{"id":92359,"date":"2021-12-24T00:01:11","date_gmt":"2021-12-23T23:01:11","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=92359"},"modified":"2022-02-28T11:53:20","modified_gmt":"2022-02-28T10:53:20","slug":"nunsploitation","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2021\/12\/24\/nunsploitation\/","title":{"rendered":"Nunsploitation"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Veteran des Edel-Trash hat sich dem Nunsploitation-Genre gewidmet. Paul Verhoeven erkundet die latente Sexualisierung des Jesus-Kults, insbesondere die Ikonografie des Nonnenfilms. <em>Benedetta<\/em> ist die Verfilmung von Judith Cora Browns Biografie \u201eSch\u00e4ndliche Leidenschaften: das Leben einer lesbischen Nonne in Italien zur Zeit der Renaissance\u201c.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">Rasch eskalierende Entr\u00fcckungsumst\u00e4nde<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright wp-image-95697 size-medium\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/Decameron_Plakat-200x300.jpg\" alt=\"\" width=\"200\" height=\"300\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/Decameron_Plakat-200x300.jpg 200w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/Decameron_Plakat-333x500.jpg 333w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/Decameron_Plakat-160x240.jpg 160w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/Decameron_Plakat.jpg 600w\" sizes=\"auto, (max-width: 200px) 100vw, 200px\" \/>Paul Verhoevens <em>Benedetta<\/em> steht steht in der jahrhundertealten Tradition der Erz\u00e4hlungen \u00fcber fehlgeleitete, gesch\u00e4ndete oder sexuell abartige Ordensschwestern. Beispiele daf\u00fcr finden sich bei Giovanni Boccaccio (<i>Il Decamerone<\/i>, Pietro Aretino (<i>Ragionamenti<\/i>) oder Denis Diderot (<i>La religieuse<\/i>). Der H\u00f6hepunkt von Nunsploitation-Filmen findet sich in entsprechenden italienischen Produktionen aus den 1970er Jahren. Dabei profitierte man von dem gesunkenen Einfluss des Vatikans auf den kulturellen Konsum. Der hohe Aussto\u00df an Nunsploitation-Filmen ist in Zusammenhang mit den sinkenden Zuschauerzahlen in den italienischen Kinos seit den fr\u00fchen 1960ern zu sehen. Durch spekulative Inhalte und Nacktszenen, wie sie vom damaligen Fernsehen nicht angeboten wurden, hoffte man auf hohe Einnahmen bei vergleichsweise g\u00fcnstigen Produktionsbedingungen. Stilistisch beeinflusst wurden die Nunsploitation-Filme von den italienischen Sexkom\u00f6dien der 1960er, die teilweise bereits jenes Ambiente von Mittelalter und Renaissance als Hintergrund w\u00e4hlten (z.\u00a0B. <i>L&#8217;armata Brancaleone<\/i> von Mario Monicelli, 1966), das auch f\u00fcr die Nunsploitation-Filme dominierend sein w\u00fcrde. Au\u00dferdem orientierte man sich an der vorhandenen Literatur, vornehmlich an Boccaccio und Aretino. Insgesamt war die Nonne zun\u00e4chst eher eine Episodenfigur und r\u00fcckte erst allm\u00e4hlich zur Protagonistin in g\u00e4nzlich monothematischen Filmen auf. Auch von ihrem Anspruch her seri\u00f6se Filme wie <i>The Devils<\/i> (Ken Russell) oder <i>Il Decameron<\/i> (Pier Paolo Pasolini) griffen das Thema auf und sorgten f\u00fcr Nachahmer im Trashfilm-Sektor. Schlie\u00dflich war es auch die Geschichte der unz\u00f6libat\u00e4ren, mit einem Mann lebenden und Kinder zeugenden sowie zur Strafe eingemauerten <i>Nonne von Monza<\/i>, Virginia de Levya, die die Fantasie von Filmemachern besch\u00e4ftigte, was zun\u00e4chst zu satirischen (<i>Il monaco di Monza<\/i>, Sergio Corbucci), dann eher sexuell ausgerichteten und expliziteren Produktionen f\u00fchrte (z. B. <i>La monaca di Monza<\/i>, Eriprando Visconti).<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">St\u00e4rkt das Begehren den Glauben?