\u00dfchen war er verschwunden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Lisel Liblichlein aber sa\u00df in ihrem kleinen Zimmer unbeholfen l\u00e4chelnd bei einem r\u00f6tlichen Talglicht. Sie begriff diese Menschen der Stadt nicht, die schienen ihr seltsame, gef\u00e4hrliche Tiere. Sie f\u00fchlte sich verlassen und einsamer als fr\u00fcher. Sie dachte sehns\u00fcchtig an die harmlose Heimat: an den luftigen Himmel, an die l\u00e4cherlichen jungen Herren, an die Tennisturniere, an die wehm\u00fctigen Sonntagnachmittage &#8230; sie kn\u00f6pfte die Strumpfhalter ab, legte das Leibchen auf einen Stuhl. Sie war trostlos.<\/p>\n<h5 style=\"text-align: justify;\">II<\/h5>\n<p style=\"text-align: justify;\">In einem durchsichtigen Sommerabend war das leuchtende Caf\u00e9 Kl\u00f6\u00dfchen. Stadthimmel aus dunkelblauer Seide, auf dem wei\u00dfer Mond und viele kleine Sterne lagen, umh\u00fcllte es. In einem Hintergrund sa\u00df, lange Zeit, bevor er pl\u00f6tzlich starb, einsam und rauchend bei einem winzigen Tisch, auf dem etwas stand, der bucklige Dichter Kuno Kohn. Um andere Tische hockten Leute. Dazwischen bewegten sich M\u00e4nner mit gelben und roten Sch\u00e4deln; Weiber; Literaten; Schauspieler. \u00dcberall huschten schattige Kellner.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Kuno Kohn war ohne viel Gedanken. Er summte f\u00fcr sich: \u00bbEin Nebel hat die Welt so weich zerst\u00f6rt.\u00ab \u2013 Da begr\u00fc\u00dfte ihn der Dichter Gottschalk Schulz, ein Jurist, der durch alle Examina, denen er sich unterzogen hatte, m\u00fchevoll gefallen war. Mit ihm kam ein sch\u00f6nes Fr\u00e4ulein. Die beiden setzten sich zu Kohn. Schulz und Kohn waren Mitarbeiter der von dem kleinen begeisterten Lutz Laus f\u00fcr die Hebung der Unsittlichkeit angefertigten Monatsschrift: \u00bbDer Dackel\u00ab. Schulz erz\u00e4hlte dem Kohn, da\u00df der Dackel-Laus demn\u00e4chst eine gottlose Religion auf neojuristischer Grundlage erfinden werde, zwecks Organisation eine konstituierende Versammlung in einem nahen Kintopp einberufen wolle. Kohn h\u00f6rte kopfsch\u00fcttelnd zu. Das sch\u00f6ne Fr\u00e4ulein a\u00df Kuchen. Kohn sagte traurig: \u00bbLaus ist ein Gro\u00dfer und R\u00fchrender. Aber gl\u00e4ubig kann uns kein Jesus mehr machen. Wir sterben mit jedem Tage tiefer in den \u00f6den ewigen Tod ein. Wir sind hoffnungslos zerr\u00fcttet. Unser Leben wird ein sinnloses Schau-Spiel bleiben.\u00ab Das essende Fr\u00e4ulein sah mit fr\u00f6hlichem, deutlichem Gesicht aus rotbraunen Augen verst\u00e4ndnislos hin\u00fcber. Schulz war in tr\u00fcbselige Gedanken versunken. Das Fr\u00e4ulein sagte, auch ihr ganzes Leben sei das Schauspiel. So sinnlos k\u00f6nne sie dies nicht finden. In der Theaterschule, in der sie sich auf die B\u00fchnenlaufbahn als sentimentale Liebhaberin vorbereite, werde T\u00fcchtiges geleistet. Herr Kohn m\u00f6ge einmal hinkommen, um sich davon zu \u00fcberzeugen. Kuno Kohn blickte das Fr\u00e4ulein eine Weile innig an. Er dachte: \u00bbSolch kleines dummes Fr\u00e4ulein &#8230;\u00ab Er ging aber bald weg.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Drau\u00dfen hielt ihn pl\u00f6tzlich der Lyriker Roland Rufus M\u00fcller erregt an einem Arm fest, er rief: \u00bbHaben Sie die Kritik eines gewissen Bruno Bibelbauer in der medizinischen Monatsschrift gelesen, in der behauptet wird, meine Paranoia bestehe darin, da\u00df ich mir einbilde, Paralyse zu haben! Alle Menschen sehen mich merkw\u00fcrdig an, ich bin ber\u00fchmt. Mein Verleger gibt mir viel Vorschu\u00df. Aber \u2013 ach, ich darf es nicht sagen \u2013 ich bin unheilbar.\u00ab Er lief schleunigst in ein besseres Weinrestaurant.