{"id":9355,"date":"2019-05-11T00:01:47","date_gmt":"2019-05-10T22:01:47","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=9355"},"modified":"2022-02-27T18:37:39","modified_gmt":"2022-02-27T17:37:39","slug":"wundprotokolle","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2019\/05\/11\/wundprotokolle\/","title":{"rendered":"Wundprotokolle \u2219 Revisited"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die <em>Wundprotokolle<\/em> sind f\u00fcr mich ein gro\u00dfer Wurf deutscher Dichtung dieser Jahre! Die Sprache flie\u00dft leicht und abwechslungsreich, spielt mit den literarischen Gattungen (von der Kurzgeschichte \u00fcber die Parabel bis zur visuellen Poesie), mit Erz\u00e4hlperspektiven, Bildern und idiomatischen Wendungen derart souver\u00e4n und neuartig, dass es eine Lust ist, die schweren Gedanken und Stimmungen im Wechsel mit leichteren mentalen Zust\u00e4nden zu lesen \u2013 der nachdenkliche Leser verl\u00e4ngert oder interpretiert die parabolischen Erz\u00e4hlungen mit subtilem Erkenntnisgewinn: Der Schmerz, in den Entfremdungen des Lebens, die uns alle treffen, Heimat suchen und finden zu m\u00fcssen, egal wo und wer wir sind, wird hier in gro\u00dfer und ganz eigener Sprachkunst sublimiert, vielleicht ertr\u00e4glicher gemacht, also ganz dialektisch aufgehoben auf einer h\u00f6heren Ebene des Verstehens. Ich habe in den letzten Jahren nichts Besseres in dieser Art gelesen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Nachtzug ist leer \u2013 ein Hauch von Utopie, Andeutungen auf die ersehnte \u201aReise\u2019 nach einem ungeborenen, noch nie da gewesenen, nur f\u00fcr das erz\u00e4hlende Ich enth\u00fcllenden Etwas, vielleicht sogar auf eine R\u00fcckkehr ins Nichts.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich habe <em>Auf silikonweichen Pfoten<\/em> und <em>Zug ohne R\u00e4der<\/em> wieder und wieder gelesen und bin \u00fcberrascht, wie frisch und g\u00fcltig die Poesie wirkt. Ich bleibe bei meinem Urteil, das ich bei Erscheinen der B\u00fccher formulierte: Es sind zwei der besten B\u00fccher, die seit Aglaya Veteranyi geschrieben wurden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Francisca Ricinskis poetische oder lyrische Prosa geht mir nah. Auch ich erlebte Entwurzelung; ich litt als Kind und Jugendlicher unter dem Verlust meiner Heimat an der Saale und der Trennung von meiner Mutter, von der mich der Kalte Krieg und die Mauer, die Deutschland zerschnitt, bis zu meinem 45. Lebensjahr trennte und entfremdete.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Texte der aus Rum\u00e4nien stammenden Dichterin, die gegen\u00fcber dem Siebengebirge am Rhein lebt, faszinieren mich mit ihren Schreibideen, den packenden Bildern und Formen. Sie erinnern mich an meine Wurzeln und sie zeigen mir, wie br\u00fcchig und schwankend der Boden ist, auf dem ich stand wie auf einer Tellermine, auf der ich schreibend wohne wie ein kleiner Sisyphos, der Buchstaben schiebt \u2013 wie Francisca Ricinski.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #888888;\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">***<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><b>Auf silikonweichen Pfoten<\/b>. <i>Wundprotokolle<\/i>, Pop Verlag, Ludwigsburg 2005.<\/p>\n<p class=\"hide-if-no-js\" style=\"text-align: justify;\"><a id=\"set-post-thumbnail\" class=\"thickbox\" href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-admin\/media-upload.php?post_id=9355&amp;type=image&amp;TB_iframe=1\" aria-describedby=\"set-post-thumbnail-desc\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"attachment-266x266 size-266x266 alignleft\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/Auf-silikonweichen-Pfoten.jpg\" sizes=\"auto, (max-width: 266px) 100vw, 266px\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/Auf-silikonweichen-Pfoten.jpg 300w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/Auf-silikonweichen-Pfoten-150x150.jpg 150w\" alt=\"\" width=\"266\" height=\"266\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><b><strong>Z<\/strong>ug ohne R\u00e4der \/ Trenul fara roti, <\/b>lyrische Prosa, rum\u00e4nisch und deutsch. Nachwort: Theo Breuer, Editura Fundatiei Culturale Poezia, Iasi\/Rum\u00e4nien 2008.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><b>Als k\u00e4me noch jemand.<\/b> Lyrische Prosa und Erz\u00e4hlcollagen, Nachwort: Andreas Noga, Pop Verlag, Ludwigsburg 2013.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>In deinen Schuhen voller Sand, <\/strong>Prosapoeme, Pop-Verlag 2019<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Weiterf\u00fchrend \u2192<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wir verliehen\u00a0Francisca Ricinski in 2016 den KUNO-Prosa-Preis. Lesen Sie <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=32148\">hier<\/a> die Begr\u00fcndung.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; Die Wundprotokolle sind f\u00fcr mich ein gro\u00dfer Wurf deutscher Dichtung dieser Jahre! 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