{"id":92231,"date":"2021-10-09T00:01:57","date_gmt":"2021-10-08T22:01:57","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=92231"},"modified":"2022-02-18T18:45:21","modified_gmt":"2022-02-18T17:45:21","slug":"die-medienpluralitaet-hat-das-monomedium-buch-verdraengt","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2021\/10\/09\/die-medienpluralitaet-hat-das-monomedium-buch-verdraengt\/","title":{"rendered":"Die Medienpluralit\u00e4t hat das Monomedium Buch verdr\u00e4ngt"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das literarische Sprach-Handwerk spricht vom Sterblichen, Poesie zielt seit dem Gilgameschepos aber auf Unsterblichkeit. In den <em>Schmauchspuren<\/em> dr\u00fcckt sich das schmerzende Gef\u00fchl des Verlustes der Metaphysik aus. Sp\u00e4testens seit einem Verkehrsunfall mit Nahtoterfahrung wusste A.J. Weigoni um einem Leben im Angesicht des Nichts. Dieser Sprechsteller geriert sich nicht nur als poeta doctus und poeta faber, er verbindet Klang und Inhalt zu einer Poesie, die weit \u00fcber <em>Text und Kontext <\/em>hinausgeht. Wie werden Zeuge einer unverkennbaren Wortverkettungslust, ruppige Konsonantenstr\u00f6me treffen auf eine verkantete Grammatik, ahnungsweise verst\u00e4ndliche Neologismen auf Analogbildungen. Dies \u00fcberzeugt sowohl in Notation, als auch in Rezitation.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\"><em>Lyrik verbindet das Innen und Au\u00dfen miteinander: Einatmen \u2013 Ausatmen. Der Vers ist so besehen:\u00a0 eine Atem\u00adeinheit<\/em><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es ist eine T\u00fccke aller technischen Medien, dass sie sich selbst zum Verschwinden bringen, indem sie hinter den T\u00f6nen oder Bildern, die sie transportieren, in der Regel unh\u00f6rbar, unsichtbar bleiben. Weil Klang und Stimme uns direkt und emotional ansprechen, spielen sie K\u00fcnstlern in die H\u00e4nde, die ihr Publikum in Performances und Produktionen einbeziehen. Es geht diesem Lyriker darum, mit wenigen Worten alles zu sagen. Es geht auch darum, Gef\u00fchle zu kommunizieren, ohne da\u00df Worte verst\u00e4ndlich werden. Es ist seine Methode, die Stimme als Instrument einzusetzen, nicht als Nebelhorn. Er f\u00fcgt zusammen, setzt W\u00f6rter in den Fluss, um sie danach wieder raubeinig zu trennen. Weigoni schl\u00e4gt zwar nicht auf die Luft ein, aber mit ihrer Sprache formt sie die Luft zu Kl\u00e4ngen und rhythmischen Figuren, die den Leser aus seinen vertrauten Denkmustern holen.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">Wir schwimmen im Meer der Radiowellen, schrieb Marshall McLuhan 1968 in <em>Die magischen Kan\u00e4le<\/em>, aber wir bemerken sie ebenso wenig wie ein Fisch das Wasser, solange er nicht an Land gezogen wird und Luft schnappt.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Seine Denksch\u00e4rfe in den <em>Schmauchspuren<\/em> hat das Ziel die Logik einer poetologischen Reflexion zu sein welche die Wirklichkeit im Ausgesprochenen entdeckt. Es geht um Beweglichkeit und Bewegung. Denkbewegung und Handeln. Bei diesem Poeta ludens ist Sprechen ein sch\u00f6pferischer Akt, bei dem durch das Aussprechen Welt und Wirklichkeit erst entstehen. Er haucht, atmet die Zeilen aus, er l\u00e4sst ab und zu einen winzigen Seufzer anklingen. Die artIQlierten Denkspiele sind, um es mit Georg Heyms Worten zu sagen &#8222;Neopathetisches Cabaret f\u00fcr Abenteurer des Geistes&#8220;.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">***<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\" align=\"center\"><strong>Schmauchspuren<\/strong>, Gedichte von A.J. Weigoni, Edition Das Labor, M\u00fclheim 2015 \u2013 Limitierte und handsignierte Ausgabe des Buches als Hardcover.