{"id":9221,"date":"2012-12-25T00:01:00","date_gmt":"2012-12-24T23:01:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=9221"},"modified":"2021-11-29T14:57:05","modified_gmt":"2021-11-29T13:57:05","slug":"zuletzt","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2012\/12\/25\/zuletzt\/","title":{"rendered":"Zuletzt \u2219 Das gewonnene Alphabet"},"content":{"rendered":"<address style=\"padding-left: 90px;\"><span style=\"color: #666699;\"><em>abrikostr\u00e6erne<\/em> findes, <em>abrikostr\u00e6erne<\/em> findes<\/span><\/address>\n<address style=\"padding-left: 90px;\"><span style=\"color: #666699;\"><em>Inger Christensen<\/em><\/span><\/address>\n<address style=\"padding-left: 90px;\"><span style=\"color: #666699;\">\u00a0<\/span><\/address>\n<address style=\"padding-left: 90px;\"><span style=\"color: #666699;\">Je sais que la po\u00e9sie est indispensable,<\/span><\/address>\n<address style=\"padding-left: 90px;\"><span style=\"color: #666699;\">mais je ne sais pas \u00e0 quoi.<\/span><\/address>\n<address style=\"padding-left: 90px;\"><span style=\"color: #666699;\"><em>Jean Cocteau <\/em><\/span><\/address>\n<address style=\"padding-left: 90px;\"><span style=\"color: #666699;\">\u00a0<\/span><\/address>\n<address style=\"padding-left: 90px;\"><span style=\"color: #666699;\">Jedes Gedicht, das ich sagte und schrieb oder schreiben wollte,<\/span><\/address>\n<address style=\"padding-left: 90px;\"><span style=\"color: #666699;\">kam aus einem: Ich kann nicht sprechen, ich habe keine W\u00f6rter.<\/span><\/address>\n<address style=\"padding-left: 90px;\"><span style=\"color: #666699;\"><em>Peter Waterhouse<\/em><\/span><\/address>\n<h4 style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000080;\">Beispielsweise so \u2026<\/span><\/h4>\n<div id=\"attachment_9228\" style=\"width: 156px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/12\/word-theatre-2.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-9228\" class=\" wp-image-9228 \" title=\"word theatre (2)\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/12\/word-theatre-2-209x300.jpg\" alt=\"\" width=\"146\" height=\"210\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/12\/word-theatre-2-209x300.jpg 209w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/12\/word-theatre-2-713x1024.jpg 713w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/12\/word-theatre-2.jpg 1169w\" sizes=\"auto, (max-width: 146px) 100vw, 146px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-9228\" class=\"wp-caption-text\">Theo Breuer \u00b7 J\u00f6rg Seifert \u00b7 Pete Spence \u00b7 <em>Flux de luxe<br \/><\/em><\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Vier Diener \u2013 Naschkleiber \u2013 sollen hei\u00dfe \u00c4schen kaschen, denn vier k\u00fc\u00dften, wo armer nasser B\u00e4r \u2026<\/em>, w\u00e4hn ich die Wortspielgef\u00e4hrten der wuseligen 1960er Wendezeiten (widerspr\u00fcchlich, Woche nach Woche) wettei\u00adfern wie wild, Wetter war wohl wie\u00adderholt wechselhaft, wirklich windig, wahrhaftig wenig warmer Wonnenschein, und von wie vielen Menschen erinnre ich bis in die fr\u00fche Kindheit <em>auf dem Dorfe<\/em> den sehr pers\u00f6nlichen, lyrisch aspi\u00adrier\u00adten, idiosynkrati\u00adschen