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein Pferd humpelte wie ein alter Mensch vor einem Wagen. Der bucklige Kohn lehnte l\u00e4ssig an einer katholischen Kirche, \u00fcberlegte das Dasein. Er sagte sich: \u00bbWie drollig ist dennoch das Dasein. Und da lehnt man nun; irgendwo; irgendwie; ohne Beziehung; ganz belanglos; k\u00f6nnte ebenso gut, ebenso schlecht weiterschreiten; irgendwohin. Das macht mich ungl\u00fccklich.\u00ab \u2013 Vor ihm war ein kleiner lautloser Hurenhund stehengeblieben, hatte mit glimmenden Augen dem\u00fctig zugeh\u00f6rt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Eine feurige gl\u00e4serne Brautkutsche h\u00fcpfte vorbei. Innen, in einer Ecke, sah er das bleiche geschlossene Gesicht eines Br\u00e4utigams. Eine leere Droschke kam, der Kohn ging hinterher. Er sagte leise: \u00bbEin Sucher ohne Ziel &#8230; Ein Haltloser &#8230; Unbekannt mit allem &#8230; Man hat eine furchtbare Sehnsucht. O w\u00fc\u00dfte man wonach.\u00ab<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Stra\u00dfen schimmerten schon wei\u00dflich, als er die T\u00fcr des Hauses, in dem er wohnte, \u00f6ffnete. In seinem Zimmer sah er die Bilder von lauter gestorbenen Menschen, die an einer Wand befestigt waren, schweigsam und feierlich traurig an. Dann begann er, die Kleidungsst\u00fccke von dem Buckel zu nehmen. Als er nur noch mit Unterhosen, Hemd, Socken bedeckt war, sagte er murmelnd und seufzend: \u00bbAllm\u00e4hlich wird man wahnsinnig \u2013\u00ab<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In dem Bett nahm das Denken ab. Ihm fielen f\u00fcr das Einschlafen die rotbraunen Fr\u00e4uleinaugen aus dem Caf\u00e9 Kl\u00f6\u00dfchen ein &#8230;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Diese Augen leuchteten auch in den folgenden Tagen sonderbar oft in seinem Hirn. Das wunderte ihn. Erschreckte ihn. Sein Verh\u00e4ltnis zu Frauen war eigenartig. Im allgemeinen hatte er sogar einen Widerwillen gegen sie, es trieb ihn zu Knaben. Aber in gewissen Sommermonaten, wenn er zu innerst zerbrochen und unselig war, verliebte er sich h\u00e4ufig in ein junges kindhaftes Weib. Da er infolge seines Buckels zumeist abgewiesen, oft sogar verh\u00f6hnt wurde, war die Erinnerung an diese Frauen und M\u00e4dchen entsetzlich. Er nahm sich daher zu diesen Zeiten in acht. Ging zu Dirnen, wenn er Gefahr f\u00fchlte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Lisel Liblichlein hatte ihn \u00fcberrumpelt, ohne eine Ahnung davon zu haben. Vergeblich dachte er an die Qualen der Mi\u00dferfolge. Vergeblich stellte er sich vor, da\u00df Lisel Liblichlein eins der vielen, zierlichen, in wundervolle Unwissenheit und gl\u00fccksuchende Sehnsucht verwirrten Gesch\u00f6pfe sei, die \u00fcberall auf der Erde, einander sehr \u00e4hnlich, zu finden sind &#8230; In einem weichen Abend voller gr\u00fcnlichgelber Laternen, voller Regenschirme und Stra\u00dfenschmutz stand ein kleiner buckliger Mensch \u00e4ngstlich wartend neben dem Hausschild einer Theaterschule.<\/p>\n<h5 style=\"text-align: justify;\">III<\/h5>\n<p style=\"text-align: justify;\">Manchmal kam ein Wind, ein giftiger hei\u00dfer Hund. Wie z\u00e4hes, gl\u00fchendes \u00d6l lag die Sonne auf den H\u00e4usern und auf den Stra\u00dfen und auf den Leuten. Kleine geschlechtslose Menschlein mit schr\u00e4gen Beinen hopsten sinnlos um den vergitterten Vorgarten des Caf\u00e9 Kl\u00f6\u00dfchen. Innen pr\u00fcgelten sich Kuno Kohn und Gottschalk Schulz. Andere sahen zuf\u00e4llig zu. Lisel Liblichlein sa\u00df ernsthaft in einer Ecke.