<\/p>\n<div id=\"attachment_51506\" style=\"width: 208px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2015\/01\/Schmauch_Cover-e1580063964832.jpeg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-51506\" class=\"wp-image-51506 size-medium\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2015\/01\/Schmauch_Cover-198x300.jpeg\" alt=\"\" width=\"198\" height=\"300\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-51506\" class=\"wp-caption-text\">Original Holzschnitt, direkt auf das Cover gedruckt von Haimo Hieronymus<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Weiterf\u00fchrend \u2192<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In 2015 erschien der Band <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=27376\"><em>Schmauchspuren<\/em><\/a>. Als\u00a0<a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2015\/12\/09\/der-sprache-aufs-maul-schauen\/\">Forensiker<\/a> der deutschsprachigen Lyrik anerkennt Jo Wei\u00df diesen Lyriker. Das <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2015\/03\/17\/dichten-als-form-des-denkens\/\">Dichten als Form des Denkens<\/a> erkennt Erik Lauer. Holger Benkel betrachtet die <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2015\/10\/16\/schmauchpoesie\/\">Schmauchpoesie<\/a> von Weigoni.\u00a0Eine \u00dcbersetzung des Gedichts <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=32798\"><em>Ichzerlegung eines Wesensfallenstellers<\/em><\/a> durch <i>Lilian Gergely <\/i>finden Sie im Literaturmagazin <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=30797\">Transnational No.3<\/a> Die <em>Schmauchspuren<\/em> sind als Einzelband vergriffen und nur noch im Schuber erh\u00e4ltlich.\u00a0Jeder Band aus dem <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/2017\/01\/18\/gedichte\/\"><em>Schuber<\/em><\/a> von A.J. Weigoni ist ein Sammlerobjekt. Und jedes Titelbild ein Kunstwerk. KUNO fa\u00dft die <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=42570\">Stimmen<\/a> zu dieser verlegerischen Gro\u00dftat zusammen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Juliane Rogge \u00fcber die <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2017\/02\/18\/sommergelee-%c2%b7-revisited\/\">Symbiose<\/a> der Gattungen\u00a0Lyrik, Musik und Tanz.\u00a0Probeh\u00f6ren kann man Ausz\u00fcge der <em><a href=\"http:\/\/vordenker.de\/weigoni\/schmauchspuren.html\">Schmauchspuren<\/a><\/em>\u00a0und von <a href=\"http:\/\/www.vordenker.de\/weigoni\/neige.html\"><em>An der Neige<\/em><\/a>\u00a0in der Reihe <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=17799\">MetaPhon<\/a>. Eine eine Polemik von A.J. Weigoni \u00fcber den Sinn einer <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2015\/02\/07\/bartleby\/\">Lesung<\/a>. Lesenswert auch <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=25524\"><em>VerDichtung \u2013 \u00dcber das Verfertigen von Poesie<\/em><\/a>, einen Essay von A.J. Weigoni \u00fcber das Schreiben von Gedichten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; Das literarische Sprach-Handwerk spricht vom Sterblichen, Poesie zielt seit dem Gilgameschepos aber auf Unsterblichkeit. In den Schmauchspuren dr\u00fcckt sich das schmerzende Gef\u00fchl des Verlustes der Metaphysik aus. Sp\u00e4testens seit einem Verkehrsunfall mit Nahtoterfahrung wusste A.J. Weigoni um einem Leben&hellip;<\/p>\n<p class=\"more-link-p\"><a class=\"more-link\" href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2021\/10\/09\/die-medienpluralitaet-hat-das-monomedium-buch-verdraengt\/\">Read more &rarr;<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":110,"featured_media":98390,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[628],"class_list":["post-92231","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-literatur","tag-a-j-weigoni"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/92231","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/110"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=92231"}],"version-history":[{"count":1,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/92231\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":98391,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/92231\/revisions\/98391"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media\/98390"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=92231"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=92231"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=92231"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}