{"id":93932,"date":"2001-11-26T00:01:14","date_gmt":"2001-11-25T23:01:14","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=93932"},"modified":"2021-10-29T14:25:59","modified_gmt":"2021-10-29T12:25:59","slug":"vorspiel-zur-selbstausloeschung","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2001\/11\/26\/vorspiel-zur-selbstausloeschung\/","title":{"rendered":"Vorspiel zur Selbstausl\u00f6schung"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Karnickelfangschlag. Jacqueline konnte seine Angst riechen, bevor sich der Schwei\u00df zeigte. Seine Furcht wuchs ins Unertr\u00e4gliche. Sie musste lediglich abwarten und ihn behutsam zur Grenze des Wahnsinns geleiten. Er w\u00fcrde ihr als reife Frucht in den Schoss fallen. W\u00fcrde es gern tun. W\u00fcrde ihr ganz zu Willen sein. Sie lie\u00df sich ein weiteres Bier bringen. Schenkte ihm als Belohnung ein zauberhaftes L\u00e4cheln. Kramte in ihrer Tasche und holte eine Spange hervor. Steckte ihr Haar damit zusammen. Blickte dabei abwesend auf den Kanal. Gab ihm Zeit, sie zu betrachten. Achtete darauf, dass die Denkerstirn eine guten Einblick in ihr Dekollet\u00e9 bekam.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Giancarlo betrachtete nachdenklich ihr Profil, die freigelegten Ohren mit den angewachsenen Ohrl\u00e4ppchen. Wand sich in Vorw\u00fcrfen: \u201eHab&#8216; es noch nie vertragen, durcheinander zu trinken. Und jetzt Maden\u2026 w\u00fcrde gerne woanders hinsehen. Es ist etwas tief d\u00e4monisches um diese Frau. Ich darf sie vielleicht nicht mit meiner b\u00fcrgerlich\u2013humanistischen Sensibilit\u00e4t aus dem 19. Jahrhundert messen. Es m\u00fcssen Ma\u00dfst\u00e4be her, die im Lauf des 20. Jahrhundert gewonnen worden sind. Diese Grausamkeit ist nicht mehr zu leugnen. Mir ist diese Erbarmungslosigkeit entsetzlich, aber sie geh\u00f6rt zutiefst zur Signatur dieser Zeit, elementare Kr\u00e4fte kommen darin zum Ausdruck. Man muss das klar sehen. Muss logisch denken. Klar im Kopf werden. Nichts weiter, Mann, du kannst dich wieder abregen. Sie ist nicht mein schwarzer Engel. Wird meine Stirn nicht mit den Fl\u00fcgeln ber\u00fchren. Wieso habe ich sie nicht gez\u00e4hlt? Aber die Maden habe ich gez\u00e4hlt. Alles easy, Mann.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sie hatte Nachschub organisiert. Stellte die Gl\u00e4ser auf dem Tisch ab. Er leckte das Salz auf seinem Handr\u00fccken ab. Kippte den mexikanischen Schnaps in den Schlund. Lutschte eine Zitrone. Versuchte, nach dem fr\u00fchen Absynth auf diese Weise den Kopf freizubekommen oder sich zu viel Sprengstoff einzuverleiben. Auf die Idee, sich einfach den Finger in den Hals zu stecken, kam er nicht. \u201eCarnevale in Venezia\u2026\u201c, hechelte die Stimme in ihm, \u201ewenn jetzt jemand ein Foto von uns machen w\u00fcrde. Wir w\u00fcrden darauf ein h\u00fcbsches Paar abgeben.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00bbAuf einem Bein steht man schlecht, nimm noch einen!\u00ab, forderte ihn Jacqueline auf. Er griff zu, st\u00fcrzte den scharfen Schnaps durch die Kehle. Sie registrierte, wie seine Kn\u00f6chel wei\u00df wurden. Giancarlo hatte seine Augen tollkirschenweit aufgerissen. Einer der Gesichtsausdr\u00fccke, die man nicht bewusst steuern kann. Jacqueline beugte sich zu ihm hin\u00fcber und k\u00fcsste ihn sacht, ganz behutsam, ja schon fast z\u00e4rtlich auf den Mund. Er st\u00f6hnte leise auf.