Refrain, der (oft wohl, ohne da\u00df die Sprecher sich dessen bewu\u00dft sind) regelm\u00e4\u00ad\u00dfig An\u00adfang\/Ende der S\u00e4tze mar\u00adkiert, abwe\u00adgige und landl\u00e4ufige Bilder, Metaphern, Fi\u00adguren aller Art geb\u00e4rden sich wie toll in \u203agut gemeinten\u2039 Sentenzen, Tro\u00adpen verste\u00adcken sich von A bis Z in wilden W\u00f6rtern des aufregend \u2219 beinhart \u2219 chao\u00adtisch \u2219 dr\u00f6\u00adge \u2219 ekelhaft \u2219 elysisch \u2219 feinzart \u2219 for\u00addernd \u2219 gebrochen \u2219 gest\u00f6rt \u2219 gemein \u2219 grausam \u2219 halluziniert \u2219 hellwach \u2219 idio\u00adtisch \u2219 jovial \u2219 kum\u00admer\u00advol\u00adl \u2219 l\u00e4ppi\u00adsch \u2219 m\u00fc\u00adde \u2219 nerv\u00f6s \u2219 opulent \u2219 phantastisch \u2219 poppig \u2219 quiet\u00adschend \u2219 rasant \u2219 skurril \u2219 staubi\u00adg \u2219 unheimlich \u2219 verr\u00fcck\u00adt \u2219 vertr\u00e4umt \u2219 verweint \u2219 wun\u00addert\u00fctentoll \u2219 xenophobi\u00adsch \u2219 yberw\u00fctig \u2219 zickzackig \u2219 zuha\u00adckend erscheinenden All\u00adtags, der, zum Vor\u00adteil der Verse, f\u00fcll\u00adhornig|m\u00fcll\u00adzornig <em>die<\/em> poetisch sprudelnde Kraftquelle bleibt, und die luftige (lustige) pa\u00adragrammatische Assoziation feiert fr\u00f6hliche Urst\u00e4nd auch in der Lyrik nach 2000: In, beispielsweise, Mi\u00adkael Vogels <em>Mas\u00adsenhaft Tiere <\/em>laufen mir nicht blo\u00df <em>Leeren und Lehren der Stra\u00dfen<\/em> \u00fcbern Steg, und derma\u00dfen durch\u00addrungen lese ich, eyes wide as saucers, nein, kein Scherz (eher schon: Merz), auf dem buchstabenblutenden Beipackzettel von Sal\u00adbuBronch: <em>Zur Er\u00adheiterung der Bron\u00adchien<\/em>, und, suchst\u00e4blich gleichsam, anti\u00adthetisch \u00b7 brachylo\u00adgisch \u2219 chi\u00adas\u00admisch \u2219 dysphe\u00admis\u00admisch \u2219 elliptisch \u2219 flos\u00adkel\u00adhaft \u2219 geminatio\u00adnisch \u00b7 hy\u00adperbolisch \u00b7 ironisch \u00b7 ka\u00adtachre\u00adtisch \u00b7 lautmalerisch \u2219 meta\u00adpho\u00adrisch \u2219 neolo\u00adgisch \u2219 oxy\u00admoro\u00adnisch \u2219 paro\u00adnomatisch \u2219 quirilierend \u2219 repe\u00adtito\u00adrisch \u2219 syn\u00ad\u00e4sthe\u00adtisch \u2219 teoda\u00addaistisch \u2219 unter\u00adtrei\u00adbend \u2219 vulg\u00e4r \u00b7 wortspie\u00adlerisch \u00b7 xylopho\u00adnisch \u2219 yid\u00addisch \u2219 zy\u00adnisch geht es zu in den all\u00adt\u00e4gli\u00adchen Al\u00adphabe\u00adten von Fabri\u00adkan\u00adten, Fein\u00adden, Fremden, Freunden, Ver\u00adwandten, Versver\u00adfassern, <em>der schat\u00adten des dichters schreibt die sonnenzeit<\/em> (Claus Bremer), da\u00df mir, <em>ja,<\/em> <em>in der Tat<\/em>, H\u00f6ren und <em>jetzt \/ jetzt jetzt jetzt <\/em>(beim Lesen von Helmut Hei\u00dfen\u00adb\u00fcttels <em>Topographien<\/em>) auch Se\u00adhen verge\u00adhen, <em>beispielsweise so<\/em> bei Oskar Pastior: <em>flunder plunder zan\u00adder schinder<\/em> \u2013 \u203ausw.\u2039<\/p>\n<h4 style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000080;\">Oder so \u2013<\/span><\/h4>\n<div id=\"attachment_9231\" style=\"width: 151px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/12\/liquidation.