{"id":93957,"date":"2001-12-04T00:01:30","date_gmt":"2001-12-03T23:01:30","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=93957"},"modified":"2021-10-29T14:48:27","modified_gmt":"2021-10-29T12:48:27","slug":"reality-check","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2001\/12\/04\/reality-check\/","title":{"rendered":"Reality\u2013Check"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ansgar und Shari waren schlagartig n\u00fcchtern. Nicht der Kaffee aus der Sonderwache brachte sie von ihrem Trip runter. Ihr neues Selbst entstand durch permanenten Reality\u2013Check. Immerfort meldeten die Sinnesorgane, in welchem Zustand sich ihre K\u00f6rper und dessen Umgebung befanden. Ihr Bewusstsein war prim\u00e4r die F\u00e4higkeit, Wissen aus der Perspektive des eigenen K\u00f6rpers zusammenzutragen, auszuw\u00e4hlen und zu \u00fcberblicken. Sie sahen konzentriert zu Boden, klammerten sich sch\u00fcchtern um den Plastikbecher, pusteten in die Br\u00fche. Mae versuchte, es sich auf einem der St\u00fchle bequem zu machen, rutschte auf dem Sitz hin und her, spitzte die Lippen, \u00fcbte sich vorl\u00e4ufig in Geduld. Martin Tilkowski lie\u00df Ansgars und Sharis Sachen von einem Beamten durchsuchen. Der ehrgeizige Galonska stand desinteressiert in einer Ecke und r\u00fcmpfte ver\u00e4chtlich die Nase. \u201eKleine Fische!\u201c, schoss es ihm ver\u00e4chtlich durch den Kopf.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00bbBedanke mich!\u00ab, teilte Tilkowski Galonska mit, nickte und veranlasste ihn so, das Zimmer zu verlassen. Der junge Polyp ging mit schlurfendem Schritt. Tilkowski sah ihm hinterher und wusste, er w\u00fcrde sich auch das merken, w\u00fcrde diesem karrieregeilen Jungspund den Arsch bis zur Halskrause aufrei\u00dfen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00bbNichts gefunden!\u00ab, knurrte der Beamte, der sie gr\u00fcndlich durchsucht hatte, entt\u00e4uscht. verlie\u00df das B\u00fcro. Tilkowski schneuzte sich, war immer noch \u00fcber Ludwigs Alleingang ver\u00e4rgert, lie\u00df sich das nicht anmerken. Bronischewskis Gesicht war hochrot. Zores lag in der stickigen Luft. Er musste etwas f\u00fcr das Klima tun.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00bbFrau Ahlheit\u2026\u00ab, erkundigte sich Tilkowski \u00fcberaus freundlich bei Mae, \u00bbwas kann ich f\u00fcr Sie tun?\u00ab<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sie hatte ihren Nachnamen schon lange nicht mehr geh\u00f6rt. F\u00fcr die anderen war sie immer nur Mae gewesen. Die alte Frau brachte ein kleines L\u00e4cheln zustande. Sie kannte den Einsatzleiter noch als kleinen Jungen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00bbHerr Kommissar, ich m\u00f6chte eine Anzeige machen\u2026\u00ab Tilkowski horchte, dankbar f\u00fcr die Unterbrechung, auf, \u00bbmein Hund wurde am ersten Tag der Kirmes get\u00f6tet. Er muss erstochen worden sein. Ich frage sie: welcher Mensch tut so etwas?\u00ab<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00bbWo befindet sich denn das tote Tier?\u00ab<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00bbHab&#8216; Josi am Kanal beerdigt\u2026 war &#8217;n Geschenk meines Mannes\u2026 letzte Erinnerung an ihn\u2026\u00ab Mae kamen die Tr\u00e4nen, sie zupfte ein Stofftaschentuch aus dem \u00c4rmel und tupfte die Tr\u00e4nen aus den Augenh\u00f6hlen, \u00bbkonnte ihn nicht an &#8217;ne Abdeckerei weitergeben, damit\u2026 als Seife\u2026 Ich\u2026 \u00bb Fasste sich. Schluchzte. Streckte den R\u00fccken. Wollte nicht l\u00e4cherlich erscheinen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Tilkowski sah Bronischewski an. Der zuckte mit den Schultern und dr\u00fcckte seinem Kumpel damit seine Unwissenheit aus.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00bbIhr toter Josi w\u00e4re bestimmt nicht einer Abdeckerei \u00fcberf\u00fchrt worden!\u00ab, beruhigte Tilkowski die alte Dame mit sanfter Stimme. Laut Gesetz waren Hundehalter lediglich verpflichtet, sich bei einer Beh\u00f6rde zu melden. Tilkowskis Blick wanderte r\u00fcber zu dem P\u00e4rchen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00bbHaben diese beiden etwas damit zu tun?\u00ab, erkundigte sich Tilkowski bei Mae und sah dabei in Bronischewskis Augen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00bbNein!