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Veranlassung war gewesen: Herr Kohn hatte Fr\u00e4ulein Liblichlein mehrmals von der Theaterschule nach Hause begleitet. Als Schulz davon erfuhr, wurde er grundlos eifers\u00fcchtig. Er fing an, \u00fcber den Kohn Schlechtes zu reden. Lisel Liblichlein, die den Vetter durchschaute, verteidigte den Buckligen. Dar\u00fcber \u00e4rgerte sich der Schulz noch mehr. Er erkl\u00e4rte \u00fcberzeugend, er werde sich erschie\u00dfen. Das unterlie\u00df er, drohte aber, er werde auch sie erschie\u00dfen. Da verbat sie sich seine Gesellschaft.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u2013 Lisel Liblichlein mu\u00dfte einen Menschen haben, mit dem sie sich \u00fcber ihre wichtig empfundenen Allt\u00e4glichkeiten aussprechen konnte. Sie w\u00e4hlte nach dem Zank mit Schulz aus irgendeinem ungekl\u00e4rten Instinkt den Kohn. So kam es, da\u00df sie ihn an dem Mittag des Pr\u00fcgeltages in das Kl\u00f6\u00dfchen bestellt hatte, um vielleicht \u00fcber die Wahl eines Kleides oder \u00fcber die Auffassung einer Rolle oder \u00fcber ein kleines Geschehnis mit ihm zu beraten. Kohn war soeben gekommen, wollte sich gerade \u00fcber die W\u00fcnsche des Fr\u00e4ulein informieren, als Gottschalk Schulz hineinfiel, mit rotgeschwollenem Gesicht vor ihm war, ihn einen gewissenlosen M\u00e4dchenverf\u00fchrer nannte. Kohn versuchte den Schulz von unten zu ohrfeigen. Dann schlug jeder w\u00fctend und schweigend auf den anderen. Das Schild des Abortp\u00e4chters, auf dem vorher zu lesen war: \u00bbMein Institut ist jetzt hier, Eingang dort\u00ab \u2013 lag zerschmettert auf dem Boden. Pl\u00f6tzlich stie\u00df die Hand des Schulz wuchtig auf den Buckel Kohns. Die Hand hatte ein blutiges Loch, auch der Buckel war besch\u00e4digt. Schulz rief leichenbleich: \u00bbDer Buckel ist lebensgef\u00e4hrlich.\u00ab Danach lie\u00df er sich von einem Oberkellner nach einer Unfallstation begleiten. Lisel Liblichlein w\u00fcrdigte er keines Blickes.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Kohn achtete nicht sehr auf den geschundenen Buckel. Er setzte sich wieder zu Lisel Liblichlein an den Tisch, bestellte Tee mit Zitrone. Sie sah, wie immer deutlicher Blut durch seinen fadenscheinigen Gehrock sickerte. Sie machte ihn auf den blutenden Gehrock aufmerksam, er erschrak. Sie sagte, ob sie die Wunde verbinden solle \u2013<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Er sagte bitter, einen Buckel anzufassen, werde ihr nicht angenehm sein. Sie sagte mitleidig err\u00f6tend, ein Buckel sei menschlich \u2013 Sie sagte, er m\u00f6ge zu ihr kommen. Der Buckel m\u00fc\u00dfte ges\u00e4ubert und gek\u00fchlt werden. Dann wolle sie einen Verband machen. Er k\u00f6nne den Nachmittag bei ihr verbringen &#8230;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Kohn ging freudig z\u00f6gernd auf ihren Vorschlag ein. Sie sa\u00dfen bis in die Nacht in der kleinen Stube Lisel Liblichleins. Unterhielten sich \u00fcber Seele, Buckel, Liebe.-<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Schriftsteller Schulz war von diesem Tage an verschollen. Zuletzt hatte ihn ein Bekannter an dem Abend vor dem Schaufenster eines Schuhwarengesch\u00e4ftes gesehen: Er soll jeden Stiefel einzeln tr\u00fcbsinnig betrachtet haben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00bbHei\u00dfe Helden\u00ab \u2013 eine Zeitschrift f\u00fcr romantische D\u00e9cadence \u2013 erhielt bald danach einen Eilbrief, in dem Schulz mitteilte, da\u00df er im Begriffe sei, sich aus seelischen Gr\u00fcnden das Leben zu nehmen. Einige hielten diese Mitteilung f\u00fcr nicht mehr neue Reklame. Die meisten waren begeistert. Die Zeitungen brachten aufregende Notizen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein Schulz-Leichen-Suchefonds wurde gegr\u00fcndet. Ein Fabrikbesitzer stiftete einen gediegenen Sarkophag.