{"id":90970,"date":"2012-11-03T00:01:34","date_gmt":"2012-11-02T23:01:34","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=90970"},"modified":"2021-08-16T15:25:45","modified_gmt":"2021-08-16T13:25:45","slug":"der-herbst-des-einsamen","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2012\/11\/03\/der-herbst-des-einsamen\/","title":{"rendered":"Der Herbst des Einsamen"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p class=\"vers\">Der dunkle Herbst kehrt ein voll Frucht und F\u00fclle,<br \/>\nVergilbter Glanz von sch\u00f6nen Sommertagen.<br \/>\nEin reines Blau tritt aus verfallener H\u00fclle;<br \/>\nDer Flug der V\u00f6gel t\u00f6nt von alten Sagen.<br \/>\nGekeltert ist der Wein, die milde Stille<br \/>\nErf\u00fcllt von leiser Antwort dunkler Fragen.<\/p>\n<p class=\"vers\">Und hier und dort ein Kreuz auf \u00f6dem H\u00fcgel;<br \/>\nIm roten Wald verliert sich eine Herde.<br \/>\nDie Wolke wandert \u00fcbern Weiherspiegel;<br \/>\nEs ruht des Landmanns ruhige Geberde.<br \/>\nSehr leise r\u00fchrt des Abends blauer Fl\u00fcgel<br \/>\nEin Dach von d\u00fcrrem Stroh, die schwarze Erde.<\/p>\n<p class=\"vers\">Bald nisten Sterne in des M\u00fcden Brauen;<br \/>\nIn k\u00fchle Stuben kehrt ein still Bescheiden<br \/>\nUnd Engel treten leise aus den blauen<br \/>\nAugen der Liebenden, die sanfter leiden.<br \/>\nEs rauscht das Rohr; anf\u00e4llt ein kn\u00f6chern Grauen,<br \/>\nWenn schwarz der Tau tropft von den kahlen Weiden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/GeorgTrakl-e1617436834842.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-81819 size-medium\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/GeorgTrakl-217x300.jpg\" alt=\"\" width=\"217\" height=\"300\" \/><\/a>Die nachhaltige Faszination der Gedichte von Georg Trakl liegt darin begr\u00fcndet, da\u00df sich dieser\u00a0 \u00f6sterreichische Dichter nicht eindeutig zuordnen l\u00e4\u00dft. Wir lesen eine Variante des Expressionismus mit starken Einfl\u00fcssen des Symbolismus. Eine eindeutige Zuordnung seiner poetischen Werke zu einer der ann\u00e4hernd gleichzeitigen Str\u00f6mungen ist\u00a0 nicht m\u00f6glich. Als erstem Rockstar der Lyrik ist auch bei ihm die Einfl\u00fcsse von Arthur Rimbaud und Charles Baudelaire deutlich zu erkennen. Der Lyriker nahm an vielen Stellen seiner Gedichte auf seine Schwester Bezug. In Trakls Gedichten wird Margarethe Trakl als \u201eFremdlingin\u201c und \u201eJ\u00fcnglingin\u201c bezeichnet. Eine inzestu\u00f6se Beziehung wird im Gedicht <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1989\/11\/03\/blutschuld\/\"><i>Blutschuld<\/i><\/a> angedeutet. Als Vorg\u00e4nger der <em><span class=\"ILfuVd\"><span class=\"hgKElc\">Yippies<\/span><\/span><\/em> gestattete er sich Experimente mit Drogen (Chloroform, Morphium, Opium, Veronal und Alkohol). In seinem verschatteten Werk \u00fcberwiegen die Stimmung und die Farben des Herbstes, dunkle Bilder des Abends und der Nacht, des Sterbens, des Todes und des Vergehens. Zwar sind die Gedichte reich an biblisch-religi\u00f6sen Bez\u00fcgen, und vielen eignet eine kontemplative Offenheit zur Transzendenz, doch nur selten bricht das Licht der Erl\u00f6sung in das Dunkel. Ein Dunkelheit, die ihn am 3. November 1914 in Krakau, Galizien erreichte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Weiterf\u00fchrend \u2192<\/strong>\u00a0Eine Ann\u00e4herung von Peter Paul Wiplinger an Georg Trakl finden Sie<i><\/i><i><\/i><i>\u00a0<a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=23505&amp;preview=true\">hier<\/a>.<\/i><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>\u2192<\/strong>\u00a0Poesie z\u00e4hlt f\u00fcr KUNO weiterhin zu den identit\u00e4ts- und identifikationstiftenden Elementen einer Kultur, dies bezeugte auch der Versuch einer <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=25630\">poetologischen Positionsbestimmung<\/a>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; Der dunkle Herbst kehrt ein voll Frucht und F\u00fclle, Vergilbter Glanz von sch\u00f6nen Sommertagen. Ein reines Blau tritt aus verfallener H\u00fclle; Der Flug der V\u00f6gel t\u00f6nt von alten Sagen. Gekeltert ist der Wein, die milde Stille Erf\u00fcllt von leiser&hellip;<\/p>\n<p class=\"more-link-p\"><a class=\"more-link\" href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2012\/11\/03\/der-herbst-des-einsamen\/\">Read more &rarr;<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":141,"featured_media":81819,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[1498],"class_list":["post-90970","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-literatur","tag-georg-trakl"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/90970","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/141"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=90970"}],"version-history":[{"count":0,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/90970\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=90970"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=90970"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=90970"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}