{"id":93854,"date":"2001-11-12T00:01:37","date_gmt":"2001-11-11T23:01:37","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=93854"},"modified":"2021-10-29T08:52:52","modified_gmt":"2021-10-29T06:52:52","slug":"das-amorphile-maedchen","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2001\/11\/12\/das-amorphile-maedchen\/","title":{"rendered":"Das amorphile M\u00e4dchen"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00bbWo ist sie abgeblieben?\u00ab Shari suchte mit fiebernden Augen die Menge ab. Sie hatten Jacqueline auf dem Kirmesparcours verloren<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0\u00bbSoll deine Freundin werden, oder was?\u00ab, reagierte er eifers\u00fcchtig. Sah Shari wie durch ein Vergr\u00f6sserungsglas. Erkannte sie nicht wieder.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00bbBrauchste Schl\u00e4ge, oder was?\u00ab, keilte sie. Shari stellt das kokette Kind und das burschikose Biest mit wunderbarer Spiellust dar, nie aber blo\u00df. Sie wusste, dass sie ihn am Wickel hatte, und das sch\u00e4rfte sie noch mehr an. \u00bb\u2026 Friedhof war doch geil oder etwa nicht? Wahre Frauen teilen alles.\u00ab<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Jacqueline war gar nicht so weit von ihnen entfernt. Sie ist der Schatten in uns allen. Die dunkle Seite in uns selbst, die t\u00f6dliche, die kreative, verf\u00fchrerische, die sexuell attraktive Seite. F\u00fcr M\u00e4nner und Frauen gleicherma\u00dfen. All das, was in einer demokratischen Gesellschaft gern verdr\u00e4ngt wird, das, was unausgesprochen bleibt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ansgar wollte wieder auf sein Terrain zur\u00fcck, dahin, wo er sich genau auskannte. Diese Pussy konnte ihm gestohlen bleiben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00bbEhj, sieh dich um!\u00ab, \u00fcbernahm er die F\u00fchrung. Dr\u00fcckte ihr eine E zwischen die Z\u00e4hne. Sie schluckte. L\u00e4chelte ihn an. Er war ihr Doc. Wenn es ihm Spa\u00df machte, spielte sie halt die Patientin. Als sie in den Scooters sa\u00dfen, schmiegte sie sich in seinen Arm.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Einfachheit des Herkommens entsprach der Schlichtheit seines Denkens. Ansgar versuchte, die brutalen Ausw\u00fcchse seiner verkorksten Biografie zu einem rebellischen Akt zu verkl\u00e4ren. F\u00fchlte sich als Quintessenz aus f\u00fcnfzig Jahren Rock&#8217;n&#8217;Roll &amp; Jugendrevolte. Von Elvis, dem armen wei\u00dfen Jungen, der mit schwarzer Musik den Nerv der Zeit traf, \u00fcber Johnny Rotten, dem armen wei\u00dfen Jungen, der einer zynischen, selbstgerechten und zu Tode liberalisierten Welt ihre b\u00f6se Fratze zeigte, bis hin zu Kurt Cobain, dem armen wei\u00dfen Jungen, der zum Helden der Welt wurde, indem er stellvertretend ihren ganzen Schmerz erlitt\u2026 so glaubte er in dieser Nacht s\u00e4mtliche mythischen Rock&#8217;n&#8217;Roll\u2013er in sich zu vereinen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00bbHalt dich fest!\u00ab, schrie Ansgar. Knallte den Wagen gegen die Umrandung. Gab Gas. Verfolgte die Fratzen. Stellte sie. Rammte ihren Wagen. Fuhr den Mittelfinger raus.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00bbKlar doch!\u00ab<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Brunftzeit im Hochsommer. Stellen. Nicht ablassen, bevor der Gegner am Boden liegt. Und dann noch mal zutreten, bis es knackt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00bbBist mein Pilot!\u00ab<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00bbBist meine Perle!\u00ab, best\u00e4tigte er und lenkte den Scooter in die Parkl\u00fccke, unschl\u00fcssig dar\u00fcber, ob sie noch eine Runde drehen sollten. Sie kuschelte sich an ihn. Legte ihren Arm um seine Schulter. Den Kopf an seinen Arm. Spielte das amorphile M\u00e4dchen. Der Spr\u00fccheklopfer hatte etwas in seiner Tasche, was sie haben wollte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00bbUnd wir waren auch niemals auf dem Cranger Friedhof?\u00ab, erkundigte sie sich scheinheilig.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00bbNiemals!\u00ab Ansgar schaute stur nach vorn.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<article id=\"post-93185\" class=\"post-93185 post type-post status-publish format-standard has-post-thumbnail hentry category-literatur tag-a-j-weigoni\">\n<div class=\"entry-content\">\n<p style=\"text-align: center;\">Fortsetzung folgt.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">***<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Massaker<\/strong>, ein Cranger-Cirmes-Crimi von Barbara Ester und A.J. Weigoni, Krash-Verlag 2001<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a class=\"image-anchor\" href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/08\/Massaker-206x300.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-17074\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/08\/Massaker-206x300.jpg\" alt=\"\" width=\"206\" height=\"300\" \/><\/a><strong>W<\/strong><strong>eiterf\u00fchrend \u2192<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In der Reihe Gossenhefte zeigt sich, was passiert, wenn sich literarischer Bodensatz und die Reflexionsm\u00f6glichkeiten von popul\u00e4rkulturellen Tugenden nahe genug kommen. Der Essay <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=35655\"><em>Perlen des Trash<\/em><\/a> stellt diese Reihe ausf\u00fchrlich vor. Dem Begriff\u00a0<a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2014\/11\/01\/trash-eine-einfuehrung\/\"><em>Trash<\/em><\/a> haftet der Hauch der Verruchtheit und des Nonkonformismus an. In Musik, Kunst oder Film gilt <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2014\/11\/30\/proust_and_pulp\/\"><em>Trash<\/em><\/a> als Bewegung, die im Klandestinen stattfindet und an der nur ein exklusiver Kreis nonkonformistischer Aussenseiter partizipiert. Lesen Sie auch das <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1996\/06\/09\/groschenhefte\/\"><em>Kollegengespr\u00e4ch<\/em> <\/a>von A.J. Weigoni mit dem <em>echten<\/em> Bastei L\u00fcbbe-Autor Dieter Walter.\u00a0Eine W\u00fcrdigung von <em>Massaker<\/em> durch Betty Davis lesen Sie <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2013\/08\/02\/die-atomisierende-maschinerie-der-modernen-gesellschaft\/\">hier<\/a>. Die H\u00f6rfassung unter dem Titel <a href=\"http:\/\/www.vordenker.de\/weigoni\/blutrausch.htm\"><em>Blutrausch<\/em><\/a> h\u00f6ren Sie in der Reihe <em>MetaPhon<\/em>. Als Tag f\u00fcr die Vorstellung dieses Cranger-Cirmes-Crimis war der <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2001\/09\/11\/9-11\/\">11. September 2001<\/a> vorgesehen.<\/p>\n<\/div>\n<\/article>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; \u00bbWo ist sie abgeblieben?\u00ab Shari suchte mit fiebernden Augen die Menge ab. Sie hatten Jacqueline auf dem Kirmesparcours verloren \u00a0\u00bbSoll deine Freundin werden, oder was?\u00ab, reagierte er eifers\u00fcchtig. Sah Shari wie durch ein Vergr\u00f6sserungsglas. 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