{"id":92832,"date":"1995-08-12T00:01:28","date_gmt":"1995-08-11T22:01:28","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=92832"},"modified":"2021-10-18T05:29:22","modified_gmt":"2021-10-18T03:29:22","slug":"zwischen-expressionismus-und-exil","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1995\/08\/12\/zwischen-expressionismus-und-exil\/","title":{"rendered":"Zwischen Expressionismus und Exil"},"content":{"rendered":"<div dir=\"auto\"><\/div>\n<div dir=\"auto\" style=\"text-align: justify;\">Die \u00f6sterreichische Dichter Heinrich Nowak wird am 26. Januar 1890 in Wien geboren. Sein katholisches Elternhaus ist gepr\u00e4gt von der tschechischen Herkunft; zu Hause wird Tschechisch gesprochen, die Ferien verbringt der kleine Heinrich bei den Gro\u00dfeltern in S\u00fcdb\u00f6hmen oder in M\u00e4hren \u2013 hier lernt er das Landleben als wohltuenden Kontrast zum Leben in der Gro\u00dfstadt Wien kennen. Nach dem Ablegen der Matura am angesehenen humanistischen k. k. Akademischen Gymnasium schreibt er sich zum Wintersemester 1911\/12 an der Philosophischen Fakult\u00e4t der Universit\u00e4t Wien ein, wo er (mit Unterbrechungen) bis zum Sommersemester 1918 studiert und Lehrveranstaltungen zu Literatur, Philologie, Philosophie, Psychologie und Kunstgeschichte belegt. Im M\u00e4rz 1912 ver\u00f6ffentlicht er zum ersten Mal ein Gedicht in der Zeitschrift des Akademischen Verbandes f\u00fcr Literatur und Musik \u201eDer Ruf\u201c. Weitere Ver\u00f6ffentlichungen von Gedichten, Prosa, Rezensionen u. a. folgen in expressionistischen Zeitschriften wie \u201eDer Sturm\u201c, \u201eDie Aktion\u201c, \u201eDer Merker\u201c, \u201eDie wei\u00dfen Bl\u00e4tter\u201c, \u201eDer Anbruch\u201c sowie in Anthologien. Im Juni 1913 erscheint sein Gedichtband \u201eDie tragische Geb\u00e4rde\u201c, was auch insofern bemerkenswert ist, weil zu diesem Zeitpunkt von den bekannt gewordenen \u00f6sterreichischen Expressionisten nur Franz Werfel bereits eine eigene Ver\u00f6ffentlichung vorweisen konnte, Georg Trakl und Albert Ehrenstein hatten bis dahin lediglich jeweils nur etwa ein Dutzend Gedichte in verschiedenen Zeitschriften und Zeitungen ver\u00f6ffentlicht. Ein Rezensent des Nowak-Gedichtbandes hebt den willentlichen Verzicht auf die \u201eEinschl\u00e4ge eines moralische Pathos\u201c hervor, wie er bspw. in Gedichten von Georg Heym oder Gottfried Benn zu finden sei. \u201eNowak gen\u00fcgt als Reizung das reine Objektive, das rein Mechanisch-Fig\u00fcrliche. So entstehen Kompositionen auf die Themen: Damenringkampf, Kino, Stra\u00dfe, wo, verm\u00f6ge einer ungew\u00f6hnlichen Kraft des Zugleichsehens, das herk\u00f6mmliche Nacheinander der Eindr\u00fccke als ein verbl\u00fcffendes, r\u00e4umliches Nebeneinander dem Lesenden, kaleidoskopisch, vor die Einbildung zitiert wird.\u201c Nowak \u00fcbernimmt bis Mitte 1914 die \u00f6sterreichische Redaktion der Zeitschrift \u201eSaturn\u201c. Nachdem er schon verschiedene Male gemustert und entweder zur\u00fcckgestellt oder beurlaubt worden war, wird er im September 1915 endg\u00fcltig als \u201edienstuntauglich\u201c aus dem Heeresverband entlassen. Von Ende 1917 bis Mitte Februar 1918 ist er verantwortlicher Redakteur der Zeitschrift \u201eDer Anbruch\u201c, ver\u00f6ffentlicht 1920 noch das Prosast\u00fcck \u201eDie Sonnenseuche\u201c \u2013 dann zieht er sich aus der Literatur zur\u00fcck und arbeitet fortan als Journalist f\u00fcr verschiedene Zeitungen wie bspw. die \u201eNeue Freie Presse\u201c und