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-9231\" class=\" wp-image-9231 \" style=\"border: 0px none;\" title=\"liquidation\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/12\/liquidation-202x300.jpg\" alt=\"\" width=\"141\" height=\"210\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/12\/liquidation-202x300.jpg 202w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/12\/liquidation-692x1024.jpg 692w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/12\/liquidation.jpg 1181w\" sizes=\"auto, (max-width: 141px) 100vw, 141px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-9231\" class=\"wp-caption-text\"><em>Liquidation<\/em><\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\">An einem Tag im Mai des Jahres 2012 lese ich in einer E-Mail von Axel Kutsch Gotthold Eph\u00adraim Lessings Begehr <em>Wir wollen flei\u00dfiger gelesen sein<\/em>. An diesem heftigen Verlangen hat sich wahr\u00adscheinlich wenig blo\u00df ge\u00e4n\u00addert seit jener \u203aguten alten Zeit\u2039 (die sicherlich alles andre, blo\u00df das nicht war, nicht wahr?). In Mas\u00adsen werden B\u00fccher gedruckt, in Horden Auto\u00adren in den Himmel gehoben, aber werden sie auch <em>gelesen<\/em>? (Mu\u00df man sie alle lesen, und wollen sie alle gelesen sein?) \u00bbJa, das wei\u00df man nicht\u00ab, seufzt Kraus \u2013 vielsagend wie eh und je. Mich mit dieser sibyllini\u00adschen Bemerkung keinesfalls abfinden wollend, bl\u00e4ttre ich ein bi\u00dfchen in B\u00fc\u00adchern und werde schnell f\u00fcndig \u2013 bei Friederike Mayr\u00f6cker, die ich im\u00admer lesen will: <em>Ich m\u00f6chte einfach, da\u00df Leute meine B\u00fccher l-e-s-e-n. \u2013 Und zwar Leser, die etwas mit meinen Texten machen, die mich in irgendeiner Weise kennen\u00adlernen und damit wahr\u00adscheinlich auch sich selber besser kennenlernen.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Statt die Antwortfunktion anzuklicken, greif ich zum H\u00f6rer, und, ich habe Gl\u00fcck, Kutsch ist gleich am Apparat. Es ist die Zeit, w\u00e4hrend der ich mit den Friederike Mayr\u00f6cker und Hans Ben\u00adder ge\u00adwidmeten <em>Matrix<\/em>-Ausgaben 28 und 29 befa\u00dft bin, \u00fcber die wir, naturgem\u00e4\u00df, ausgiebig spre\u00adchen, es ist aber auch die Zeit, in der ich beginne, das vorliegende Ge\u00addichtbuch vorzubereiten. Nach\u00addem die im Anschlu\u00df an den 2002 ver\u00f6f\u00adfentlichten Lyrikband <em>Land Stadt Flucht<\/em> geschriebenen Gedichte der Jahre 2003 bis 2012 zusammengestellt sind (unter denen man, das sei am Rande blo\u00df bemerkt, allerlei Anmerkungen g\u00e4b es zu machen, soll ich, soll ich nicht, soll ich, soll ich nicht, das eine Akrostichon oder andere Cento auflesen kann), beschlie\u00dfe ich, nach eingehender und, wie man sich denken kann, recht temperamentvoller Be\u00adratung mit Peer Quer, das Buch in alpha\u00adbeti\u00adscher Reihen\u00adfolge einzurichten, die Ge\u00addichte, somit, entsprechend der ersten W\u00f6rter der Titel als Sprachzu\u00adfallsgenerator, ohne wenn und ohne aber, die Rei\u00adhen\u00adfolge bestimmen zu lassen.