{"id":92814,"date":"2001-09-14T00:01:25","date_gmt":"2001-09-13T22:01:25","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=92814"},"modified":"2021-10-29T16:47:17","modified_gmt":"2021-10-29T14:47:17","slug":"spinderella","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2001\/09\/14\/spinderella\/","title":{"rendered":"Spinderella"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Jacqueline lie\u00df sich durch die Menge treiben. Eine Spinderella, die sich um sich selbst drehte. Massen von schwitzenden Leibern dr\u00e4ngten an ihr vorbei, um sich zu am\u00fcsieren, st\u00fcrzten haltlos auf Begehrlichkeiten zu. Jacqueline atmete eine Mischung aus dampfendem Schwei\u00df, billigem Parfum, verbranntem Gummi und angebrannten Mandeln ein. Trank die letzte Dose aus dem Six\u2013Pack. Ein Faktotum mit eingebautem Airbag \u00fcber den Shorts trat ihr \u00fcber die Zehen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00bbWiderliches Ekelpaket!\u00ab, rief sie ihm nach und passierte das Cranger Tor. Diese Stahlkonstruktion war eine Arbeit des Erbauers Constantin Costaras; der Treffpunkt, falls man einander verlor. Die erste Nacht geh\u00f6rte Schaustellern und Wanner B\u00fcrgern. Es war nicht selten, dass die Artisten \u00fcber die Jahre Freundschaften mit Einheimischen begr\u00fcndet hatten und die Wanner ein Zimmer frei machten, um den Besuchern Gastrecht zu gew\u00e4hren. An Schlaf war jedoch zu dieser Zeit kaum zu denken. Es zog jedermann unwiderstehlich in die Budengassen. Die Augusthitze hatte Jacqueline fr\u00fchzeitig aus dem Haus getrieben. Sie hatte sich im Friseursalon Albrink die Haare nachdunkeln und die Spitzen schneiden lassen. Der Salon am Cranger Tor war in der dritten Generation f\u00fcr das Kirmesvolk der Haus\u2013und\u2013Hof\u2013Friseur. Mit vielen Schaustellern verband Theo Albrink, der den Laden von Theo Senior \u00fcbernommen hatte, ein herzliches Verh\u00e4ltnis. Die ans\u00e4ssigen Gesch\u00e4ftsleute waren in Crange mit der Kirmes gro\u00df geworden. Fr\u00fcher waren sie zu dieser Zeit oft in den sechs Wochen der Ferien hier und hatten mit den Kindern der Schausteller gespielt, auch Jacquelines Bande wuchs zur Kirmeszeit um zehn M\u00e4dchen an. Die Kinder hatten nach einer Weile die Gesch\u00e4fte \u00fcbernommen, deshalb sah Jacqueline jedes Jahr nach, was aus wem geworden war.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Fortsetzung folgt.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">***<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Massaker<\/strong>, ein Cranger-Cirmes-Crimi von Barbara Ester und A.J. Weigoni, Krash-Verlag 2001<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/08\/Massaker-206x300.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-17074\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/08\/Massaker-206x300.jpg\" alt=\"\" width=\"206\" height=\"300\" \/><\/a><strong>W<\/strong><strong>eiterf\u00fchrend \u2192<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In der Reihe Gossenhefte zeigt sich, was passiert, wenn sich literarischer Bodensatz und die Reflexionsm\u00f6glichkeiten von popul\u00e4rkulturellen Tugenden nahe genug kommen. Der Essay <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=35655\"><em>Perlen des Trash<\/em><\/a> stellt diese Reihe ausf\u00fchrlich vor. Dem Begriff\u00a0<a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2014\/11\/01\/trash-eine-einfuehrung\/\"><em>Trash<\/em><\/a> haftet der Hauch der Verruchtheit und des Nonkonformismus an. In Musik, Kunst oder Film gilt <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2014\/11\/30\/proust_and_pulp\/\"><em>Trash<\/em><\/a> als Bewegung, die im Klandestinen stattfindet und an der nur ein exklusiver Kreis nonkonformistischer Aussenseiter partizipiert. Lesen Sie auch das <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1996\/06\/09\/groschenhefte\/\"><em>Kollegengespr\u00e4ch<\/em> <\/a>von A.J. Weigoni mit dem <em>echten<\/em> Bastei L\u00fcbbe-Autor Dieter Walter.\u00a0Eine W\u00fcrdigung von <em>Massaker<\/em> durch Betty Davis lesen Sie <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2013\/08\/02\/die-atomisierende-maschinerie-der-modernen-gesellschaft\/\">hier<\/a>. Die H\u00f6rfassung unter dem Titel <a href=\"http:\/\/www.vordenker.de\/weigoni\/blutrausch.htm\"><em>Blutrausch<\/em><\/a> h\u00f6ren Sie in der Reihe <em>MetaPhon<\/em>. Als Tag f\u00fcr die Vorstellung dieses Cranger-Cirmes-Crimis war der 11. September 2001 vorgesehen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; Jacqueline lie\u00df sich durch die Menge treiben. Eine Spinderella, die sich um sich selbst drehte. Massen von schwitzenden Leibern dr\u00e4ngten an ihr vorbei, um sich zu am\u00fcsieren, st\u00fcrzten haltlos auf Begehrlichkeiten zu. Jacqueline atmete eine Mischung aus dampfendem Schwei\u00df,&hellip;<\/p>\n<p class=\"more-link-p\"><a class=\"more-link\" href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2001\/09\/14\/spinderella\/\">Read more &rarr;<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":14,"featured_media":17074,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[628,3149],"class_list":["post-92814","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-literatur","tag-a-j-weigoni","tag-massaker"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/92814","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/14"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=92814"}],"version-history":[{"count":0,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/92814\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=92814"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=92814"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=92814"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}