{"id":94004,"date":"2001-12-20T00:01:56","date_gmt":"2001-12-19T23:01:56","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=94004"},"modified":"2021-10-29T15:26:24","modified_gmt":"2021-10-29T13:26:24","slug":"zeche-unser-fritz","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2001\/12\/20\/zeche-unser-fritz\/","title":{"rendered":"Zeche Unser Fritz"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mae konnte von ihrem Platz das Treiben der Menschen beobachten. Sie sah die balzenden P\u00e4rchen am Kanalufer, dachte wehm\u00fctig an ihren Josef. H\u00f6rte das Seufzen, das St\u00f6hnen, ein Wasserglucksen, ein Rauschen. Die Schleusentore wurden ge\u00f6ffnet. Ein Schipper fuhr mit lautem Dieselmotorknattern in die Schleuse ein. Man\u00f6vrierte den Kahn routiniert in den Schacht. Mae sah ein junges P\u00e4rchen hinter den Kirmesbuden herlaufen. Sie schnappte unverst\u00e4ndliche S\u00e4tze auf. Erkannte die beiden jungen Menschen wieder. Wollte ihnen zuwinken. Erkannte, dass sie sich von der Sonderwache kannten. Nun waren sie frei. \u201eSind sie frei?\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00bbKlar, voll der Checker\u00ab, rief er ausgelassen und glaubte sich endlich am Ziel der Sehns\u00fcchte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00bbWas sagt die Peilung?\u00ab Seine Begleiterin war um Spr\u00fcche auch nicht verlegen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00bbNord bei Nordwest.\u00ab<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00bbH\u00f6rt sich doch gut an!\u00ab Das Lachen des jungen Mannes schallte zu ihr hin\u00fcber. Vielleicht wurde es der jungen Frau jetzt doch zu bunt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00bbKomm auf Kussn\u00e4he ran oder verpiss dich!\u00ab, forderte sie.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00bbGut dann\u00ab, gab er kleinlaut nach. Beugte sich zu ihr her\u00fcber und versuchte, die Zunge im Flug zu treffen. Mae h\u00f6rte, wie die Schleusentore sich schlossen, das Schiff in sein Inneres aufnahm und sich die unterschiedlichen Pegel ausglichen, als die beiden sich wild k\u00fcssten, sich fast verschlangen. Sie f\u00fchlte sich nicht als Voyeurin, sondern wie jemand, der bei einer Vorstellung zusehen darf.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00bbZeche Unser Fritz. Abw\u00e4rts\u2026 Going down\u2026 down to the Ground. Unter die Grasnarbe. Unter den Meeresspiegel. 1000 Meter unter die Erde! Wer in die Seele des Kumpels blicken will, muss nach Crange hinabsteigen, in die gottverlassene C\u2013Moll\u2013D\u00fcsternis. Labyrinthische G\u00e4nge in das Innere der Mine. Verzweigtes System durch den Fl\u00f6z. Wenn die St\u00fctzpfosten wegbrechen, bist du tot. Lebendig begraben\u00ab, h\u00f6rte sie den jungen Mann im singenden Ton sagen. F\u00fcr&#8217;s Melodram hatten sie etwas \u00fcbrig. \u00dcber ihnen segelten Wolken nach Osten. Langsam kam frischer Wind auf, um die Hitze zu vertreiben.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<article id=\"post-93185\" class=\"post-93185 post type-post status-publish format-standard has-post-thumbnail hentry category-literatur tag-a-j-weigoni\">\n<div class=\"entry-content\">\n<p style=\"text-align: center;\">Fortsetzung folgt.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">***<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Massaker<\/strong>, ein Cranger-Cirmes-Crimi von Barbara Ester und A.J. Weigoni, Krash-Verlag 2001<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a class=\"image-anchor\" href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/08\/Massaker-206x300.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-17074\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/08\/Massaker-206x300.jpg\" alt=\"\" width=\"206\" height=\"300\" \/><\/a><strong>W<\/strong><strong>eiterf\u00fchrend \u2192<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In der Reihe Gossenhefte zeigt sich, was passiert, wenn sich literarischer Bodensatz und die Reflexionsm\u00f6glichkeiten von popul\u00e4rkulturellen Tugenden nahe genug kommen. Der Essay <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=35655\"><em>Perlen des Trash<\/em><\/a> stellt diese Reihe ausf\u00fchrlich vor. Dem Begriff\u00a0<a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2014\/11\/01\/trash-eine-einfuehrung\/\"><em>Trash<\/em><\/a> haftet der Hauch der Verruchtheit und des Nonkonformismus an. In Musik, Kunst oder Film gilt <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2014\/11\/30\/proust_and_pulp\/\"><em>Trash<\/em><\/a> als Bewegung, die im Klandestinen stattfindet und an der nur ein exklusiver Kreis nonkonformistischer Aussenseiter partizipiert. Lesen Sie auch das <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1996\/06\/09\/groschenhefte\/\"><em>Kollegengespr\u00e4ch<\/em> <\/a>von A.J. Weigoni mit dem <em>echten<\/em> Bastei L\u00fcbbe-Autor Dieter Walter.\u00a0Eine W\u00fcrdigung von <em>Massaker<\/em> durch Betty Davis lesen Sie <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2013\/08\/02\/die-atomisierende-maschinerie-der-modernen-gesellschaft\/\">hier<\/a>. Die H\u00f6rfassung unter dem Titel <a href=\"http:\/\/www.vordenker.de\/weigoni\/blutrausch.htm\"><em>Blutrausch<\/em><\/a> h\u00f6ren Sie in der Reihe <em>MetaPhon<\/em>. Als Tag f\u00fcr die Vorstellung dieses Cranger-Cirmes-Crimis war der <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2001\/09\/11\/9-11\/\">11. September 2001<\/a> vorgesehen.<\/p>\n<\/div>\n<\/article>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; Mae konnte von ihrem Platz das Treiben der Menschen beobachten. Sie sah die balzenden P\u00e4rchen am Kanalufer, dachte wehm\u00fctig an ihren Josef. H\u00f6rte das Seufzen, das St\u00f6hnen, ein Wasserglucksen, ein Rauschen. Die Schleusentore wurden ge\u00f6ffnet. 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