{"id":91041,"date":"1996-11-23T00:01:10","date_gmt":"1996-11-22T23:01:10","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=91041"},"modified":"2021-08-16T17:08:40","modified_gmt":"2021-08-16T15:08:40","slug":"ein-herbstabend","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1996\/11\/23\/ein-herbstabend\/","title":{"rendered":"Ein Herbstabend"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p class=\"vers\">Das braune Dorf. Ein Dunkles zeigt im Schreiten<br \/>\nSich oft an Mauern, die im Herbste stehn,<br \/>\nGestalten: Mann wie Weib, Verstorbene gehn<br \/>\nIn k\u00fchlen Stuben jener Bett bereiten.<\/p>\n<p class=\"vers\">Hier spielen Knaben. Schwere Schatten breiten<br \/>\nSich \u00fcber braune Jauche. M\u00e4gde gehn<br \/>\nDurch feuchte Bl\u00e4ue und bisweilen sehn<br \/>\nAus Augen sie, erf\u00fcllt von Nachtgel\u00e4uten.<\/p>\n<p class=\"vers\">F\u00fcr Einsames ist eine Schenke da;<br \/>\nDas s\u00e4umt geduldig unter dunklen Bogen,<br \/>\nVon goldenem Tabaksgew\u00f6lk umzogen.<\/p>\n<p class=\"vers\">Doch immer ist das Eigne schwarz und nah.<br \/>\nDer Trunkne sinnt im Schatten alter Bogen<br \/>\nDen wilden V\u00f6geln nach, die ferngezogen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/GeorgTrakl-e1617436834842.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-81819 size-medium\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/GeorgTrakl-217x300.jpg\" alt=\"\" width=\"217\" height=\"300\" \/><\/a>Die nachhaltige Faszination der Gedichte von Georg Trakl liegt darin begr\u00fcndet, da\u00df sich dieser\u00a0 \u00f6sterreichische Dichter nicht eindeutig zuordnen l\u00e4\u00dft. Wir lesen eine Variante des Expressionismus mit starken Einfl\u00fcssen des Symbolismus. Eine eindeutige Zuordnung seiner poetischen Werke zu einer der ann\u00e4hernd gleichzeitigen Str\u00f6mungen ist\u00a0 nicht m\u00f6glich. Als erstem Rockstar der Lyrik ist auch bei ihm die Einfl\u00fcsse von Arthur Rimbaud und Charles Baudelaire deutlich zu erkennen. Der Lyriker nahm an vielen Stellen seiner Gedichte auf seine Schwester Bezug. In Trakls Gedichten wird Margarethe Trakl als \u201eFremdlingin\u201c und \u201eJ\u00fcnglingin\u201c bezeichnet. Eine inzestu\u00f6se Beziehung wird im Gedicht <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1989\/11\/03\/blutschuld\/\"><i>Blutschuld<\/i><\/a> angedeutet. Als Vorg\u00e4nger der <em><span class=\"ILfuVd\"><span class=\"hgKElc\">Yippies<\/span><\/span><\/em> gestattete er sich Experimente mit Drogen (Chloroform, Morphium, Opium, Veronal und Alkohol). In seinem verschatteten Werk \u00fcberwiegen die Stimmung und die Farben des Herbstes, dunkle Bilder des Abends und der Nacht, des Sterbens, des Todes und des Vergehens. Zwar sind die Gedichte reich an biblisch-religi\u00f6sen Bez\u00fcgen, und vielen eignet eine kontemplative Offenheit zur Transzendenz, doch nur selten bricht das Licht der Erl\u00f6sung in das Dunkel. Ein Dunkelheit, die ihn am 3. November 1914 in Krakau, Galizien erreichte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Weiterf\u00fchrend \u2192<\/strong>\u00a0Eine Ann\u00e4herung von Peter Paul Wiplinger an Georg Trakl finden Sie<i><\/i><i><\/i><i>\u00a0<a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=23505&amp;preview=true\">hier<\/a>.<\/i><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>\u2192<\/strong>\u00a0Poesie z\u00e4hlt f\u00fcr KUNO weiterhin zu den identit\u00e4ts- und identifikationstiftenden Elementen einer Kultur, dies bezeugte auch der Versuch einer <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=25630\">poetologischen Positionsbestimmung<\/a>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; Das braune Dorf. Ein Dunkles zeigt im Schreiten Sich oft an Mauern, die im Herbste stehn, Gestalten: Mann wie Weib, Verstorbene gehn In k\u00fchlen Stuben jener Bett bereiten. Hier spielen Knaben. Schwere Schatten breiten Sich \u00fcber braune Jauche. 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