<\/p>\n<div id=\"attachment_9233\" style=\"width: 155px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/12\/poesie.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-9233\" class=\" wp-image-9233 \" title=\"poesie\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/12\/poesie-207x300.jpg\" alt=\"\" width=\"145\" height=\"210\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/12\/poesie-207x300.jpg 207w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/12\/poesie-709x1024.jpg 709w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/12\/poesie.jpg 1181w\" sizes=\"auto, (max-width: 145px) 100vw, 145px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-9233\" class=\"wp-caption-text\"><em>Poesie<\/em><\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00dcber diesen und jenen Buchtitel habe ich w\u00e4hrend der intensiven Lekto\u00adratsarbeit (Gedichte sind organisch-lebendige Gestalten von dynamischer Natur: Dieser Art gem\u00e4\u00df kennen sie keine besie\u00adgelten Versionen, <em>I don\u2019t look on poetry as closed works<\/em>, offenbart John Ashbery, sondern dr\u00e4ngen dauerhaft nach dem Wunschbild der Vollkommenheit, die sie aus\u00adnahmsweise blo\u00df erreichen \u2013 so bleiben sie als \u203awork in progress\u2039 auf immerw\u00e4hrender Wan\u00adderschaft), auch im Aus\u00adtausch mit Mrs Co\u00adlumbo, hin und wieder nachgedacht: <em>Stein von Toledo<\/em>, <em>In der Schwebe<\/em> kommen in die engere Wahl, zum Zeitpunkt des Telefonats bin ich jedoch noch nicht zu einem Er\u00adgebnis ge\u00adkommen, was ja nicht schlimm ist, liegt die Herausgabe des Bu\u00adches doch noch in sehr angenehm weiter Ferne.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nun erz\u00e4hle ich Axel Kutsch vom guten \u203aZufall\u2039, der es m\u00f6glich gemacht habe, jeden Buchstaben von A bis Z tats\u00e4chlich mit wenigstens einem Gedicht zu besetzen. \u2013 \u203aAlphabet\u2039 sei ja vielleicht ein naheliegender Titel \u2026 \u00bbAber so hei\u00dft nun einmal Inger Christensens so wunderwunderbares Gedicht\u00adbuch\u00ab, unterbricht Kraus ungefragt den lockeren Gedankengang, im \u00fcbri\u00adgen ohne Not, wei\u00df er doch, da\u00df <em>alfabet<\/em> zu den Ge\u00addichtb\u00fc\u00adchern z\u00e4hlt, die auch bei mir den kraftvollsten Lekt\u00fcre-Eindruck hinter\u00adlassen haben, und ich, spontan \/ spielerisch-verspielt, einer feinen Assoziation blo\u00df gefolgt bin. Ich zitiere also Nicanor Parra \u2013 <em>Como los fenicios pretendo formarme mi propio alfabeto<\/em> \u2013, und Kraus, dem das spanisch vorkommt, ist, zun\u00e4chst einmal, still (<em>wer schweigt erinnert und wer erinnert schreibt, schweigend oder schreibend tritt man \u00fcber den Rand<\/em> \u2219 Max Bense). \u2013 \u2013 \u2013 Und ich denke, un\u00advermit\u00adtelt, auf B\u00fc\u00adcher blickend, Kraus, Kutsch, das Telefonieren, hallohallo?, schlichteinfach verdr\u00e4ngend (und, viel\u00adleicht, ein bi\u00dfchen \u203avon Sinnen\u2039), Namenw\u00f6rter quer und kreuz in loser Reihen\u00adfolge, \u00e4hn\u00adlich Odysseus bin ich, wie sich vielleicht herumgesprochen hat, ebenfalls ein Freund von lustigen Listen, die ich <em>an allen Ecken und Enden<\/em> (Friederike Mayr\u00f6cker \u2219 Gedicht vom 4.12.2011), an