{"id":94022,"date":"2001-12-28T00:01:21","date_gmt":"2001-12-27T23:01:21","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=94022"},"modified":"2021-10-29T15:41:57","modified_gmt":"2021-10-29T13:41:57","slug":"gefuehlsentleerte-welt","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2001\/12\/28\/gefuehlsentleerte-welt\/","title":{"rendered":"Gef\u00fchlsentleerte Welt"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">W\u00e4hrend alle zum Himmel sahen, starrte er auf die Erde. Bronischewskis Laune war ins Bodenlose gesunken. Er hatte vielen Frauen in den Ausschnitt gestarrt, um den Fitzel eines roten BH&#8217;s zu sehen. Die Hitze hatte ihn zehn lange Tage lang weich gekloppt, seine Uniform durchweicht und ihm den Rest gegeben. Der erfahrene Polyp schien nicht mehr in der Lage, die Zusammenh\u00e4nge zu erkennen. Glaubte, sich auf die falsche Spur gesetzt zu haben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00bbEher auf eine kalte Spur!\u00ab, fluchte er zornig vor sich hin, wissend, dass es f\u00fcr Morde keinen Grund gibt, weder im Kino, noch im Leben. Sah sie vor seinem geistigen Auge in den roten Miederwaren vor sich stehen. Sch\u00f6n und unverwundbar. \u00dcberlegen und kratzb\u00fcrstig. Die Kirmes neigte sich ihm entgegen, wie ein alter komat\u00f6ser Freund, der von einer lebenserhaltenden Maschine gezwungen wird, weiterzuatmen, weiterzuatmen und immer wieder weiterzuatmen\u2026<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Jacqueline beobachtete den \u00e4lteren Souver\u00e4n. Ahmte seinen schwerf\u00e4lligen Schritt nach. Sich an einen Menschen heran zu schleichen bedeutete, das Opfer bis auf das Skelett zu studieren. Verst\u00e4ndnis setzte Reife voraus. Jacqueline besa\u00df nur die Reife des T\u00f6tens. In einer gef\u00fchlsentleerten Welt, in der es allein um Fassaden und Objekte ging, konnte sie sich nur durch einen ultimativen Akt wie das T\u00f6ten heraussprengen. Ihr blieb nur mehr eine Chance, in einer aus den Fugen geratenen Welt einen Rest W\u00fcrde zu bewahren: Sie machte sie zu Kleinholz und legte eine Blutspur entlang des Kanals.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00bbHey, Bulle!\u00ab, fl\u00fcsterte sie in das Sprechfunkger\u00e4t. Bronischewski blieb elektrisiert stehen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00bbZwo\u2013sieben, hier!\u00ab, kam die Antwort. Er drehte sich beh\u00e4big um seine Achse.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00bbMach&#8216; ne Fahndung!\u00ab<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Jacqueline stand hinter einer S\u00e4ule mit rhythmisch aufleuchteten Gl\u00fchlampen. Sie wollte ihr Ding durchziehen. Viel Spielraum blieb nicht. \u201eUnd jetzt kommt die alte Zirkusnummer von Wissen und Erkennen.\u201c, dachte sie am\u00fcsiert und trat aus dem Schatten der S\u00e4ule hervor.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00bbFang&#8216; mich\u00ab, lockte Jackie. \u00dcber eine Entfernung von zwanzig Metern sah sie ihm in die Augen. Ihr war klar, dass sich diese Entfernung verringern w\u00fcrde\u2026<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<article id=\"post-93185\" class=\"post-93185 post type-post status-publish format-standard has-post-thumbnail hentry category-literatur tag-a-j-weigoni\">\n<div class=\"entry-content\">\n<p style=\"text-align: center;\">Fortsetzung folgt.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">***<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Massaker<\/strong>, ein Cranger-Cirmes-Crimi von Barbara Ester und A.J. Weigoni, Krash-Verlag 2001<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a class=\"image-anchor\" href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/08\/Massaker-206x300.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-17074\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/08\/Massaker-206x300.jpg\" alt=\"\" width=\"206\" height=\"300\" \/><\/a><strong>W<\/strong><strong>eiterf\u00fchrend \u2192<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In der Reihe Gossenhefte zeigt sich, was passiert, wenn sich literarischer Bodensatz und die Reflexionsm\u00f6glichkeiten von popul\u00e4rkulturellen Tugenden nahe genug kommen. Der Essay <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=35655\"><em>Perlen des Trash<\/em><\/a> stellt diese Reihe ausf\u00fchrlich vor. Dem Begriff\u00a0<a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2014\/11\/01\/trash-eine-einfuehrung\/\"><em>Trash<\/em><\/a> haftet der Hauch der Verruchtheit und des Nonkonformismus an. In Musik, Kunst oder Film gilt <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2014\/11\/30\/proust_and_pulp\/\"><em>Trash<\/em><\/a> als Bewegung, die im Klandestinen stattfindet und an der nur ein exklusiver Kreis nonkonformistischer Aussenseiter partizipiert. Lesen Sie auch das <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1996\/06\/09\/groschenhefte\/\"><em>Kollegengespr\u00e4ch<\/em> <\/a>von A.J. Weigoni mit dem <em>echten<\/em> Bastei L\u00fcbbe-Autor Dieter Walter.\u00a0Eine W\u00fcrdigung von <em>Massaker<\/em> durch Betty Davis lesen Sie <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2013\/08\/02\/die-atomisierende-maschinerie-der-modernen-gesellschaft\/\">hier<\/a>. Die H\u00f6rfassung unter dem Titel <a href=\"http:\/\/www.vordenker.de\/weigoni\/blutrausch.htm\"><em>Blutrausch<\/em><\/a> h\u00f6ren Sie in der Reihe <em>MetaPhon<\/em>. Als Tag f\u00fcr die Vorstellung dieses Cranger-Cirmes-Crimis war der <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2001\/09\/11\/9-11\/\">11. September 2001<\/a> vorgesehen.<\/p>\n<\/div>\n<\/article>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; W\u00e4hrend alle zum Himmel sahen, starrte er auf die Erde. Bronischewskis Laune war ins Bodenlose gesunken. Er hatte vielen Frauen in den Ausschnitt gestarrt, um den Fitzel eines roten BH&#8217;s zu sehen. 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