{"id":9212,"date":"2006-10-10T00:01:51","date_gmt":"2006-10-09T22:01:51","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=9212"},"modified":"2021-10-27T09:17:06","modified_gmt":"2021-10-27T07:17:06","slug":"aufzeichnungen-nach-2000-5-2","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2006\/10\/10\/aufzeichnungen-nach-2000-5-2\/","title":{"rendered":"Aufzeichnungen nach 2000 (5)"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Tagebuch sei \u00bbdiskreditiert\u00ab, schrieb Roland Barthes und hatte dennoch den Mut, zu Lebzeiten seine <em>Incidents<\/em> zu ver\u00f6ffentlichen.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">\u00a0* * *<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nicht nur die Spieler, h\u00f6re ich, auch die Schiedsrichter unterliegen dem Limit des Alters.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">\u00a0* * *<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich will behalten, was Hans Erich Nossack gern weitererz\u00e4hlte: Alfred D\u00f6blin, in den ersten Jahren Vizepr\u00e4sident der Akademie der Wissen\u00adschaften und der Literatur in Mainz, habe ab und zu gesagt: Deshalb verst\u00fcnden sich die versammelten Autoren so gut, weil keiner die B\u00fccher des anderen gelesen habe. Auch deshalb behalte ich D\u00f6blins Bemerkung, weil sie bis heute gilt \u2013 und nicht nur f\u00fcr das Zusammen\u00adsein von Autoren bei Tagungen in Mainz.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">* * *<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Fernsehprogramme, die Sendezeiten, die Einschaltquoten be\u00adwei\u00adsen: Die Zuschauer k\u00f6nnen sich an den abscheulichen Verbre\u00adchern der NS-Diktatur noch immer nicht sattsehen.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">\u00a0* * *<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein Pappel-Fund f\u00fcr meine Sammlung, wo er nicht zu erwarten war: auf den letzten Seiten von Alexander Watts <em>Jenseits von Wahrheit und L\u00fcge<\/em>. Keine Gedicht-, sondern Prosazeilen, die ne\u00adben den lyrischen Vergleichen bestehen: \u00bbEs war Winter. Diese zauberhaften Pappeln von Alma Ata, vor allem die jungen, sahen aus wie die Z\u00f6pfe junger M\u00e4dchen. Nat\u00fcrlich voller Rauhreif &#8230;, als seien sie mit Brillanten \u00fcbers\u00e4t.\u00ab<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">\u00a0* * *<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der junge Referent, der im Domforum \u00fcber Leben und Werk Peter Huchels sprach, erw\u00e4hnte gegen Ende \u00bbdie zahllosen Preise\u00ab, die man ihm in den letzten Lebensjahren zugesprochen hat. Er nannte weder die Namen der Stifter noch der Juroren, nicht die Geldsum\u00admen. Der junge Referent, der Huchel pers\u00f6nlich nie begegnete, wei\u00df nicht, was die Preise und die Honorierung ihm bedeutet ha\u00adben. Das Gleiche gilt f\u00fcr andere Autoren, die ich kannte und die es ebenso schwer hatten, die letzten Lebensjahre zu bestehen.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">\u00a0* * *<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00bbIch sagte\u00ab, \u00bbIch sagte\u00ab, \u00bbIch sagte\u00ab, so beginnt Montesquieu viele sei\u00adner <em>Pens\u00e9es<\/em>. Nicht allein, was ihm am Schreibtisch einfiel, auch was er gestern oder vorgestern im Gespr\u00e4ch gesagt hatte, war ihm wert, behalten zu werden. Keiner seiner kostbaren Gedanken durfte verlo\u00adrengehen. Nun, 350 Jahre sp\u00e4ter, \u00fcbersch\u00fcttet uns die Neuaus\u00adgabe mit einer \u00dcberf\u00fclle von Gedanken. Zudem bezeugen sie, wie geistreich in seiner Epoche Unterhaltungen verliefen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">***<\/p>\n<div id=\"attachment_8680\" style=\"width: 283px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-8680\" class=\"wp-image-8680 size-medium\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/10\/Hans-Bender-273x300.jpeg\" alt=\"\" width=\"273\" height=\"300\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/10\/Hans-Bender-273x300.jpeg 273w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/10\/Hans-Bender-932x1024.jpeg 932w\" sizes=\"auto, (max-width: 273px) 100vw, 273px\" \/><p id=\"caption-attachment-8680\" class=\"wp-caption-text\">Hans Bender<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u2192 In loser Folge bringt <em>KUNO<\/em> s\u00e4mtliche nach 2000 entstandenen Aufzeichnungen Hans Benders (*1919), die erstmals in <em><strong><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=7367\">Matrix 29. Jeder auf seine Art f\u00fcr Hans Bender<\/a><\/strong><\/em> ver\u00f6ffentlicht werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Weiterf\u00fchrend\u00a0\u2192 <\/strong>ein Essay \u00fcber die neue Literaturgattung <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=22423\"><em>Twitteratur.<\/em><\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; Das Tagebuch sei \u00bbdiskreditiert\u00ab, schrieb Roland Barthes und hatte dennoch den Mut, zu Lebzeiten seine Incidents zu ver\u00f6ffentlichen. \u00a0* * * Nicht nur die Spieler, h\u00f6re ich, auch die Schiedsrichter unterliegen dem Limit des Alters. \u00a0* * * Ich&hellip;<\/p>\n<p class=\"more-link-p\"><a class=\"more-link\" href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2006\/10\/10\/aufzeichnungen-nach-2000-5-2\/\">Read more &rarr;<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":50,"featured_media":8680,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[950,258,848,952,951,501],"class_list":["post-9212","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-literatur","tag-alfred-doblin","tag-hans-bender","tag-hans-erich-nossack","tag-montesquieu","tag-peter-huchel","tag-roland-barthes"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9212","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/50"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=9212"}],"version-history":[{"count":0,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9212\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=9212"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=9212"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=9212"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}