{"id":93964,"date":"2001-12-06T00:01:56","date_gmt":"2001-12-05T23:01:56","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=93964"},"modified":"2021-10-29T14:55:57","modified_gmt":"2021-10-29T12:55:57","slug":"klaustrophobischer-subjektivismus","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2001\/12\/06\/klaustrophobischer-subjektivismus\/","title":{"rendered":"Klaustrophobischer Subjektivismus"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ansgar schwieg. Er hatte sich s\u00e4mtlicher Beweise entledigt. Das Andere lag in einem geheimen Depot, vergessen und vergraben am Kanal. Sie w\u00fcrden tagelang danach suchen m\u00fcssen. Tilkowski sah Bronischewski an. Glaubte, dass sich sein Gesicht eine Spur ins Rot nachgedunkelt hatte. Er musste Luft ablassen:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00bbDie beiden G\u00f6ren hier\u2026 vom flotten Dreier auf dem Cranger Friedhof.\u00ab<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Tilkowski zuckte zusammen, als der Punk hysterisch wurde. Ansgar begann zu weinen und schlug die H\u00e4nde vor das Gesicht. Seine Tr\u00e4nen verschmierten sich mit dem Aufdruck: \u201eIch trinke, rauche Shit, lese Pornos und bin st\u00e4ndig geil\u201c. Shari nahm ihn in den Arm und streichelte \u00fcber seinen Nacken. In diesem Moment wurde ihr klar, wie verknallt sie in ihn war.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00bbSagen sie uns, was passiert ist, dann lassen wir sie gehen\u2026\u00ab, versuchte er m\u00e4ssigend einzuwirken. Der klaustrophobische Subjektivismus dieser Generation \u00f6dete ihn an. Seiner Ansicht nach brauchten diese Typen keinen Psychologen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00bbUm eine Anzeige wegen Friedhofsch\u00e4ndung werden sie allerdings nicht herumkommen!\u00ab<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bronischewski entspannte sich allm\u00e4hlich. Tilkowski glaubte ihm. Sein Blutdruck stabilisierte sich. Der Pulsschlag ging runter. Dieses h\u00fcbsche P\u00e4rchen w\u00fcrde seine Geschichte best\u00e4tigen. Er nahm sich ein Glas lauwarmes Mineralwasser und trank es in langsamen Schlucken. Die Hitze war m\u00f6rderisch.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00bbWir haben sie beim Sport\u2013Palast getroffen!\u00ab Ansgar wischte sich den Schwei\u00df mit seinem Shirt von der Stirn.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00bbWen?\u00ab, erkundigte sich Tilkowski sachlich. Der Sport\u2013Palast stand in der N\u00e4he des Caf\u00e9s, wo die Kellnerin aufgefunden wurde. Er nickte seinem alten Kumpel zu. Sie waren bei solchen Befragungen ein eingespieltes Team. Bronischewski spielte den Haudrauf und er kam als netter Onkel hinter dem Vorhang hervor.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00bbSie hatte dort gek\u00e4mpft. Den Boxer richtig w\u00fctend gemacht. Er hat sie beinahe k.o. geschlagen\u00ab, schilderte Ansgar den Sachverhalt. Bronischewski schluckte, er hatte einen Anhaltspunkt, stellte den Pappbecher weg und grinste. \u201eSie muss noch auf der Kirmes sein!\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00bbWas hat sie an?\u00ab, setzte Tilkowski nach.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00bbEin Hippiekleid mit Blumen drauf\u2026 und &#8217;ne Lederjacke, obwohl es so hei\u00df ist.\u00ab<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bronischewski schwieg. Er wollte jetzt alles h\u00f6ren. Ansgar schluckte, das war alles, was er wusste, die Polypen nervten ihn.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00bbMenschen sollten f\u00fcr Verbrechen verurteilt werden, nicht f\u00fcr die \u00c4ngste der Gesellschaft!\u00ab<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00bbWillst wohl witzig sein, oder wat?\u00ab Bronischewski packte Ansgar bei den Schultern. Der Kopf seiner Freundin sank ihm in den Schoss. Der Polyp dr\u00fcckte fester auf das Schl\u00fcsselbein als er wollte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00bbHerrgott! Lassen Sie mich los! Sie trug rote Unterw\u00e4sche!\u00ab Ansgar schloss die Augen. Wickelte die Arme um seinen d\u00fcrren Oberk\u00f6rper. Shari klappte die Lider hoch und blinkerte den Beamten unschuldig an.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<article id=\"post-93185\" class=\"post-93185 post type-post status-publish format-standard has-post-thumbnail hentry category-literatur tag-a-j-weigoni\">\n<div class=\"entry-content\">\n<p style=\"text-align: center;\">Fortsetzung folgt.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">***<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Massaker<\/strong>, ein Cranger-Cirmes-Crimi von Barbara Ester und A.J. Weigoni, Krash-Verlag 2001<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a class=\"image-anchor\" href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/08\/Massaker-206x300.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-17074\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/08\/Massaker-206x300.jpg\" alt=\"\" width=\"206\" height=\"300\" \/><\/a><strong>W<\/strong><strong>eiterf\u00fchrend \u2192<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In der Reihe Gossenhefte zeigt sich, was passiert, wenn sich literarischer Bodensatz und die Reflexionsm\u00f6glichkeiten von popul\u00e4rkulturellen Tugenden nahe genug kommen. Der Essay <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=35655\"><em>Perlen des Trash<\/em><\/a> stellt diese Reihe ausf\u00fchrlich vor. Dem Begriff\u00a0<a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2014\/11\/01\/trash-eine-einfuehrung\/\"><em>Trash<\/em><\/a> haftet der Hauch der Verruchtheit und des Nonkonformismus an. In Musik, Kunst oder Film gilt <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2014\/11\/30\/proust_and_pulp\/\"><em>Trash<\/em><\/a> als Bewegung, die im Klandestinen stattfindet und an der nur ein exklusiver Kreis nonkonformistischer Aussenseiter partizipiert. Lesen Sie auch das <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1996\/06\/09\/groschenhefte\/\"><em>Kollegengespr\u00e4ch<\/em> <\/a>von A.J. Weigoni mit dem <em>echten<\/em> Bastei L\u00fcbbe-Autor Dieter Walter.\u00a0Eine W\u00fcrdigung von <em>Massaker<\/em> durch Betty Davis lesen Sie <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2013\/08\/02\/die-atomisierende-maschinerie-der-modernen-gesellschaft\/\">hier<\/a>. Die H\u00f6rfassung unter dem Titel <a href=\"http:\/\/www.vordenker.de\/weigoni\/blutrausch.htm\"><em>Blutrausch<\/em><\/a> h\u00f6ren Sie in der Reihe <em>MetaPhon<\/em>. Als Tag f\u00fcr die Vorstellung dieses Cranger-Cirmes-Crimis war der <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2001\/09\/11\/9-11\/\">11. September 2001<\/a> vorgesehen.<\/p>\n<\/div>\n<\/article>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; Ansgar schwieg. Er hatte sich s\u00e4mtlicher Beweise entledigt. Das Andere lag in einem geheimen Depot, vergessen und vergraben am Kanal. Sie w\u00fcrden tagelang danach suchen m\u00fcssen. Tilkowski sah Bronischewski an. 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