allen Decken und W\u00e4nden und auf Teufel komm raus unterzubringen versuche: Ai\u00adchin\u00adger \u2219 Brinkmann (<em>Ich finde gew\u00f6hnliche Sachen sch\u00f6n<\/em>) \u2219 Ce\u00adlan \u2219 Derschau \u2219 Erb (<em>Das Letternspiel aus Wolken wandert ungleich<\/em>) \u2219 Fels \u2219 George (<em>Leute, die hinter einem Gedicht den \u203aeigentlichen Sinn\u2039 suchen, sind wie die Affen, die immer mit den H\u00e4nden hinter einen Spiegel fahren, als m\u00fcsse dort ein K\u00f6rper zu fassen sein<\/em>) \u2219 H\u00f6lderlin \u2219 Ingold (<em>auf -x reimt alles<\/em>) \u2219 Jandl \u2219 Kling \u2219 La\u00advant \u2219 Mayr\u00f6cker (<em>in den Fingerspitzen krib\u00adbelt die Buchsta\u00adbenwelt, usw.<\/em>) \u2219 Novak \u2219 Oppen\u00adheim \u2219 Priessnitz \u2219 Quasimodo (<em>Giorne dopo giorno: parole maledette<\/em>) \u2219 Reinig \u2219 Saalberg \u2219 T\u00f6rne \u2219 Uetz \u2219 von der Vring \u2219 W\u00fchr \u2219 Xena\u00adkis (<em>Es ist verboten \/ in der Zelle hin und her zu gehen<\/em>) \u00b7 Yeats (<em>The poets labouring all their days \/ To build a perfect beauty in rhyme \/ Are overthrown by a woman\u2019s gaze<\/em>) \u00b7 Zenke \u2013 und denke an Marcel Bey\u00aders <em>Wespe, komm in meinen Mund, \/ mach mir Sprache, innen<\/em>.<\/p>\n<h4 style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000080;\">Also?<\/span><\/h4>\n<div id=\"attachment_9235\" style=\"width: 161px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/12\/gutschrift.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-9235\" class=\" wp-image-9235 \" title=\"gutschrift\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/12\/gutschrift-189x300.jpg\" alt=\"\" width=\"151\" height=\"240\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/12\/gutschrift-189x300.jpg 189w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/12\/gutschrift-647x1024.jpg 647w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/12\/gutschrift.jpg 1181w\" sizes=\"auto, (max-width: 151px) 100vw, 151px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-9235\" class=\"wp-caption-text\"><em>Gutschrift<\/em><\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\">Gleichzeitig verirrt sich wohl auch Axel Kutschs Blick in B\u00fccherw\u00e4nden, bis er an einem Buch\u00adr\u00fccken h\u00e4ngen bleibt und die drei W\u00f6rter <em>Das verlo\u00adrene Al\u00adphabet<\/em>, die den R\u00fccken von Michael Brauns und Hans Thills Lyrik\u00adanthologie der 90er Jahre zieren, \u203aeinfach so\u2039, unvermittelt, im virtuellen Raum zwi\u00adschen Bergheim\/Erft und Sistig\/Eifel stehn, wor\u00adaufhin ich, schon wie\u00adder wortverspielt, um\u00adgehend offeriere, doch ein \u203agewonnenes\u2039 Al\u00adphabet draus zu machen. Bevor Kutsch \u00fcberhaupt blo\u00df daran denken kann, die offenbar rasche Kopfnickre\u00adaktion in W\u00f6rtern zum Ausdruck zu bringen (das erfahre ich nach dem Scharm\u00fctzel), hauen, wie so oft, die <em>usual suspects<\/em> natur\u00adgem\u00e4\u00df und kaltbl\u00fctig dazwischen and remind me, once again, of <em>the beginnung of a beautiful friendship.<\/em> O-Ton Bensch: \u00bbNicht schlecht \u2013 \u203abe\u00adgonnenes\u2039 Alphabet!