{"id":93032,"date":"2000-05-15T00:01:48","date_gmt":"2000-05-14T22:01:48","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=93032"},"modified":"2021-10-20T07:00:45","modified_gmt":"2021-10-20T05:00:45","slug":"erlebnisse-oder-andere-maerchen","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2000\/05\/15\/erlebnisse-oder-andere-maerchen\/","title":{"rendered":"ERLEBNISSE ODER ANDERE M\u00c4RCHEN"},"content":{"rendered":"<p align=\"justify\">\n<p class=\"Stil2\" style=\"text-align: justify;\" align=\"justify\">Worum geht es in den Texten. die am ehesten als Geschichten zu bezeichnen sind, da sie erz\u00e4hlt sind &#8211; wie Erlebnisse oder andere M\u00e4rchen?<\/p>\n<p class=\"Stil2\" style=\"text-align: justify;\" align=\"justify\">Es geht um Gl\u00fcck und Ungl\u00fcck, um die unglaubliche Ansammlung wenigen Lebens und die glaubw\u00fcrdige Vielfalt des Todes, es geht um Menschen und Nachrichten um Fu\u00dfball und rollende K\u00f6pfe, um Spiele und G\u00f6tter, kurz: um die gr\u00f6\u00dftm\u00f6gliche Vielfalt unvers\u00f6hnlicher Gegens\u00e4tze und Gedanken, vor allem Gedanken. die in jedem gerade wirklichen Augenblick das ausmachen, was gemeinhin Leben im allt\u00e4glichen Wahnsinn genannt wird.<\/p>\n<p class=\"Stil2\" style=\"text-align: justify;\" align=\"justify\">Aus den Bildbeobachtungen, die oft schon phantastische Beobactun\u00adgen scheinbar trivialer Vorg\u00e4nge oder Erleb\u00adnisse sind, entwickeln sich Gedanken\u00adgeschichten &#8211; und zwar aus den Gedanken \u00fcber die Gedanken, die bei der Abwicklung der Geschichte trivialer Vorg\u00e4nge entstehen. Diese Gedanken\u00adgeschichten streben der realen Absurdit\u00e4t des Erlebens zu, der paradoxen Unm\u00f6glichkeit des einfachen Gedankens in einer dem Gedanken chaotisch erscheinenden, mit ihm nicht vers\u00f6hnbaren Wirklichkeit. Von kafkaeskem Atem angeblasene Erlebnisgeschichten werden von fast mathematisch-philosophischem Denkwerk einer L\u00f6sung zugef\u00fchrt. die eher Un-L\u00f6sung ist.<\/p>\n<p class=\"Stil2\" style=\"text-align: justify;\" align=\"justify\">Viele der Geschichten sind Zwiegespr\u00e4che zwischen einem fiktiven &#8222;Real-Ich&#8220;-Erz\u00e4hler und einer seiner realen Fiktiv- Facetten. Unverhoffte Tiefgr\u00fcndigkeit ergibt sich aus dieser Auseinandersetzung des Erz\u00e4hlers mit einem seiner Doppel aus der Palette der multiplen Pers\u00f6nlichkeitsaspekte. F\u00fcr die Entstehung von Gedanken Ist ja nichts f\u00f6rderlicher als die nat\u00fcrliche Spaltung des \u201cIch&#8220; in alle ihm n\u00f6tig oder m\u00f6glich werdenden Formen &#8211; dem Muster der Welt und der Existenz schlechthin entsprechend. Wahrscheinlich kommen Schizophrenie oder MPS 0der Wirklichkeit der (eben nur im Denken m\u00f6glichen) G\u00f6ttlichkeit am n\u00e4chsten, da diese Verfassung eine der Grundlagen, wenn nicht sogar die Grundlage \u00fcberhaupt des Wesens der Gedanken und letztlich des Denkers ist. Vielleicht ist die Ann\u00e4herung Wahrheit des Denkens, also Lebens &#8211; gewollt oder ungewollt &#8211; Nerv und Kern dieses Buches und (fast) aller seiner Geschichten. Seinen Gedankeng\u00e4ngen l\u00e4\u00dft Bergmann die Freiheit, mal auf die Spielwiese, mal in irgendeinen undurchdringlichen Gedankendschungel, mal an sonst gemiedene Abgr\u00fcnde zu f\u00fchren.<\/p>\n<p class=\"Stil2\" style=\"text-align: justify;\" align=\"justify\">Auch wenn Gef\u00fchlvolles oder Intuitives sich kaum im Denkraum einfinden und die Sprache gelegentlich zum Spr\u00f6den neigt, kommt dies der wirkenden, seltsamen Spannung eher zugute. Spannend sind viele dieser \u201eDenkgeschichten\u201c wegen ihrer unverhofften Wendungen, ihrer hakenschlagenden Erlebnislinien. Es w\u00e4re vielleicht zuviel gesagt, Rudnikovs, pardon, Bergmanns Geschichten machten s\u00fcchtig, aber doch entsteht immer diese Lust auf \u201enoch eine kleine\u201c.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\" align=\"justify\">Quelle: Leo Gillessen, in: KRAUTGARTEN Nr. 36, MAI 2000, 19. Jahrgang I<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">***<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Kopflose Handlungen<\/strong>, von Ulrich Bergmann. Verlag R. Wagner. Pyrbaum 1999.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-93035\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2000\/05\/kopflos.jpg\" alt=\"\" width=\"200\" height=\"284\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2000\/05\/kopflos.jpg 200w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2000\/05\/kopflos-160x227.jpg 160w\" sizes=\"auto, (max-width: 200px) 100vw, 200px\" \/>Weiterf\u00fchrend \u2192<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es herrscht die Annahme, das Netzwerk sei erst mit dem Internet erfunden worden, es gab jedoch eine Zusammenarbeit von Individuen bereits auf analoger Ebene. KUNO <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2014\/08\/05\/dichtungsring-und-krautgarten\/\">dokumentiert<\/a> den Grenzverkehr im Dreil\u00e4ndereck.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>\u2192 <\/strong>Ein Kollegengespr\u00e4ch von A.J. Weigoni mit Bruno Kartheuser finden Sie <a href=\"http:\/\/www.vordenker.de\/kollegen\/kartheuser.htm\">hier<\/a>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Worum geht es in den Texten. die am ehesten als Geschichten zu bezeichnen sind, da sie erz\u00e4hlt sind &#8211; wie Erlebnisse oder andere M\u00e4rchen? 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