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Vorspiel zur Selbstausl\u00f6schung. Sie strich ihm mit dem Daumen \u00fcber die Lippen. \u201eEr hat Angst und ist total scharf\u2026\u201c, \u00fcberlegte Jacqueline, \u201einteressante Kombination. Wird Spa\u00df machen.\u201c Sie zog ihn zu sich her\u00fcber, forschte mit ihrer Zunge seine Mundh\u00f6hle aus und k\u00fcsste ihn fordernder. Zog seine Zunge ein. Biss auf den Zipfel. Biss ihm die Lippen blutig. Was sich Menschen im Namen der Liebe antun, ist selten harmlos. Giancarlo blieb starr vor \u00dcbelkeit.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<article id=\"post-93185\" class=\"post-93185 post type-post status-publish format-standard has-post-thumbnail hentry category-literatur tag-a-j-weigoni\">\n<div class=\"entry-content\">\n<p style=\"text-align: center;\">Fortsetzung folgt.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">***<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Massaker<\/strong>, ein Cranger-Cirmes-Crimi von Barbara Ester und A.J. Weigoni, Krash-Verlag 2001<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a class=\"image-anchor\" href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/08\/Massaker-206x300.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-17074\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/08\/Massaker-206x300.jpg\" alt=\"\" width=\"206\" height=\"300\" \/><\/a><strong>W<\/strong><strong>eiterf\u00fchrend \u2192<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In der Reihe Gossenhefte zeigt sich, was passiert, wenn sich literarischer Bodensatz und die Reflexionsm\u00f6glichkeiten von popul\u00e4rkulturellen Tugenden nahe genug kommen. Der Essay <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=35655\"><em>Perlen des Trash<\/em><\/a> stellt diese Reihe ausf\u00fchrlich vor. Dem Begriff\u00a0<a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2014\/11\/01\/trash-eine-einfuehrung\/\"><em>Trash<\/em><\/a> haftet der Hauch der Verruchtheit und des Nonkonformismus an. In Musik, Kunst oder Film gilt <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2014\/11\/30\/proust_and_pulp\/\"><em>Trash<\/em><\/a> als Bewegung, die im Klandestinen stattfindet und an der nur ein exklusiver Kreis nonkonformistischer Aussenseiter partizipiert. Lesen Sie auch das <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1996\/06\/09\/groschenhefte\/\"><em>Kollegengespr\u00e4ch<\/em> <\/a>von A.J. Weigoni mit dem <em>echten<\/em> Bastei L\u00fcbbe-Autor Dieter Walter.\u00a0Eine W\u00fcrdigung von <em>Massaker<\/em> durch Betty Davis lesen Sie <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2013\/08\/02\/die-atomisierende-maschinerie-der-modernen-gesellschaft\/\">hier<\/a>. Die H\u00f6rfassung unter dem Titel <a href=\"http:\/\/www.vordenker.de\/weigoni\/blutrausch.htm\"><em>Blutrausch<\/em><\/a> h\u00f6ren Sie in der Reihe <em>MetaPhon<\/em>. Als Tag f\u00fcr die Vorstellung dieses Cranger-Cirmes-Crimis war der <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2001\/09\/11\/9-11\/\">11. September 2001<\/a> vorgesehen.<\/p>\n<\/div>\n<\/article>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; Karnickelfangschlag. Jacqueline konnte seine Angst riechen, bevor sich der Schwei\u00df zeigte. Seine Furcht wuchs ins Unertr\u00e4gliche. Sie musste lediglich abwarten und ihn behutsam zur Grenze des Wahnsinns geleiten. Er w\u00fcrde ihr als reife Frucht in den Schoss fallen. 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