<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In Paul Verhoevens <em>Benedetta<\/em> befinden uns in der Toskana, im 17. Jahrhundert. Als die Pest im Land w\u00fctet, tritt Benedetta Carlini als Novizin in das Kloster in Pescia ein. Als \u00c4btissin sehen wir Charlotte Rampling in einers abgekl\u00e4rten Alterrolle. Bereits in jungen Jahren ist Benedetta Carlini in der Lage, Wunder zu vollbringen. Dieser Umstand wirkt sich unmittelbar und folgenreich auf das Leben in der Gemeinde aus. Das wiederkehrendes Thema ist auch in dieser Version, die Frau, die gegen ihren Willen zur Nonne gemacht wird, zumeist als Strafe f\u00fcr vorherige Verst\u00f6\u00dfe gegen die Moral. Im Kloster wird dann oft der &#8211; auch gemeinsamen oder gegenseitigen &#8211; Masturbation gefr\u00f6nt, zwischen den Nonnen entstehen erotische oder sexuelle Bindungen oder Geschlechtsverkehr wird mit einem eingeschmuggelten Mann ausgef\u00fchrt. Die \u00dcberg\u00e4nge zwischen religi\u00f6ser und sexueller Ekstase werden als flie\u00dfend dargestellt. Regelm\u00e4\u00dfig m\u00fcssen S\u00fcnden bestraft werden, wobei die Nonnen barbusig gepeitscht werden und erneut sexuelle Konnotationen geboten werden. Letztlich m\u00fcssen die Umtriebe der Nonnen immer wieder von m\u00e4nnlichen Kirchenautorit\u00e4ten, hier verk\u00f6rpert duch <span class=\"findSearchTerm\">Lambert Wilson<\/span>, unterbunden werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">Tabubruch und Transgression<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In diesem Film geht es Verhoeven vor um die Abgr\u00fcnde der Religionsgeschichte in den christ\u00adli\u00adchen L\u00e4ndern Europas. Der \u00fcberzeugte Atheist vermag immer noch zu provozieren, in einer Szene sehen wir eine Marienstatue, aus der die Novizin Bartolomea\u00a0 ihrer Geliebten einen Dildo schnitzt. Was w\u00fcrde wohl der Papst davon halten?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">***<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Benedetta<\/strong>, von Paul Verhoeven, 2021<\/p>\n<div>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/Benedetta.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-92362\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/Benedetta.png\" alt=\"\" width=\"136\" height=\"195\" \/><\/a><strong>Weiterf\u00fchrend \u2192<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">KUNO hat ein Faible f\u00fcr Trash. Dem Begriff <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2014\/11\/01\/trash-eine-einfuehrung\/\"><em>Trash<\/em><\/a> haftet der Hauch der Verruchtheit und des Nonkonformismus an. In Musik, Kunst oder Film gilt Trash als Bewegung, die im Klandestinen stattfindet und an der nur ein exklusiver Kreis nonkonformistischer Aussenseiter partizipiert. Dieser angeschmutzte Realismus entzieht sich der Rezeption in einer \u00f6ffentlichen Institution. 1989 erscheint Helge Schneiders allererste Schallplatte <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=26990\"><em>Seine gr\u00f6\u00dften Erfolge<\/em><\/a>. Produziert von Helge Schneider und <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2012\/07\/20\/klangkloetzchen\/\">Tom T\u00e4ger<\/a> im Tonstudio\/Ruhr. Constanze Schmidt beschreibt den Weg von <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=26080\">Proust zu Pulp<\/a>. Ebenso eindr\u00fccklich empfohlen sei Heiner Links <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=42272\">Vorwort<\/a> zum Band Trash-Piloten. Ebenso verwiesen sei auf <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=44449\">Trash-Lyrik <\/a>.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Trivia<\/strong>: Russland hat den Film \u00fcber eine lesbische Nonne inzwischen verboten. Begr\u00fcndung: &#8222;Benedetta\u201c versto\u00dfe gegen Gesetze zum Schutz der Gl\u00e4ubigen und der Religionsaus\u00fcbung, erkl\u00e4rt das Kulturministerium.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; Der Veteran des Edel-Trash hat sich dem Nunsploitation-Genre gewidmet. Paul Verhoeven erkundet die latente Sexualisierung des Jesus-Kults, insbesondere die Ikonografie des Nonnenfilms. 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