{"id":93152,"date":"2001-10-12T00:01:42","date_gmt":"2001-10-11T22:01:42","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=93152"},"modified":"2021-10-29T17:13:45","modified_gmt":"2021-10-29T15:13:45","slug":"butzenscheiben","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2001\/10\/12\/butzenscheiben\/","title":{"rendered":"Butzenscheiben"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Giancarlo versuchte die Zerrissenheit der Geschichte im Abgrund des eigenen Leibes auszutragen. Litt an Fernweh nach vertrauten Verh\u00e4ltnissen. Betrachtete die Umgebung mit dem gnadenlosen Blick eines Ethnologen. Die Welt war politisch korrekt geworden. Niemand niemand wagte es, den Mund aufzumachen. Hier mochte man Menschen nicht, die gelitten haben, man bedauerte sie. Man mochte auch die Verr\u00fcckten nicht, man bedauerte sie. Man wollte keine Irrenanstalt in der Nachbarschaft haben. Alle hatten Angst vor allen, sie kuschelten sich aneinander und redeten \u00fcber Sex, als w\u00e4re es ein seltsamer Extremsport f\u00fcr ein paar Durchgeknallte. Litten unter einer gewaltigen Repression, hassten diesen Zustand, aber sie hatten zu viel Angst, ihn zu ver\u00e4ndern. Lebten in einer heimlichen Diktatur, waren Opfer einer massenpsychologischen Verschw\u00f6rung. Durften das Unsagbare nicht mehr sagen. Giancarlo schlenderte an den Bauernh\u00e4usern in Alt\u2013Crange vorbei und begriff endlich, warum die Deutschen sich nach einem Heiligen R\u00f6mischen Reich sehnten und glaubten mit rekonstruierten Butzenscheiben Einblicke in ihre mittelalterliche Seele geben zu m\u00fcssen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Fortsetzung folgt.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">***<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Massaker<\/strong>, ein Cranger-Cirmes-Crimi von Barbara Ester und A.J. Weigoni, Krash-Verlag 2001<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/08\/Massaker-206x300.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-17074\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/08\/Massaker-206x300.jpg\" alt=\"\" width=\"206\" height=\"300\" \/><\/a><strong>W<\/strong><strong>eiterf\u00fchrend \u2192<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In der Reihe Gossenhefte zeigt sich, was passiert, wenn sich literarischer Bodensatz und die Reflexionsm\u00f6glichkeiten von popul\u00e4rkulturellen Tugenden nahe genug kommen. Der Essay <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=35655\"><em>Perlen des Trash<\/em><\/a> stellt diese Reihe ausf\u00fchrlich vor. Dem Begriff\u00a0<a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2014\/11\/01\/trash-eine-einfuehrung\/\"><em>Trash<\/em><\/a> haftet der Hauch der Verruchtheit und des Nonkonformismus an. In Musik, Kunst oder Film gilt <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2014\/11\/30\/proust_and_pulp\/\"><em>Trash<\/em><\/a> als Bewegung, die im Klandestinen stattfindet und an der nur ein exklusiver Kreis nonkonformistischer Aussenseiter partizipiert. Lesen Sie auch das <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1996\/06\/09\/groschenhefte\/\"><em>Kollegengespr\u00e4ch<\/em> <\/a>von A.J. Weigoni mit dem <em>echten<\/em> Bastei L\u00fcbbe-Autor Dieter Walter.\u00a0Eine W\u00fcrdigung von <em>Massaker<\/em> durch Betty Davis lesen Sie <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2013\/08\/02\/die-atomisierende-maschinerie-der-modernen-gesellschaft\/\">hier<\/a>. Die H\u00f6rfassung unter dem Titel <a href=\"http:\/\/www.vordenker.de\/weigoni\/blutrausch.htm\"><em>Blutrausch<\/em><\/a> h\u00f6ren Sie in der Reihe <em>MetaPhon<\/em>. Als Tag f\u00fcr die Vorstellung dieses Cranger-Cirmes-Crimis war der <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2001\/09\/11\/9-11\/\">11. September 2001<\/a> vorgesehen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; Giancarlo versuchte die Zerrissenheit der Geschichte im Abgrund des eigenen Leibes auszutragen. Litt an Fernweh nach vertrauten Verh\u00e4ltnissen. Betrachtete die Umgebung mit dem gnadenlosen Blick eines Ethnologen. Die Welt war politisch korrekt geworden. 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