{"id":93949,"date":"2001-12-01T00:01:39","date_gmt":"2001-11-30T23:01:39","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=93949"},"modified":"2021-10-29T14:42:16","modified_gmt":"2021-10-29T12:42:16","slug":"verblasste-tattoos","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2001\/12\/01\/verblasste-tattoos\/","title":{"rendered":"Verblasste Tattoos"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00bbBrauchen Sie Hilfe?\u00ab Bronischewski sah in die verw\u00e4sserten Augen eines Mannes, der die Sechzig \u00fcberschritten hatte. Verblasste Tattoos erz\u00e4hlten Geschichten von fernen L\u00e4ndern. Ein alter Seeb\u00e4r, der schon in gef\u00e4hrlicheren Gew\u00e4ssern gestrandet war. Kurz bevor die Glut der filterlosen Zigarette seine Lippen erreichte, spuckte er die L\u00f6te aus und zermalmte sie unter seinem Absatz.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00bbWar fr\u00fcher bei der Fremdenlegion\u2026\u00ab, er blickte \u00fcber die Schulter auf die Leiche. \u00bbbisschen viel Blut f\u00fcr eine Kirmes, woll?\u00ab<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00bbWas haben Sie gesehen?\u00ab, mischte sich Galonska in die Ermittlung ein.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00bbErst ging Elsa hinein, und dann kam eine Frau heraus. Gebl\u00fcmtes Sommerkleid, wie das jetzt alle tragen. Eine von denen, die man schlecht sch\u00e4tzen kann\u2026\u00ab Der Legion\u00e4r verschr\u00e4nkte die Arme und strich mit dem Daumen \u00fcber das Kinn. An den Falten seiner Stirn war zu sehen, wie er nachdachte und zu keiner L\u00f6sung kam.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bronischewski lie\u00df sich eine Rolle Absperrband reichen, mit dem Elektroinstallateure einen Kabelschacht abgesichert hatten. Bis die Kollegen auftauchten, sperrte Bronischewski mit Hilfe des Legion\u00e4rs die Damentoilette ab. Galonska suchte den Tatort vor der T\u00fcr gewissenhaft nach Spuren ab.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die beiden Punks waren reif f\u00fcr eine Vernehmung. Bronischewski war klar, dass Wut kein guter Berater war. Er glaubte, die T\u00fcrklinke, und damit die Situation wieder im Griff zu haben, beobachtete Mae, die Abstand und Haltung wahrte. \u201eSerienm\u00f6rder sind erfolgreiche Killer, die aus ihren Erkenntnissen lernen\u201c, war eine alte kriminalistische Erkenntnis, die ihm in diesem Moment wenig nutzte. Wo waren seine Beweise f\u00fcr den Verdacht?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zorn wuchs Ludwig Bronischewski aus den Ohren, aus dem Mund, aus den Augen. Blut pochte in seinen Ohren, Schwei\u00df sammelte sich auf der Oberlippe, die Hitze verursachte ein Flirren vor seinen Augen. Er bekam wackelige Knie, atmete mehrere Male tief durch und dann erweckte er abermals den Eindruck, eigentlich alles im Griff zu haben. G\u00e4hnte f\u00fcr einen Moment wie ein Raubtier vor dem Sprung. Musste sich zusammenrei\u00dfen. Hatte Panik, dass er an falscher Stelle herausplatzte. Musste die M\u00f6glichkeit in Betracht ziehen, dass die Punks im Verh\u00f6r dicht machen w\u00fcrden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mae sah ihm ins Gesicht, als ein Dienstwagen auf sie zukam. Interessiert blieben die Menschen stehen. Zwei junge Polizisten zogen aus der Hintert\u00fcr die eiserne Minna. Vom Beifahrersitz aus stieg der Polizeifotograf herab. Ein weiterer Dienstwagen folgte, der dicht vor ihnen zum Stehen kam. In diesem Moment meldete sich Tilkowski auf dem Sprechfunkger\u00e4t.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00bbSicher alles ab, Bronischewski.\u00ab<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00bbSchon geschehen!\u00ab Bronischewskis Stimme klang unbeherrschter als beabsichtigt. Tilkowski hatte es nicht bemerkt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00bbSetz dich in den Wagen und komm r\u00fcber\u00ab, kam es von Tilkowski fast im Plauderton. Bronischewski wischte sich unter seiner Dienstm\u00fctze den Schwei\u00df ab. War verwundert dar\u00fcber, wie Galonska das Kunstst\u00fcck fertig gebracht hatte, die Punks festzusetzen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<article id=\"post-93185\" class=\"post-93185 post type-post status-publish format-standard has-post-thumbnail hentry category-literatur tag-a-j-weigoni\">\n<div class=\"entry-content\">\n<p style=\"text-align: center;\">Fortsetzung folgt.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">***<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Massaker<\/strong>, ein Cranger-Cirmes-Crimi von Barbara Ester und A.J. Weigoni, Krash-Verlag 2001<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a class=\"image-anchor\" href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/08\/Massaker-206x300.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-17074\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/08\/Massaker-206x300.jpg\" alt=\"\" width=\"206\" height=\"300\" \/><\/a><strong>W<\/strong><strong>eiterf\u00fchrend \u2192<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In der Reihe Gossenhefte zeigt sich, was passiert, wenn sich literarischer Bodensatz und die Reflexionsm\u00f6glichkeiten von popul\u00e4rkulturellen Tugenden nahe genug kommen. Der Essay <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=35655\"><em>Perlen des Trash<\/em><\/a> stellt diese Reihe ausf\u00fchrlich vor. Dem Begriff\u00a0<a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2014\/11\/01\/trash-eine-einfuehrung\/\"><em>Trash<\/em><\/a> haftet der Hauch der Verruchtheit und des Nonkonformismus an. In Musik, Kunst oder Film gilt <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2014\/11\/30\/proust_and_pulp\/\"><em>Trash<\/em><\/a> als Bewegung, die im Klandestinen stattfindet und an der nur ein exklusiver Kreis nonkonformistischer Aussenseiter partizipiert. Lesen Sie auch das <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1996\/06\/09\/groschenhefte\/\"><em>Kollegengespr\u00e4ch<\/em> <\/a>von A.J. Weigoni mit dem <em>echten<\/em> Bastei L\u00fcbbe-Autor Dieter Walter.\u00a0Eine W\u00fcrdigung von <em>Massaker<\/em> durch Betty Davis lesen Sie <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2013\/08\/02\/die-atomisierende-maschinerie-der-modernen-gesellschaft\/\">hier<\/a>. Die H\u00f6rfassung unter dem Titel <a href=\"http:\/\/www.vordenker.de\/weigoni\/blutrausch.htm\"><em>Blutrausch<\/em><\/a> h\u00f6ren Sie in der Reihe <em>MetaPhon<\/em>. Als Tag f\u00fcr die Vorstellung dieses Cranger-Cirmes-Crimis war der <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2001\/09\/11\/9-11\/\">11. September 2001<\/a> vorgesehen.<\/p>\n<\/div>\n<\/article>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; \u00bbBrauchen Sie Hilfe?\u00ab Bronischewski sah in die verw\u00e4sserten Augen eines Mannes, der die Sechzig \u00fcberschritten hatte. Verblasste Tattoos erz\u00e4hlten Geschichten von fernen L\u00e4ndern. Ein alter Seeb\u00e4r, der schon in gef\u00e4hrlicheren Gew\u00e4ssern gestrandet war. 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