\u00ab Und Kraus: \u00bbAch ja? \u203aGesponnenes\u2039 Al\u00adphabet?\u00ab Dagegen Quer: \u00bbVon wegen \u2013 \u203azerwon\u00adnenes\u2039 Alphabet!\u00ab<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich winke, schmallippig, ab, w\u00e4hrend mir noch ein paar mehr M\u00f6glich\u00adkeiten ins K\u00f6pfchen flattern, <em>ogotto\u00adgott<\/em> \u2013 ein Wort (<em>Ein Wort, ein Satz \u2013: aus Chiffren steigen \/ erkanntes Leben, j\u00e4her Sinn, \/die Sonne steht, die Sph\u00e4ren schweigen, \/und alles ballt sich zu ihm hin. \/\/\u00a0Ein Wort \u2013 ein Glanz, ein Flug, ein Feuer, \/ein Flammenwurf, ein Sternenstrich \u2013 \/und wieder Dunkel, ungeheuer, \/ im leeren Raum um Welt und Ich<\/em>), und, simsalabim, schon dreht sich das Wort\u00adkarus\u00adsell \/ dehnt sich das Sprachuniversum weiter und weiter und weiter (usw.): <em>Schl\u00e4ft ein Lied in allen Dingen, \/ Die da tr\u00e4umen fort und fort, \/ Und die Welt hebt an zu singen, \/ Triffst du nur das Zauberwort.<\/em><\/p>\n<h4 style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000080;\">Nein <em>\u2219 <\/em>nicht so <em>\u2219 <\/em>sondern so:<\/span><\/h4>\n<div id=\"attachment_9237\" style=\"width: 168px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/12\/poem.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-9237\" class=\" wp-image-9237 \" title=\"poem\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/12\/poem-225x300.jpg\" alt=\"\" width=\"158\" height=\"210\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/12\/poem-225x300.jpg 225w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/12\/poem-768x1024.jpg 768w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/12\/poem.jpg 1181w\" sizes=\"auto, (max-width: 158px) 100vw, 158px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-9237\" class=\"wp-caption-text\"><em>Simple<\/em><\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich bringe jetzt also lieber mal Mutter Katharina Breuer geborene Bo\u00df\u00adhammer, die von 1924 bis 2003 in B\u00fcrvenich lebte, <em>in meinem Elternhaus hingen keine Gainsboroughs \/ wurde auch kein Chopin gespielt<\/em>, ins sch\u00f6ne Spiel, die mich als Kind begl\u00fcckt, indem sie mir, bei\u00adspielsweise, wieder und wieder und wieder, das irgendwann nach 1900 vom Gro\u00dfvater zusam\u00admengereimte Alphabet vor\u00adspricht, das ich Kutsch, ohne R\u00fccksicht auf Verluste, Knall auf Fall und mir nichts dir nichts vorspreche: <em>abel \u2219 babel \u2219 chris\u00adtoph \u2219 dabel \u2219 er \u2219 fuhr \u2219 gegen \u2219 himmel \u2219 in \u2219 [ja!] \u2219 klare \u2219 luft \u2219 manche \u2219 neue \u2219 obrigkeit \u2219 peter \u2219 quast \u2219 reiner \u2219 saft \u2219 tante \u2219 ulla \u2219 von \u2219 westphalen \u2219 itschka \u2219 yitschka \u2219 zimmer\u00admann<\/em>. Kein Wunder demgem\u00e4\u00df, da\u00df ich mit drei bereits lese und schreibe wie ein Weltmeister (Wald\u00admeister?), natur\u00adge\u00adm\u00e4\u00df ohne lesen und schreiben zu k\u00f6n\u00adnen, zumal das Alphabetgedicht nicht der einzige lyri\u00adsche Text bleibt, den Mutter mir nahebringt, so sprechen wir Abend f\u00fcr Abend gemeinsam Luise Hensels (\u00fcbrigens einziges je ver\u00f6f\u00adfentlich\u00adtes) Gedicht <em>M\u00fcde bin ich<\/em> mit den ab\u00adschlie\u00dfenden Versen <em>La\u00df den Mond am Himmel stehn \/ Und die stille Welt besehn!