{"id":93007,"date":"2001-10-01T00:01:31","date_gmt":"2001-09-30T22:01:31","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=93007"},"modified":"2021-10-29T17:07:37","modified_gmt":"2021-10-29T15:07:37","slug":"dumpfbacke","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2001\/10\/01\/dumpfbacke\/","title":{"rendered":"Dumpfbacke"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Jacqueline sah dem Mann hinterher. Ihr war sofort aufgefallen, dass er sch\u00f6ne H\u00e4nde hatte, als er sich damit durchs Haar gefahren war. Eine Angewohnheit, die viele M\u00e4nner hatten, aber in seinen schwarzen Haaren sahen sie wei\u00df und leuchtend aus und einfach sch\u00f6n. War sie mit auf dem Foto abgebildet, das er von den beiden Bauern geschossen hatte?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mit l\u00e4ssigem Gang verlie\u00df der Flaneur den Markt. \u201eHat einen knackigen Hintern!\u201c, fiel ihr auf, als sie ihm hinterhersah. Seufzte. Wandte sich den K\u00e4figen zu. Wollte ein Kaninchen kaufen, feilschte um einen Wei\u00dfen Wiener mit hellblauen Augen und ger\u00f6teten R\u00e4ndern. Bekam von einem Bauern z\u00e4hneknirschend den Zuschlag. Das Karnickel zitterte vor Angst, als sie es in den mitgebrachten K\u00e4fig steckte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00bbSch\u00f6n, dass du nicht schreien kannst\u00ab, sagte Jacqueline mit tiefer Stimme zu dem Tier, steckte eine Mohrr\u00fcbe durch das Gitter und brachte den Stallhasen umgehend nach Hause. Auf dem Balkon hatte sie einen gro\u00dfen Verschlag errichtet. Zwei Sch\u00e4lchen standen in einer Ecke. Eins gef\u00fcllt mit frischem Wasser, die andere mit Kaninchenfutter. Sie setzte den Tragek\u00e4fig vorsichtig auf den Boden und \u00f6ffnete die T\u00fcr.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00bbKomm schon heraus\u2026\u00ab, lockte sie, \u00bb\u2026 du bist noch nicht dran. Oder hast du schon mal geh\u00f6rt, dass man seinen Weihnachtsbraten im August schlachtet?\u00ab Jacqueline lachte kehlig, z\u00fcndete sich eine Zigarette an, beobachtete das Kaninchen, wie es schnupperte und z\u00f6gerlich aus dem engen K\u00e4fig kroch. Es hoppelte zum Wassernapf und trank. Sie dr\u00fcckte im Aschenbecher ihre Zigarette aus. F\u00fcrsorglich zog sie auf dem Balkon eine Jalousie gegen die kommende Hitze herunter, \u00fcberpr\u00fcfte noch einmal den Verschlag. Das Kaninchen konnte nicht t\u00fcrmen. Im letzten Jahr hatte ihr eines den Teppich angeknabbert, als es herausgefunden hatte, dass man den leichten Verschlag anheben konnte. Diesmal hatte sie einen K\u00e4fig besorgt, der einen Boden hatte. Das w\u00fcrde beim Reinigen schwieriger werden, aber der M\u00fcmmelmann konnte ihr nicht entwischen. Sie war immer wieder aufs Neue angewidert von der Zutraulichkeit, die Kaninchen entwickelten. Erst im letzten Augenblick begriffen sie, dass sie nur hier waren, um geschlachtet, zubereitet und gegessen zu werden. Sie streichelte das Tier hinter den Ohren. Es sa\u00df still in einer Ecke und knabberte nicht mehr an einer M\u00f6hre. Schn\u00fcffelte an ihrem Handr\u00fccken. Als sich ihre Hand zur\u00fcckzog, m\u00fcmmelte das junge Kaninchen zufrieden weiter.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00bbBis sp\u00e4ter, Dumpfbacke!\u00ab, rief sie fr\u00f6hlich. Das Kirmes\u2013Fieber hatte sie ganz gepackt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Fortsetzung folgt.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">***<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Massaker<\/strong>, ein Cranger-Cirmes-Crimi von Barbara Ester und A.J. Weigoni, Krash-Verlag 2001<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/08\/Massaker-206x300.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-17074\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/08\/Massaker-206x300.jpg\" alt=\"\" width=\"206\" height=\"300\" \/><\/a><strong>W<\/strong><strong>eiterf\u00fchrend \u2192<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In der Reihe Gossenhefte zeigt sich, was passiert, wenn sich literarischer Bodensatz und die Reflexionsm\u00f6glichkeiten von popul\u00e4rkulturellen Tugenden nahe genug kommen. Der Essay <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=35655\"><em>Perlen des Trash<\/em><\/a> stellt diese Reihe ausf\u00fchrlich vor. Dem Begriff\u00a0<a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2014\/11\/01\/trash-eine-einfuehrung\/\"><em>Trash<\/em><\/a> haftet der Hauch der Verruchtheit und des Nonkonformismus an. In Musik, Kunst oder Film gilt <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2014\/11\/30\/proust_and_pulp\/\"><em>Trash<\/em><\/a> als Bewegung, die im Klandestinen stattfindet und an der nur ein exklusiver Kreis nonkonformistischer Aussenseiter partizipiert. Lesen Sie auch das <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1996\/06\/09\/groschenhefte\/\"><em>Kollegengespr\u00e4ch<\/em> <\/a>von A.J. Weigoni mit dem <em>echten<\/em> Bastei L\u00fcbbe-Autor Dieter Walter.\u00a0Eine W\u00fcrdigung von <em>Massaker<\/em> durch Betty Davis lesen Sie <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2013\/08\/02\/die-atomisierende-maschinerie-der-modernen-gesellschaft\/\">hier<\/a>. Die H\u00f6rfassung unter dem Titel <a href=\"http:\/\/www.vordenker.de\/weigoni\/blutrausch.htm\"><em>Blutrausch<\/em><\/a> h\u00f6ren Sie in der Reihe <em>MetaPhon<\/em>. Als Tag f\u00fcr die Vorstellung dieses Cranger-Cirmes-Crimis war der <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2001\/09\/11\/9-11\/\">11. September 2001<\/a> vorgesehen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; Jacqueline sah dem Mann hinterher. Ihr war sofort aufgefallen, dass er sch\u00f6ne H\u00e4nde hatte, als er sich damit durchs Haar gefahren war. Eine Angewohnheit, die viele M\u00e4nner hatten, aber in seinen schwarzen Haaren sahen sie wei\u00df und leuchtend aus&hellip;<\/p>\n<p class=\"more-link-p\"><a class=\"more-link\" href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2001\/10\/01\/dumpfbacke\/\">Read more &rarr;<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":14,"featured_media":17074,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[628,3149],"class_list":["post-93007","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-literatur","tag-a-j-weigoni","tag-massaker"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/93007","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/14"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=93007"}],"version-history":[{"count":0,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/93007\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=93007"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=93007"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=93007"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}