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Man durchforschte W\u00e4lder und Wiesen. Stocherte mit langen Stangen in allen Seen. Man fand keine Spur von Schulz. Wollte das Suchen schon aufgeben, als man ihn ganz entstellt in einem mittelm\u00e4\u00dfigen Hotel eines entlegenen Vorortes entdeckte. Er hatte sich an einem windigen Teich eine schwere Influenza zugezogen, die ihn wochenlang an ein Bett fesselte. Man traf ihn auf der knarrenden Hoteltreppe, wie er, in viele Decken und T\u00fccher geh\u00fcllt, noch einmal seine Selbstmordabsichten versuchsweise verwirklichen wollte. Unschwer brachte man ihn davon ab, f\u00fchrte ihn triumphierend in die Stadt zur\u00fcck. Der Sarkophag wurde versetzt. Aus dem Erl\u00f6s und von dem Rest des Schulz-Leichen-Suchefonds wurde ein Bohemefest veranstaltet \u2013 \u2013 \u2013<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Gottschalk Schulz selbst thronte als Faust weltschmerzlich in einem Winkel. Der begabte Doktor Berthold Bryller erschien als: Einer der Literaten, die fett werden. Lutz Laus verhielt sich in p\u00e4pstlichem Ornat. Der Gymnasiast Spinoza Spa\u00df \u2013 der Kl\u00f6\u00dfchenclown \u2013 hatte ein Siegfriedkost\u00fcm um den Leib geh\u00e4ngt, sich einen Goethekopf frisiert. Der Lyriker M\u00fcller lag bald als gr\u00fcne betrunkene Leiche. Kuno Kohn, der sich mit Schulz formell wieder ausges\u00f6hnt hatte, kam, wie er war. Mit ihm auch Lisel Liblichlein, sie trug ein l\u00e4ndliches Kleid. Die anderen liefen als Chinesen, Schimpansen, G\u00f6tter, Nachtw\u00e4chter, Leute von Welt quietschend und quer durcheinander. Das ganze Kl\u00f6\u00dfchen war vorhanden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Lisel Liblichlein tanzte in dieser bunten, kreischenden Nacht nur mit dem buckligen Dichter. Manche sahen dem seltsamen Paar zu, aber es lie\u00df sich nicht lachen. Der Buckel Kohns stie\u00df hart und r\u00fccksichtslos wie eine Tischkante gegen die weichen anderen. Es schien, als w\u00e4re ihm eine Lust, immer wieder den Buckel in einen Tanzenden zu stechen. Niemals vers\u00e4umte er, mit Fistelstimme, unversch\u00e4mt h\u00f6flich, \u00bbpardon\u00ab zu sagen, wenn ein verr\u00fccktes Weib hochschrie oder einer aus Seligkeit \u00bbverflucht &#8230;\u00ab knurrte. Lisel Liblichlein hielt den Dichter mit der einen Hand unten an dem Buckel wie an einem Henkel, mit der anderen Hand pre\u00dfte sie den eckigen Kopf Kohns sanft an ihre Brust. So tanzten sie durch viele besessene Stunden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Kohns Buckel wurde immer schmerzhafter f\u00fcr die anderen T\u00e4nzer. Man wagte Emp\u00f6rung zu \u00e4u\u00dfern. Die Festleitung teilte dem Kohn mit, da\u00df er ersucht werde, das Tanzen einzustellen. Mit einem derartigen Buckel d\u00fcrfe man nicht tanzen. Kohn widersprach nicht. Lisel Liblichlein sah, da\u00df sein Gesicht grau wurde.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sie f\u00fchrte ihn in eine versteckte Nische. Da sagte sie:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00bbVon nun an sage ich &#8218;du&#8216; zu dir.\u00ab Kuno Kohn antwortete nicht, aber er empfing ihre mitleidende Seele wie ein Geschenk in seine wasserblauen Troubadouraugen. Sie sagte zitternd, da\u00df sie ihn mit einem Mal so lieb habe, sei ihr unverst\u00e4ndlich &#8230; Sie wolle seine arme Hand niemals mehr loslassen &#8230; Sie habe nicht gewu\u00dft, da\u00df man so ma\u00dflos gl\u00fccklich sein k\u00f6nne &#8230; Kuno Kohn lud sie ein, ihn an dem n\u00e4chsten Abend zu besuchen. Sie sagte gern zu.