<\/em> Im Ge\u00addicht <em>k[l]eine bio\u00adgraphische trauerlegende <\/em>ist die Rede von <em>bom bom bitzele<\/em>, dem Auftakt zu dem eben\u00adfalls vom Gro\u00dfvater gemachten dadafulmi\u00adnanten Er\u00adz\u00e4hlge\u00addicht, das die Lust auf W\u00f6rter, Texte, Al\u00adphabete weiter befeuert: <em>was wird sein wenn \/ ich schon bald vielleicht statt in den B\u00fcchern \/ zu lesen nur noch \u00fcber die Buchr\u00fccken meiner Bibliothek \/ werde streichen k\u00f6nnen<\/em> (FM) \u2026<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das sind klangsangvolle Augenblicke, <em>the music of the words is where the meanings begin<\/em> (Paul Auster), die ich, wohlgemut, als \u203awonne\u00adtrunkene\u2039 Momente der Kindheit erinnre und so auch heute <em>frohen Herzens genie\u00dfe<\/em>, denke ich, w\u00e4h\u00adrend die CD mit Dmitri Dmitrijewitsch Schosta\u00adkowitschs f\u00fcnfter Sinfonie, <em>h\u00e4ltst du nicht inne?<\/em>, weiter rasante Run\u00adden dreht. \u2013 \u2013 \u2013 <em>Weh mir <\/em>\/ <em>die Jahre kommen und vergehn<\/em> \/ <em>so sind wohl manche Sachen<\/em>, nie habe ich mich ir\u00adgendwo \u2013 und ging\u2019s Giu\u00adseppe Ungaretti, beispiels\u00adweise, anders (nein): <em>In nessuna \/ parte \/ di terra \/ mi posso \/ accasare<\/em> \u2013 au\u00dferhalb von in B\u00fcchern gelesenen (bzw. in Manu\u00adskripten ge\u00adschriebe\u00adnen) Buch\u00adstaben, W\u00f6rtern, Versen und Zei\u00adlen un\u00adzweideutig heimisch f\u00fchlen ge\u00adlernt \u2013 wie etwa wenn ich, auf Reisen in Francisca Ricinskis <em>Zug ohne R\u00e4der<\/em>, <em>das warme Wortland<\/em> entdecke oder durch die stillen H\u00f6henz\u00fcge der Verse Friedrich H\u00f6l\u00adderlins wandre: <em>Ge\u00adw\u00e4sser aber rieseln herab, und sanft \/ Ist h\u00f6rbar dort ein Rau\u00adschen den ganzen Tag; \/ Die Orte aber in der Ge\u00adgend \/ Ruhen und schweigen den Nach\u00admittag durch.<\/em><\/p>\n<div id=\"attachment_9240\" style=\"width: 153px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/12\/sehr.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-9240\" class=\" wp-image-9240 \" title=\"sehr\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/12\/sehr-204x300.jpg\" alt=\"\" width=\"143\" height=\"210\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/12\/sehr-204x300.jpg 204w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/12\/sehr-698x1024.jpg 698w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/12\/sehr.jpg 1181w\" sizes=\"auto, (max-width: 143px) 100vw, 143px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-9240\" class=\"wp-caption-text\"><em>Sehr<\/em><\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00bbWer, was und wo w\u00e4rst du ohne das einstmals so fr\u00f6hlich begonnene Alphabet, das du, tagein tagaus, zu verleb\u00adendigen, aufs neue zu gewinnen suchst \u2013 allen Widerst\u00e4nden zum Trotz?