{"id":93945,"date":"2001-11-29T00:01:49","date_gmt":"2001-11-28T23:01:49","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=93945"},"modified":"2021-10-29T14:37:32","modified_gmt":"2021-10-29T12:37:32","slug":"postpunk","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2001\/11\/29\/postpunk\/","title":{"rendered":"Postpunk"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00bbFuck it anyway, wie oft soll ich noch sagen: Ich wei\u00df nicht, wo diese Votze steckt!\u00ab, schrie der Typ mit dem Aufdruck: \u201eIch trinke, rauche Shit, lese Pornos und bin st\u00e4ndig geil\u201c auf dem Shirt. Hauptsache controversial. Er wand sich, wollte sich losrei\u00dfen. Mae sah, dass sein Blick gehetzt war. Unbewusst kam ihr der Gedanke: \u201eDas k\u00f6nnte mein Enkelsohn sein. Vielleicht ist es doch besser, keine Kinder zu haben. Sie machen nur \u00c4rger und rei\u00dfen einem das letzte Mitgef\u00fchl aus dem Leib.\u201c Der Polizeibeamte drehte den Arm noch ein wenig nach oben. Schwei\u00df lief in Tropfen \u00fcber sein Gesicht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die junge Frau neben ihm schien Welten und Zeiten von ihm entfernt zu sein, wahrscheinlich in einem Paralleluniversum. Machte keine Anstalten, fort laufen zu wollen. Betrachtete die Szenerie wie einen Film. Sah den beiden M\u00e4nnern bei ihrem Ringkampf zu. Mae betrachtete irritiert die schmalen H\u00e4nde der jungen Frau: Lange, schwarzlackierte Fingern\u00e4gel. Ihr Blick wanderte an der rechten Hand hoch. Nat\u00fcrlich kein Ehering. Ein Teil in ihr am\u00fcsierte sich \u00fcber sich selbst. Heute zeugte man erst die Kinder und heiratet dann, wenn das Steuergesetz den bestm\u00f6glichen Zeitpunkt f\u00fcr eine vorteilhafte Steuererkl\u00e4rung vorschrieb. Um diese Combo hatten sich bereits Schaulustige gestellt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00bbGehen Sie doch bitte weiter. Hier passiert \u00fcberhaupt nichts Spektakul\u00e4res!\u00ab, forderte Dirk Galonska ungehalten die Neugierigen auf und machte das Publikum damit erst recht auf diese Szene aufmerksam.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00bbHerr Wachmann!\u00ab Mae tippte Bronischewski behutsam auf die Schulter. Der zuckte zur\u00fcck. So hatte ihn schon lange niemand mehr angesprochen. Er sah Mae erstaunt an und lockerte den Griff. Ansgar wollte sich entwinden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00bbB\u00fcrschchen, du bleibst h\u00fcbsch an meiner Seite\u00ab, keifte Bronischewski. Lie\u00df die Handschellen klicken. Wollte den Postpunk auf der Sonderwache pr\u00e4sentieren. Dieser Bursche sollte ihn zu der anderen Frau bringen. Er winkte Galonska heran, damit er die \u00e4ltere Dame zur Sonderwache begleitete. In den R\u00e4umen des Deutschen Roten Kreuzes w\u00fcrde sich der Einsatzleiter um sie k\u00fcmmern.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bronischewski steuerte auf den Bereich zu, in dem der Thriller fahrplanm\u00e4\u00dfig \u00dcberschl\u00e4ge abrollte. \u00dcber das lustvolle Geschrei der Teenager legten sich panische Rufe. Verwirrte kamen schreiend aus der Toilette des gegen\u00fcberliegenden Caf\u00e9s. Die Polizisten sahen sich an, stutzten, und wurden von Passanten auf die Damentoilette gezerrt. Auf dem Boden lag eine Frau.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00bbUm Himmelswillen!\u00ab, fl\u00fcsterte Bronischewski leise, und sein erster Gedanke galt Tilkowski.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">\n<article id=\"post-93185\" class=\"post-93185 post type-post status-publish format-standard has-post-thumbnail hentry category-literatur tag-a-j-weigoni\">\n<div class=\"entry-content\">\n<p style=\"text-align: center;\">Fortsetzung folgt.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">***<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Massaker<\/strong>, ein Cranger-Cirmes-Crimi von Barbara Ester und A.J. Weigoni, Krash-Verlag 2001<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a class=\"image-anchor\" href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/08\/Massaker-206x300.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-17074\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/08\/Massaker-206x300.jpg\" alt=\"\" width=\"206\" height=\"300\" \/><\/a><strong>W<\/strong><strong>eiterf\u00fchrend \u2192<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In der Reihe Gossenhefte zeigt sich, was passiert, wenn sich literarischer Bodensatz und die Reflexionsm\u00f6glichkeiten von popul\u00e4rkulturellen Tugenden nahe genug kommen. Der Essay <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=35655\"><em>Perlen des Trash<\/em><\/a> stellt diese Reihe ausf\u00fchrlich vor. Dem Begriff\u00a0<a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2014\/11\/01\/trash-eine-einfuehrung\/\"><em>Trash<\/em><\/a> haftet der Hauch der Verruchtheit und des Nonkonformismus an. In Musik, Kunst oder Film gilt <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2014\/11\/30\/proust_and_pulp\/\"><em>Trash<\/em><\/a> als Bewegung, die im Klandestinen stattfindet und an der nur ein exklusiver Kreis nonkonformistischer Aussenseiter partizipiert. Lesen Sie auch das <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1996\/06\/09\/groschenhefte\/\"><em>Kollegengespr\u00e4ch<\/em> <\/a>von A.J. Weigoni mit dem <em>echten<\/em> Bastei L\u00fcbbe-Autor Dieter Walter.\u00a0Eine W\u00fcrdigung von <em>Massaker<\/em> durch Betty Davis lesen Sie <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2013\/08\/02\/die-atomisierende-maschinerie-der-modernen-gesellschaft\/\">hier<\/a>. Die H\u00f6rfassung unter dem Titel <a href=\"http:\/\/www.vordenker.de\/weigoni\/blutrausch.htm\"><em>Blutrausch<\/em><\/a> h\u00f6ren Sie in der Reihe <em>MetaPhon<\/em>. Als Tag f\u00fcr die Vorstellung dieses Cranger-Cirmes-Crimis war der <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2001\/09\/11\/9-11\/\">11. September 2001<\/a> vorgesehen.<\/p>\n<\/div>\n<\/article>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; \u00bbFuck it anyway, wie oft soll ich noch sagen: Ich wei\u00df nicht, wo diese Votze steckt!\u00ab, schrie der Typ mit dem Aufdruck: \u201eIch trinke, rauche Shit, lese Pornos und bin st\u00e4ndig geil\u201c auf dem Shirt. Hauptsache controversial. 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