{"id":93227,"date":"2001-11-06T00:01:14","date_gmt":"2001-11-05T23:01:14","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=93227"},"modified":"2021-10-29T16:32:29","modified_gmt":"2021-10-29T14:32:29","slug":"meldung-machen","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2001\/11\/06\/meldung-machen\/","title":{"rendered":"Meldung machen"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Jacqueline wurde das grelle Licht einer Taschenlampe direkt unter die Nase gehalten, w\u00e4hrend Shari und Ansgar versuchten, auf der Erde in schwei\u00dftreibenden Gefilden zu w\u00fchlen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00bbWas machen Sie hier?\u00ab, erkundigte sich der Polyp scharf. Leuchtete mit seiner Taschenlampe auf den Boden. Sein Gesicht gl\u00fchte unter der Polizeikappe. Die Kn\u00f6pfe seiner Polizeiuniform prangten \u00fcber seinem m\u00e4chtigen Leib.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00bbNa, und Sie?\u00ab<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00bbOh nix\u2026 echt\u2026 rein gar nix\u00ab, stotterte der Rothaarige und versuchte seine Erektion zu verbergen. Der Schlag zuckte noch in seinem Gesicht. \u201eOh Ansgar, kommst du wieder?\u201c Jacqueline grinste anz\u00fcglich.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00bbVoll die Peilung verloren.\u00ab<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00bbWie bitte?\u00ab, der Polyp war auf restringierten Code nicht geschult, versuchte sich zurecht zu finden und stierte auf Jacquelines perfekt sitzende rote Unterw\u00e4sche. Fixierte die festen Br\u00fcste, lie\u00df den Blick nach unten wandern.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00bb\u00d6m, mein Name ist Ludwig Bronischewski\u00ab, stellte er sich vor, weil ihm die Situation unangenehm war. Diese Frau brachte es durch pure Pr\u00e4senz so weit, dass ihm die Nackenhaare zu Berge standen. Gerade Haltung. Nachtschwarze Haare. Dunkle Augen. Rote Spitzendessous.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00bbWir haben die Nase gestrichen voll\u2026\u00ab, hatte Martin Tilkowski, Chef der Kirmes\u2013Polizeiwache, bei der Einsatzbesprechung geschnaubt: \u00bb\u2026 mit der Hitze ist auch die Zahl der K\u00f6rperverletzungen und Schl\u00e4gereien gestiegen. In der Nacht von Freitag auf Samstag mussten unsere Beamten im Europadorf eine Massenschl\u00e4gerei schlichten. Bis Sonntag fr\u00fch dauerte der Einsatz ihrer 50 Kollegen im Bayernzelt, bei dem mehrere Fu\u00dfball\u2013Hooligans f\u00fcr Krawall gesorgt hatten, nachdem das Gastspiel der Schalke\u2013Fans ohne Zwischenf\u00e4lle verlaufen war\u00ab, Martin Tilkowski hatte sich seine Brille aufgesetzt, griff nach den abschlie\u00dfenden Meldungen \u00fcber die Cranger\u2013Kirmes f\u00fcr die Presse und hatte abschlie\u00dfend den Rat gegeben: \u00bbMeine Herren und meine Damen, bleiben Sie ruhig und souver\u00e4n.\u00ab<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ludwig Bronischewski blieb sachlich und souver\u00e4n. Tastete nach seinem Sprechfunkger\u00e4t.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ansgar presste die Lippen zusammen. \u201eAnsgar, komm, lass uns ein sch\u00f6nes Spiel spielen\u201c, schoss es Jacqueline durch den Kopf. Der Polyp zeigte Autorit\u00e4t, er zog Shari hoch. Sp\u00e4testens jetzt war es Zeit, Meldung zu machen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00bbNoch so eine\u00ab, murmelte er.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eAnsgar, kleiner Junge, hast es dir besorgen lassen. Und ihr nicht, b\u00f6ser Junge!\u201c Jacqueline lachte auf. Hatte sich aber sofort wieder im Griff.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00bbWas gibt es da zu lachen?\u00ab, herrschte sie der nerv\u00f6se Polizist an. Jacqueline konnte sich nicht erinnern, dass es einmal anders gewesen w\u00e4re: \u201eSie haben immer solch eine Angst, Ansgar. Dann br\u00fcllen sie immer, das m\u00fcssen sie. Siehst du, sie haben auch den Blick: das darf doch alles nicht wahr sein.\u201c Sie spannte die Muskeln an und l\u00e4chelte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00bbEs tut mir leid!\u00ab Der Polyp leuchtete ihr direkt ins Gesicht. Sie zwinkerte, wich aber nicht aus. \u201eWenn du nackt bist, bist du angreifbar.\u201c Dieser Zustand musste sich \u00e4ndern.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00bbDarf ich mich jetzt anziehen \u2013 oder wollen Sie mich so mit zur Wache nehmen?