die \u201eWiener Allgemeine Zeitung\u201c. Ab 1930 ist er zun\u00e4chst st\u00e4ndiger Reporter der \u201eUnited Press\u201c, dann ab 1934 der \u201eAssociated Press\u201c. Seine 1919 geschlossene Ehe mit der Schauspielerin C\u00e4cilie Lvovsky scheitert; 1935 heiratet er seine Jugendfreundin Stefanie Spitzer. Nach der Annexion \u00d6sterreichs im M\u00e4rz 1938 gelingt es seiner j\u00fcdischst\u00e4mmigen Frau, nach London zu fliehen; er selbst bekommt kein Einreisevisum und flieht am 22. August 1939 nach Z\u00fcrich. Wegen des f\u00fcr alle Emigranten geltenden strikten Arbeitsverbotes folgt ein Leben in gro\u00dfer materieller Not. Erst Mitte 1943 erfolgt durch die Fremdenpolizei eine Bewilligung der Mitarbeit f\u00fcr das schweizerische B\u00fcro der \u201eAssociated Press\u201c, auch darf er gelegentlich Beitr\u00e4ge f\u00fcr die \u201eNeue Z\u00fcrcher Zeitung\u201c und die Wochenzeitung \u201eFreies Volk\u201c schreiben. Seine Ehe mit Stefanie, die er nie wiedergesehen hat, wird geschieden. Nach dem Krieg ist er zun\u00e4chst freier Mitarbeiter u. a. f\u00fcr das \u201eSchweizer Journal\u201c, ab August 1948 Z\u00fcrcher Korrespondent der \u201eM\u00fcnchner Abendzeitung\u201c. Anfang 1949 wird Nowak, der 1942 unwissentlich ausgeb\u00fcrgert worden war, wieder \u00f6sterreichischer Staatsangeh\u00f6riger; aber er kehrt nicht nach \u00d6sterreich zur\u00fcck, sondern ersucht um Dauerasyl in der Schweiz. Als nach der Hochzeit mit Hedwig Ammann die Fl\u00fcchtlingshilfe entf\u00e4llt, ist Nowak vom bescheidenen Einkommen seiner Frau abh\u00e4ngig. Sein Selbstvertrauen als Journalist, das durch die arbeitsarmen langen Jahre im Exil ohnehin stark gelitten hatte, wird immer geringer. Depressionen stellen sich ein. Auch der K\u00f6rper verweigert dem Kettenraucher zusehends den Dienst. Heinrich Nowak stirbt am 12. August 1955 im Z\u00fcrcher Theodosianum.<\/div>\n<div dir=\"auto\" style=\"text-align: justify;\"><\/div>\n<div dir=\"auto\" style=\"text-align: justify;\"><\/div>\n<div dir=\"auto\"><\/div>\n<div dir=\"auto\" style=\"text-align: center;\">***<\/div>\n<div dir=\"auto\" style=\"text-align: justify;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-92833 size-medium\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/Nowak-170x300.jpg\" alt=\"\" width=\"170\" height=\"300\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/Nowak-170x300.jpg 170w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/Nowak-283x500.jpg 283w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/Nowak-768x1355.jpg 768w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/Nowak-870x1536.jpg 870w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/Nowak-160x282.jpg 160w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/Nowak.jpg 1050w\" sizes=\"auto, (max-width: 170px) 100vw, 170px\" \/>Das 46. Heft der Lyrikreihe \u201eVERSENSPORN \u2013 Heft f\u00fcr lyrische Reize\u201c bietet mit insgesamt 40 Texten alle bislang bekannten Gedichte Heinrich Nowaks. Neben dem Abdruck des einzigen Gedichtbandes &#8222;Die tragische Geb\u00e4rde&#8220; (1913) werden auch die nur verstreut publizierten Gedichte pr\u00e4sentiert. Die Auflage betr\u00e4gt 100 Exemplare. Als Titelabbildung wurde der Holzschnitt von Herbert Gro\u00dfberger \u201eStra\u00dfe\u201c (1913) verwendet.<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die \u00f6sterreichische Dichter Heinrich Nowak wird am 26. Januar 1890 in Wien geboren. 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