\u00ab, antwortete Mae bestimmt. Bronischewski stimmte zu und sch\u00fcttelte unmerklich mit dem Kopf.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00bbFrau Ahlheit, sie m\u00fcssen einem Kollegen die Stelle zeigen, wo sie den Hund begraben haben. Es darf zu keiner Grundwasserverschmutzung kommen. Dann wird ihr Josi ausgegraben. Ein Beamter wird ihnen helfen, die Adresse eines Tierfriedhofes ausfindig zu machen.\u00ab<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<article id=\"post-93185\" class=\"post-93185 post type-post status-publish format-standard has-post-thumbnail hentry category-literatur tag-a-j-weigoni\">\n<div class=\"entry-content\">\n<p style=\"text-align: center;\">Fortsetzung folgt.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">***<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Massaker<\/strong>, ein Cranger-Cirmes-Crimi von Barbara Ester und A.J. Weigoni, Krash-Verlag 2001<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a class=\"image-anchor\" href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/08\/Massaker-206x300.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-17074\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/08\/Massaker-206x300.jpg\" alt=\"\" width=\"206\" height=\"300\" \/><\/a><strong>W<\/strong><strong>eiterf\u00fchrend \u2192<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In der Reihe Gossenhefte zeigt sich, was passiert, wenn sich literarischer Bodensatz und die Reflexionsm\u00f6glichkeiten von popul\u00e4rkulturellen Tugenden nahe genug kommen. Der Essay <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=35655\"><em>Perlen des Trash<\/em><\/a> stellt diese Reihe ausf\u00fchrlich vor. Dem Begriff\u00a0<a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2014\/11\/01\/trash-eine-einfuehrung\/\"><em>Trash<\/em><\/a> haftet der Hauch der Verruchtheit und des Nonkonformismus an. In Musik, Kunst oder Film gilt <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2014\/11\/30\/proust_and_pulp\/\"><em>Trash<\/em><\/a> als Bewegung, die im Klandestinen stattfindet und an der nur ein exklusiver Kreis nonkonformistischer Aussenseiter partizipiert. Lesen Sie auch das <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1996\/06\/09\/groschenhefte\/\"><em>Kollegengespr\u00e4ch<\/em> <\/a>von A.J. Weigoni mit dem <em>echten<\/em> Bastei L\u00fcbbe-Autor Dieter Walter.\u00a0Eine W\u00fcrdigung von <em>Massaker<\/em> durch Betty Davis lesen Sie <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2013\/08\/02\/die-atomisierende-maschinerie-der-modernen-gesellschaft\/\">hier<\/a>. Die H\u00f6rfassung unter dem Titel <a href=\"http:\/\/www.vordenker.de\/weigoni\/blutrausch.htm\"><em>Blutrausch<\/em><\/a> h\u00f6ren Sie in der Reihe <em>MetaPhon<\/em>. Als Tag f\u00fcr die Vorstellung dieses Cranger-Cirmes-Crimis war der <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2001\/09\/11\/9-11\/\">11. September 2001<\/a> vorgesehen.<\/p>\n<\/div>\n<\/article>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; Ansgar und Shari waren schlagartig n\u00fcchtern. Nicht der Kaffee aus der Sonderwache brachte sie von ihrem Trip runter. Ihr neues Selbst entstand durch permanenten Reality\u2013Check. Immerfort meldeten die Sinnesorgane, in welchem Zustand sich ihre K\u00f6rper und dessen Umgebung befanden.&hellip;<\/p>\n<p class=\"more-link-p\"><a class=\"more-link\" href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2001\/12\/04\/reality-check\/\">Read more &rarr;<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":14,"featured_media":17074,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[628,3149],"class_list":["post-93957","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-literatur","tag-a-j-weigoni","tag-massaker"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/93957","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/14"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=93957"}],"version-history":[{"count":0,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/93957\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=93957"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=93957"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=93957"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}