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Kuno Kohn und Lisel Liblichlein waren wohl die ersten, die das taumelnde Fest verlie\u00dfen. Sie gingen fl\u00fcsternd in den himmelhellen, von Mondlicht leuchtenden Stra\u00dfen. Der verliebte Dichter warf abenteuerliche Schatten mit riesigen H\u00f6ckern auf das Pflaster.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bei dem Abschied senkte Lisel Liblichlein den Kopf zu Kohn nieder. Sie k\u00fc\u00dfte mehrmals seinen Mund. So trennten sich Kuno Kohn und Lisel Liblichlein &#8230; Er sagte, er freue sich, da\u00df sie ihn an dem n\u00e4chsten Abend besuchen werde. Sie sagte ganz leise: \u00bbIch &#8230; ach &#8230; auch &#8230;\u00ab<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die H\u00e4user standen wohlgeordnet wie B\u00fccher in Regalen auf den gepflegten Stra\u00dfen. Der Mond hatte hellblauen Staub auf sie gesch\u00fcttet. Wenige Fenster waren wach, die funkelten friedlich wie einsame Menschenaugen, hatten immer denselben goldfarbenen Blick. Kuno Kohn ging nachdenklich heim. Der K\u00f6rper war gef\u00e4hrlich nach vorn geneigt. Die H\u00e4nde lagen fest auf dem Ende des R\u00fcckens. Der Kopf war weit heruntergefallen. Zu oberst ragte der Buckel, ein abenteuerlicher spitzer Stein. Kuno Kohn war in dieser Stunde kein Mensch mehr, er hatte seine eigene Form.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Er dachte: \u00bbIch will vermeiden, gl\u00fccklich zu werden. Das bedeutete: Die Sehnsucht \u00fcber alle Erf\u00fcllung hinaus, die mein k\u00f6stlichster Inhalt ist, aufgeben. Den heiligen Buckel, mit dem ein freundliches Geschick mich geweiht hat, durch den ich das Dasein viel, viel tiefer, unseliger, herrlicher gesp\u00fcrt habe, als die Menschen es sp\u00fcren, zu einer l\u00e4stigen \u00c4u\u00dferlichkeit degradieren. \u2013 Ich will aus Lisel Liblichlein ihr h\u00f6heres Wesen herausbilden. Ich will sie heillos ungl\u00fccklich machen &#8230;\u00ab<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">W\u00e4hrend der Dichter Kohn dies dachte, erstach sich der Dichter Schulz endg\u00fcltig mit einem Salatmesser. Er hatte Kuno Kohn und Lisel Liblichlein bei ihrer vertrauten Unterhaltung in der Nische beobachtet. Hatte gesehen, wie sie zusammen weggingen. Er bem\u00fchte sich, seinen Jammer zu besaufen und zu befressen, es half nicht. Nachdem er einige Stunden gegessen und getrunken hatte, war er geisteskrank. Er sang: \u00bbDer Tod ist eine ernsthafte Angelegenheit &#8230; Der Tod l\u00e4\u00dft nicht mit sich spa\u00dfen &#8230; Der Tod ist ein dringendes Bed\u00fcrfnis &#8230;\u00ab Dann pikte er sich zaghaft und z\u00f6gernd das erste beste Messer in die linke Brust. Blut und blutige Salatreste spritzten umher. Diesmal war der Selbstmordversuch von Erfolg gekr\u00f6nt.<\/p>\n<h5 style=\"text-align: justify;\">IV<\/h5>\n<p style=\"text-align: justify;\">Lisel Liblichlein erschien an dem n\u00e4chsten Abend fr\u00fcher als verabredet war. Kuno Kohn \u00f6ffnete die T\u00fcr, Blumen in der Hand haltend. Er freute sich sichtbar, er sagte, er habe kaum gehofft, da\u00df sie kommen werde. Sie legte die Arme um seinen knochigen K\u00f6rper, pre\u00dfte ihn an ihren Leib mit saugendem Druck, sagte: \u00bbDu buckelliebes Dummchen &#8230; ich hab dich doch gern \u2013\u00ab<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Einige einfache Abendgerichte wurden gegessen. Sie streichelte ihn, wenn ihr etwas gut schmeckte. Sie sagte, sie wolle bis nach Mitternacht bei ihm bleiben. Dann k\u00f6nnte sie mit ihm den Beginn ihres achtzehnten Geburtstages feiern &#8230;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aus einer Kirchenuhr kam der neue Tag. Die ersten lauten Atemz\u00fcge drangen wie gest\u00f6hnte Gebete in das verhangene Kohnsche Zimmer. Da war Lisel Liblichleins junger Seelenk\u00f6rper ein Tempel geworden, sie hatte sich dem buckligen Priester mit r\u00fchrender Selbstverst\u00e4ndlichkeit unter Schmerzen geopfert. Hatte gesagt: \u00bbBist du jetzt froh \u2013\u00ab Lag aufgel\u00f6st in Traum und Ergriffenheit. Die d\u00fcnne Haut der Lider h\u00fcllte sie ein.