\u00ab fragt Bensch, der gute Mensch von Schleiden, dessen Mienen\u00adspiel ich stets mit Jandls <em>gar traurig geht das hundel\u00advieh \/ auf einer zeh und einem knie<\/em> in Verbindung bringe, und aus dem Off t\u00f6nt Gerald Fiebig trotzig-apodiktisch mit der Antwort: <em>man ist nie\u00admals am richtigen ort. \/ ob in b\u00fcchern oder st\u00e4dten: \/ zwischen zeilen &amp; zeichen: \/ der tod<\/em>. \u2013 \u00bbNa bravo\u00ab, meint Quer (ist das H\u00e4me?), rezitiert \u2013 <em>Was wir nicht denken k\u00f6nnen, das k\u00f6nnen wir nicht denken; wir k\u00f6nnen also auch nicht sagen, was wir nicht denken k\u00f6nnen<\/em> \u2013 ins Blaue hinein Ludwig Wittgenstein, <em>Lesen geschieht in der abenteuerlichen Offenheit des Nichtverstehens, <\/em>kontre ich, konfus, kopflos, mit Hans-Jost Frey, <em>und mich fr\u00f6stelt wie ein pferd<\/em>, das durch Jandl-Verse trottet. \u2013 Sp\u00e4ter lese ich in Hans Benders Auf\u00adzeichnungen: <em>Splendid isola\u00adtion. Du, allein, mit einem Buch.<\/em> Na also, meine ich. Geht doch. Oder anders (mit Georg Trakl und Trude Herr): <em>Es ist \u2013 gut<\/em>.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">* * *<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft\" style=\"border: 1px solid black;\" src=\"https:\/\/encrypted-tbn1.gstatic.com\/images?q=tbn:ANd9GcQhDlpw6hOLJ_jOCi20faAa9dRIMnl_KKnIletPmWyEpum3f4NE\" alt=\"\" width=\"151\" height=\"216\" \/><span style=\"color: #000080;\">Der Essay <em>Zuletzt<\/em> sowie das Bildgedicht <em>Simple Poem<\/em> aus: Theo Breuer, <strong>Das gewonnene Alphabet<\/strong>, Gedichte \u00b7 Glossar \u00b7 Essay, 121 Seiten, Broschur, Pop Verlag, Ludwigsburg 2012.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #666699;\">(Die \u00fcbrigen Bildgedichte aus: Theo Breuer, <strong>Word Theatre. Visuelle Poesie<\/strong>, Redfoxpress, Dugort\/Achill Island\/County Mayo\/Irland 2007.)<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>abrikostr\u00e6erne findes, abrikostr\u00e6erne findes Inger Christensen \u00a0 Je sais que la po\u00e9sie est indispensable, mais je ne sais pas \u00e0 quoi. Jean Cocteau \u00a0 Jedes Gedicht, das ich sagte und schrieb oder schreiben wollte, kam aus einem: Ich kann nicht&hellip;<\/p>\n<p class=\"more-link-p\"><a class=\"more-link\" href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2012\/12\/25\/zuletzt\/\">Read more &rarr;<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":9,"featured_media":24300,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[104,956,93,143,258,953,954,955,84],"class_list":["post-9221","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-literatur","tag-axel-kutsch","tag-dmitri-dmitrijewitsch-schostakowitsch","tag-francisca-ricinski","tag-friederike-mayrocker","tag-hans-bender","tag-inger-christensen","tag-jean-cocteau","tag-peter-waterhouse","tag-theo-breuer"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9221","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/9"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=9221"}],"version-history":[{"count":0,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9221\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=9221"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=9221"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=9221"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}