{"id":94391,"date":"1990-07-31T00:01:10","date_gmt":"1990-07-30T22:01:10","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=94391"},"modified":"2021-11-01T05:11:29","modified_gmt":"2021-11-01T04:11:29","slug":"kleines-bild-letzter-stunden","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1990\/07\/31\/kleines-bild-letzter-stunden\/","title":{"rendered":"Kleines Bild letzter Stunden"},"content":{"rendered":"<div>\n<div class=\"\" dir=\"auto\">\n<div dir=\"auto\">\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein Wort wandert durch den noch undefinierten Raum. Es ist ein Wort, das diesen Raum f\u00fcr dein Leben erst m\u00f6glich macht., solange ihn weder Geruch, Ausdehnung noch Farbe gefunden haben. Einer Gegend des Raumes entstr\u00f6mt Atem. Gedr\u00e4ngter verdichteter Leib, stumm, zusammengepresst im vergessenen Dunkel. Seine Ausdehnung l\u00e4sst erahnen, wie gro\u00df der Raum ist. Verdichtetes, beseeltes Gef\u00e4\u00df f\u00fcr ein Lebendiges, es saugt die luftige \u00c4u\u00dferung aus dem Stoff der Sprache auf. Ferne Sprache, die seltsam unbeleibt in die blasser werdende Erinnerung eines abseitigen Ged\u00e4chtnisses entweicht, das konturenlose Ged\u00e4chtnis einer fremd bleibenden Existenz irgendwo drau\u00dfen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dann ist es wieder still. Die Nacht legt sich als ein samtener Mantel auf die Fl\u00e4chen, die Gevierte, die Rundungen und organischen Formen und auf die wenigen Widerst\u00e4nde im Raum. Namenlose, zutiefst stoffliche Widerst\u00e4nde, deren Bedeutung sich \u00e4ndern wird, wenn das Wort Besitz von dem Raum ergriffen haben wird. Ein Windzug streift ihre Oberfl\u00e4chen. H\u00f6lzern, Stumpf, metallisch gl\u00e4nzend oder poliert sind sie, papiern und textil, Landebahnen f\u00fcr die kleinen Insekten der Nacht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">#Der sanfte Wind, er f\u00e4ngt sich in der gro\u00dfen exotischen Pflanze mit den riesigen Handbl\u00e4ttern, die nahe dem Fenster weit hinein in den Raum zeigt . Sie verbindet den Raum mit der einstmals vertrauten Region dort drau\u00dfen, vermittelt, dass es sich lohnt, auch hier lebendig zu sein. Es gibt ein Fenster, und es ist einen Spalt ge\u00f6ffnet. Die Spuren der Hand, auf den Griff gestempelt, zersetzen sich, kleinste Partikel des Lebendigseins, Hautzellen, Keime, Bakterien, Am\u00f6ben und schlie\u00dflich die schon gespaltenen Atome k\u00fcnftiger Kriege gegen das Leben. Die Pflanze spricht, sie spricht die ganze Nacht hindurch mit all ihren Bl\u00e4ttern und Zweigen mit dem Wind, der den Raum bewegt und mit immer neu hinein gewehten D\u00fcften erf\u00fcllt, der die Ger\u00fcche mischt und vertreibt und wieder neue ohne erkennbare Herkunft hineintr\u00e4gt, Traumspiele, Traumverluste. Etwas streift drau\u00dfen vorbei, es ist wieder ein Wort, ein Wort der Erinnerung, ein Wort der Bewegung, ein Wort, nach dem Du immer suchen wirst. Das Wort wandert durch den Raum und sch\u00e4rft die Konturen, allm\u00e4hlich, gr\u00fcndlich. Es riecht nach frischer W\u00e4sche, er riecht nach frisch gem\u00e4htem Gras, es riecht man Holzbrand. Die Nacht \u00fcberdehnt ihre Mitte, sie atmet ein, atmet aus. Aus dem Efeu, das die Fassade seit Jahren bis nahe ans Fenster hinauf bew\u00e4chst, l\u00e4sst sich ein zaghafter Vogellaut vernehmen, ein tr\u00e4umender Vogel, der nichts wei\u00df von dem Wort im Raum und der dennoch der erste sein wird, den dieses Wort beleben wird.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"jsc_c_k3i\" class=\"ecm0bbzt hv4rvrfc e5nlhep0 dati1w0a\" data-ad-comet-preview=\"message\" data-ad-preview=\"message\">\n<div class=\"j83agx80 cbu4d94t ew0dbk1b irj2b8pg\">\n<div class=\"qzhwtbm6 knvmm38d\">\n<div dir=\"auto\">\n<h5 style=\"text-align: justify;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-53657\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/Janz-e1548394568431.jpeg\" alt=\"\" width=\"200\" height=\"150\" \/>Weiterf\u00fchrend \u2192<\/h5>\n<p style=\"text-align: justify;\">Lesen Sie auch das <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=36409\">Kollegengespr\u00e4ch<\/a>, das A.J. Weigoni mit Angelika Janz \u00fcber den Zyklus <em>fern, fern<\/em> gef\u00fchrt hat. Vertiefend ein <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=22835\">Portr\u00e4t <\/a>\u00fcber ihre interdisziplin\u00e4re T\u00e4tigkeit, sowie einen <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=29450\">Essay<\/a> der <em>Fragmenttexterin. <\/em>Ebenfalls im KUNO-Archiv: <span class=\"_247o\" spellcheck=\"false\" data-offset-key=\"5kmn0-1-0\">Jan Kuhlbrodt<\/span> mit einer <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2012\/11\/05\/asthetische-prothetik\/\">Ann\u00e4herung<\/a> an die visuellen Arbeiten von Angelika Janz. Und nicht zuletzt, Michael Gratz \u00fcber Angelika Janz\u2018<a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2012\/11\/05\/freiraum\/\"> tEXt bILd<\/a><\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; Ein Wort wandert durch den noch undefinierten Raum. 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