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Pl\u00f6tzlich rannte ein Entsetzen \u00fcber den K\u00f6rper. Hatte sie den Schrecken in dem Gesicht wie Krallen. Waren aufgerissene schreiende Augen \u00fcber dem Buckligen. Sagte Lisel Liblichlein tonlos: \u00bbDies \u2013 war \u2013 das Gl\u00fcck \u2013 \u2013 \u2013\u00ab Kuno Kohn weinte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sie sagte: \u00bbKuno, Kuno, Kuno, Kuno, Kuno, Kuno &#8230; Was fange ich mit dem \u00fcbrigen Leben an?\u00ab Kuno Kohn seufzte. Er sah ernst und g\u00fctig in ihre elenden Augen. Er sagte: \u00bbArmes Lisel! Das Gef\u00fchl der vollkommenen Hilflosigkeit, das dich \u00fcberfallen hat, habe ich h\u00e4ufig. Der einzige Trost ist: traurig sein. Wenn die Traurigkeit in Verzweiflung ausartet, soll man grotesk werden. Man soll spa\u00dfeshalber weiterleben. Soll versuchen, in der Erkenntnis, da\u00df das Dasein aus lauter brutalen hundsgemeinen Scherzen besteht, Erhebung zu finden.\u00ab \u2013 Er wischte Schwei\u00df von Buckel und Stirn.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Lisel Liblichlein sagte: \u00bbWarum du eine lange Rede h\u00e4ltst, wei\u00df ich nicht. Was du gesagt hast, verstehe ich nicht. Da\u00df du mir das Gl\u00fcck genommen hast, war lieblos, Kohn.\u00ab \u2013 Die Worte fielen wie Papier.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sie sagte, sie wolle gehen. Er m\u00f6ge sich ankleiden. Der nackte Buckel sei ihr peinlich &#8230;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Kuno Kohn und Lisel Liblichlein sprachen kein Wort mehr, bis sie sich vor der T\u00fcr des Hauses, in dem das Pensionat war, f\u00fcr immer trennten. Er sah in ihr Gesicht, hielt ihre Hand, sagte: \u00bbLebe wohl \u2013\u00ab Sie sagte leise: \u00bbLebe wohl \u2013\u00ab<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Kohn duckte sich in seinen Buckel. Lief niedergebrochen davon. Tr\u00e4nen verschmierten das Gesicht. Er f\u00fchlte die nachschauenden betr\u00fcbten Blicke auf seinem R\u00fccken. Da rannte er um die n\u00e4chste H\u00e4userecke. Er blieb stehen, trocknete die Augen mit einem Tuch, eilte weinend weiter.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wie Krankheit kroch schleimiger Nebel in der erblindenden Stadt. Laternen waren d\u00fcstere Sumpfblumen, die auf schw\u00e4rzlich glimmenden Stielen flackerten. Dinge und Wesen hatten nur fr\u00f6stelnden Schatten und verwischte Bewegung. Wie ein Unget\u00fcm torkelte ein Nachtomnibus an Kohn vor\u00fcber. Der Dichter rief: \u00bbJetzt ist man wieder ganz einsam.\u00ab \u2013 Da begegnete ihm eine gro\u00dfe Bucklige mit langen Spinnenbeinen in gespenstig durchscheinendem Rock. Der Oberk\u00f6rper glich einer Kugel, die auf einem hohen Tischchen liegt. Sie sah ihn mitleidig lockend an, mit verliebtem L\u00e4cheln, das durch den Nebel zu einer tollen Grimasse gezerrt wurde. Kohn war sogleich in dem Grau verschwunden. Sie \u00e4chzte, dann trug sie sich weiter.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Lahmer Tag hinkte heran. Zertr\u00fcmmerte mit eiserner Kr\u00fccke die Reste der Nacht. Das halb ausgel\u00f6schte Caf\u00e9 Kl\u00f6\u00dfchen lag in dem lautlosen Morgen, eine gl\u00e4nzende Scherbe. In einem Hintergrund sa\u00df der letzte Gast. Kuno Kohn hatte den Kopf in den bebenden Buckel gesenkt. Die d\u00fcrren Finger einer Hand bedeckten Stirn und Gesicht. Der ganze K\u00f6rper schrie lautlos.