{"id":91088,"date":"2021-12-22T00:01:05","date_gmt":"2021-12-21T23:01:05","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=91088"},"modified":"2022-02-23T14:29:10","modified_gmt":"2022-02-23T13:29:10","slug":"aussichten-2","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2021\/12\/22\/aussichten-2\/","title":{"rendered":"AUSSICHTEN"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Am Cover ist eine bl\u00fchende Geranie im Fenster eines alten Hauses in Haslach, Wiplingers Herkunftsort, zu sehen. Ein Foto des Autors. Was sieht man durch dieses kleine, dunkle Fenster, was sieht man von einem Aussichtsturm? Nicht viel, wenn die Landschaft bereits im Abendnebel liegt, wenn die Sehkraft eingeschr\u00e4nkt ist. Aber der Aufstieg und der Abstieg, die Bew\u00e4ltigung der vielen Stufen des Turmes sind ein lohnendes Erlebnis. Mit dieser weisen Metapher beginnt der Gedichtband.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>entweder erreichen mich worte \/ oder sie erreichen mich nicht \/ entweder ber\u00fchren mich gef\u00fchle \/ oder sie ber\u00fchren mich nicht, <\/em>schreibt Wiplinger in einem Gedicht \u00fcber moderne Poesie. Je l\u00e4nger man in seinem neuen Gedichtband liest, umso st\u00e4rker wird man ber\u00fchrt. Es ist die pure Realit\u00e4t, ungesch\u00f6nt und unsentimental, um die es geht. Und es bleibt nur die Einsicht, dass alles so ist wie es ist, Bruchst\u00fcck.\u00a0 \u2026<em>die aussage entspricht \/ der Wahrheit der wirklichkeit\u2026.und was in wirklichkeit ist \/ darum geht es im gedicht (<\/em>DIE WAHRHEIT IST DER FALL).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wiplinger ist ein permanent Schreibender, so scheint es. Er schreibt von W\u00f6rterkaskaden am fr\u00fchen Morgen, vom Erwachen der W\u00f6rter, von W\u00f6rterregen bei Tag und bei Nacht, zu jeder Jahreszeit. <em>Du mu\u00dft \/ die w\u00f6rter \/ hinterfragen \/\/ unerbittlich \/ unverzeihlich \/ unerme\u00dflich \/\/ die w\u00f6rter \u00fcbersetzen \/ in ihre bedeutung \/ in ihre wirklichkeit \/\/ das ist die voraussetzung \/ um ein gutes gedicht \/ zu schreiben<\/em>. Manchmal besteht ein Gedicht zum Gro\u00dfteil aus Substantiva, untereinander gereiht auf rhythmische Weise. Eine Beschw\u00f6rungsformel. Denn unter jedem einzelnen Wort tut sich eine F\u00fclle an Bedeutungen auf.\u00a0 Nichts wird zerredet, die W\u00f6rter fallen wie der Hammer, der die Sense sch\u00e4rft.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die existenzielle Frage wird gestellt: <em>was hat das alles mit mir zu tun<\/em>, die Kriege, die Massaker, verr\u00fcckte Politiker usw., und es gibt keine Antwort darauf. Aber die Frage bleibt bestehen und wird immer wieder gestellt. Es sind harte Abrechnungen eines Menschen, der seinem Alter und ernsten gesundheitlichen Problemen jederzeit ins Auge blickt und sich \u00fcber seine \u201aAussichten\u2018 keine Illusionen machen will. Trotz aller Konsequenz, der \u201aWahrheit der Wirklichkeit\u2018 verpflichtet zu sein, bleibt vieles im Leben im Ungewissen. Die sich aufdr\u00e4ngenden Erinnerungen werden ebenso schonungslos beurteilt wie das Tagesgeschehen. Verluste, der Tod von Eltern und Geschwistern, verlieren nicht ihre Bitterkeit. Alles kommt zur Sprache in seiner aufreibenden Allt\u00e4glichkeit, die Sprache tr\u00e4gt das Leben wie die Stufen des Aussichtsturms, hinauf und hinunter. Sprache \u2013 das intensive Suchen nach Antworten im Bewusstsein, dass Antworten auf die wichtigsten Fragen nicht zu erwarten sind.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">52 Buchpublikationen gibt es von Wiplinger, eine unvorstellbare Anzahl an W\u00f6rtern, Empfindungen und Gedanken, ein in Sprache gegossenes Leben, immer von schonungsloser Authentizit\u00e4t. Unter jedem Gedicht ist das Datum seiner Entstehung verzeichnet.\u00a0 Eine dichte Dokumentation.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">***<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>AUSSICHTEN, <\/strong>Gedichte 2020-2021 von Peter Paul Wiplinger edition pen L\u00d6CKER<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/Aussichten.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-91091 size-medium\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/Aussichten-176x300.jpg\" alt=\"\" width=\"176\" height=\"300\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/Aussichten-176x300.jpg 176w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/Aussichten-160x272.jpg 160w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/Aussichten.jpg 247w\" sizes=\"auto, (max-width: 176px) 100vw, 176px\" \/><\/a>Weiterf\u00fchrend <\/strong><strong>\u2192<\/strong> Lesen Sie auch die Essays <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=28754\">\u00dcber den Zustand der Liebe in lyrischen Texten<\/a> und <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=14676\">Poetik des Humanen<\/a> \u00fcber Peter Paul Wiplinger.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>\u2192<\/strong>\u00a0Poesie z\u00e4hlt f\u00fcr KUNO weiterhin zu den identit\u00e4ts- und identifikationstiftenden Elementen einer Kultur, dies bezeugte auch der Versuch einer <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=25630\">poetologischen Positionsbestimmung<\/a>.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; Am Cover ist eine bl\u00fchende Geranie im Fenster eines alten Hauses in Haslach, Wiplingers Herkunftsort, zu sehen. Ein Foto des Autors. Was sieht man durch dieses kleine, dunkle Fenster, was sieht man von einem Aussichtsturm? Nicht viel, wenn die&hellip;<\/p>\n<p class=\"more-link-p\"><a class=\"more-link\" href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2021\/12\/22\/aussichten-2\/\">Read more &rarr;<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":86,"featured_media":99915,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[1141,1142],"class_list":["post-91088","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-literatur","tag-elisabeth-schawerda","tag-peter-paul-wiplinger"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/91088","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/86"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=91088"}],"version-history":[{"count":1,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/91088\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":99918,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/91088\/revisions\/99918"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media\/99915"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=91088"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=91088"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=91088"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}