{"id":94026,"date":"2001-12-29T00:01:26","date_gmt":"2001-12-28T23:01:26","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=94026"},"modified":"2021-10-29T15:45:59","modified_gmt":"2021-10-29T13:45:59","slug":"schleusenwaerter","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2001\/12\/29\/schleusenwaerter\/","title":{"rendered":"Schleusenw\u00e4rter"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die aufgehende Sonne hatte die Farbe von gl\u00fchendem Stahl. Alles blieb ruhig im Hotel Alt Crange, den H\u00e4usern, den Wohnwagen. Noch. Der M\u00fcll der Cranger Kirmes blieb auf den Stra\u00dfen kleben. Der Goldrausch war vorbei. Die Menschen hatten sich in die Wohnmaschinen verkrochen, um ihren Rausch auszuschlafen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein verirrter Kolkrabe landete auf der Leiche. Flatterte. Die nackten Arme des Toten ruckten unter der Last des Vogels steif hin und her, so, als suchten sie ein Gleichgewicht. Norbert Kilian, der Schleusenw\u00e4rter, wollte p\u00fcnktlich seinen morgendlichen Dienst antreten\u2026 Er entdeckte den Leichnam, der in einer st\u00e4hlernen Stellage neben dem Schleusen\u2013Eingangstor hing. Er \u00f6ffnete den Mund und schrie. Der Rabe flatterte in Richtung Cranger Kirmes, um sich aus dem M\u00fcll einem fetten Happen raus zu picken. Kilian starrte weiterhin auf die Leiche. Konnte seine Augen nicht abwenden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Fredo, der B\u00e4ckerjunge, G\u00fcnter, der Metzgerssohn und J\u00f6rg, dem Sohn des Wirts vom Cranger Hof, kamen im Wettrennen auf ihren Kickboards den Weg zur Schleuse herauf. Fast hatte Fredo das Rennen gewonnen, da trat er mit dem Fu\u00df voll auf die Bremse. Mutlos stand Norbert Kilian oben an der Schleuse. Die Jungen blinzelten in die Sonne. Brachen in Gel\u00e4chter aus. J\u00f6rg z\u00fcckte seine Zwille und schoss mit spitzen Steinchen auf den Leichnam. Das Gel\u00e4chter verstummte. Norbert Kilian blickte die Jungen scharf an, als er den Telefonh\u00f6rer langsam an sein Ohr hob und zitternd die Nummer der Polizei w\u00e4hlte. Es dauerte eine Weile, bis er durchkam. Umgehend kam die Streife, die in der N\u00e4he war. Keuchend sprach er mit den Beamten, w\u00e4hrend die Kids mit den Kickboards zwischen den Budengassen verschwanden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<article id=\"post-93185\" class=\"post-93185 post type-post status-publish format-standard has-post-thumbnail hentry category-literatur tag-a-j-weigoni\">\n<div class=\"entry-content\">\n<p style=\"text-align: center;\">Fortsetzung folgt.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">***<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Massaker<\/strong>, ein Cranger-Cirmes-Crimi von Barbara Ester und A.J. Weigoni, Krash-Verlag 2001<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a class=\"image-anchor\" href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/08\/Massaker-206x300.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-17074\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/08\/Massaker-206x300.jpg\" alt=\"\" width=\"206\" height=\"300\" \/><\/a><strong>W<\/strong><strong>eiterf\u00fchrend \u2192<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In der Reihe Gossenhefte zeigt sich, was passiert, wenn sich literarischer Bodensatz und die Reflexionsm\u00f6glichkeiten von popul\u00e4rkulturellen Tugenden nahe genug kommen. Der Essay <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=35655\"><em>Perlen des Trash<\/em><\/a> stellt diese Reihe ausf\u00fchrlich vor. Dem Begriff\u00a0<a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2014\/11\/01\/trash-eine-einfuehrung\/\"><em>Trash<\/em><\/a> haftet der Hauch der Verruchtheit und des Nonkonformismus an. In Musik, Kunst oder Film gilt <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2014\/11\/30\/proust_and_pulp\/\"><em>Trash<\/em><\/a> als Bewegung, die im Klandestinen stattfindet und an der nur ein exklusiver Kreis nonkonformistischer Aussenseiter partizipiert. Lesen Sie auch das <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1996\/06\/09\/groschenhefte\/\"><em>Kollegengespr\u00e4ch<\/em> <\/a>von A.J. Weigoni mit dem <em>echten<\/em> Bastei L\u00fcbbe-Autor Dieter Walter.\u00a0Eine W\u00fcrdigung von <em>Massaker<\/em> durch Betty Davis lesen Sie <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2013\/08\/02\/die-atomisierende-maschinerie-der-modernen-gesellschaft\/\">hier<\/a>. Die H\u00f6rfassung unter dem Titel <a href=\"http:\/\/www.vordenker.de\/weigoni\/blutrausch.htm\"><em>Blutrausch<\/em><\/a> h\u00f6ren Sie in der Reihe <em>MetaPhon<\/em>. Als Tag f\u00fcr die Vorstellung dieses Cranger-Cirmes-Crimis war der <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2001\/09\/11\/9-11\/\">11. September 2001<\/a> vorgesehen.<\/p>\n<\/div>\n<\/article>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; Die aufgehende Sonne hatte die Farbe von gl\u00fchendem Stahl. Alles blieb ruhig im Hotel Alt Crange, den H\u00e4usern, den Wohnwagen. Noch. Der M\u00fcll der Cranger Kirmes blieb auf den Stra\u00dfen kleben. Der Goldrausch war vorbei. 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