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div id=\"attachment_94979\" style=\"width: 187px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-94979\" class=\"wp-image-94979 size-full\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/Lichtenstein.jpg\" alt=\"\" width=\"177\" height=\"216\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/Lichtenstein.jpg 177w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/Lichtenstein-160x195.jpg 160w\" sizes=\"auto, (max-width: 177px) 100vw, 177px\" \/><p id=\"caption-attachment-94979\" class=\"wp-caption-text\">Der Dichter Alfred Lichtenstein in Milit\u00e4runiform (1914)<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eEr ist nun abseits, wie alle, die Wesentliches zu sagen haben, (\u2026) w\u00e4hrend geschickte Mittelm\u00e4ssigkeit in bunter Kulissenbeleuchtung paradiert. (\u2026) Aber er wird, wenn alle gl\u00e4nzenden Augenblickspropheten (\u2026) l\u00e4ngst zerst\u00e4ubt sind, noch Menschen aufreissen mit seiner brennenden Wahrhaftigkeit.\u201c (Carl Zuckmayer)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Neben der Lyrik verfasste Alfred Lichtenstein verfasste stark groteske Prosa. In seinen Prosast\u00fccken macht er sich \u00fcber einige seiner Bekannten und auch \u00fcber sich selbst im Stile Alfred Jarrys lustig. Dazu kreiert er Phantasiefiguren, die f\u00fcr Freunde und Vorbilder wie etwa Georg Heym, Gottfried Benn und Jakob van Hoddis stehen. Als Freiwilliger nimmt er von Beginn an am Ersten Weltkrieg teil und schreibt unter dem Eindruck der Kriegserlebnisse in seinem Gedicht \u00bbAbschied\u00ab die Zeile: \u00bbVielleicht bin ich in dreizehn Tagen tot.\u00ab Noch im September 1914 f\u00e4llt Alfred Lichtenstein an der Westfront.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Weiterf\u00fchrend \u2192<\/strong>\u00a0Poesie z\u00e4hlt f\u00fcr KUNO weiterhin zu den identit\u00e4ts- und identifikationstiftenden Elementen einer Kultur, dies bezeugte auch der Versuch einer <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=25630\">poetologischen Positionsbestimmung<\/a>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>I Lisel Liblichlein war aus der Provinz in die Stadt gekommen, weil sie Schauspielerin werden wollte. Zu Haus empfand sie alles spie\u00dfig, eng, verbl\u00f6dend. Die Herren waren dumm. Der Himmel, das K\u00fcssen, die Freundinnen, die Sonntagnachmittage wurden unertr\u00e4glich. Am liebsten&hellip;<\/p>\n<p class=\"more-link-p\"><a class=\"more-link\" href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2022\/08\/23\/cafe-kloesschen\/\">Read more &rarr;<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":237,"featured_media":100084,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[3181],"class_list":["post-95019","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-literatur","tag-alfred-lichtenstein"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/95019","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/237"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=95019"}],"version-history":[{"count":2,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/95019\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":103326,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/95019\/revisions\/103326"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media\/100084"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=95019"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=95019"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=95019"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}