\u00ab, rotzte sie ihm ins Gesicht. \u201eW\u00fcrdest du am liebsten. Mich in roter Unterw\u00e4sche, und die Akten vom Tisch fegen und\u2026\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00bbSie alle drei kleiden sich an\u00ab, herrschte der Polyp. Ansgar und Shari zogen sich schweigend an. Ablenkungsman\u00f6ver. Jacqueline zog Shari an sich und versuchte, sie auf den Mund zu k\u00fcssen. Ansgar schlug nach ihr. Heumacher.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00bbVerpiss dich, du Votze, verpiss dich endlich!\u00ab<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00bbIch lasse dich doch atmen, was willst du mehr?\u00ab, Jacqueline l\u00e4chelte ihn eiskalt an, w\u00e4hrend Shari vor Scham und Zorn bebte. Bronischewski k\u00e4mpfte eine verzweifelte Schlacht der Vernunft gegen diesen Wahnsinn, ihm war klar, dass diese Durchgeknallten schwerer unter Kontrolle zu halten waren als eine T\u00fcte M\u00fccken. Er musste mit diesen Freaks ans Licht. Umgehend.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00bbVergelt&#8217;s\u2026\u00ab, seufzte Shari, faltete die H\u00e4nde und drehte die Augen nach oben. Kein Zeichen von dort \u2013 wie gew\u00f6hnlich. \u201eIch habe immer versucht, nett zu sein.\u201c Und fast glaubte sie sich wirklich. Versuchte sich selbst von sich zu \u00fcberzeugen. Auch Jacqueline versuchte nett zu sein. War gn\u00e4dig und schlug den dicken Polypen mit einem Hieb nieder.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<article id=\"post-93185\" class=\"post-93185 post type-post status-publish format-standard has-post-thumbnail hentry category-literatur tag-a-j-weigoni\">\n<div class=\"entry-content\">\n<p style=\"text-align: center;\">Fortsetzung folgt.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">***<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Massaker<\/strong>, ein Cranger-Cirmes-Crimi von Barbara Ester und A.J. Weigoni, Krash-Verlag 2001<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a class=\"image-anchor\" href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/08\/Massaker-206x300.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-17074\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/08\/Massaker-206x300.jpg\" alt=\"\" width=\"206\" height=\"300\" \/><\/a><strong>W<\/strong><strong>eiterf\u00fchrend \u2192<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In der Reihe Gossenhefte zeigt sich, was passiert, wenn sich literarischer Bodensatz und die Reflexionsm\u00f6glichkeiten von popul\u00e4rkulturellen Tugenden nahe genug kommen. Der Essay <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=35655\"><em>Perlen des Trash<\/em><\/a> stellt diese Reihe ausf\u00fchrlich vor. Dem Begriff\u00a0<a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2014\/11\/01\/trash-eine-einfuehrung\/\"><em>Trash<\/em><\/a> haftet der Hauch der Verruchtheit und des Nonkonformismus an. In Musik, Kunst oder Film gilt <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2014\/11\/30\/proust_and_pulp\/\"><em>Trash<\/em><\/a> als Bewegung, die im Klandestinen stattfindet und an der nur ein exklusiver Kreis nonkonformistischer Aussenseiter partizipiert. Lesen Sie auch das <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1996\/06\/09\/groschenhefte\/\"><em>Kollegengespr\u00e4ch<\/em> <\/a>von A.J. Weigoni mit dem <em>echten<\/em> Bastei L\u00fcbbe-Autor Dieter Walter.\u00a0Eine W\u00fcrdigung von <em>Massaker<\/em> durch Betty Davis lesen Sie <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2013\/08\/02\/die-atomisierende-maschinerie-der-modernen-gesellschaft\/\">hier<\/a>. Die H\u00f6rfassung unter dem Titel <a href=\"http:\/\/www.vordenker.de\/weigoni\/blutrausch.htm\"><em>Blutrausch<\/em><\/a> h\u00f6ren Sie in der Reihe <em>MetaPhon<\/em>. Als Tag f\u00fcr die Vorstellung dieses Cranger-Cirmes-Crimis war der <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2001\/09\/11\/9-11\/\">11. September 2001<\/a> vorgesehen.<\/p>\n<\/div>\n<\/article>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; Jacqueline wurde das grelle Licht einer Taschenlampe direkt unter die Nase gehalten, w\u00e4hrend Shari und Ansgar versuchten, auf der Erde in schwei\u00dftreibenden Gefilden zu w\u00fchlen. \u00bbWas machen Sie hier?\u00ab, erkundigte sich der Polyp scharf. 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